Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 28. (10.7.1877)
- Date
- 1877-07-10
- Page
- Seite 222 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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222 wird Prof. Di\ Ladenburg an dem 400jährigen Jubiläum der schwed. Universität Upsala theilnehmen. L. ist Israelit, ein Badenser von Geburt. (Was will dagegen der Jammerruf bedeuten, den Dr. Nittler in dem Fr. Volksblatt ob der auf der Universität München herrschenden Zustände ausstößt: „Der ursprüngliche stiftungsgemäße Charakter der Hochschule ist verloren gegangen. Der Protestantismus, das Freimaurerthum, die Rebellion gegen Rom und alle Bundesgenossen der Antikirche haben heute ihr Zelt in der stiftungsgemäß katholischen Universität aufgeschlagen; selbst das Judenthum hat daselbst eine Freistätte gefunden.") Paris. Eine von Herrn Cremieux angeführte Deputation der israelitischen Allianz hat sich zu Midhat Pascha, der seit einigen Tagen in Paris weilt, begeben, und ihm ihren Dank für die freundlichen Gesinnungen ausgesprochen, die er gegen ihre Glaubensgenoffen als Verwaltungs-Chef in Rustschuk, Bagdad und Salonichi, sowie später als Großvezier in Konstantinopel an den Tag gelegt hat. Midhat-Pascha erwiderte, er hätte nur die Grundsätze seiner Regierung zur Anwendung gebracht, Grundsätze, in denen die Türkei jetzt allein ihr Heil finden könnte. Was die Israeliten insbesondere betreffe, so könne einem Türken gar nicht der Gedanke kommen, sie zu verfolgen, da er vielmehr in ter ungerechten Verfolgung, der sie seit Jahrhunderten in der ganzen Welt ausgesetzt gewesen wären, nur einen Rechtstitel auf seine Theilnahme und Sympathie erblicken könne. London. Sir Moses Montefiore hat dem Board of Deputis kundgegeben, daß er bereit seit, nochmals nach Marocco zu reisen, um sich bei dem Sultan wegen den neuerdings vorgekommenen Behelligungen der Juden zu verwenden, falls der Board dies für geeignet halte. Sir Moses ist fast 93 Jahre alt. „Der Vulkan, sagt „Jew. Chr.", hat Schnee auf seinem Gipfel, aber in seinem Innern lodert Feuer." Es versteht sich von selbst, daß das Anerbieten dankend abgelehnt wurde. — Die Anglo-Jewish -Association hat ihre jährliche Generalversammlung unter großer Betheiligung abgehalten. Dem Berichte sind Notizen über die Juden in Kurdischan angefügt. Wir kommen auf Beides zurück. — Sir George Iessel, Master of the Rolls, feierte am 26. v. M. die Hochzeit seiner Tochter. Am Sonnabend vorher wurde der Bräutigam zur Torah gerufen und der Schwiegervater stand dabei als Segan — es scheint das in England ein Vorrecht des Brautvaters zu sein — hatte auch Hagbaha; er, der Bräutigam und andere Verwandte „schnoberten" verschiedentliche Beträge von circa je 50 Pfund. Die englischen Blätter — auch die Times — berichten darüber ausführlich und minutiös. Wir, ihre deutschen College», kommen nicht in die Verlegenheit, unsern Raum mit Derartigem zu überfüllen. Terbend (Daghestan). Vom fernen kaspischen Meer wird dem „Hamagid" der am 11. Siwan erfolgte Tod des Oberrabbiners der Juden in Daghestan, R. Schaak, berichtet. Derselbe wurde 83 Jahre alt, war tief gelehrt, unablässig bis zum letzten Alhemzuge dem Studium der Torah obliegend, dabei von wunderbarer Frömmigkeit und Askese. Er leitete die Juden Daghchans sehr friedlich und war auch bei der Regierung, die ihm mehrere Auszeichnungen verlieh, sehr angesehen. Aleppo. Zwei junge Israeliten aus einer der angesehensten Famiüen wurden voll armenischen Mühlenbeiitzern unter dem Vorwände wichtiger Geschäfte in die Mühle gelockt, ermordet und einer großen Geldsunime, welche >ie bei nch hatten, beraubt. Da die Mörder entdeckt und eingesperrt sind, so ist zu hoffen, daß sie bestraft werden. (Jew. Chr.) Tiflis. Der Polizeichcf hat die vornehmsten Juden vorladen taffen und ihnen eröffnet, daß nach bestehendeil Ge- I setzen den Juden der Aufenthalt in Tiflis verboten sei, es hätten demnach die ärmeren binnen 14 Tagen, die wohlhabenderen binnen Monatsfrist die Stadt zu verlassen. Die Juden wendeten sich in ihrer Angst an den Gouverneur, den Großfürsten Michael, welcher den Aufenthalt gestattete.' Da der Polizeichef sich in Geldverlegenheit befand, so hatte er wahrscheinlich eine andere, seiner Kaffej günstige Wendung erwartet. (I. World.) Japan. In Japan und zwar in Aokohama erscheint jetzt das erste Journal in einer europäischen Sprache. Der Herausgeber ist ein elsäffer Israelit, Namens Cerf. Levy. Das Blatt heißt „Echo de Japan." (Univ. Jsr.) Jerusalem. In Folge des Krieges, der Geschäftsstockung, der Enlwerthung des Papiergeldes und schlechter Ernte, ist eine furchtbare Theuerung und Nolh hier entstanden. Sowohl aus Jerusalem wie aus den anderen Städten in Palästina kommen Hilferufe, von denen wir ganz besonders den im Jnseratentheil abgedrnckten den Lesern ans Herz zu legen nicht verfehlen Aus Rußland. Im Gouvernement Woronesch bestehen schon seit längerer Zeit kleine Gemeinden von sogenannten „Sabbolniki" (Sabbalhianern), welche eine gewisse Hinneigung zu dem Judenthum hatten, sich aber nur dadurch zu erkennen gaben, daß sie auch den Sabbath feierten, während sie im klebrigen sich von den orthodoxen Geistlichen taufen und trauen ließen. Neuestens stellt es sich jedoch heraus, daß sie auch die Beschneidung adoptirt haben und daß der Bauer Ephun Botscharenkoff im Dorfe Ozerock als ihr Rabbiner fungirt und jene jüdische Cereinonie vollzieht. Seit die milde Negierung des Kaisers Alexander II. allen Secten gegenüber, mit Ausnahme der Skopzen, mit Nachsicht auftritt, wagen auch „Sabbotniki" sich etwas mehr an das Tageslicht hervor. Sie nennen sich jetzt „Gläubige der Bibel Moses", verwerfen die Gottheit Christi und Maria's, beten die Heiligen nicht an, haben ihre Heiligenbilder fortgegeben und unter die Nachbarn vertheilt, tragen kein Kreuz auf dem Halle und bekreuzigen sich nicht, sondern sagen: „eher laffen wir uns die Hand herunterhauen, als daß wir mit ihr das Kreuzzeichen machen." Auch fangen sie an, den orthodoxen Priestern aus dem Wege zu gehen und den Kirchenbesuch zu unterlaßen. Sie haben sich bereits wiederholt an den Minister des Innern, mit der Bitte gewandt, ihnen besondere Kirchen anzuweisen, haben jedoch keine Antwort erhalten. Das Merkwürdigste ist, daß sie alle ächte russische Nationalbauern sind. Bukarest. Der „Monitorul" enthält einen amtlichen Bericht des Ministers Braliano an den Fürsten Karl, wonach bei Mitgliedern des Gemeinderaths zu Darabani mehrere von den Juden geraubten Gegenständen gefunden wurden; sie waren also Mitschuldige. Der Gemeinderath zu D. ist deshalb aufgelöst worden. Feuilleton. Der letzte Jude. (Fortsetzung) „Ist man ein Hans-Narr, wenn man im Herbit des Lebens an den warmen Strahlen der Liebe eines Weibes sich sonnt? Da grünen wieder die vergilbten Märchen der Jugend, und vergessene Träume dämmern wieder auf. In die alten Schläuche des Lebens ergießt sich neuer Wein und neuer Schaffensdrang hebt die Pulse. Nennt Ihr das etwa Narrheil?" Lämchen kam einen Schritt näher und sagte lächelnd: „Potz, Ihr schwärmt ja ordentlich." Ah, er kommt schon näher, dachte Willner, und fuhr