Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 26. (28.6.1877)
- Date
- 1877-06-28
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 204 - 165) citirt Herr Dr. Sch. die jedem Raschi lernenden Schulknaben bekannte Stelle aus Schabb. 151 '21 TI 'IST' '2 pIT'Tl und übersetzt: „Ein zwei Tage alter Säugling flößt den Thieren Furcht und Achtung ein!" Wenn Hr. Sch. auch die Raschistelle zu Genes. 9. 2 nicht bekannt war, so mußte er doch die jedem NEV 111 2*1 "2 12 bekannte talmut). Redensart von piyji, 1'21 p kennen, wenn er Anspruch auch nur aus eine ."HUI macht? und sich nicht ein solches Zeugnis) talmud. Ignoranz geben, die Abbreviatur '21 '2falls sie sich in seinem Exempl. so fand, nicht lösen zu können. Das andere Beispiel — wenn es eines ferneren Beleges überhaupt noch bedarf — befindet sich in derselben Nr. Die Stelle lautet wie folgt: „Uebrigens war Matth. 5, 40 ein bekanntes Volkssprüchmort. Nabba fragte den Rabba, Sohn Mars (s. h. Mari): Wie lautet das Sprüchlein des Volkes? Verlangt Jemand deinen Esel, so gied ihm auch den Sattel dazu: xn£2“lS2 Kl i02 *|2J^ 212 XS21K Klön yip *]12n WX '12K1- Drese Uebersetzung zeugt v-on einer grenzenlosen Stümperhastigkeit; sie enthält fast so viele Fehler — nicht etwa Druck fehler, welche Hr. Sch. jüngst vorschützte — als Worte, l) *02 'nb'Ö Kl heißt nicht: wie lautet — sondern bezeichnet, wie Jedem, der nur wenige Blatt Geniore „gelernt" hat, bekannt ist, die Frage nach der bibl. Quelle, aus welcher ein Lehrsatz oder Ausspruch (hier Sprnchwort) geschöpft worden. Das hätte Hr. Sch, wenn er die Stelle im Talmud angesehen hätte, schon aus der in der nächsten Zeile folgenden Antwort, die aus Genes, c. 16 hinweist, ersehen muffen; ja auf derselben Seite wiederholt sich dieselbe Frage an die 12 mal! Offenbar hat Hr. Sch. die Stelle im Original gar nicht angesehen, er hat sie (dies beweist schon die verschiedene Wortstellung) aus irgend einem Hülfsbüchlein abgeschrieben. 2) K121 “pip *p2n heißt nicht: „verlangt Jemand einen Esel" — sondern einfach: „Nennt dich Jemand einen Esel". Merken Sie sich das, Hr. Dr. Sch.! 3) Die drei letzten Worte endlich heißen nicht: „gieb ihm auch noch den Sattel dazu" — sondern: „so leg' dir den Sattel auf den Rücken." Das ganze Sprüchwort, Hr. Dr. Schr., will also sagen: Wenn Jemand zu Dir sagt. Du seiest ein Esel, so glaub' es ihm getrost und pack' Dir den Sattel auf;" es steht in keiner Beziehung mit Matth. 5, 40 (will Jemand Deinen Rock, so laß ihm auch Deinen Oberrock.) Wenn einige christl. Gelehrte eine Anspielung darin fanden, nun, so ist von diesen keine gründliche Talmudkenntniß z: verlangen; wohl aber von Einem, der 5 711171,1 von berühmten Autoritäten zu besitzen angiedt! Zur Ehre der Berliner Hochschule sei's gesagt, daß der Rector in talmudicis au derselben, Hr. Dr Levi, ihm (wie wir erfahren) die .1171.1 nicht ertheilt hat; woher er sich die 5 verschafft hat, bleibt zunächst ein Räthsel.-Zum Schluß möchten wir noch den Hbg. DDr. Jellinek, Adler, Herxheimer u. A., die eine Arbeit, welchesolcheSchnitzer enthält, alsempfeylenswerth begutachten, das 22^1212 11,11,1 2'221 zurufeu. — W. — Koschmin, 8. Juni. (Or.-Corr.) Der Bericht des Armenvereins und der mit demselben verbundenen Darv lehn sskasse für das Jahr 1. Juni 1876 bis dahin 77 lautet: ) I. Armenverein Einnahme: a) Monatsbeiträge 579 M 90 Pf. d) Spenden 64 „ 75 „ 644 M. 65 Pf. Ausgaben: A.. an hiesige: 1) Lehrgeld für einen Handwerker 60 M. — Pf. 2) Unterstützungen.69 „ 20 „ 3) Der Darlehnskasse überwiesen . . 72 „ 70 „ 1) Provinz Posen: 106'Männer 5lFrauen 7Kinder --- 164Pers. 2) Deuschland: 48 „ 3 „ — „ --- 51 „ 3) Polen, Galizien, Rußland: 116 „ 56 „ 35 „ --207 „ 4) Andere Länder : 6 „ 1 „ 1 „ --- 8 „ 276 „ U~ ~ II. Darlehnskasse: Es wurden in diesem Jahre abgeschlossen 50 Geschäfte im Betrage von 3857 M. und zwar 25 unverzinsliche Solawechsel bis 50 M. — 1177 M. (von diesen sind 15 mit 740 M. regulirt, und auf die schwebenden 10 schon abgezahlt 117 M. 50 Pf.) und 25 mit 2°/ff verzinste Primawechsel bis 150 M. — 2680 M. (davon 16 regulirt mit 1780 M. schweben 9, auf die abgezabtt 15 M.) Hierbei hatte die Darlehnskasse an Passivis: a) aus dem Krankenverein 210 M. — Pf. geliehen, b) aus der Palästinakasse 145 „ 53 „ 355 M. 53 Pf. Vom Vermögen von 1078 M. 26 Pf. gehen ab Verluste .... . 89 „ 90 „ 1028 M. 36 Pf. Kommen hinzu: Von der Armenkasse: 72 „ 70 „ an Zinsen:. . . . 12 „ 35 „ 1 113 M. 41 Pf. 201 M. 90 Pf. 6. Verwaltungskosten (inet. Botenlohn): 32 „ 35 „ C. An 430 Durchreisende in 351 Anweisungen von 50 Pf. bis zu 4 M. 410 M. 40 Pf. 644 M. 65 Pf. Diese 430 gruppiren sich folgendermaßen: 1468 M. 94 Pf. Numanren. Bukarest. (Schluß.) Die engl. Minister des Auswärtigen, die nach einander in den letzten zehn Jahren im Amte waren, Stanley, Clarendon, Granmlle und wieder der Erstere als Derby, haben insgefammt fortwährend sich der Juden angenommen; ja einmal ging England soweit, die anderen Machte zu gemein» samem energischen Vorgehen aufzufordern. Es ging damals umgekehrt wie im vor. Jahre der Türkei gegenüber. England schlug damals eine Art „Berliner Memorandum" Rumänien gegenüber vor; Frankreich und Italien waren einverstanden, Deutschland und Oesterreich nicht abgeneigt, aber wie un vor. Jahre England, so kam dauials Rußland in die Quere und prolestirte gegen Einnlischung m die Angelegenheiten eines Staates, dessen Unabhängigkeit allen theuer sein müsse. — Ein anderes Blatt kann sich der Bemerkung nicht verschließen, daß jetzt wenigstens noch ein Blaubuch vorgelegt werden konnte, d. h. daß England noch durch seine diplomatischen Vertcecer die Klagen der Unterdrückten in Rumänien constaliren und Ermahnungen rc. Vorbringen konnte; wenn aber erst ein russischer Vasallenstaat daraus geworden sein werde, dann werden die Klagen der Gepeinigten nicht einmal lau: werden, Rußland läßt so leicht nicht einen Schmerzensschrei über die Grenzen dringen. (Das Blatt streift damit an eine Beinerkung an, die wir unlängst gemacht haben — denn noch weniger ist Rußland gegenüber eine Verwendung zu Gunsten Unterdrückter möglich) — Ein anderes Blatt wiederum sagt, es habe aus den Dokumenten den Grund zu ermitteln gesucht, der den unauslöschlichen Haß der Rumänen gegen die Juden erkiären möge; es habe nichls entdecken können, als Neid und B o s h e i l. — Als der erbitertste und erbarmungsloseste Feind der Juden tritt uns B r a t i a n o entgegen Ec ist der Erstndec und Anordner jener Razzia's, die gegen die Juden als „Vagabunden" ins Werk gesetzt wurden; derselbe ist's, der mit eherner Stirne das schon obenerwähnte Handwerk des Ableugnens trieb, dem kein Vorwand zu schlecht war. So ersann er 1867 die Ausrede, er treibe die Juden aus, weil sie die Cholera ins Land brächten, bebte der Consequenz wegen auch nicht davor zurück, einige siebenbürgische Christen gleichzeitig aus Sanllülsrückiichteii hlnwegschieppen und in der Thal hinsterben zu taffen. _ Ec ersetzt die Beamten, welche nicht herzlos genug in Ausführung seiner Befehle sind, durch geschmeidigere Werkzeuge. — In Hinsicht auf das bekannte Verbot, daß die Juden keine Branntweinläden halten sollten und die Thatsache, daß sie