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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-09-12 · N° 37. (12.9.1877) · p. Seite 293

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 37. (12.9.1877)
Date
1877-09-12
Page
Seite 293 (sequence 5)
Language
German
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— 293 — Gegner jeglichen Glaubens an einen Gott und eine weltlilende Vorsehung andererseits, wohl angezeigt sei, daß Alle, welche Glauben und Liebe im Herzen tragen und nicht untergehen lasten wollen, einander über das Trennende hinweg'die Hände reichen, um gemeinsam Den zu suchen und Dem zu di.'uen, an Den sie ja doch gemeinsam glauben." Für die Leser der „R. St. Z " ist dieser Bericht des Commentars nicht bedürftig, den wir hier geben. Sie missen, daß Cammin Sitz des Ex-Superintendenten Meinhold ist, der eben erst bei der Berliner „AugustConferenz" von sich reden gemacht hat, daß der Justizbeamte der dortigen Kreisgerichtsdireclion Zur Hellen ist, dem obige Aeußerung ähnlich sieht, daß überhaupt der betreffende Strich von Hinterpommern der äußerste Sitz der äußersten lutherischen Orthodoxie ist. Aber auch wirklich der äußerste; ist sie von da verdrängt, so fällt sie ins Wasser, Cammin liegt nur noch eine halbe Meile vom Ostseestrande. Und ein tüchtiger Hieb gegen das Rischus, gegen die Verachtung des Judenlhums, ist durch die Einweihung geführt morden Das darf Schreiber dieses ohne Selbstlob sagen, denn so wirkt die Predigt der versöhnenden, Milden, humanen Lehre unserer Religion überall, wenn sie nicht gerade ungeschickt und taktlos vorgetragen wird. Zum Ruhme der kleinen Camminer Gemeinde mag noch hinzugefügt werden, daß sie die Synagoge ganz aus eigenen Mitteln gebaut hat, ohne jegliches Collectiren, Verloosungen u. dgl. m. Eisenach. (Or.-Corr.) Einen wahren Kiddusch haschem hat unlängst der Großh. Sachsenweimarische Landrabbiner, Herr Dr. Kroner in Stadtlengsfeld, bereitet. Diese ungünstig im sogenannten weimarischen Oberlande gelegene Stadt hat nur sehr geringen Ackerbau, da der größte Theil des, in der waldoccilpirten Gebirgsgegend ohnedies nicht sehr ausgebreiteten Wiesenui d Ackerbodens von zwei dort besindlichen Rittergütern in Besitz genommen ist. Die Hallpterwerbsquelle der dortigen Bewohner bildet der Fabrikbetrieb daselbst wohnender Israeliten und der Verkehr, der durch diesen sowohl als auch durch das in der Stadt befindliche Amtsgericht häusig zur Stadt kommenden Landlente. Durch Wegzug mehrer Israeliten hat dieser Verkehr bereits eine Abnahme erfahren, so daß der Nahrungsstand dort sich im Rückgänge begriffen zeigt. Run sollte aber auch durch die projektirte neue Gerichtsorganisation das Amtsgericht in Stadtlengsfeld gänzlich in Wegfall komnien. Das dieserhalb entstandene Sameuto war groß. Vorstellungen auf Vorstellungen, Deputationen auf Deputationen, unter Letzlern auch einmal der Landrabbiner, wurden nach Weimar entsandt; Alles vergeblich. In der Stadt befindet sich schon seit Jahren ein „Verein zur Beförderung des Wohlstandes" u. s. w., dessen Protektorin Ihre Königl. Hoheit die Grüßherzogin ist. Da machte Herr Dr. Kroner den glücklichen Vorschlag, man solle sich in der in Rede stehenden Angelegenheit Seitens des Vereins an die Großherzogin wenden. Dieser Vorschlag fand Beifall, und Herr l)r. Kroner wurde mit der Abfassung des betr. Gesuchs beauftragt. 5—6 Sage nach der Abfassung desselben traf bereits von der Großherzogin die Benachrichtigung ein, daß Allerhöchst das Verbleiben des Jttstizamles in Stadtlengsfeld beschlosten worden sei. Bei einein ftattg-fundenen Volksfeste wurde diese Nachricht auf freiem Platze vom Bürgermeister zuerst officiell mitgetheilt. War früher die Sorge groß, so war jetzt der Jubel noch viel größer. Herr Dr. Kroner wurde herbeigeholt, und nachdem er eine Ansprache gehalten, wurde ihm von einer Damendeputation ein Blumenstrauß überreicht. Er wurde dann noch förmlich bekränzt und mit Blumen überschüttet und des folgenden Morgens von den sämmtlichen Vereinen des Ortes mit einem musikalischen Ständchen beehrt. War er früher schon in der Stadt beliebt und hochgeachtet, so hat sich dieses seitdem noch sehr gesteigert und verallgemeinert, so daß der Landrabbiner ^sich jetzt bei der gesammten christl. Einwohnerschaft der ötabt einer Beliebtheit erfreut, wie man ^dieses wohl selten findet. Nicht minder ist dieses aber auch bei seiner Gemeinde der Fall, in welcher seit der Wirksamkeit des Herrn Dr. Kroner ein Geist der Einigkeit herrscht, wie sonst nie! Palästina. Jerusalem, 1. August. Vor ungefähr einem Jahre ist es mir nach langem Bestreben gelungen, ein Werk unter dem Namen |T»3C ni2Tl3"/ welches eine vollständige Topographie des heiligen Landes enthält, in der hebräischen Sprache versaßt, zu veröffentlichen. Wer mit den traurigen Zuständen unseres Volkes hier zu Lande vertraut ist, wird mir's glauben, wenn ich sage, daß ich mich der äußersten Entbehrung preisgeben mußte, um die Mittel zu beschaffen, den I. Theil obigen Werkes drucken lasten zu können. Zwar hatte ich die Freude, meine genüge Arbeit in den gelesensten Blättern einer anerkennenden Kritik gewürdigt zu sehen, aber von allen den Freunden unserer Nation, an die ich Exemplare meines Werkes abgeschickt habe, haben nur wenige sich erinnert, mir den kleinen Betrag des Buches (2 Mk.) zukommen zu lasten. Es schmerzt mich um so mehr, da aus Deutschland, der Heimath und Wiege zur Beförderung literarischen Wistens, trotz meiner Vorstellungen und Bitten am wenigsten beigelragen wurde, daß es mir ermöglicht wäre, den II. Theil drucken zu lasten; ja noch schmerzlicher ist es, wenn ich meine Exemplare nicht einmal retournirt bekommen habe. Briefe oder sonstige Sendungen bitte gefälligst an die Redaction oder an die für das heilige Land bestimmten Almosencollectanlen zu richten. A. M. Luncz. Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. (Entscheidung deS höchsten Gerichtshofes.) Der Syuagogenvorsteher einer jüdischen Gemeinde in Westpreußen, Kaufmann 36., sah eines Tages während des Gottesdienstes den Handelsmann 2)., ein wenig bemitteltes Gemeindemitglied, einen der vorderen Plätze der Synagoge einnehmen. Ueber diese — wohl ganz unabsichtliche — Anmaßung empört, ließ der Vorsteher dem Handelsmann durch den Synagogendiener sagen, daß er sich entfernen und einen der unteren Prütze einnehmen möge. Diese vor den anwesenden Gemeindemitgliedern erfolgte . Herabwürdigung hatte eine Jnjurienklage des beschimpften Handelsmannes gegen den Synagogenoorsteher zur Folge. Das Appellationsgericht zu Marienwerder verurtheilte den Synagogenvorsteher wegen Beleidigung, weil er widerrechtlich gehandelt und durch diese rechtswidrige, vorsätzlich unternommene Handlung das Recht des Klägers auf Ehre verletzt habe. Die dagegen vom Verklagten eingelegte Nichtigkeitsbeschwerde wurde vom Obertribunal zurückgewiesen, indem es motivirend ausführte: „Da der Verklagte "sich nicht in Wahrnehmung berechtigter Interessen befunden har, so bedurfte es auch nicht einer besonderen Feststellung, daß aus der Form seiner Aeußerung oder aus den Umständen, unter denen sie erfolgt ist, das Vorhandensein einer Beleidigung hervorgehe." — Der Rektor der Universität hat den städtischen Behörden mitgetheilt, daß von den für das Jahr 1877 ansgesetzlen Preisen ein solcher 1) von der theologischen Fakultät dem Stuck, theol. Jülacher aus Brandenburg; 2) von der juristischen Fakultät dem Stuck, gur. Arthur Panofsky (Jsr.) aus Gleuvitz; 3) von der medizinischen Fakultät dem Stuck, oaeck. Oscar Israel aus Pommern zuerkaunt worden ist. — Von dem Senat der königl. Akademie der Künste har ii. A. Alfred So in m e r g u t aus M a g d e b u r g die große silberne Medaille erhalten. Hamburg, 3. Sept. (Or.-Corr.) Da in der Wochenschrift über die Berliner und Pariser Luchos berichtet worden ist, so durfte wohl auch das Hamburger Luach Erwähnung verdienen. Dasselbe enthält eine Zusammenstellung der in hiesiger Gemeinde bestehenden Legale, Stiftungen, Wohltha-

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