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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-08-15 · N° 33. (15.8.1877) · p. Seite 260

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 33. (15.8.1877)
Date
1877-08-15
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
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beeinträchtigen; das se lbe hat dagegen auf Inhalt und Anordnung des Lehrplans nicht einzugehen." (gez.) Falk. An das König!. Prov.-Schulcollegium zu Cassel." Von einer Einforderung oder Einreichung der einzuführenden Lehrbücher ist hier nirgends die Rede, der Lehrplan ist nur daraus hin zu prüfen, daß die Schüler nicht mit Häusl. Arbeiten überbürdet werden, auf den Inhalt des Lehrplans hat das Prov.-Schul-Collegium nicht einzugehen, um wie viel weniger auf den Inhalt des Lehrbuches. Hier heißl's: kriueipiis odsta! Leipzig. (Or.-Corr.) Nach dem Hinfcheiden des seligen Moritz Kohner hat der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes es für seine unabweisliche Pflicht erachtet, den Bund, der durch mancherlei Umstände in den letzten Jahren eine rege Thätigkeit nicht entfalten konnte, zu neuem Leben zu erwecken. Die völlige Reorganisirung des Gemeindebundes durch Abänderung des bisherigen Statuts hat sich als nothwendig erwiesen, wenn in Zukunft die Thätigkeit desiUben sichtbarere Erfolge erzielen soll. Dem anerkennenswerthen Eifer des Ausschusses, insbesondere dem sich den Aufgaben des Bundes mit allen Kräften widmenden Vorsteher und geschäftsführenden Ausschußmitgliede, Herrn Jacob Nachod, ist es zu danken, daß in verhältnißmäßig kurzer Zeit ein abgeänderres Statut bereits vorliegt, welches einem demnächst einzuberufenden außerordentlichen Gemeindetage zur Prüfung beziv. Annahme unterbreitet werden soll. Einen besonders wichtigen Punkt des neuen Statuts bildet die gegenwärtig in den Vordergrund tretende Religionslehrerfrage, für deren Lösung insofern mitgewirkl werden soll, als man die nöthigen Mittel zur Ausbildung von tüchtigen Religionslehrern den bereits bestehenden Lehrerseminarien ^uzuführen gedenkt. Denn es ist wohl genugsam bekannt, 'daß so mancher junge Mann wegen ungenügender Existenzmittel sich dem Lehrerberuse fern hält. Durch die Einrichtung und Stiftung von Stipendien seitens des Gemeindebundes kann die Ausbildung erleichtert und dem Mangel an Religionslehrern abgeholfen werden. Außerdem soll den kleinen Gemeinden für die angemessene Besoldung solcher approbirter Lehrer Subvention gewährt werden. Man sieht, daß der neu zu organisirende Gemeindebund auf möglichst praktische Weise zur Lösung dieser heiligsten Aufgabe der Gemeinden beizutragen sich bemühen will. Freilich wird auf ein regeres und lebendigeres Interesse seitens der Gemeinden gerechnet werden müssen, wenn nicht, wie so oft geschieht, die besten Bestrebungen nur auf dem Papier stehen bleiben sollen. D. S. Aus Bayern, im August. (Or.-Corr.) Sie haben in ihrer Zeitschrift den offenen Brief des Herrn Rabbiner Hirsch in Frankfurt a. M. an Herrn Districtsrabbiner Bamberger in Würzburg, sowie dessen Antwort an Herrn Hirsch zur Genüge besprochen. Dagegen vermisse ich Ihre Ansicht über, das letzte Schriftwerk Hirsch's gegen Bamberger, und vermuthe ich, daß Ihnen die Wäsche zu unsauber ist, um auch nur ein Wort darüber zu schreiben. Wer Hirsch's Gesinnung bis jetzt nicht gekannt, der findet sie in diesem Schriflchen klar ausgesprochen. Man sieht aus dem Ganzen, daß bei ihm wohl nicht die Sache selbst eine Rolle spielt, also von ‘Wh die Rede nicht sein kann, als daß er vielmehr nur die Erschütterung seiner persönlichen Autorität fürchtet. Was die große Gelehrsamkeit, die darin enthalten ist, betrifft, so weiß man zur Genüge, daß dieselbe „ungewiffer Abstammung" ist —. Eine Frage muß ich mir aber dennoch an Herrn Hirsch zu stellen erlauben, nachdem derselbe noch so furchtbar gegen die Minim loszieht: Warum haben Sie s. Z. den vom Rabbiner Bamberger in Scene gesetzten, mit einigen hundert — wenn auch nicht nahezu 400 — Rabbinern versehenen Protest gegen die Philippson'sche Bibelübersetzung nicht unterzeichnet? Ist dies Consequenz? oder sind Sie vielleicht dazumal nicht so fromm gewesen wie heute? oder wissen Sie vielleicht gar nicht, was in dem unter „Ihrem Namen" erschienenen Werk „Chaureiw" stehet? (Wir wissen nicht, worauf hier angespielt wird. Die Hinweisung auf das Anathem gegen die Bibelausgabe halten wir für nicht ganz zutreffend. Red.) Darüber möchte ich mir von ihnen selbst eine Antwort ausbitten. Was die neueste H.'sche Broschüre selbst, die anymische rHin und die Sprache betrifft, so ist es Sache des Herrn Bamberger; ob er sich darauf weiter einlassen wird, möchten wir denn doch sehr bezweifeln. Herr Rabbiner Bamberger hat seinen Zweck erreicht, es war ihm um zu thun und dies geschiehet. Die Mikwah in Frankfurt, die auf M. 80,000 zu stehen kommt, schreitet vorwärts, an der Anstellung eines orlhod. Rabbiners, der die Beaufsichtigung von Schechita und m22£p übernimmt, ist man thätig, und dies ist Herrn Bamberger hinlängliche Genugthuung für die ihm gewordenen Schmähungen. Und nun noch einige Worte an die Redaction der Jüdischen Presse in Berlin. Sie mußten wohl für Hirsch eintreten, sonst wäre Ihnen am Ende gar Herr Schwarzschildt aus Ihrem Curatorium seines Rabbinerseminars ausgetreten. (Der Herr Corresp. vermißt ein Aussprechen unseres Urtheils über die hier erwähnten Streitschriften. Wir haben 3) persönlich durchaus keine Lust getragen, uns vorwerfen zu taffen, daß wir mit Schadenfreude auf diesen Streit blicken, und das wäre sicherlich geschehen. Wir erblicken 2) kein Heil für die gute Sache des Juoenthums in diesen Zwistigkeiten. Wir haben daher 3) unsere Meinung über Austritts-Freiheit, Recht, Pflicht, Zwang und was man sonst noch Vorbringen mag, im Allgemeinen und ohne Hinzuziehung von Persönlichkeiten, soweit dies anging, ausgesprochen. Daß wir im Vorstehenden sehr viele harte Ausdrücke, die bei einem Verehrer B.'s wohl gerechtfertigt sein mögen, gemildert oder ganz gestrichen haben, sieht der Herr Corresp. — Dagegen constatiren wir auch unsererseits, daß Herr Rabb. Hirsch m a ßlos heftig gegen Hrn. Distr.-R. B. vorgegangen ist und in harten Auslassungen gegen einen ED’"V®ön^Ö,)Ö n"n n"JD1 HKT2 miro px ■’iacp das Mögliche Nlchl nur, sondern für unmöglich zu Hallendes geleistet hat.*) Red.) Aus dem Harz, Ende Juli. (Or.-Corr.) Wenn wir von geliebten Menschen uns trennen und diese Trennung sich auch nur über kürzere oder längere Zeitdauer erstreckt, dann schauen wir uns immer und immer wieder um, um den geliebten Freunden so gerne Vieles mitzutheilen, wovon das Herz erfüllt ist. So sehr sich aber auch die Gedanken hervordrängen, so verstummt doch bald Alles, und das Gemülh versenkt sich allmählich in stille Ruhe. Wenn man aber von hochbegabten und hochverdienten Menschen auf ewig scheidet, dann schweigt das Herz niemals, bis man bem Geschiedenen Alles nachgerusen, was er Großes und Gutes im Leben gewirkt hat. Sre haben, Herr Redacteur, in diesem Blatte durch ein kurzes Lebensbild des Rittergutsbesitzers Herrn Meyer I a c o b s o u auf Schulzendorf, deul Stifter der Jacobson'ichen Waisenanstalt, ein herrliches Gedenkblatt gesetzt aus den letzten Tagen seines Lebens. Zwar kennen wir allesammt den tröstlichen Ausspruch „Gott läßt Israel nicht verwaisen"; aber wenn wir eine Blumenlese halten unter den vielen Männern und edlen Frauen, die seil wenigen Jahren nur allzufrüh ihre irdische Laufbahn beschlossen, dann schwebt der wehmüthige Gedanke beständig auf unseren Lippen: „Wird denn die jetzige Generation auch große, den Namen Israel ehrende und hebende Männer erzeugen? Der heutige Jndifferentismus, genährt von eitler über- und oft unmenschlichen Hyperorthodoxie einerseits, sowie vom Geiste der unsinnigsten Negation und Frei- *) Dem Hrn. Corresp. — Was Sie zum weggelassenen Schlußsatz bemerken, ist ein auch mir nicht unbekannt gebliebenes On äit, aber von solchem auch TWLNI, halte ich mein Blatt frei.

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