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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-06-28 · N° 26. (28.6.1877) · p. Seite 205

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 26. (28.6.1877)
Date
1877-06-28
Page
Seite 205 (sequence 5)
Language
German
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/ 205 trotzdem fortwährend in Besitz derselben blieben, berichtet der General Consul Vivian, er habe dieser Angabe nicht glauben wollen und sei selbst gereist um nachzusehen: „Ich fand es richtig, die Juden hatten die Brantweinläden nach wie vor, einfach deshalb, weil die rumänischen Christen zu stupid waren, um ihnen vorzustehen." — Doch wir können nicht weiter der generellen Auszählung der Schändtichkeiten folgen. — Daß jüdische und nichtjüdische Blätter nicht verfehlen, dem sehr ehrenwerthen Hrn Gladstone die allerdings etwas plebejische Frage vorznlegen: „Was sa.st du nun dazu?" daß die jüdischen speciell ihm Vorhalten, er werde jetzt wohl einsehen müssen, daß es durchaus nicht Uebelwolleu gegen die Christen sei, wenn Juden nicht für den Sieg russischer Waffen beten können, — das ist Alles sehr naheliegend. Aus Rumänien. Ueber die Beranlaffnng der im vorigen Blatre erzählten Schandthaten zu Darabani wird von einem Corrospondenten der „Times" — und ähnlich in anderen Zeituilgei» — noch Folgendes angegeben: „Das Städtchen Darabani gehört einem reichen Griechen, Namens Tschimara. Die Einwohner sind größtentheils Juden, und vor einiger Zeit entstanden zwischen diesen und der Dienerschaft des Gutsherrn Zwiitigkeiten. Nun trat noch ein politischer Conflict hinzu. Es waren zwei Candidaten für die Bürgermeisterwürde des Städtchens vorgeschlagen. Der Gutsherr palronisirte die griechischen Candidaten, während die Juden, obgleich sie selbst kein Stimmrecht besitzen, ihren Elitfluß auf die Bevölkerung benutzten, um die Griechen zu schlagen. Daher der Ausbruch der Judenhetze." Aber diesmal, ganz ausnahmsweise, haben auch die rumänischen Blätter nicht die gewöhnliche Frechheit, die Sache rundweg zu leugnen oder als ganz unbedeutend hinzu stellen. Ein Negiernngsorgan, der „Romanul", schreibt über „den höchst bedauernswerthen Conflict zwischen den griechischen Dienern des dortigen Gutsbesitzers Tschimara und den Juden. Viele Juden wurden ihres Vermögens beraubt, ihre Häuser wurden geplündert, und einige von ihnen sind sogar durch Messer,tiche verwundet worden. Die Behörde hat die Ruhe wiederhergestellt, und die Untersuchung hat sofort begonnen. Wir sind überzeugt, daß die Thal mit aller Strenge gestraft werden wrrd. Wir fordern selbst die Juden in Rumänien auf, sich sehr ruhig zu verhalten, und nicht zu hoffen, daß sie durch Agitationen ihre Sache fördern werden. Sie können sich im Gegentheile, wenn sie fortfahren, zu aguiren, wie es Ein'ge unvernünstigerweise thun, dem größten Unglücke in der Krisis, durch welche das Land heute geht, aus setzen." Diese Drohung ist den Juden schon oft entgegengeschleuderl worben. Sie sollen sich jegliche Brutalität gefallen lassen, ohne Lärm zu machen, nameittlich ohne sich an das Ausland zu wenden, damit dieses nicht eine geringe Meinung von der Civilisation der sehr edlen rumänischen Nation saffe. Es ist unmöglich, solche Dinge ohne Zorn zu besprechen; lassen wir jede Erörterung der Seite. Es versieht sich ja von selbst, daß die Schandthaten auch ohne Zuthun der Juden ihreil Weg in die Oeffentlichkeit finden. Auf einen Theil der Juden Rumäniens, den nationalgesinnten, wohlhabenden, gebitoeleil, machen die Drohungen der Rumänen Eindruck. Es haben wieder mehrere solche gegen die Berichte der ausländischen Bätter prolestirt u. s. w. Sodann bemühen sich Alle, durch Gaben und Spenden für Zwecke des Krieges und zum Besten der Verwundeten, ihren rumänischen Patriotismus zu bezeugen. Man nlnimt natürlich Geld und Opfer der Juden entgegen, sonst bleibt's „beim allen Recht." Wir können allerdings dem bezeichneten Theile der rumänischen Juden nicht gerade zürnen, wenn sie im Adleugnen rumänischer Schändlichkeiten und in der Anklage gegen ausländische Blätter, welche die Wahrheit melden, ihr Heil, ihre Rettung vor Mißhandlung suchen. Edel und muthig ist es freilich nicht, die armen Brüder mißhandeln zu laffen und ihnen dann zuzurusen: „schweigt um Gotteswillen, sagt, es habe euch nicht wehe gethau, sonst bekommt ihr der Schläge noch mehr, und wir würden gar auch in Mitleidenschaft gezogen." — Es kann uns daher liicht genug wundern, wie sich gerade „Archiv Jsr." fortwährend dazu hergeben, ihre Spalten jenen Stimmen zu öffnen, und dabei (hierin Hand in Hand mit „Univ. Jsr.") immer wieder Perxotto zu lästern und zu oerungliinpfen, weil er nichl geschwiegen, nicht vertuscht, sondern Lärm gemacht har. Eigenthümlich und charalteristisch genug ist schon die Einteilung einer solchen Correspondenz aus Rumänien, welche wieder die neueite Nuinmer der „Archiv." bringt: „Seit die Türkei Rumänien den Krieg erklärt, und dieses sich entschlossen hat, sein Land und seine Rechte zu vertbeidigen rc. — So viel Silben, so viel Lügen. Und wenn tlun diese Lügen uns e i g e il t l i ch nichts angehen, so kann man doch daraus auf den Geist des ganzen Briefes schließen. Es ist wirklich zu verwundern, wie ein Blatt, welches in französischer Sprache erscheint, der Sprache einer Nation, die doch sonst für Freiheit, Menschenrecht, für männlichen Muth und Ehre Sinn zu haben pflegt, den traurigen Kleinmuty, den gänzlichen Mangel an Ehrgefühl sich brett machen läßt. Und die schnöden Verunglimpfungen gegen einen wackern, tapferen, für Freiheit und Recht kämpfenden Mann — selbst wenn er Mißgriffe begangen haben sollte! Ist das französisch?! Wir denken vom französischen Volksgeist bester, trotz des 16. Mai. Was aber Deutschland betrifft, so jammert uns des Hohenzollern, der sich zum Fürsten einer solchen Horde von Halbmenschen hergiebl. Jassy. Ueber die hier vorgefallenen Exceffe wird Folgendes gemeldet: Am 5. Juni zwischen 11 und 12 Uhr Nachts, zogen Haufen von rumänischen Studenten, ausgerüstet mit Straßensteinen und Knütteln, in der Stadt herum, zertrümmerten in vielen Straßentheilen eine Anzahl Fensterscheiben, schleuderten durch dieselben große Steine in die ebenerdigen Wohnungen der Jsraeiilen, und wo sich solche öffentlich sehen ließen, wurden sie schonungslos mißhandelt. In den belebtesten Theilen der Stadt war es deutlich zu sehen, wie die Herren Studenten, „die Blüthe der Nation, die Hoffnung des Landes", in mehrere jüdische Zchanklokale eindrangen, sämmtliche Fenster und Gecäihe zertrümmerten und unter wüstenl Gejohle brennende Papierschmtzel in die mit Branntwein gefüllten Flaschen hineinwarfen. Nur der sofort durch die Feuerwehr geleisteten Hilfe ist es zu danken, daß diese elenden und nicht strenge genug zu ahnenden Bubenstücke keinen weiteren Schaden angerichtet haben, welcher die ganze Stadt auf's empfindlichste hätte treffen können. Wo aber steckte die rumänische Polizei, während die Jünger der Wissenschaft barbarisch wirthschafreten? Hie und da stellte sie sich, wenige Mann hoch, dem nach Hnnderlen zählenden Gesindel entgegen, wurde aber, wenn sie zu interveniren Miene machte, micht minder weidlich durchgehechelt. Während sich all dieses im Centrum der Stadt absp'.elte, sah man die Gendarmerie 30 bis 40 Mann stark, ganz ruhig in die Kaserne ab marschiren, als ob in der Stadt nichts vorginge. Hier herrschte aber, insbesondere bei den Israeliten eine leicht begreifliche Panique, zumal da einige Stunden später, gegen 2 Uhr Morgens, ein Brand in der Stadl signalffirt wurde, der nur nur einige Juden gehörige Häuser vernichtete und so manchen a-men Mann seiner letzte Habe beraubte." Also in Jassy Studenten, in Darabani ein Weib, den höheren Ständen angehörig! Und eure sülche Nation stützt sich darauf, zu den europäisch cimüfirteii Menschen gerechnet zu werden! Was könneii wir Juden weiter sagen, als bas leider schon alte TlÜ 'IV Auch der neueste Monatsbericht der Alliance Jsr. Uiuv. (vom 13. Juni) bringt ausführliche Miltheilungen über die Vorfälle in Jasiy und Darabani. Sie stimmen vollständig mit den übrigen Berichten übel ein, nachzutragen wäre aus denselben nur etwa, baß die Frau Cunara, Airna ge- 8 ck :n ■n

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