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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-06-28 · N° 26. (28.6.1877) · p. Seite 207

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 26. (28.6.1877)
Date
1877-06-28
Page
Seite 207 (sequence 7)
Language
German
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— 207 — Feuilleton. Der letzte Jude. (Fortsetzung.) Die Gräfin trat nahe an Alfred heran, faßte seine Hand und sprach mit bebender Stimme: „Es muß sein, Alfred — es muß sein! Ich weiß, Du bist mein Sohn und liebst die Mutter und ehrst sie, bis sie dich verlassen muß. — Du zwingst mich zu einem Geständniß, das schwer nur über meine Lippen kommt. Darum sag' ich Eines Dir und nierk es wohl: Auf morschen« Grunde steht unser Haus, dem Untergänge so nah' als einst der Höhe, auf die es Deine Ahnen küdn gebracht. — Nach Deines Vaters Tode waren die Güter stark schon belastet, die Eisenwerke kamen ins Stocken und ich mußte, um den Glanz des Hauses nicht zu trüben, mit großen Opfern neue Mittel beschaffen, ja, ich ward gezwungen, zu einer Zeit, als ich wußte, daß die Güter über den Werth belastet, auf das Fideikommisgut Rolandsau Gelder aufzunehmen „Mutter!" rief Alfred bestürzt. Die Gräfin fuhr erregt fort: „Immer tiefer und tiefer zog uns nach Deines Vaters Tode die Last in den Abgrund. Jetzt bleibt keine Wahl — nur durch das Verspechen einer baldigen Einlösung der Wechsel, habe ich den Mann abgehalten, vor den Gerichten sein Recht zu suchen. Willst du die Schmach auf mein Haupt laden, mich vor den Schranken des Gerichts — als Angeklagte sehen?" Alfred sank in einen Stuhl und bedeckte sein Antlitz mit den Händen. Die Gräfin hielt einen Moment inne, als erwartete sie eine Antwort, dann sich zu Alfred herabneigend, sagte sie mit sanfter Stimme leise: „In der Verbindung, die ich Dir genannt, deren Zustandekommen nur von Dir abhängt, beruht allein der Fortbestand des Hauses — die Aufrechterhaltung unserer Ehre. Dies zu bedenken, bittet Dich Deine Mutter." Alfred blickte auf und sah Thränen in den Augen seiner Mutter. „O, meine Mutter! was Du verlangst, ist —" „Ich weiß," fiel die Gräfin rasch ein, „daß Du ein großes Opfer bringst, aber bedenke, was es gilt — doch still — es nahen unsere Gäste." Alfred machte einen Schritt gegen den Ausgang und sagte rasch: „Nein, nein — ich kann nicht —" Die Gräfin vertrat ihm mit einer raschen Wendung den Weg. „Alfred, Du bleibst! Die Gäste sind zu Deiner Verlobung mit Clotilde v. Hohenwart geladen." Alfred mußte sich an der Lehne des Stuhles festhalten. Der Diener öffnete die Flügelthüren des Salons und die Gäste traten ein. Es war die Gräfin Hohenwart. Sie erschien am Arme Master Capten's, dessen ernste, ja strenge Miene einen seltsamen Contrast zu der heitern Umgebung bildete. Die Gräfin von Rolandsau eilte auf das Paar zu und zog die Dame, nach der üblichen Begrüßung der andern Gäste, zu sich auf ein Sopha nieder. Master Capten athmete auf, als die Dame seinen Arm losließ, und mit auffallender Schnelligkeit entfernte er sich, um Alfred aufznsuchen, der noch wie träumend in einer Ecke des Salons stand. Das letzte Paar, welches erschienen, war Clotilde v. Hohenwart am Arme des Herrn v. F. Clotilde war ein hohe anmuthige Gestalt, im Blicke Ernst, ja eine gewisse Schwärmerei, ihre Züge waren von einer sanften imposanten Blässe angehaucht, jedoch meist nur so lange, bis in ihrer Umgebung oder im Gespräche etwas auftauchte, was sie anregte oder unterhielt; dann rötheten sich rasch ihre Wangen und Clotilde zeigte eure überraschende Lebhaftigkeit. Da sie jenem Stande angehörte, welcher den Zweck seines Lebens im sinnlichen Vergnügen findet, so darf es uns nicht Wunder nehmen, wenn Clotilde ohne Achtung vor dem höheren Berufe des Weibes nur Vergnügungen und Zerstreuungen suchte. Der junge Mann an ihrer Seite war Herr v. F. Man konnte ihn in Gesellschaften stets an der Seite Clotildens sehen, und die böse Welt behauptete, der junge Cavalier habe starke Absichten auf das bedeutende Vermögen, das einstens Clotilden zufalle. Als Clotilde eingetreten, warf die Gräfin von Rolandsau, welche ängstlich jede Bewegung Alfreds beobachtet, einen bittenden Blick zu. Alfred verstand diesen Blick — und mit schwerem Herzen ging er Clotilden entgegen, um sie zu begrüßen. Herr v. F. ging auf Capten zu, mit welchem er bereits mehrere Mahle im Casino, wo sich Capten durch seinen Bankier einführen ließ, zusanunen getroffen und sagte leise zu ihm: „Haben Sie das kleine reizende Kind näher in's Auge gefaßt, daß uns vorhin begrüßte? Auf Pluto, ein Engel. Die kleine Kammerzofe, bei welcher ich sogleich Erkundigung einzog, meinte, der Engel fei' eine Jüdin, welche die Gräfin aus Mitleid ausgenommen. Aber das ist kein Hinderniß, nicht wahr, Master?" „In der That, die Erscheinung des orientalischen Engels hat auch mich berührt," erwiederte Capten, eine Bewegung des Unwillens nur halb zurückhaltend. Man plauderte und schäkerte in traulichen Ecken und Fensternieschen und Herr v F. verschwendet gegen Rosa, welche auf die Bitte der Gräfin die Honneurs machte, alle seine Galanterie. Doch nach kurzer Zeit erhob sich die Gräfin von Rolandsau, und sich zwischen Clotilde und den wie abwesend dastehenden Alfred stellend, verkündete sie der Gesellschaft die Verlobung Ihres Sohnes mit Fräulein Clotilde von Hohenwart. Lautlose Stille herrschte einige Secunden im Saale. Darauf vernahm man aus der Ecke des Saales einen gellenden Schrei: „Nein, nein, es ist nicht wahr, das kann nicht sein!" Alfred erkannte diese Stimme, er sank leichenblaß auf einen Sessel; Nosa's Blick, ein Blick voll Verzweiflung hatte ihn getroffen, er wollte reden, da trat die Mutter an ihn heran, legte die Hand auf seine Stirn, und befahl der Dienerschaft, den fieberglühenden jungen Grafen ins Nebenzimmer zu führen und aufs Sopha zu legen, da er sich nicht wohl befände. „Das freudige Tagesereigniß hat den glücklichen Bräutigam zu sehr aufgeregt," meinte die ihre Fassung nicht verlierende Frau Gräfin und bat wegen der Störung um Entschuldigung. Doch Aller Blicke wandten sich nach der Ecke, von welcher jener erste Schrei vernommen worden war, Rosa stand da mit athemloser Spannung, bald erröthend, bald erbleichend, und als sie das Wort „glückliger Bräutigam" hörte, da brach sie ohnmächtig zusammen in die sie stützenden Arme Master Capten's. Ende des 3. Kapitels. (Forts, folgt.) Sprüche der Väter. Uebersetzt von Jacob Althira. (Forts, aus Nr. 19.) II. 6. Wo die Rohheit wild regieret Wird die Sünde bald einkehren, Und wen gar kein Wissen zieret, Der kann Gott nicht wahrhaft ehren. -i- * * Schüler die zu leicht verzagen, Lehrer die zum Zorne neigen, Sind wohl beide anzuklagen. Daß sich keine Früchte zeigen. * * Möchlest reichen Handel treiben, Möchtest auch nach Weisheit ringen — Eins von Beiden laß nur bleiben. Eins von Beiden nurd mißungen. * * * Fehlt's an Männern, nun wohl an, Habe Muth, sei du der Mann! Hillel, II.

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