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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-07-25 · N° 30. (25.7.1877) · p. Seite 237

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 30. (25.7.1877)
Date
1877-07-25
Page
Seite 237 (sequence 5)
Language
German
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— 237 — prachen, der Mann zu seinem Nächsten, wohlan laßt uns bauen einen Tempel, und seine Spitze soll sein im Himmel, und lasset uns machen einen Namen. Und es ward groß die Freude, als der große Tempel gesehen wurde, welchen die Kinder Israels bauten. Und nun soll weichen der Hader in Mitten der Versammlung, und es soll dieser Tempel stehen als ein Ort der ganzen Versammlung in Ewigkeit. Wohlan laßt uns trinken Wein auf das Bestehen der (Versammlung) Gemeinde dieser Stadt in Ewigkeit von Geschlecht zu Geschlecht." Nürnberg. Es ist dahier ein bemerkenswerther Schritt zur Gründung einer israelitischen Gemeinde-Bibliothek uno eines Lesecabinels gethan worden. Es dürfte daher angezeigt sein, einen Auszug aus den Statuten mitzutheilen, damit das gute Beispiel anderswo Nachahmung finde. „Die Israelitische Gemeinde-Bibliothek will einerseits die jüdische Wissenschaft fördern, anderseits den Gemeindegliedern die Möglichkeit eröffnen, über alle Fragen, die Juden und Judenthum betreffen, sich belehren zu können. — Es sollen die besten jüdischen Zeitungen aller Richtungen gehalten werden. Von Büchern sind znuächst nur solche anzuschaffen, welche in einer der lebenden Sprachen geschrieben sind. Pamphletschriften gegen Inden oder Juoenlhum bleiben von der Bibliothek ausgeschlossen. — Von den Einnahmen der Bibliothek-Cassa sollen alljährlich 100/0 als besonderer Fond zurückgestellt und vorläufig admassirt werden, um in Zukunft an sämmtliche Religionsschüler und Schülerinnen der hiesigen Lehranstalten ein geeignetes Buch jüdischen Inhalts als Chanuckagabe vertheilen zu können. — Die Mittel der Gemeindebibliothek werden gebildet: a) aus den jährlichen Beiträgen der Mitglieder, b) aus etwaigen besonderen Schenkungen. — Mitglied ist jeder tu Nürnberg wohnende Israelit — vom 20. Jahre an — der einen Jahresbetrag von ein er Mark an die Caffa der Gemeindebibliothek entrichtet. Dieser Jahresbeitrag wird in der Woche des Purimfestes als halber Schekel erhoben.*) Wer auf wiederholte Mahnung hin seinen Beitrag nicht leistet, wird als aus dem Vereine ausgeschieden betrachtet. — Die Verwaltung der Gemeindebibliothek besteht aus einem Vorsitzenden, einem Bibliothekar, der zugleich Schriftführer ist, einem Cassier und einem Controlleur. Vorsitzender ist der jeweilige Rabbiner, welcher die anzuschaffenden Zeitschriften und Bücher vorzuschlagen hat. Als Vertreter des Vorsitzenden hat der Bibliothekar zu sungiren. Dieser führt das Verzeichniß der Mitglieder des Vereins, ferner den Katalog der Bibliothek, endlich das Verzeichniß des Inventars. — Als Lokal der Gemeindebibliothek wird von der Administration der israelitischen Cultusgemeinde der Gemeindesaal eingeräumt. Die Zeitirngen werden zum Samstag aufgelegt und liegen die Woche über aus; die Bücher werden vom Portier herausgegeben, dem sie wieder zurückzustellen sind. Vorerst sollen die Bücher nicht nach Hause verliehen werden. Die Bibliothek ist im Sommer täglich von 8—12 und von 2—6 Uhr geöffnet; im Winter nur Samstags und Sonntags während des ganzen Tages. Die Heizung und Beleuchtung an diesen beiden Tagen gewährt die Cultusadministr ition g r a t i s." Die Liberalität der Gemeinde-Administration ist sehr anerkennungswerlh. Ohne diese würde die Sache bei dem überaus geringfügigen Jahresbeiträge nicht durchzu führen sein. Oesterreich. Wien. Das Heft 9 des „Salon" bringt „aus der Gesellschaft" unserer Residenzstadt folgende nicht uninteressante Episode: In einem hiesigen Club, dessen Hauptaufgade neben der Pflege der Geselligkeit darin liegt, Excursionen in das Gebiet der Wissenschaften in Form freier Vorträge und spontaner Diskussionen zu unternehmen, machte sich seit einiger Zeit ein junger Mann dadurch bemerkbar, daß er in den Kreis seiner Zuhörer philos. Fragen warf und dann diese *) Das ist freilich in mehreren Beziehungen nicht ritual,gesetz. mäßig. Es wird aber auch niemand diesen Beitrag als np'TC betrachten und daher die Gabe an die Armen darum nicht verkürzen. (Aed.) Fragen und Thesen in einer jedenfalls originellen Art behandelte und durchführte. Der junge Mann, vom Stamme derer, die nie sterben, wenn sie lieben, aus Ungarn gebürtig, zeichnet sich weder durch seine äußere Haltung, noch durch Eleganz — der junge Philosoph ist sehr arm — noch durch sonderliche Correctheit in der Behandlung der deutschen Sprache aus, er war, was man so bei den Juden der ältlichen Hebräercolonien sagt, ein „Bocher" und die Universität, die der Bocher bis zu seinem Auftreten im Club besucht halte, war das „Cheder". Hr. A.war (und ist es heute noch) ein Nationalist im Sprechen, Denken, Forschen, Discutiren und Disputiren. Gleichwohl fesselte er jedes Mal durch das eigenthümliche seiner Dialectik und durch eine gewisse schneidige Schärfe seines Verstandes. Unter den Clubbesuchern befand sich nun auch ein Mitglied der hohen Aristokratie und dieser Aristokrat sprach von dem jüo. Deiner der Fürstin M(etlernich?). Der junge Mann wurde für einen Abend in den fürstlichen Salon gezogen, wo er über ihm vorgelegte Themen discutiren sollte. Selbstverständlich fand sich an dem bestimmten Abend eine große Zahl aristokratischer Hausfreunde und Hausfreundinnen ein. Das Parquel war vollgepfropft von Fürsten, Grafen, Vicomtes und Baronen mit deren Frauen, von Botschaftern, Gesandten und Consuln u. s. w., Alles drängte sich in die Mitte des Salons, wo einige heroorrageitde Geister der hier versammelten aristokr. Welt sich um den neuen philos. Stern gruppirten, um den frischentbeckten Plato frei phantasiren zu lassen. Derselbe zeigte sich durchaus nicht lampenscheu und ging auf alle ihm vorgelegten Fragen mit solcher Schlagfertigkeit ein, daß die Vertreter der Aristokratie und Diplomatie geradezu verduzt waren und ihrer Be- und Verwunderung leisen und lauten Ausdruck verliehen Sei es, daß Hr. A. die Situation rasch begriff, oder daß er sich aus Prinzip und philos. Ueberzeugung so gab, kurz er entpuppte sich als fanatischer Gegner Schopenhauers und baS kam dem optimistischen Auditorium gar sehr gelegen. Die christkatholischen Zuhörer und Zuhörerinnen zischelteit Beifall, klatschten in die Hände, und die Fürstin legte schließlich einen Bogeit auf, auf welchem sich jeder der Anwesenden mit einem gewissen Betrage einschreiben mußte und die Summe der Beträge war so groß, daß der juuge Philosoph für die nächste Zeit ausgesorgt hätte. Wenn also in 10, 15 oder 20 Jahren ein neuer Name auftaucht, der den des Arthur Schopenhauer in den Grund bohrt, ein Name, der mit seinem Denken und seinen Systemen die Welt erfüllt (mit A anfängt und mit n aufhört), so wiro man sich erinnern, daß der Glanz des jungen Gestirnes im Salon der Fürstin M. aufging. Rumänien. Darabani. (Pro tokoll d er Com m is fi o n. — Schluß) Wie bei allen Israeliten, bestand der größte Theil des Vermögens in Wechseln, Obligationen, Contrakten rc. rc., welche, wie überhaupt alle vorftndlich gewesenen Bücher und Bibliotheken, in Stücke geriffen die Blätter auf die Straßen geworfen und dem Winde preisgegeben wurden. Polster und Federbetten wurden zerrissen und auf die ähnliche Weise, wie die Bücher behandelt. Dagegen wurde bemerkt, daß die werthvolliten Goldnnd Silbergegenstänoe, Schmuck, Perlen rc. zu dem Wagen der Gutsfrau gebracht, und von derselben in Empfang genommen wurden. Die in den Gewölben und Wohnungen vorftndig gewesenen Waaren, Wäsche, Kleidungsstücke, theuere Pelzwerke wurden von dem Volke geraubt, auf Wägen geworfen, und führte oder trug sich jeder einzelne dabei gewesene, groß oder klein, seine Beute nach Hause. Zufällig kam der in Czernowitz wohnhafte Sohn der Gutsfrau erster Ehe, Michail Stourza, sammt Gemahlin auf Besuch seiner Mutter nach Darabani, wo er auf der Straße zwischen Darabani uno Dorohoy einem Juden im vollsten Laufe begegnete, denselben anhielt uno von ihm erfuhr, welche Metzeleien uno Gewaltthaten in Darabani auf Befehl seiner

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