Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 26. (28.6.1877)
- Date
- 1877-06-28
- Page
- Seite 206 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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borne Balsch, die Megäre von Darabani, kürzlich auch einen Prozeß gegen einen Juden verloren hatte, und daß die Excesse in Jassy in der Nacht begangen wurden, nachdem e b e n der Kaiser von Rußland auf der Reise nach Plojeschti Jassy passirt hatte. Die Studenten hatten ihn am Bahnhofe begrüßt und — warfen fich dann auf die Judenhäuser. Die leichteste Art ihren Eifer für die Macht und Unabhängigkeit ihres Vaterlandes zu bethätigen. Es liegt aber in dem pöbelhaften Spiel doch tieferer Sinn. Der Krieg ist nun einmal zu eine>n Kreuz - zuge geworden, und der Czar vertritt, wenn auch wider Willen, Papst Urban und Peter von Amiens in einer Person, (zu der des Gottfried scheint er keine Lust zu verspüren.) Ist der Kreuzzug eröffnet, so wirft sich die Meute auf die Juden, heut in Rumänien wie im Jahre 1096 des Heils, oder 13nn des Unheils, in anderen Ländern. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Nachdem an den beiden hiesigen städtischen Realschulen seit Ostern d. I. der jüd. Religionsunterricht durch den Rabbiner ertheill wird, hat der hiesige Vorstand nunmehr auch den Lehrer Meyer dem Provinzial- Schulcollegium zu demselben Zwecke präsentirt; dasselbe hat gegen dessen Anstellung, nichts zu erinnern gefunden. H. M. wird also demnächst zur Assistenz des Rabbiners ebenfalls an den gen. Anstalten Unterricht ertheilen. So macht die gute Sache allmählich erfreuliche Fortschritte. Gleiwitz, 22. Juni. (Or -Corr.) Ich beeile mich, Ihnen die traurige Mittheilung zu machen, daß der Vorstand das Gesuch der Gemeindemitglieder um Rücknahme des unerhörten Predigtverbotes abschläglich beschieden hat, und dabei verharret, daß die Kanzel bis Neujahr dem Rabbiner verschlossen bleibe. Diese schmachvolle Maßregel ist geeignet, jedem auf Bildung und Anstand Anspruch machenden Gemeindemitgliede das Blut ins Angesicht zu treiben Inzwischen sind die beiden letzten Peßachpredigten unseres Rabbiners im Druck erschienen und liegen der unparteiischen Beurtheilung vor. (Wir werden auf dieselben in nächster Nr. ausführlich zurückkommen. Red.) Saargemünd. Herr Lion Grumbach, Banquier, Mitglied des Generulralhs und des israelitischen Consistoriums, ist durch kaiserliche Verordnung zum Maire der Stadt ernannt worden. Holland. In der verstorbenen Königin der Niederlande haben die Israeliten eine Freundin und Wohlthäterin verloren. Sie war, wie bekannt, eine hochgebildete Frau, und sie war ebenso wohlwollend, wobei sie zwischen den Angehörigen der verschiedenen Confessionen gar keinen Unterschied machte. Hiervon wurden den Juden im Haag viele thatsächliche Beweise zu Theil, ganz besonders aber verdanken ihr die jüdischen Armen in Amsterdam sehr viel Gutes. Sie war Patronin weherer hervorragender jüd. Anstalten und zeichnete reichliche Beiträge zu deren Fonds. Unter anderen intereffirte sie sich lebhaft für die Darlehnskasse und den Wohlthätigkeitsverein der Diamantschleifer; wo immer ein Bazar oder eine Lotterie zum Besten eines isr. Vereins veranstaltet wurde, waren stets einige der höchsten Preise, meist kostbare Kunstwerke, Gaben Ihrer Maj. Bei dem jährlicheit Staatsbesuche des Königspaares in Amsterdam besuchte die Königin nicht nur viele jüd. Anstalten, Schulen u. s. w. sondern auch Häuser armer Juden. (Jem. Ehr.) Paris. Zu dem im vorigen Blatte berichteten Falle der Taufe eines kleinen Judenmädchens, welches sich mit seiner Mutter in einer Strafanstalt befand, ist noch ein hübscher Nachtrag zu verzeichnen. Der Geistliche der Anstalt, welcher das Werk echt christlicher Barmherzigkeit und wahrhaft apostolischen Muthes verrichtet hat, vertheidigt sich gegen Angriffe, die in der Presse erhoben werden, durch folgende geistreiche Wendung. „Man sagt mir, Mutter und Kind haben der israelitischen Religion angehört. Dies ist ein Jrrthum, die Mutter war Israelitin nach Stamm und Religion, das Mädchen war nur dem Stamme nach Israelitin, denn es hatte keinerlei „Weihe" erhalten, war nicht in ein Register des mosaischen Cultus eingeschrieben. Die kleine Kranke war nicht mehr Israelitin der Religion nach, als das Kind einer katholischen Frau vor der Taufe Christ ist." — Der vom 16 Mai — wie schon berichtet — abgesetzte Präsekt des Saöne et boire-Departements Hendls, hat von den Vertretern des Bezirks eine anerkennende Adresse erhalten, worin ihm mit Bedauern ein Lebewohl und mit guter Hoffnung ein „Auf Wiedersehen!" zugerufen wird. Ein Journal des Departements spricht die Gefühle der Hochachtung aus, welche Hr. Hendld „unter schwierigen Verhältnissen, trotz seiner bekannten Ueberzeugungen und selbst seiner Religio u," sich zu erwerben verstanden ha t. — Der Oberstlieutenant im Generalstabe, Hr. Abraham Bernard (Bermond) aus Nancy, ist zum Artillerieoderst ernannt worden. — Hr. I. Derenbourg, Mitglied des Instituts, ist zum Professor der nach-biblischen hebräischen Literatur an der Ecole des hautes etudes ernannt worden. — Hr. Baron Edmond v. Rothschild ist an Stelle des sel. Alb. Cohn zum Präsidenten des Wohlthätigkeits-Comitd erwählt. Das ist ehrenvoll für den Baron und für den Verein; möge der Erwählte einigermaßen die Stelle des Unersetzlichen ausfüllen! Montpellier. In einem geharnischten Briefe in der „Repub] du Midia wendet sich Hr. Vioal Naquet gegen den schnöden Gewissenszwang, den man jüngst bei einer katholischen Prozession gegen jüdische und protestantische Soldadaten geübt hat, welche die Prozession begleiten, Spalier bilden und vor den s. g. Heiligthümern einer fremden Religion niederknien mußten. Es sind das die zahlreichen jüdischen Freiwilligen aus Algier; es sollen und werden bald auch Muselmänner in die Armee einlreten, ob man auf solche Weise eine Assimilirung der Elemente in Algier zu erzielen gedenke? Algier. Im 18. Mai starb der älteste der Rabbiner des Landes R. Jakob Smadja, 84 Jahr alt. Sohn eines Kaufmanns, hatte er sich früh den Studien gewidmet und wurde schon als verhältnißmäßig junger Mann Rabbiner, er bekleidete diesen Posten von 1832—47: in letzterem Jahre wurde der israelitische Cultus in Algier durch königliche Ordonnanz von 1845 neu organisirt und mit Inftallirung des Consistoriums trat R. Jakob von seinem Posten als Dajan und offizieller Rabbiner zurück, Härte aber darum nicht auf, der Gemeinde ltuö dem Consistorium die wichtigsten Dienste zu leisten. Bei der jährlichen Erneuerung der verschiedenen Comitds galt sein Wort alles. Er war ein Talmudist von größter Gelehrsamkeit, hinteriieß den Seinigen einen Ehrennamen sondergleichen und an Vermögen — nichts. Das Leichenbegängniß fand unter gebührenden Ehren und Reden statt. (Arch. Isr.) Die Gesundheitsstatistik Algeriens für das erste Quartal d. I. zeigt wieder von Langlebigkeit der Juden. Es lind gestorben im Januar: iu Tlemcen zwei Juden von 90 und 105 Jahren, in Algier 2 Jüdinnen 80 und 90 Jahren,^ im Februar in Algier 3 Jüdinnen 80,88, 90 I. In Setif eine Jüdin 113 I., in Blddah eine Jüdin 103 I; deren Mutter und Vater 100 und 120 I. alt geworden waren. Im März in Blddah eine Judrn 101 I. (Arch. Isr.) Stockholm, 16. Juni. (Or.-Corr.) Auf Anfrage des Cultusmintsters hat die hiesige Akademie der Wissenschaften mitgetheilt, daß dieselbe als Repräsentanten Schwedens bei dem bevorstehenden meteorologischen Congreß in Rom das Mitglied Profeffor vr. Rubenson designirt habe.