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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-08-01 · N° 31. (1.8.1877) · p. Seite 247

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 31. (1.8.1877)
Date
1877-08-01
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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wärtigen Amte eine Note vom 4. Juli erhalten, welche auf Grund eines englischen Consularberichtes die Gräuel in Darabüni bestätigt. Frau Cimara gehört nach diesem Berichte einer angesehenen rumänischen Familie an, ihr Mann ist ein Grieche. Constantinopel. Der Großrabbiner (Chacham-Raschi) hat an die isr. Einwohner einen Aufruf erlassen, in welchem er sie ersucht, die Flüchtlinge, welche aus Bulgarien angekommen sind, ohne Unterschied der Confessivnen, gastfreundschaftlich aufzunehwen und mit allem Röthigen bestens zu unterstützen. Gleichzeitig erließ derselbe ein Rundschreiben an sämmtliche Rabbiner der Türkei, daß dieselben in ihren Gemeinden ebenfalls solche Aufrufe unverzüglich veröffentlichen sollten. Der Oberrabbiner von Adrianopel hatte es bereits gethan. Feuilleton. Der letzte Jude. j Fünftes Kapitel. (Fortsetzung.) „Mein Gott! Schweigen Sie! . ." unterbrach ihn die Gräfin, die von ihrem Gefiel aufgesprungen war. „Warum unterbrechen Sie die Geschichte aus diesem! Buche," sagte Lämchen einfallend, und fuhr fort. „Der Herr Graf, dessen Güter durch Schuld seiner schönen Frau — i stark belastet waren, starb aus Kummer und die Frau Gräj fin hatte es nur einem tüchtigen alten Diener und dem Ju- { den zu danken, daß sie noch Jahre lang auf der Höhe der Situation, ihren Rang der Außenwelt gegenüber behaupten konnte." Lämchen stand rasch auf und fuhr mit rauher; Stimme fort: „Sie wollen das Ende wissen? Den Dank, den der Jude erntete? Gut! Der Jude hatte eine Toch- « ter, welche sein Licht, sein Leben, sein Athem war. Der ß Sohn des Grafen schlich sich unter fremdem Namen in das | Haus des Juden — und raubte ihm das Herz seines Kindes!" jj Des Juden Hand ballte sich krampfhaft und rauh auflachend rief ff er: „Ha, ha! Nicht war,! das ist lustig, ja es kommt noch besser. | Da der Alte, dem die Ehre sein heiligstes Gut war, die Tochter verstößt, führt sie ein alter Freund des Juden aus Mitleid, damit sie nicht im Sumpf der Welt verkomme, als Dienerin in das Haus der Gräfin ein, und diese, wohl wissend, daß ihr Sohn das unschuldige Kind bethört, jagt sie aus dem Hause und zwingt den Sohn, damit er ja nicht im Stande sei, ^ssin Unrecht gut zu machen, einer Andern die Hand vor dem Altäre zu reichen." Mit wogender Brust hatte die Gräfin diese, mit erregtem Tone gesprochenen Worte vernommen, ruhig hatte sie Alles angehört, doch bei der Anspielung auf die Verbindung ihres Sohnes mit dem Judenkinde richtete sie sich stolz auf und mit entrüsteteter Stimme erwiderte sie: „Die Gräfin verschmähte solche Mesalliancegedanken als standeswidrig und zuwiderlaufend dem Heiligsten, der religiösen Ueberzeugung." Lämchen lächelte bitter. „So, und darum muß der ehrliche Mann zum Schurken — das ehrbarste Mädchen zur Dirne gemacht werden?" Die Gräfin beachtete den Einwurf nicht und fuhr fort. „Oder sollte ich etwa Ihrer Eitelkeit, welche den Grafen Alfred von Rolandsau am Arm der Tochter des Juden Lämchen sehen möchte, fröhnen? Diese Heirath wäre wahrlich Ihr vortheilhaftester Handel gewesen, Herr Lämchen, Sie verläuqnen Ihren Stamm nicht." In diesem Moment erschien zwischen den Blumen die Gräfin Hohenwart und Clotilde. Letztere wollte ihrer Mutter selbst einen Strauß pflücken, den sie nach der Residenz nehmen sollte. Als sie die erregte Stimme der Gräfin hörte, blieben beide erstaunt stehen. Lämchen hatte sich hoch aufgerichwt und entgegnete: „Meinen Stamm? Sie haben ein wahres Wort gesprochen. Es ist unrecht, daß sich der Jude außer den Grenzen bewegt, die ihm knapp vorgezeichnet werden und ich hätte dies bedenken sollen — damals, als der Graf sich tödten wollte, ich hätte bedenken sollen, daß der Graf meine Glaubensbrüder gepeinigt und verstoßen und ihn damals seinen Freunden, die ihm in der Roth den Rücken wandten, überlassen sollen, vielleicht wäre es mir erspart worden, heute vor der Gräfin Rolandsau zu stehen." „Mir das? Entfernen Sie sich, oder —" „Ah," unterbrach sie Lämchen, und ein spöttischer Zug lagerte sich um seine Mundwinkel. „Nun gut, so will ich Ihnen kurz heraussagen, daß i ch hier zu befehlen habe, da nicht ein Stein dieses Gutes Ihnen gehört. Sie vergessen wohl ganz nnd gar, daß der armselige Jude, Salomon Lämchen, die ersten und Haupthypotheken auf Ihre Güter hat und daß ich die Grundstücke, wenn es mir beliebt, unter den Hammer bringen lasten kann. Und ich werde sie bringen lasten und zwar morgen schon, da ich weiß, daß die gnädige Frau Hohenwart keine Ahnung hat, daß Ihr Sohn die Tochter blos des Geldes wegen zur Frau nehmen soll, um einen Theil Ihrer Schulden zu decken und daß Sie gerade deshalb mit dem Gelde zurückhalten werden und daß die Gräfin von Rolandsau im Grunde eine Bettlerin ist." Die Gräfin sank vernichtet in einen Stuhl und Lämchen, sie höhnisch betrachtend, fuhr fort: „Das wußten Sie freilich früher nicht, daß der letzte Jude so ein miserabler Mensch ist und einmal sein Geld verlangen wird. Deswegen Hab ich's Ihnen jetzt gesagt. Nun leben Sie mir hübsch gesund, und wenn Ihnen der Schlag wehe thun sollte, so denken Sie dabei an das Weh, das Sie und Ihr Sohn dem alten schlichten Juden bereitet haben." Mit diesen Worten eilte er hinaus. Die Gräfin Hohenwart und Clotilde verschwanden hinter den Nosengebüschen und eilten Lämchen nach. „Mir das!" stieß die Gräfin von Rolandsau mit hochwogender Brust, beinahe athemlos hervor, als sie allein war. „O, mein Gott! wie tief muß ich gesunken sein, daß ein elender Jude es wagt, mir so entgegenzutreten!" Sie mochte einige Zeit in solcher Abspannung nach dieser Erregung dagesesten haben, da trat ein Diener ein. „Verzeihung, wenn ich störe." „Was willst Du, Friedrich?" „Fräulein Clotilde sendet diesen Brief, sie ist eben mit ihrer Mutter . . . abgereist." Als der Diener sich entfernt hatte, erbrach die Gräfin den an Alfred gerichteten Brief hastig und las mit wankender Stimme: „Mein Herr! Wir sind unfreiwillige Zeugen eines Gesprächs gewesen, das vor einer viertel Stunde Ihre Mutter mit einem Juden gehabt hat. Wir wissen nun, woran wir jind. Sie haben mich betrogen! Ihr Reichthum ist ein Phantom ebenso wie Ihre Liebe. Nur um mit meinem Vermögen den erblichenen Glanz Ihres Hauses neu zu beleben, wollen Sie mir ihre Hand reichen. Dazu bin ich mir denn doch zu gut. Auf Wunsch meiner Mama reisen wir sofort ab. Auf Nimmerwiedersehen!" (Schluß des 5. Kapitels.) Sprüche der Vater. Uebersetzt von Jacob Althira. (Forts, aus Nr. 26.) II. 7. Sah Hillel einen Schädel hergetrieben, Das leichte Spielzeug windbewegter Fluth — Sprach Hillel: Wo ist all dein Zorn geblieben Und wo der Herrschsucht trunkner Uebermuth? Jetzt bist du ianft! — Es brachten dich zum Sinken All' die im Leben du so hart bedrängt; Allein auch Jene werden einst ertrinken, Die dich in ihrer Rache hier ertränkt.

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