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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-09-05 · N° 36. (5.9.1877) · p. Seite 286

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 36. (5.9.1877)
Date
1877-09-05
Page
Seite 286 (sequence 6)
Language
German
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— 286 4 S. / r t Hälfte, es waren nämlich 240 israelitische, 221 katholische und 15 Protest. Schüler. In einem Gymnasium in Wien zählt man 427 Israeliten, 10 Protestanten und 106 Katholiken; eine Realschule daselbst hatte 215 katholische und 293 israel. Schüler. Ueber den Religionsunterricht an unseren Mittelschulen und Volksschulen habe ich schon in diesen Blättern referirt; ich kann hier nur wiederholen, wäre er nicht obligat, so würde es um das religiöse Wissen der Schüler traurig bestellt sein. Diejenigen, welche in P r e u ß en g e g e n die obligatorische Einführung des jüd.Religionsunterrichtes eifern, arbeiten nicht für, sondern gegen das Judenthum. Rumänien. Bukarest. Die Jsr. Allianze zu Wien veröffentlicht Folgendes: Vielleicht dürfte es von allgemeinem Interesse sein, zu erfahren, wie sehr patriotisch alle jüdischen Gemeinden Rumäniens, bei den die Kräfte des Landes so sehr erschöpfenden Kriegszuständen sich zeigen. Fast in allen größeren Orten haben sich zu Beginn des Krieges Comit6s gebildet, um Gelder zur Unterstützung der Armee oder der Verwundeten zu sammeln. So hat das isr. Comitä zu Peatra, wie im Moniturul officiell ausgewiesen, die Summe von 1051 Fr. 32 Cent gesammelt. In Husch, im District Tulcin, brachte das Comit6 2282 Fr. 16 Et. zusammen. Gleiche Opfer wurden allenthalben von den Gemeinden gebracht. Das genannte amtliche Organ vom 3. Juli brachte ein Communique, in welchem das Ministerium, die von der spaniolisch-jüdischen Gemeinde in Bukarest überreichte Adresse und die Spenderliste veröffentlicht und den Spendern für den kundgegebenen Patriotismus seinen Dank ausspricht. Die Gesellschaft „Zion" hat an diesen Sammlungen lebhaften Antheil genommen, von ihr ging der erste Anstoß zu solchen patriotischen Leistungen aus. Ueber die Absendung der vom „Zion" ausgerüsteten Ambulanz berichtet das officielle Blatt, daß dieselbe mit derselben feierlichen Eeremonie entsendet wurde, wie die von christlichen Damen in Jassy ausgerüstete. Das Comits der isr. Damen steht gleichfalls, so heißt es daselbst, unter dem Schutze Ihrer Hoheit der Fürstin; der Erfolg der Arbeiten desselben war außerordentlich glücklich, denn es vermochte im Vereine mit dem ComitL „Zion" die aus zwei Wagen für Verwundete, zwei Regimentswagen mit Verbandzeug und einem Hospital mit 10 Betten bestehende Ambulanz zu Stande zu bringen. Ihre Hoheit die Fürstin und der Präsident der Gesellschaft des rothen Kreuzes (Prinz Demeter Ghika) beglückwünschten die Comit6's zu den Gefühlen, die sie kundgaben. Während dieser Feier ereignete sich ein bemerkenswerther Zwischenfall. Ein kleines Mädchen von 8—9 Jahren näherte sich mit einer Bittschrift der Fürstin und trug ihr vor, daß sie eine Waise fei, und Niemanden habe, der sich ihrer annehme, die Fürstin möge ihr daher ihren Schutz angedeihen lasten. Dieses plötzliche unerwartete Auftreten des jungen Mädchens, das so beredt ihr Elend schilderte, brachte die Fürstin und die Umstehenden in sichtliche Verwirrung. Da trat Herr Weinberg vor und erklärte Namens der jüd. Gemeinde, zur Erziehung des Mädchens 600 Frs. zu spenden. Die Fürstin war freudig überrascht von diesem zeitgemäßen Anerbieten und dankte in den schmeichelhaftesten Worten. Es ist dies ein wahrer Kidduschchaschem gewesen, zumal Herr Weinberg den Betrag in Anbetracht der mißlichen Lage der Gemeinde aus Eigenem erlegte.. Türkei. London. Baron Henry de Worms hat aus dem auswärtigen Amte Abschrift folgender Depesche des britischen Gesandten in der Türkei, datirt aus Therapio, 15. Aug. erhalten: „Mylord! Ich vernehme, daß unter den in Adrianopel und anderswo angekommenen Flüchtlingen sich eine Anzahl jüdischer Familien befindet, die beinahe eben so sehr wie die Mohamedaner unter der grausamsten Behandlung Seitens der Bulgaren und Ruffen gelitten haben. Sie sind hauptsächlich aus Eskisagra und Kesanlyk; an letzterem Platze sind, wie berichtet wird, viele Juden ermordet worden. Die türkischen Behörden, so theilt mir Mr. Blunt mit, haben ihr Bestes gethan, dieselben zu beschützen, und viele der Flüchtlinge haben ihm versichert, daß die türkischen regulären Truppen sie gütig behandelten und ihnen ihre Decken und Mäntel für die Kinder gaben. Ein jüdisches Mädchen von 18 Jahren ist in Adrianopel von den Gewaltthaten, die sie durch 20 Kosaken erfahren, gestorben.' Diese armen, von den Christen verfolgten und von den Mohamedanern allein unterstützten und beschützten Juden sind in dem größten Elend, da sie aller Sachen beraubt worden und ihre Häuser nebst Eigenlhum zerstört worden sind. Ein Aufruf an ihre Glaubensgenoffen in England würde wahrscheinlich etwas zu ihrer Erleichterung beitragen, und ich erlaube mir, Ew. Lordschaft zu bitten, die Leiden jener Leute zur Kennlniß einiger der leitenden Gemeindemitglieder zu bringen. Mr. Blunt, Mr. Dupuis und andere Herren, die in Adrianopel einen Ausschuß gebildet haben zur Unterstützung der dorthin geflohenen vielen Tausende ohne Unterschied des Stammes oder Glaubens, würden, dessen bin ich gewiß, die Vertheilung von hierher gesandten Summen unter den Juden gern besorgen. Ich bin u. s. w. L a y a r d." Der Hülfsausschuß für die türkischen Nothleidenden hat durch Rothschild und Söhne für die allernächsten Bedürfnisse 1000 L. nach Adrianopel und 500 L. nach Konstantinopel übersandt. „Daily Telegr." theilt weitere Details über die Schandthaten mit, welche von Russen und Bulgaren gegen Juden v-rübt worden sind; sie sind zu scheußlich, um sie hier genauer wiederzugeben. Es genügt, daß ein Correspondent aus Adrianopel schreibt: „Die Juden leiden von Allen am meisten." Eine Einzelheit: in der Synagoge wurden 14 jüdische junge Mädchen von Bulgaren ermordet und die Körper dann verbrannt. Ferner heißt es: General-Consul Fawcett ist hier uud thut alles Mögliche zur Unterstützung der Flüchtlinge. Die Juden thun edel ihre Pflicht ihren eigenen Leuten gegenüber, welche jetzt 3000 Personen zählen. Die Türken sind freigebig bis zum letzte,! Pfennig. Dennoch ist mehr Hilfe dringend nöthig. Die Türken sind heftig erzürnt gegen die Bulgaren, weil sie die Juden so schlecht behandeln, und sie erklären, daß es keine Entschuldigung für den Maffenmord dieser hilflosen Leute giebt." Der Oberrabbiner von Adrianopel konstatirt, einem Adrianopeler Telegramm des „Standard" zufolge, daß in Kasanlik allein 14 Juden ermordet und 43 verwundet wurden, während 337 jüdische Frauen und Mädchen von den Bulgaren weggeschleppt worden sind. Wiederum wird dem „Corr. Jsr." geschrieben: „Die Hoffnungen auf Verbefferung der Lage der Israeliten in Serbien schwinden immer mehr hin". Vermischte und neueste Nachrichten. Schlawe (Pommern), 24. Aug Herr Rabbiner Was- . s e r t r i l l i n g, z. Z. in Bojanowo, Verfasser der Homiliensammlung Matnath Nachalitzl, ist zum Rabbiner und Religionslehrer Hierselbst erwählt und wird am 1. k. M. seine Stelle antreten. Höxter. Dem jüdischen Lehrer und Cantor Bibo zu Brakel ist der Adler der Inhaber des Königl. Hausordens von Hohenzollern verliehen worden. (I. Pr.) Hamburg. Hrn. vr. B. N e u m a n n Hierselbst, ehemaligen Oberarzt am Mayer-Rothschild Krankenhause in Jerusalem, ist vom Kaiser von Oesterreich für sein demselben überreichtes Werk: „Die heilige Stadt und ihre Bewohner", welches s.Z. auch in d. Bl. besprochen wurde, die österreichische goldene Medaille "für Kunst und Wiffenschaft verliehen worden. Pest. Die Einschreibungen an der Land es-Rabbi-

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