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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-08-22 · N° 34. (22.8.1877) · p. Seite 270

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 34. (22.8.1877)
Date
1877-08-22
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
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270 — men mit 1168 M. und 5100 M. aus Legaten, und Dotation an den Locken. Die widerwärtige Scene fand auf offener Straße statt. Der auf der Erde liegende Jude, dem das Absagen seiner Haarlocken hart an der Schläfe fürchterliche Schmerzen verursachte, schrie nach Hilfe. Einige seiner herbeigeeilten Glaubensgenossen boten den Gendarmen eine Scheere, um dem armen Opfer wenigstens die pbysischen Schmerzen zu ersparen. Allein die von amtswegen bestellten Friseure wollten die Scheere nicht annehmen und bewerkstelligten das Absägen der Haarlocken mit dem Messer unter den peinlichsten Schmerzen des Oesterreichers. Nachdem Letzterer auf diese sanfte Weise am Haupte „civilisirt" wurde, schritten die beiden Culturwächter zum Beschneiden des Kaftans. Doch in diesem Augenblicke erschienen einige jüdische Unteroffiziere. Diesen gelang es erst, der Fortsetzung des Gewaltactes Einhalt zu thun. Goldzwirn entfernte sich sofort aus Petrikau und kam krank in Krakau an. Er beabsichtigt wegen dieses Falles beim österreichischen Minister des Aeußern Beschwerde zu führen." Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Auf seiner Reise von Großbeeren nach Babels - berg stattete Kaiser Wilhelm dem geh. Commerzienrath v. Bleichröder auf bem Schlosse zu Güterkotz einen Besuch ab. Er verweilte daselbst eine halbe Stunde und nahm einige Erfrischungen bei ihm ein. Berlin, vr. Berliner hat einen von ihm gehaltenen Vortrag „Ein Gang durch die Bibliotheken Italiens", der in seinem Literaturblatt erschienen war, mit Zusätzen und Anmerkungen bereichert, separat erscheinen lassen. (Berlin, Benzian. Preis 1 M. 50.) Der Reinertrag der Schrift ist für Förderung des Unterrichts der armen Ghettokinder in R o m bestimmt. Abgesehen von diesem guten Zwecke können wir die Schrift darum empfehlen, weil sie auch für den Laien sehr interessante und unterhaltende Mittheilungen enthält. So ist z. B. auch eine Beschreibung der in manchen hebr. Handschriften enthaltenen Initialen, Miniaturen und sonstigen Illustrationen gegeben, welche über Costüme, Sitten und Anschauungen der Juden im Mittelalter manche Curiosa erkennen lassen. Daß der Literat aus dem lediglich aus Handschriften (72 an Zahl) geschöpften Inhalt manches Neue lernen kann, ist selbstverständlich. Karlsruhe, 10. August. Der Oberschulrath hat für israelitische Schüler der gemischten Schulen die Bestimmung getroffen, daß dieselben am Neujahrstage, am Versöhnungsfeste, Ostern- und Pftngstfeste, sowie am Laubhüttenfeste gänzlich, an den anderen israelitischen Festtagen und an Sabbathen für die Zeit des Gottesdienstes vom Schulbesuche befreit und an Sabbathen nicht zum Schreiben, Zeichnen oder zu Handarbeiten angehalten werden sollen. Tübingen Unter den 18 Ehrendoctoren, die bei der 400jährigen Jubelfeier der hiesigen Universität cre'trt wurden, befinden sich auch zwei Israeliten, vr. «reck. Cohn in Breslau und A. Bernstein in Berlin, (Mitredaclenr der „Volks - zeitung") wegen seiner Verdienste um die Naturwissenschaften. Posen. (39. Bericht der israel. Waisen-Knabrnanstalt für das Jahr 1876) Die Anstalt zählte 18 Zöglinge, von denen drei Pensionäre sind, d. h. für die ein Jahrgeld gezahlt wird, und zwar, wie aus dem Cassenbericht hervorgeht, zusammen 382 M. — Die Zöglinge genießen Unterricht theils in der städtischen Mittelschule, theils in der Bürgerschule, einer besucht das Gymnasium. Außerdem unterstanden 6 Lehrlinge der Aufsicht der Anstalt. Diese sowie die Zöglinge erhalten Unterricht im Hebräischen durch den Jnspector vr. Falkenheim. Dotationen und Spenden sind der Anstalt auch im I. 1876 reichlich zugeflossen. Die Summe der Einnahmen beläuft sich auf 164000 M. Die Ausgaben betragen incl. Passiv-Zinsen 10131 M. Der Fonds vermehrte sich aus dem Ueberschuß 8 M. aus den laufenden Einnahtionen, zusammen also 6268 M. Oesterreich. (Statistisches.) „Educ. Jsr." entnimmt den officiellen Veröffentlichungen der statistischen Central-Commission folgende Angaben über die Zahl der Juden in Oesterreich diesseits der Leitha Oesterreich ob. Ens 50880; Oest. u. Ens 690; Salzburg 44; Steiermark 734; Kram 22; Kärnthen 22; Triest mit Görz und Jstria 5729; Tirol und Vorarlberg 353; Böhmen 89539; Mähren 42644; Schlesien 6123; Galizien 575433; Bukowina 47754; Dalmatien 233; zusammen 821200. — In Galizien kommt e i n Israelit auf je 9 Einwohner, in Krain auf 21058, im Durchschnitt der im Reichsrath vertretenen Länder einer auf 25. — Ferner kommt in Ungarn ein Israelit auf 22 Einwohner, in Siebenbürgen auf 91, in Croatien und Slavonien auf 116; Militärgrenze auf 116 In der aktiven Armee einer auf 97. — Brüx, (Böhmen) 12. August. Hr. vr. Bloch, Rabbiner in Kobylin, den Lesern dieses Bl. durch seine geistvollen kritischen Aufsätze im jüd. Literaturblatt bekannt, ist von der Generalversammlung der hiesigen Gemeinde einstimmig zum Rabbiner gewählt worden. Derselbe tritt bereits am 1. September seine neue Stelle an. Pest. (Rabbiner-Seminar.) An der Landes-Rabbinerschule hierselbft werden die Anmeldungen bis zum 2. September l. I. entgegengenommen. Die Aufnahmeprüfungen und Enschreibungen finden am 3., 4. und 5. desselben Monats statt. Die Aufnahme in den ersten Jahrgang der untern Abtheilung erfolgt auf Grund a) einer Prüfung aus Bibel (Pentateuch, die historischen Bücher), hebräischer Grammatik (Formenlehre) und Talmud (Lesen und Erklären leichterer Stücke mit Raschi) und b) eines staatsgiltigen Zeugnisses über die vierte Gymnasialklasse, beziehungsweise einer entsprechenden Prüfung. Die Aufnahme in die obere Abtheilung erfolgt' auf Grund a) einer Prüfung aus den jüdisch-theologischen Disziplinen und b) eines staatsgiltigen Maturitäts-Zeugnisses. Zugleich ist die Beibringung eines Geburts- und Sittenzeugnisses erforderlich. Die Anmeldungen und etwaigen Anfragen sind vorläufig an die isr. Landeskanzlei (Budapest, Josefsplatz 7) zu richten, welche die Ertheilung der gewünschten Auskunft veranlassen wird. Pest. Unser liberaler Cultusminister entschied auf die Eingabe der hiesigen Gemeinde betreffs Mischehen, die von ung. Bürgern jüd. Confession im Auslande eingegangen werden, im Sinne seiner ersten Entscheidung, nämlich, daß solche ungültig, und die Kinder solcher Ehen als unehelich zu betrachten sind. Mailand. Die israelitische Gemeinde will eine neue Synagoge bauen. Da es ihr an einem geeigneten Platze fehlt, hat ihr die Stadt ein ehemaliges Klostergebäude zu diesem Zwecke angeboten. (Jew. Chr.) London. Die jüd. Blätter widmen dem soeben verstorbenen Jacob Franklin Nachrufe. Derselbe wurde 68 Jahre alt, war aus Manchester gebürtig, zog sich frühe von den Geschäften zurück und siedelte nach London über. Er begründete das erste englisch-jüdische Blatt „the Voice of Jacob“. Es war zu der Zeit, als die Reformbewegung in London entstand, sein Blatt bekämpfte diese energisch und überzeugungsvoll. Nachher betheiligte er sich an vielen gemeinnützigen Werken; er war Mitglied des Board of Deputies für Manchester und gehörte zu deu ersten Förderern der Anglo-Jewish-Association. Bradford. Dem dieser Tage verstorbenen Charles Ser mon (Israelit), vormals Mayor der Stadt, wurde die Ehre des Begräbnisses auf öffentliche Kosten zuerkannt. Derselbe hatte der Stadt ein von ihm für 12,000 Pf. St. erbautes Krankenhaus zum Geschenk gemacht, in seinem Testamente sollen 30—40,000 Pf. St. für Schulzwecke in Bradford vermacht sein.

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