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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-07-10 · N° 28. (10.7.1877) · p. Seite 219

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 28. (10.7.1877)
Date
1877-07-10
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
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NW Kttlh- ■ eine l, alz n> in Pieren anz- >ai>en- Restl> da- Auerveraber ersöhibre (jiPICÖ Erichen auses uitö eiPniajroei Jnsiach- Pttter ubert eben mert, chkeit essen t in. alles Itlid) lsr" glich mit: ldete euk iben Hl’II, pro- >ioß. mal gäbe inte, 13. neckt rinchts nhrongs- P rünaU Spiegelfechterei, aus dem Umstand, daß nur */i« der pr. Gemeinden sich durch Unterschrift der Bewegung angeschlossen haben, der nicht beigetreteneu 13/i6 wegen den Erfolg zu bemängeln? Wenn es unsren! Gegner, der doch in der Agitation geschickter ist, gelingt, eine gleiche Zahl von Gemeinden für seine Ansicht zu gewinnen, dann wollen wir uns dazu verpflichten, ihm zu glauben, daß auch die noch übrigen I0/16 auf seiner Seite flehen. Bis dahin aber werden wir in der zahlreichen Betheiligung an unserer Petition das Kennzeichen dafür erblicken, daß wir das Rechte wollen, und uns durch eine ev. Ablehnung Seitens des Ministerinnis von der weiteren Verfolgung der hochwichtigen Angelegenheit nicht abfchrecken lassen, in der Ueberzeugung, daß hinter uns nicht nur 3/ls der jttd. Gemeinden, sondern weitaus die Mehrzahl stehe — der jüd. Gemeinden, sagen wir, nicht bloß, wie durch eine weitere Spintisirerei des „Jsr." bemängelt wird, der jüd. Gemeinde-Vorstände. Spaßhaft ist die Lehre, welche sich aus unserer Agitation für obligat. Religionsunterricht ergeben soll. Es gehe daraus hervor, meint der geistreiche Vers, daß es eine Anzahl jüd. Gemeinden gebe, welche sich derart frei von der Verpflichtung glaube, ihre Kinder für die Religion der Väter zu erziehen, daß sie sich an den Staat mit der Bitte wende, die ihm unterstellten jüd. Eltern zur rel. Erziehung ihrer Kinder zu zwingen u. s. w. Eine schwerwiegende Thatsache nennt er dies. Mit Recht, so schwer, daß ein aus gewöhnliche Logik geaichter Verstand sie nicht zu tragen vermag. Gemeinden, die sich an den Staat mit der Bitte um .obligatorischen Religionsunterricht wenden, sollen sich frei von der Verpflichtung fühlen, ihre Kinder für die Rel. zu erziehen! Was Wunder, wenn ein dieser Leistungen fähiger Verstand die einfache Anstandsregel nicht zu begreifen vermag, daß man ein an eine bestimmte Person gerichtetes Schreiben dem Adressaten zuerst übergeben muß? Tie mit gewöhnlicher Logik ausgerüsteten Gemeinde-Vorstände scheinen dies Verfahren nur als Pflicht der Discretion angesehen zu haben und erklärten sich offenbar zufrieden damit, daß ihnen der Inhalt der Petition und der Gang seiner Motivirung nntgetheilt wurde, den Unterzeichnern des Aufrufs vertrauensvoll die Feststellung des Wortlauts überlassend. Dabei an künstliche Erzeugung össentlicher Meinung zu denken, überlassen wir mit Vergnügen jenem höher begabten Logiker. — Ich habe zwar den zweiten unsere Petition betreffenden Artikel des „Jsr." nicht gelesen, habe aber, wenn derselbe nicht Sachlicheres vorbringt, aus den am Eingänge dieser Zeilen angedeuteten Gründen, weder Zeit noch Lust, mich mit der Widerlegung von Argumenten zu beschäftigen, die nur vorgebracht scheinen, um eine Reihe von Leitartikellücken zu füllen. Nachschrift v. 5. Juli: Dielmir eben zugehenden Artikel 2 u. 3 des „Israelit" über die Religionspetition sind nichts weniger als geeignet, meinen Vorsatz, auf ihre Widerlegung mich nicht einzulassen, umzustoßen. — Nur uni dem Wunsch des Herrn Red. d. Bl. zu genügen, einige Worte. Eine seltsame Logik ist es, welche aus den Worten: „wir zweifeln nicht daran, daß Sr. Excellenz unsre Ansicht theilt" zu deuten verniag, daß wir dieseMnsicht selbst für so „harmlos und allgemein anerkannt" halten. Daß der obligatorische Religionsunterricht nicht nur, sondern anch der Religionsunterricht überhaupt seine sehr zahlreichen Gegner habe, ist uns zu bezweifeln nie in den Sinn gekommen. Wer das thäte, der wandelte geschlossenen Auges unter unfern Zeitgenossen. Was die Petenteri aber nicht bezweifelten, das war die Nichtzugehörigkeit Sr. Excellenz zu jenen Gegnern. Sie schlossen das aus den ganzen Antecedenzien desselben und wagten die Bitte, die wohlthätigen, zu Gunsten des Chrisienlhums getroffenen Einrichtungen auch auf das Judenthum auszudehnen. Anstatt der vielen, wenig hingehörigen Citate (Sand in die Augen des weniger sorgfältigen Lesers!) hätten daher jene Artikel, uni die Ansicht der Petition zu widerlegen, den Nachweis zu führen gehabt, daß die Petenten in ihrer Hypothese sich geirrt habeu. Das ist aber nicht geschehen, statt dessen aber wird der Leser mit einer Reihe von Phrasen regalirt, die ernstlich kaum discutirt zu werden brauchen. Wie malt in einem Kopfe sich die Welt, der zu dem Satze: „die Religion sei ein wichtiges Element in deni Systenl der Jugenderziehung" bemerkt, das Umgekehrte sei wahr: die Jugenderziehung sei ein wichtiges Element der Religion; oder zu dem Satze: religiöses Wissen ist ein intregrirender Theil der allgemeinen Bildung, das Umgekehrte sei wahr: allgemeine Bildung ein integrircnder Theil der Religion! Das ist wohl nicht mehr „umgekehrt", das ist „verkehrt". Vergebens sucht sich solcher Nonsens unter der Diesterwegffchen Flagge mit der Devise: „Rur her wirkt religiös, dem Alles Religion ist" zu decken. — Ebenso wird nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht leicht Jemand den alten fortschrittlichen Schlachtruf: „Trennung von Schule und Kirche" gelten lassen. Man erinnere sich, daß auch die Fortschrittspartei die Gesetze über die Prüfung der Theologen u. f. w. unterstützt. Nur absolute Feinde der Religion, welche deren Discreditirung durch Fanatiker im Geheimen wünschen, und diese Fanatiker selbst, welche unter der Leitung des Staats ihr Feuer gedämpft sehen, und Solche, welche ein Interesse an der Volksdummheit haben, lassen diesen Ruf ab und zu ertönen. Die wahren Freiheitsfreunde unserer Zeit sind zumeist von dieser Forderung zurückgekommen. Magdeburg, 6. Juli. Die nachfolgenden, von befreundeter Hand mir zugegangenen Excerpte aus „Stromeyer's Erinnerungen eines deutschen Arztes." (1875.^ II. p. 135) dürften für die Leser dies. Bl. nicht ohne Jntereff sein: „Der als Praktiker später so berühmte Dr. Herz, schreibt St., unter nahm es, mein Privatassistent zu werden. Er war ein so kleiner, zierlicher Mann, daß Professor Jäger, bei dem er sich um die Stelle eines klinischen Assistenten bewarb, ihm scherzend erwiderte: „Meinen Sie denn, daß ich Ihnen immer einen Schemel besorgen soll, wenn Sie mir assistiren". Seine Stellung bei nur war keine Sinecme, da er die von mir Operirten zweimal allein und einmal in meiner Gesellschaft besuchen mußte. Wir hatten oft 20—30 Klumpfüßige zu gleicher Zeit zu behandeln, die Erlangen suchten, sie schienen aus der Erde zu wachsen. Herz wurde später Prosektor und außerordentlicher Professor der Anatomie. Die operat. Orthopädik, welche ihm nach meinem Abgänge von Erlangen als Erbt heil zufiel, brachte ihn rasch in eine große medicinisch chirurg. Praxis, nüt der er meinen Nachfolgern sehr im Wege war. Nach seinem 1871 erfolgten Tode wollte man ihm ein Monument errichten. Ich fand dies übertrieben, weil er für die Wissenschast nichts gethan hat, denn außer seiner Dissertation über das Enchondrom lieferte er nur einen Bericht über die Fortschritte der Orthopädie. Eine Stadt, die für Schrege und Jäger kein Monument aufzuweisen hat, durfte nicht mit Herz anfangen. Man wollte in ihm aber nicht blos den trefft. Arzt, sondern auch den Vertreter des Judenthums ehren. Er war dem Glauben seiner Väter treu geblieben, obgleich er fand, daß dieser ihm in der academischen Carriere hinderlich sei. Als man ihn bei Vacantwerden einer 2. Professur der Anotomie übergehen wollte, drohte er, Erlangen zu verlassen und wurde dann zum ordentl. Professor ernannt, der erste Israelit in Bayern, dem dies gelungen. Er liebte schon in jungen Jahren eine schöne Christin, die Tochter eines der angesehendsten Professoren in Erlangen und sie hatte ihm ihre Gegenliebe geschenkt. Heirathen konnten sie sich nicht, weil Herz dem Judemhum nicht entsagen wollte. So blieben sie Beide unvermählt einander treu ergeben. Ich habe dieses Verhältniß nie begriffen. Herz durste nicht zum Christenthum übergehen, um Profeffor zu werden; aber um seine Geliebte glücklich zu machen, warum nicht? Was sind Moses und die Propheten gegen das Glück eines geliebten Mädchens? Aber Friede sei seiner Asche, er war ein trefflicher Mensch, dem ich wenige an die Seite stellen kann, edel und liebevoll, als Arzt gründlich und bescheiden, unermüdlich in Erfüllung seiner Pflichten. Ich habe sein Andenken dadurch geehrt, daß ich nie ein hartes Wort über seine Glaubensgenossen aus sprechen konnte." (Schl, f.) R.1.

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