Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 28. (10.7.1877)
- Date
- 1877-07-10
- Page
- Seite 221 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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| Cimara forberle nun von den Inden 40,000, sage vierzigi tausend Dukaten, wenn er allen seinen Ansprüchen entsagen r solle, ein Verlangen, dem die Inden weder Nachkommen konn- [ len noch wollten. — Die Cimara's scheinen nur anfangs i das Feuer mit dem Vollzüge ihrer Rache haben betrauen zu l wollen Es wurde nämlich Freitag Nacht, 2. Juni, an das i Holzlager des Israeliten Joseph Baratz Feuer gelegt, welches f jedoch die Inden noch rechtzeitig löschten. k Die Gräuelscenen, welche dann am andern Tage folgten, sind s bereits geschildert; meine Gewährsmänner geben über die! Opfer derselben folgendes Nähere an. Selig Baratz wurde i derartig mißhandelt, daß man an seinem Anfkomwen zweifelt;! Moses Lohm wurde von drei Schüssen getroffen, von einem l in den Bauch; Chaiin Nissiin Segall fand nian ans der Schwelle f seines Hauses in einer Blutlache liegend. Ferner ist Henoch | Nemen durch Schüsse verivundet. Die Zahl der demolirlen j jüd Häuser beträgt 159; 65 Personen beiderlei Geschlechts sind I verletzt, 18 erheblicher mißhandelt und verwundet, darunter am schwersten die vier oben genannteil Männer. Selig Baratz ist in das kleine Hospital zu Doroboi gebracht worden, wo ihm die Aerzte mehrere Kugeln aus seinen Wunden zogen. Die benachbarten Gutsbesitzer versorgen die unglücklichen Beraubten mit Brot. Erwähnenswerth ist, daß die Frau Cimara den Bauern zugerufen hat: „Frisch an's Werk, rasch, denn die Regierung hat ein neues Gesetz gegeben, daß alle Juden gelödtet und beraubt werden sollen!" Wäre Hr. Stürza, Sohn der Cimara ans erster Ehe, nicht den unglücklichen Juden i zu Hülfe gekommen, ja als Reitungsengel erschienen, wer weiß, ob ein jüdisches Wesen im Städtchen Darabani lebend davon gekommen wäre. Dieser Hr. Stürza kam nach Dai rabani, sah die Greuel und stürzte sich mit eigener Gefahr unter die Bauern, um sie von weiteren Schandlhaten abznhalten. Er soll vor Schmerz und Zorn außer sich gewesen sein, seine Mutter eine Furie genannt und geschworen haben, sie nie mehr sehen zu wollen. (Auch die „Franks. Ztg." und andere Berichte erzählen diese glückliche, entschlossene und für ahn selbst nicht ungefährliche Intervention des Hrn. Stürza. — Wir erhalten soeben vom Berliner Hilfscomite für die rum. Juden das amtliche Protokoll über diese Judenhetze, das die Gräuelthateu bestätigt. Wir werden es, insoweit es Neues enthält, in nächster Nr. bringen. Red.) Wahrhaft heldenmäßig ist die Lügenhaftigkeit, mit der einige rumänische Blätter die Darabaner Verfolgungen zwar wahrheitsgetreu angeben, aber die Schuld am Ausbruche der Massacre den Juden, hauptsächlich einem gewissen Horowitz in die Schuhe schieben. — Die Darabaner Juden sollen von der Negierung eine Entschädigung von 50,000 Dukaten verlangen. Darüber fallen die rumänischen Journale wüthend her, sie schimpfen, die Juden wollten frisch nach der That für ihre der rumänischen Arntee gespendeten Gaben (10,000 D.) das Fünffache wiederhaben. Der Jidan, heißt es, gibt mit . der einen Hand und nimmt mit der anderen das Gegebene | wieder. In der Weise wird also den Inden für ihre paj triolijche Haltung und Opferwilligkeit Vergeltung. Türkei. Die „A. Z." hat nähere Nachrichten aus Syrien und Palästina, und zwar zunächst aus Jerusalem und Damaskus. Danach wäre die im vorigen Monat gemeldete Aufregung unter der Bevölkerung nicht sonderlich bedeutend, und von einer bestehenden Gefahr für die dort wohnenden Christen nicht die Rede. Trotzdem haben viele europäische Faniilien Jerusalem verlaffen und sich nach Jaffa begeben, um sich von da nach Europa einzuschiffen. Damaskus entzieht sich, schon seiner Lage wegen, einer genaueren Controle, und die dortige Bevölkerung ist in jeder Beziehung christenfeindlicher als die von Jerusalem. Das furchtbare Blutbad im Jahre 1860, das die Drusen unter den Christen anrichteten, wobei das ganze Christen- und Juden-Viertel verbrannt wurde, und das strenge Repreffalien vorzüglich von Seiten Frankreichs hervorrief, ist noch in aller Andenken. Der Berichterstatter selbst hat bereits vor einigen Jahren, wo also noch Niemand an den jetzigen Krieg dachte, einen deutschen Kaufmann gesprochen, der sich einige Monate seiner Geschäfte wegen in Damaskus aufgehalten und eben so betrübende wie beunruhigende Schilderungen von der dort herrschenden christenfeindlichen Stimmung geinacht hat. Er behauptete geradezu, daß es dort bei irgend einem besonderen Anlaß leicht wieder zu einer Christenverfolgung kommen könne. Jetzt ist dieser Anlaß in vollstem Maße geboten, und es ist auch den dortigen christlichen Familien nicht zu verdenken, wenn sie sich bei Zeiten vorsehen und, was auch schon mehrfach geschehen ist, mit ihrer beweglichen Habe nach Beyrut ziehen, um sich von dort gleichfalls nach Europa einzuschiffen. Daß mit einer solchen gezwungenen, einer Flucht sehr ähnlich sehenden Reise große materielle Verluste verbuitden sind, und daß viele Tausende dadurch in Bedrängniß und Noth gerathen, ist natürlich; aber das ist der Fluch des Krieges, dessen furchtbare Verantwortlichkeit Diejenigen zu tragen haben, die ihn heraufbeschworen. Vorsicht ist mithin den Christen j?ner Städte und auch den Juden, die den Drusen eben so verhaßt sind, dringend geboten, und zwar jene praktische Vorsicht, die sich im eigenen Handeln zeigt, und sich nur um Gotteswrllen nicht auf diplomatische und consularische Vermittelung verläßt; denn was es mit der ersteren auf sich hat, hat man zur Genüge kennen gelernt. Auch aus Aleppo (Haleb) treffen ähnliche Nachrichten ein, aber milderer Natur, schon weg.-n der größeren Toleranz der dortigen Bevölkerung, wodurch jene Stadt längst vonheilhaft bekannt ist. Aber auch Aleppo hatte im Jahre 1850 eine Christenverfolgung, die vielleicht ähnliche Proportionen angenommen hätte, wie die von Damaskus, wenn sie nicht von Abdul Kerim Pascha, dem j-tzigm türkischen Generalissimus, sofort sehr energisch unterdrückt worden wäre. Vermischte und neueste Nachrichten. Lissa (Prov. Posen), den 2. Juli. (Or.-Corr.) Am hiesigen Orte ist ein Königl. Gymnasium, an welchem jüdischer Religionsunterricht seit Jahren eingeführt ist und wird aus der Gymnasialkaffe dafür gezahlt. Auch ein jüdischer Gymnasiallehrer ist angestellt und zwar vielleicht 20 Jahre lang als Hülsslehrer, unter Falk definitiv und nun seit 3 Jahren etwa mit dem Titel Oberlehrer. Derselbe heißt Oberlehrer Töplitz, ist Ordinarius einer Klaffe und sind außerdem dessen Spezialfächer Mathematik und Physik. Kassel, 1. Juli. Unser Landsmann, der kürzlich zu Wien verstorbene Dichter v. Mosenthal hatte testamentarisch angeordnet, daß nach seinem Ableben die ihm verliehenen Orden, soweit dieselben nicht zurückgegeben werden müffen, in der hiesigen Synagoge aufgehängt werden sollten. Die Testaments- Erecutoren hallen in Folge dieser Verfügung die betreffenden Orden an die Synagogen-Aeltesten,zu Kassel gesandt mit der Bitte, dem Wunsche des Verblichenen nachzukommen. Der Land-Rabbiner Dr. Adler, von den Synagogen-Aeltesten um seine Einwilligung zum Aufhangen in der Synagoge angegangen, hatte dem kurheffischen Land-Rabbinate, gegenwärtig durch den Land-Rabbiner l)r. Adler zu Kaffet selbst, den Provinzial-Rabbiner Felsenstein zu Hanau, den Pcooinzial-Rabbiner Dr. Munk zu Marburg und ein weltliches Mitglied vertreten, diese Frage zur Entscheidung vorgelegt. Das Landrabbinat hat sich jetzt in einem molivirten, vom Provinzial- Rabbiner Felsenstein zu Hanau ausgearbeiteten Schreiben dahin ausgesprochen, daß es auf Grund der bestehenden israelitischen Religions-Gesetze nicht gestattet sei, die Orden Mosenthals in der Synagoge zu Kaffel aufzuhängen, und daß daher das in diesem Betreff von den Testaments-Executoren zu Wien gestellte Ersuchen lediglich abgelehnt werden müffe. Kiel, 1. Juli. (Or -Corr.) Die gestrige „Kieler Zeit." meldet: Als der Vertreter der Christian-Albert-Univerfität