Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 30. (25.7.1877)
- Date
- 1877-07-25
- Page
- Seite 238 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I i \ 0 R». / Mutter verübt werden. Dieser kam um Va8 Uhr Abends in D. an, nahm seiner Mutter den Revolver ab und forderte sie auf, sich sofort in Begleitung seiner Gattin nach dem herrschaftlichem Gebäude zu begeben. Er selbst blieb auf dem Platze, wo er die größte Energie entwickelte, um dem Plündern und Metzeln Einhalt zu thun und die rasende Volksmenge zu zerstreiten, was ihm auch mit Hülfe eines in diesem Augenblicke aus Radautz herbeigeeilten berittenen moldauischen Offiziers, Herrn Vaculescul, glücklich gelang. Was den materiellen Schaden des Einzelnen anbelangt, wurden durch die delegirten Commissionen Erhebungen gepflogen, und wäre auch eine Menge der geraubten Gegenstände, welche aber ungefähr nur den 160. Theil des Geraubten betragen, gesunden, da die Meisten, weil die Hausdurchsuchungen zu spät und nur sehr langsam, mitunter auch parteiisch vorgenommen wurden, durch die Inhaber und Be- ) fitzer der Gegenstände solche vernichtet, theils in Brunnen, ( theils in Teiche rc. geworfen, wo auch heute noch Gegenstände fortwährend gefunden und herausgezogen werden, welche vorläufig bis zu einer weitern behördlichen Entscheidung im Communalgebäude zu Darabani gesammelt werden; vor der Hand, vielleicht für immer, bleiben aber die Beschädigten Bettler. Der k. k. Vice Consul Ludwig v. Udrycki m. p. Karl Keller, Aktuar in. p. als Schriftführer. Nachschrift. Wie dem „Wien. Jsr." depeschirt wird, ist Hr. Cimara bereits seiner Haft entlassen, seine Frau har nur — Hausarrest. Vermischte unb neueste Nachrichten. Berlin. Die Statistik der preuß Hauptstadt pro 1875 ergiebt: „Von heirathenden Männern 12,674 evangelische, 1452 katholische, 359 jüdische, 44 dissidentische; von den Frauen waren 13,164 evangelisch, 981 katholisch, 356 jüd i s ch, 28 dissidentisch. Im Ganzen kamen 1919 Mischehen vor, die meisten bei den Katholiken, von denen fünf Siebentel eine Mischehe eingingen; von den katholischen Männern heirathete noch nicht der vierte Theil innerhalb seiner Confession. Von den Juden dagegen ging kaum ein Fünftel eine Mischehe ein. — In Beziehung auf die Confession der Gestorbenen hindert die große Zahl unbestimmter Fälle eine genaue Uebersicht, ließe man letztere außer Acht, so betheiligten sich die Evangelischen etwa mit 30, die Katholiken mit 26, die Dissidenten mit 27, die Juden mit nur 17 pro Mille an den Sterbefällen. Könitz i. Westpr. Auch das hiesige Gymnasium, an welchem Hr. Rabb. Dr. Roth den Religionsunterricht seit 2 Jahren ertheilt, ist ein königliches. Der Rabbiner erhält eine Remuneration aus der Gymnasialkasse. Mainz. Von dem dieser Tage verstorbenen Erzbischof Ketteler wird folgender Zug erzählt: Zur Zeit des Juristentages (1863) hatte K. mehrere Zimmer in seinem Palais für Theilnehmer zur Verfügung gestellt. Unter den 8 Herren, welchen diese Zinrmer vom Comitee zugewiesen wurden, befanden sich zufällig 3 Protestanten und 1 Israelit aus Hamburg. Der sie mit katholischem Gruße („Gelobt sei ..") empfangende Geistliche fragte: „Die Herren sind doch wohl alle Katholiken?" dieselben verneinten die Frage und entfernten sich unverzüglich. Wenige Minuten darauf erschien der Kaplan im Bureau des Juristentages und überbrachte die Mittheilung, daß der Herr Erzbischof das Mißverständniß der Fremden bedauere und sich neue Gäste erbitte, wenn dieselben auch lauter Juden seien. Wiesbaden. Das Ministerium hat — wie die „Voss. Zeitg." berichtet — auf die Beschwerden eines Austrittlers entschieden, daß durch den Austritt aus der Synagogengemeinde dem Ausgetretenen nur das Recht zur Beerdigung von Leichen verloren gehe, nicht aber die Befugniß zum Besuche und zur Ausschmückung von Gräbern, welche bereits rechtmäßiger Weise bestünden. Wien. Die Privatdocenten an der hies. Universität, HHr. Dr. L. Politzer und Dr. Ritter v. Basch, wurden zu außerordentlichen Professoren ernannt. (Wiener Jsr.) (Jüngst auch Herr Dr. H. Breslau zum außerordentlichen Professor für Geschichte an der Berliner Universität.) Fünfkirchen (Ungarn). Herr Oberrabbiner Dr. Kohut erhält zur Drucklegung seiner kritisch-wissenschaftlichen Ausgabe des talmud. Lexicons Aruch (siehe den beiliegenden „Prospect") von der Wiener Akademie den höchsten Unterstützungsbeitrag von 400 fl. zu jedem Band. Mögen jüdische Mäcene ihrerseits bei der Förderung dieses bedeutenden literarischen Unternehmens nicht zurückstehen! Italien. Die Anzahl der Juden im Königreich Italien belief sich nach der Zählung von 1875 auf 35,356 (1861 war die Gesammtzahl: 33,723.) London. Der neue Board of Deputies hat sich constituirt, und es ist erfreulich, daß er gleich in einer seiner ersten Sitzungen den Beschluß gefaßt hat, mit der Anglo-Jewish Association ein Zusammenwirken für die auswärtigen Fragen anzubahnen. Dieser Beschluß wurde gegen eine geringe Opposition gefaßt und geht zunächst dahin, daß die Association ersucht werden soll, ein Comitee von sieben Personen zu ernennen, welches mit einer gleichen Anzahl von Mitgliedern des Board gemeinschaftlich berathen soll. Der Board hat sein Comitee alsbald erwählt, woraus man den Schluß ziehen darf, daß ein bereitwilliges Entgegenkommen der Association nicht in Zweifel gezogen wird. — Dr. Hermann Adler befindet sich seit einigen Wochen auf einer Reise zur Jnspection der israelitischen Gemeinden und Schulen der Provinz, in Stellvertretung seines Vaters. Die Blätter bringen aus verschiedenen Städten lobende Berichte über die von Dr. Adler gehaltenen Ansprachen, sabbathlichen Predigten u. s. w., sowie über den ihm überall zu Theil gewordenen ehrenvollen Empfang. Hoffentlich wird er Ursache haben mit dem, was er gesehen und gehört, und demnach seinem Herrn Vater zu berichten hat, ebenfalls zufrieden zu sein. Taunton (Sommerset). Mr. Myer Jacobs, ein Israelit, ist zum ersten Mayor des Städtchens erwählt worden. Darauf ist ein Briefwechsel zwischen ihm und dem Reverend Jeremias Smith, Pastor in Taunton, erfolgt und veröffentlicht worden. Sr. Ehrw. schreibt, er höre, daß man allgemein annehme, der neuerwählte Mayor sei eine ungetaufte Person, er hoffe, das sei nicht wahr, die Aldermen und Stadträthe würden ja gewiß nicht wissentlich einen Richt-Chriften erwählt haben; er bitte daher um eine öffentliche Erklärung. Jacobs antwortete, er würde vermuthen, daß der Brief gefälscht sei, wenn ihm nicht die Unterschrift des Rev. Smith bekannt wäre, er bekenne sich mit Stolz als ein Mitglied des israelitischen Glaubens u. s w. Die Veröffentlichung der beiden Briefe ist auf Beschluß des Stadtraths erfolgt. „Daily Telegraph" leuchtet dem Rever. Smith heim, bezeichnet ihn als einen Mann, der die letzten dreißig Jahre verschlafen zu haben scheine; er sei aber nicht der Einzige unter dem englischen Clerus, der von priesterlicher Arroganz so vollgestopft sei, daß er glaube, sich in Dinge mischen zu müffen, die ihn gar nichts angeheu, und es sei im Grunde doch traurig, daß man Leute, die in einem fossilen Zustande geblieben, noch lebendig finde. Aus Paderborn erhalten wir nach Schluß der Red. die Nachricht von dem Hintritt des Fräulein Fanny Nathan. Der eingesendete Nekrolog in nächster Nr. — Oft sagt man: „Das Andenken des Gerechten möge zum Segen bleiben" — hier heißt es: es wird, es muß bleiben," die Verewigte hat dafür gesorgt, daß ihr Andenken ein segensreiches bleibt.