Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 35. (29.8.1877)
- Date
- 1877-08-29
- Page
- Seite 278 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/5369809-9583384-9583672--3263-9583678- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
''c'278 — Ziel erreicht, indem der Loai-ä zu ihr gekommen. Dies konnte aber nur dadurch geschehen, daß sie nicht siegen wollte, daß beide Theile einander entgegen kamen, und daß alle Personen- und Prarponderanzfragen ehrenhaft aus dem Spiele gelassen wurden. — Wenn wir nun noch bemerken, daß Rabbi Wise nicht an der Versammlung Theil nahm, sondern zur Zeit derselben einen Ausflug nach San Francisco unternommen hatte, um recht weit aus dem Wege zu sein, daß aber auch von den Hauptgegnern Wise's unter den Rabbinern der Oststädte niemand anwesend war (weil sie allerdings bei einer Versammlung der Union offiziell nichts zu thun hatten) so ist der Zusammenhang zwischen dem Fernbleiber der erwähnten Persönlichkeiten und dem Zustandekommen der Vereinigung wohl durchsichtig genug. Dieselbe ist auch offenbar ohne Schwierigkeit erzielt worden, denn längst mußten alle Verständigen darüber einig sein, daß ein Gegensatz zwischen Ost und West, und das Nebeneinanderbestehen zweier Verbände eine Thorheit sei. Es hatte schon am 9. Juli eine Vorberathung in einem Comite von Vertrauensmännern des Loarä und der Union stattgehabt, und es war wohl vor den betreffenden Sitzungen bereits alles geordnet. Für heute erwähnen wir nur noch, daß 56 Delegirte an den Sitzungen theilnahmen, daß B. F. Peixotto das Präsidium führte, und daß das künftige Directorium (Executiv- Comite) des neuen Gesammtverbandes der amerikan. Gemeinden aus 30 Personen bestehen wird, von denen 15 von den östlichen und 15 von den westlichen Gemeinden gewählt werden. Von einigen Einzelheiten über die Berathung und die Beschlüsse im nächsten Berichte. Vermischte und neueste Nachrichten. Schönebeck. Unsere durch Hülfe Gottes und wohlthätiger Menschen neuerbaute Synagoge wird am 31. d. Mts. eingeweiht werden. Der Herr Oberpräsident Staatsminister a. D. von Patow hat sein Erscheinen zugesagt. Die Weihrede wird Hr. Rabbiner vr. Na hm er halten; der Magdeburger Synagogen-Gesangverein wird zur Verherrlichung des liturgischen Theils freundlichst Mitwirken. Breslau (Berichtigung). Nicht Dr. weck.Cohn,sondern der Professer (der Botanik) Ferdinand Cohn hat von Tübingen den Ehrendoctor erhalten. Brieg. Wir erhalten zu dem in Nr. 33 Mitgetheilten die berichtigende Notiz, daß in der Anfrage beim Hrn. L.-R. Tiktin nicht von Orgel, sondern von Harmonium und gemischtem (Herren- und Damen-) Chor die Rede war. Darauf bezog sich die Antwort des Hrn. Rabbiners Tiktin: „daß gegen die Vorfeier am Freitag mit Chor und Musik auch gegen die bestimmten Texte rite nichts zu erinnern sei." Lemberg. In dem soeben zusammengetretenen galizischen Landtage sitzen fünf Juden; eine Zahl, die dem Verhältnis zur jüdischen Bevölkerung Galiziens freilich nicht entspricht, die aber dennoch einen Fortschritt bezeichnet, da im vorigen Landtage nur zwei und in früheren Sessionen nie mehr als vier Juden gewählt worden waren. (Lemb. Jsr.) Lublin. Die „Gazetta Narodowa" berichtet, daß an den Synagogen zu Lublin hebräische Placate angeschlagen worden seien, welche die Juden mit Niederbrennen ihrer Häuser bedrohen, wenn sie nicht mehr Geld zur Unterstützung der Armen hergeben und in den Synagogen die russische Hymne singen, resp. bester für den Sieg der russischen Waffen beten würden. — Wir berichten bei diesem Anlaß nachträglich, daß unlängst die Juden in einem russischen Städtchen seitens der Polizei unter Androhung der Deportation nach Sibirien gezwungen wurden, die Vorlesung des kaiserlichen Manifestes in der Synagoge mit entblößtem Haupte anzuhören. Paris. Grandrabbin Zadok Kohn hat den Orden der Ehrenlegion erhalten. In dem Dekret heißt es „wegen besonderere Verdienste als Grandrabbin". — Das Institut de France hat eine „Geschichte des französischen Rabbinats im Beginne des 19. Jahrhunderts" herausgegeben. Das Werk ist von R6nan bearbeitet, derselbe ist dabei von Neubauer unterstützt worden. (Jew. Ehr.) Paris. Bei der Vertheilung der bekannten Montyou'schen Tugendpreise ist auch eine Jüdin mit einer der zehn Medaillen zu 500 Francs ausgezeichnet worden. Alex. Dumas hat der Vertheilung präsidirt und das Lob der Prämiirten verkündet. Er sagte von Judith Maintasie Lopez, Gattin des L6on Levy zu Saint-Esprit lez-Bayonne: „Diese Israelitin hat die schöne Verheißung Moses (?) „wer den Armen gibt, leiht Gott" wohl verstanden. Judith Lopez ist die jüngste von 14 Kindern eines Hausirers; die Familie war so arm, daß man sie nicht einmal eine Schule besuchen lasten konnte. Von ihrem elften Jahre an arbeitete sie, um ihrem Vater und ihren Geschwistern, von denen einige — ach, beinahe hätte ich gesagt: zum Glück — in frühem Alter gestorben sind, zu helfen. Aber leider starb auch die Mutter, der Vater wurde arbeitsunfähig, und nun war Judith Lopez im 19. Lebensjahre gezwungen, ihren Vater, drei Schwestern, zwei Brüder und eine alte Großmutter, welche sie so gut pflegte, daß sie 103 Jahre alt wurde, zu ernähren. So wurde sie 30 Jahre alt. Da sie nicht mehr so jung war, um eine Heirath in gewöhnlichen Verhältnissen einzugehen, verheirathete sie sich mit einem Schuhmacher, welcher Wittwer mit vier Töchtern und schon in vorgerücktem Alter war. Sie selbst hat fünf Kinder. Sie verheirathete drei Töchter ihres Mannes, aber die jüngste stirbt und hinterläßt der Judith drei Enkel; die zweite Tochter folgte kurze Zeit darauf der jüngsten Schwester und hinterläßt auch ein Kind. Die dritte Tochter wird Wittwe mit einem Kinde und kann sich nicht allein ernähren, und Judith kommt ihr stets zu Hilfe. Sie hat jetzt zu unterstützen und unterstützt durch ihre alleinige Arbeit eine Tochter von zwanzig Jahren, einen Sohn von fünfzehn Jahren, eine Tochter von vierzehn Jahren, ihre eigenen fünf Kinder, zwei verlassene Kinder, ein Waisenkind, Enkel ihres Mannes und zwei Schwestern. Judith ist jetzt 56 Jahre alt." London. Der Board of Deputns und die Anglo-Jewish Affociation haben (ebenso, wie die Alliance Jsr. Univ, vgl. vor. Nr. unter Adrianopel) gemeinsam einen warmen Aufruf zur Unterstützung der durch den Krieg in die bitterste Noth gerathenen bulgarischen Juden erlassen. Lenika, Oralau (Fidschi-Inseln), 25. April. (Origin.- Corresp. des Jew. Chron., wegen Entfernung vom Druckort etwas verspätet.) Am verwichenen Peßachfeste haben wir hier in der Wohnung des Hrn. B. I. Salomon einen einfachen Gottesdienst (Sidur Service) gehalten. Derselbe hatte Alle eingeladen, aber ich muß leider constatiren, daß die freundliche Einladung nicht gebührend von den jungen Leuten ausgenommen worden ist. Es scheint, daß einige Jahre in den Colonien sie der in der Heimath verlebten Jahre vergessen gemacht haben. — Der Gouverneur hat uns, den hiesigen Juden, eine sehr große Ehre erwiesen. S. Exc hat aus einer Bevölkerung von etwa 4000 Europäern einen Juden zu einem seiner vollziehenden Beiräthe erwählt. Dieser, Herr Abr. Levy, nahm hier seit mehreren Jahren eine sehr geachtete Stellung ein und war bereits unter der alten Fidschi-Regierung, unter König Cakabu, Mitglied des Abgeordnetenhauses. — Sobald die Frage entschieden sein wird, auf welcher von den Inseln künftig die Hauptstadt sein soll, wird eine Versammlung berufen werden, um eine Gemeinde zu bilden und, wo möglich, Geld zum Bau eines Gotteshauses zu sammeln. Salonica. Baker's Werk über die Tükei enthält manche interressante Angaben über die dortigen Israeliten, deren Gesammtzahl auf 158,000 geschätzt wird. Wir geben eimge Sätze (nach Jew. World) über Handesverhältniffe in Salomca: „Handelsgeschäfte werden von den türkischen Juden in einer Weise betrieben, welche englische Kaufleute in Verwunderung und Angst