Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 31. (1.8.1877)
- Date
- 1877-08-01
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
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— 246 — i i V ■r / U jr;/ ,/ / i r W Mark 77 Pf.; das verbleibende Kapital beziffert sich auf 26,733 Mark 65 Pf. An Gehalt beziehen die beiden Prediger Daab und de la Roi mit dem Missionar Lichtenstein 12,450 Mark. Der Bericht erzählt ferner: „Im Katechumenen-Unterricht hatten wir dreizehn einzelne Personen und 3 Familien. Davon gingen freiwillig oder wurden entlassen 9. Getauft wurde ein einzelner Katechnmene und eine ganze Familie von 6 Mitgliedern. Dem Unterricht verblieben 3 einzelne Seelen und 2 Familien rc. rc." Also für die Summe von 20,467 Mark 77 Pf. sind glücklich 7 Juden getauft; macht rund per Kopf 3000 Mark Kosten. Die frommen Gemüther, welche bei der Kollekte steuerten, mögen sich die Frage vorlegen, ob die gewonnenen Seelen nicht etwas zu hoch bezahlt sind. (B. Tag.) Gleiwitz, Mitte Juli. (Or.-Corr.) Die gegen das unwürdige Verfahren des Vorstandes z. Z. Protestirenden haben sich begnügt, dem Vorstande noch ein MißbraueltSvotum in bester Form zu übersenden, worin sie sich den Beschwerdeweg an die Regierung zwar vorbehielten, ihn aber — zum Beweise ihrer Friedensliebe — wohl schwerlich beschreiten werden. Aus dem Großherzogth. Hessen. Die Gemeinden bereiten eine Petition gegen das den Ständen nach Muster des preußischen, vorgelegte Austrittsgesetz vor. (Wir werden demnächst aus sachkundiger Feder „kritische Betrachtungen" über diesen Gesetzentwurf bringen.) Dresden, 25. Juli. (Or.-Corr.) Soeben höre ich, daß in der neuesten Nummer des „Israel." von hier über den jüngst eingeführten Kindergottesdienst am Sabbath-Nachmittag berichtet und dabei Hr. Advocat E m i l L e h m a n n als kürzlich vorstorben bezeichnet wird. Zur Beruhigung der Freunde dieses Herrn wollen Sie kund geben, daß er Gottlob lebt und gesund ist. Sie sehen daraus, wie die Correspondenzen jenes Blattes fabrizirt werden. Wie,wär's möglich, daß von hier aus, oder von einem hier wirklich Ortskundigen, über eine allbekannte Person dergleichen geschrieben werden könnte! Kein Wunder, daß auch sonst so viel Schiefes in jenem Berichte enthalten ist. Es lohnt nicht, es zu berichtigen. Klagt der Referent doch darüber, daß Mincha „ohne Rigun" vorgetragen wird. Wirklich eine wahre Gottesleugnung! Wien. Der Vorstand der isr. Gemeinde hat, wie der „W. Isr." mittheilt, bei der Statthalterei durchgesetzt, daß die Gesuche um Privatbetstuben während der hohen Feiertage ihm erst zur Begutachtung vorgelegt werden. Durch diese Maßregel, die wir dem Berliner Vorstand zur Nachahmung empfehlen, dürfte den bekannten argen Mißbräuchen wenigstens in etwas gesteuert werden. Lemberg, 24. Juli. Heute fand hier die Grundsteinlegung znm Bau einer Synagoge des „Thora-Vereins" statt. Preßburg. Unangenehmes Aufsehen erregt ein Vorfall, der sich bei der jüngsten Lehrbefähigungs-Prüfung an der hies. Staats-Lehrerinnenpräparandie zutrug. Bei derselben wurden selbstverständlich die Zöglinge auch aus der Religion geprüft, und war deshalb ein erzbischöflicher Kommissär, Domherr Gäly, anwesend. Rach geschehener Prüfung richtete nun der genannte Domherr eine Ansprache an die Lehramts-Kandidatinnen, in.der er sie von dem Umgänge mit Jüdinnen warnte, die ja ohnehin die Christinnen überall verdrängen. Selbst in einer rein katholischen Schule geschehen, würde eine solche Aufhetzung gegen Andersgläubige, als eine Verletzung der priesterlichen Versöhnungs-Mission aufgefaßt werden müssen. In einer simultanen Staatsanftalt aber potenzirt sich eine derartige Taktlosigkeit und den Priesterstand kompromitirende Versündigung an den Pflichten christlicher Nächstenliebe — um ganz im Geiste der katholischen Kirche zu reden — zu einem unqualifizirbaren Vergehen, das nicht anders gesühnt werden kann, als indem zum Mindesten sofort ein anderer erzbischöflicher Kommiffär ernannt wird. Zu derartigen Funktionen dürften zur Wahrung des Ansehens des Klerus nur solche Persönlichkeiten exmittirt werden, die sich zu benehmen wissen. Die Entschuldigung, welche man geltend machen will Domherr Güly habe nicht gewußt, daß auch jüdische Kandidatinnen anwesend waren, ist schlimmer, als eine Beschuldigung. Denn ob man unter vier oder hundert Augen die Unduldsamkeit predigt, ist einerlei. Uebrigens wundert es uns, daß der bei der Prüfung anwesende Schulinspector nicht sofort den erzbischöfllichen Kommiffär korrigirt hat. Carlstadt. Eine durch verschiedene Blätter gegangene Nachricht über eine beabsichtigt gewesene Illumination zum Papstjubiläum (vgl. auch in dies. Bl. Nr. 25) wird in dem „Ung. Isr." in folgender motivirten Weise als unwahr bezeichnet: „An der ganzen Geschichte ist kein wahres Wort. Weder ist es den Juden hier eingefallen zu illuminiren, noch erging von hier eine Anfrage an den Budapester Cultusvorstand. Die Veranlassung zu diesem Berichte mag vielleicht Folgender gewesen sein. Am Vorabende der Papstfeier verbreitete sich hier allgemein das Gerücht, daß die Judenschaft zu Agram eine große Demonstration für die Glorifizierung des Papstjubiläums vorbereilen. Dieses erregte hier in jüdischen und christlichen Kreisen gerechtes Erstaunen und Heiterkeit. Der Neugierde halber, erkundigte sich Jemand wegen dieses Curiosum in Agram; worauf jedoch von dort aus das Ganze in Abrede gestellt wurde, mit bem Bemerken, daß man sich über ein solches Ansinnen wundere. Siebenbürgen. ES kann kaum befremdend erscheinen, daß die durch den Krieg neu erweckten Gewaltthätig keilen gegen die Juden jenseits der Berge auch bei den Stammes- und Glaubens-Genossen der Rumänen, den siebenbürgischen Wallachen einen Wiederhall finden. So berichtet dem „Jew. Chron." ein Eisenbahbeamter aus Horzuazo (Deutsch-Langenthal): Hier wohnt ein ehrenhafter Jude, Namens Klärmann, ein Getreidehändler, der aber auch bei der ostungarischen Eisenbahn Erdarbeiten übernommen und sie ehrlich ausgeführt hatte, obgleich er viel Geld dabei verloren hat. Als nun verlautete, daß Klärmann etwa 20,000 Gulden im Hause habe, rotteten sich 25 Wallachen zusammen, erbrachen das Haus, tödteten den fast stebenzigjährigen Mann, verwundeten, seinen Sohn schwer, mißhandelten seine zwei Töchter und trugen die Beute davon. Der ungarische Gutsbesitzer that weiter nichts, als daß er zur nächsten Bahnstation fuhr und um Hülfe telegraphirt*. Diese kam denn auch, aber freilich erst am folgenden Tag. Da seit zehn Jahren nichts Aehnliches in Siebenbürgen geschehen ist, so muß man allerdings annehmen, daß die Wallachen jetzt auf den Schutz der Russen, oder der nunmehr „unabhängigen" Rumänen vertrauen. Rustschuk. Bei dem Bombardement hat das zahlreich bewohnte Judenviertel ganz besonders gelitten und es sind Viele getödtet. Auch aus der Umgegend fliehen die Juden, soviel sie irgend können, vor den russischen Truppen bis nach Schumla und Varna hin. DaS Elend unter diesen Flüchtlingen, deren Zahl an 1200 Seelen betragen mag, ist sehr groß, so wird dem Daily Telegraph berichtet. — Eine minder tragische Geschichte berichtet die „Times". Ein Kosacke wollte einem jüdischen Händler einen Käse abkaufen, nahm ihn prüfend in die Hand und fragte nach dem Preise. Dieser erschien ihm exorbitant, oder war es in der That; da nahm der Ko sack den Käse unter den Arm und fing an zu feilschen. Unterdessen trat ein Kosack nach dem andern hinter den Kameraden und schnitt ein Stück hinter dem Arm weg ab. So wurde der Kaufgegenstand, wie der Jude den Preis ermäßigte, auch immer kleiner, und eö ging umgekehrt, wie bei den sibyllinischen Büchern, so daß dem Juden nichts übrig blieb, als das Gebot des Kosacken anzunehmen. _ Die Juden in Jassy haben einen vollständigen Ambulanzzug gespendet, und andere rumänische Israeliten haben auf ihre Kosten ein ganzes Barakenhospital eingerichtet und an die Grenze geschickt. London. Die Anglo-Jewish Association hat aus dem Aus-