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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-09-05 · N° 36. (5.9.1877) · p. Seite 284

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 36. (5.9.1877)
Date
1877-09-05
Page
Seite 284 (sequence 4)
Language
German
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— 284 — / im Betsaale der Anstalt. Eine zahlreiche Versammlung, die nicht blos den Betsaal bis zum letzten Platze, sondern auch die anderen Räume des Hauptgebäudes der Anstalt füllte, wohnte dieser Feier mit sichtlicher Theilnahme, die sich auch durch reiche Spenden für die Anstalt und Zusicherung von Jahresbeiträgen äußerte, bei. Die Festpredigt hielt der Rabbiner Dr. Goldschmidt, anknüpsend an die Worte der Sidrah 5. B. Mos 8, 2. 3. Die Feier schloß mit dem Seelengedächtniß für die verstorbenen Wohlthäter der Anstalt, wobei der verblichenen Kuratoren, Levi Manasse-Stettin und Stadtrath Moritz Kohner^Leipzig, namentlich gedacht wurde. Tief ergriffen von dem Verlaufe der Feier, besichtigten die anwesenden Badegäste nach Beendigung derselben die freundlichen Räume der Anstalt, die dieses Jahr 36 armen Kurgästen ihre gastlichen Pforten geöffnet. — Am 7. ö. Mts. wurde im Saale des neuen Gesellschaftshauses von hier anwesenden hervorragenden Künstlern und Dilettanten (zumeist Nichtjuden) zu Gunsten des Kurhospitals ein Wohlthäligkeits-Conzert veranstaltet, welches sich zu einem wahrhaften Kiddusch-Haschem in unserm sonst durch Rischus ftch hervorthuenden Orte gestaltete. Nicht blos daß der schöne Saal dicht gefüllt war und Viele an der Kasse wieder umkehren mußten, weil kein Platz mehr zu finden war, — die Versammlung zeigte auch eine friedliche Vereinigung der jüdischen und christlichen Religion, deren Bekenner fast zu gleischen Hälften herzugeströmt waren, um ihr Schärflein auf den Altar der Anstalt niederzulegen. So gestaltete sich dieser Abend zu einem wahrhaft genußreichen, das um so mehr, als auch die mitwirkenden Künstler das Auditorium durch ihre hervorragenden Leistungen erfreuten. — Ueberhaupt erfreut sich die Anstalt zahlreicher Freunde bei Jude und Christ. Den Maßstab hierfür zeigt die Liste der Jahresbeiträge, zu welcher auch eine ansehnliche Reihe von Christen gehört. Es wäre zu wünschen, daß die deutschffüdischen Gemeinden ein wärmeres Jntereffe an der Entwicklung unserer Anstalt durch Zeichnung von Jahresbeiträgen nähren; denn dieselbe ist kein Colberger Institut, sondern eine Anstalt, die ihre menschenfreundlichen Segnungen fast allen deutschen Gemeinden zufließen läßt. Möge Gottes Segen auch ferner mit ihr sein! Schönebeck, den 1. September. (Or.-Corr.) Voll der gewaltigen, erhebenden Eindrücke des heutigen und gestrigen Tages schreibe ich Ihnen diese Zeilen, nach Ausgang des Sabbaths, denen Sie wohl schon um des Interesses willen, welches so viele auswärtige Gemeinden und Private im vor. Jahre an unserm und unseres alten Tempels traurigem Geschicke genommen, ungekürzte Aufnahme gewähren werden. „Wer ob des Untergangs des Tempels getrauert, der möge auch an der Freude des Wiederaufbau's desselben theilnehmen" — haben ja unsere Weisen mit Bezug auf den Jerusalemischen Tempel gesagt, die Anwendung auf den unsrigen liegt auf der Hand. Es waren herrliche, und durch die Art der Ausführung nicht blos für unsere Gemeinde, sondern auch für das Judenthum ehrenvolle Tage, die beiden Tage des Einweihungsfestes. Die Glanzpunkte desselben bildeten: die persönliche Theilnahme unseres hochverehrten Oberprästdenten Sr. Excellenz des Staatsministers a. D. von Patow und die Reden des Hrn. Rabbiners vr. Rahmer. — Von den Vorbereitungen, die unsere Gemeinde zur Ausführung der würdigen Feier getroffen, lassen sie mich zunächst schweigen; mit wachsender Erregung sahen wir Alle dem gestrigen Tage entgegen. Als kurz nach 4 Uhr der Hr. Oberpräsident unserer Provinz, und ihm zur Seite der Rabbiner aus Magdeburg — am Bahnhofe von unserem Bürgermeister Blüthgen und dem gesammte» Vorstande der isr. Gemeinde empfangen — durch die Straßen fuhren und am Marktplatz vor der Wohnung des Hrn. Bürgermeisters abstiegen, da zog erhebende Freude durch unser Aller Herz. Um 4*/, Uhr begann der Mincha-Gottesdienst im interimistischen Betsaale, woselbst unser Cultusbeamter Hr. Saul eine kurze, den Verhältniffen angemeffene Abschiedsansprache hielt. Sodann ordnete sich der Festzug nach dem Programme. Voran das Musikcorps, Festcomils, die Schlüffelträgerin, gefolgt von weißgekleideten Jungfrauen, die Träger der Thorarollen, die Spitzen der Provinzial- und Stadtbehörden, Schuldirectoren und Ehrengäste, Cantor, und Gesangvereine, die Schul, jugend, Gemeindemitglieder und sonstige Festtheilnehmer. ,An den schön drappirten Pforten des neuen Gotteshauses fand die Schlüsselübergabe unter üblichem Ceremoniell statt, die Trägerin des Sch lüffels (Tochter des ersten Vorstehers) hielt eine schöne Ansprache an den Bürgermeister, dieser erwiederle in gediegener Weise; Herr Vorsteher E. Bend ix begrüßte in recht herzlicher Ansprache die Ehrengäste (unter denen sich auch der Reichstagsabgeordnete D i e tz e aus Barby befand) und nun folgte unter feierlichem Choral der Einzug ins neue Gotteshaus. Hier executirte der Magdeburger Synagogen-Gesangverein die üblichen hebr. und einige deutsche Gesänge. Von gewaltig ergreifendem Eindrücke waren die an das Anzünden der „ewigen Lampe" anknüpfenden Weihworte des Rabbiners vr. Rahmer, woran sich dann die eigentliche Festrede reihete. Sre bildete den Höhepunkt der Feier. Sie hier inhaltlich auch nur zu skizziren, fühle ich mich nicht gewachsen. Sie zerfiel in zwei Theile: 1) Was predigt jedes jüdische Gotteshaus, 2) was predigt insbesondere dieses Gotteshaus. Nach dem Gebete für Kaiser und Reich, und besonderem Segen für alle von Nah und Fern, die zur Errichtung dieses Tempels beigetra^en, folgte das Abendgebet, bis zu dessen Ende nach 7 Uhr, der Herr Oberpräsident, ein leuchtend Vorbild echter Religiösität, der Feier beiwohnte. Ueber die Feier am heutigen Tage, Festmahl u. s. w. berichte ich Ihnen nächstens. Karlsruhe. Der in dies. Bl. bereits erwähnte Erlaß in Betreff des Schulbesuchs israel. Schüler an Sabbathen u. s. w. verdient den Wortlaut nach mitgetheilt zu werden. „Im Einverständniß mit dem Großherzogl. Oberrath der Israeliten wird bezüglich des Schulbesuchs israelitischer Schüler an israelitischen Festtagen und an Sabbathen behufs allgemeiner Regelung dieser Angelegenheit angeordnet": 1) Israelitische Schüler sind auf Verlangen ihrer Eltern oder Fürsorger vom Schulbesuche zu befreien: a) au den beiden Tagen des Neujahrfestes, b) am Versöhnungsfeste, o) am 1. und 7, Tage des Peßachfestes (Ostern), ä) am ersten Tage des Wochenfestes (Pfingsten), e) am 1. und 8. Tage des Laubhüttenfestes. 2) An anderen israetitischen Festagen und an Sabbathen sind die israelitischen Schüler zum regelmäßigen Besuche der Schule anzuhalten, doch sind dieselben, soweit thunlich, an Sabbathen während der Zeit des öffentlichen Gottesdienstes auf Verlangen ihrer Eltern oder Fürsorger von der Verpflichtung zum Schulbesuche zu entbinden." „Keinenfalls aber sollen israelitische Schüler oder Schülerinnen beim Schulbesuch an Sabbathen und Festen gegen den Willen ihrer Eltern oder Fürsorger zum Schreiben, Zeichnen, oder zur Fertigung von Handarbeiten angehalten werden." „Auch ist bei Festsetzung der Stundenpläne auf die israelitischen Schüler in der Weise Rücklicht zu nehmen, daß, soweit thunlich, der christliche Religionsunterricht auf Samstag und auf die Zeit des israelit. Gottesdienstes gelegt und auf diesen Tag solche Unterrichtsgegenstände angesetzt werden, bei welchen keine Arbeiten Vorkommen, an denen israelitische Schüler nicht Theil nehmen können." — (Wie die „Bad. Zeit." meldet, haben einige christliche Geistliche gegen diesen Erlaß protestier, weil sie am Samstag sich auf ihre Predigten praepariren müßten und keine Zeit hätten Religionsunterricht zu ertheilen.) Oesterreich. 6t. Prag, 22. August. (Or.-Corr.) Das Trauungsgesetz, oder eigentlich das Verzeichniß derjenigen Rabbiner und Religionslehrer, welche befugt sind rechtsgiltige Trau-

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