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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-06-14 · N° 24. (14.6.1877) · p. Seite 189

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 24. (14.6.1877)
Date
1877-06-14
Page
Seite 189 (sequence 5)
Language
German
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/ — 189 Unterhaltungskosten, sowie die Reise desselben auf seine Rechnung zu nehmen. Schweden. Stockholm, den 3. Juni. Es ist freilich nicht selten, daß mitunter die angesehendsten Organe in der Presse mystificirt werden, und wir möchten keinen Tadel gegen „Hamagid" und „Jbri Anochi" (auch „Jüd. Presse" Rd.) aussprechen, daß sie von dem wahrscheinlich pseudonymen Einsender die schmähliche Correspondenz aus Marseille aufnahmen, welche die lügenhafte Mittheilung von der Apostasie des dortigen würdigen Großrabbiners machte; allein bei solchen wichtigen Mittheilungen sollten die Redaclionen wenigstens sich reserviren und nicht durch Schweigen die Authenticität des Berichtes decken. Ein gerade nicht angenehmes Nachspiel hatte die bedauerliche Angelegenheit hier. Die hiesige, 2 Mal wöchentlich erscheinende, aber sehr verbreitete Zeitung „Fäberneslandet" sprach sehr behaglich mit Sinn und Unsinn über die angebliche Apostasie und schloß den Bericht mit den Worten: „was sagt z. B. Rabb. Lewysohn hierzu?" I)r. L. schrieb Tages darauf an die Redaction, fand aber seine Berichtigung in der nächstfolgenden Nr. nicht, und sandte daher eine Berichtigung jener Mystification an die ausgebreitelsle der hiesige,l Zeitungen, an „Dageus Nyheler," in welcher dieselbe auch sogleich erschien. Erst gestern, also nach 8 Tagen, brachte Fäberneslandet im abgematteten Ton ebenfalls die Berichtigung. Möge dies beitragen, die Vorsicht der jüdischen Preßorgane ein Wenig zu steigern. — Wir wollen nun etwas Erfreulicheres berichten. Die Blätter haben ihrer Zeit (s. Wochenschrift 4. Jahrg. S. 6) mitgetheilt. daß die damals 18jährige Tochter des Herrn Rabbiners, Fräulein Johanna Lewysohn, auf das Glänzendste die Maturitätsprüfung an, hiesigen Gymnasium bestand. Am 31. Mai d. I. hat auch eine jüngere Schwester, die 17jährige Tochter des Rabbiners, Fräulein Ottilia L., nach vorhergegangenen schriftlichen Arbeiten, — die mündliche Prüfung bestanden. Die Objecte der Prüfung waren auch dieses Mal: Schwedisch, Latein, Deutsch, Französisch, Englisch, Geometrie, Algebra, Zoologie, Botanik, Physik, Geschlchte, Gegographie und philosophische Propädeutik. Fräulein L. bekam lue höchste Note „laudatur" für Deut sch (sowohl schriftlich wie mündlich), die Note „cum haude“ für Französisch und Englisch und für die andern Fächer die Note: »approbatur.* Die beiden Schwestern sind Ins jetzt die einzigen Jüdinnen, die in Schweden die Abiturienienprüfung gemacht; im Ganzen haben bis jetzt 14 Damen hier zu Lande gedachte Prüfung bestanden. — Ich muß meine Mittheilung in Nr. 21 d. Bl. nach späteren Mittheilungen in hiehiesigen Blättern dahin berichtigen, daß Unterofficier Vale utin nicht in russische, sondern in holländische Dienste getreten ist. G. Abyssinien. Paris. Auf Veranlassung der Alliance Jsr. Univ. hat Hr. Jos. Halevy die Gebete der Falaschas im äthiopischen Texte und in hebräischer Uebersetzung herausgegeben. (Paris, Jos. Bär 1877.) In der Einleitung sagt der Herausgeber: Man hat bisher die Falaschas vi-lfach für eine juoaisirende christliche Sekte gehalten, weil die Berichte von Missionären herrührten, welche die Falaschas nicht näher kennen lernten, und weil diese sich scheuten, über ihre Religions-Gebräuche und Lehren richtige Auskunft zu ertheilen und daher nur ausweichende Antwort gaben. Als ich im I. 1867 von der Alliance nach Habesch gesendet wurde, um über die Falaschas nähere Nachrichten einzuziehen, sammelte ich solche und verfaßte eine ausführliche Denkschrift über die Religion und die Gebräuche jener Leute. Während der Belagerung von Paris ging indessen leider der größte Theil der Schrift verloren, und ich besitze nur noch ein kleines Stück des ersten Theiles, welches ins Englische übersetzt worden war. Es ist mir nicht möglich, nach so langer Zeit das Verlorene aus dem Gedächtniß wieder herzustellen, daher gebe ich nur das Gerettete heraus. Es ist dies ein kleines Gebetbuch der Falaschas in äthiopischer Sprache, welches der Falascha Serubabel Ben Jakob für mich abgeschrieben hat, und welches ich in's Hebräische übersetzt habe Es geht aus demselben hervor, daß die Religion der Falaschas durchaus die jüdische ist, und daß zwischen ihnen und uns nur in Gebräuchen, die in später er Zeit ent» standen sind, ein Unterschied besteht. Das Manuscript ist jetzt im Besitze der Alliance Jsr. Univ, welche vereint mit der Londoner Society of hebrew litterature die Herausgabe bewerkstelligt hat. Nach diesen kurzen Bemerkungen braucht nicht weiter gesagt zu werden, daß das kleine Büchlein (das Hebräische umfaßt 26 Seiten) sehr interessant nnd eine höchst dankenswerthe Bereicherung unserer noch äußerst dürftigen Kenntnisse über jenen weitversprengten Zweig des israelitischen Stammes ist. Eine nähere Inhaltsangabe und Besprechung wird im Liter.-Bl. einen Platz finden. Vermischte und neueste Nachrichten. Fürth, im Mai. (Or.-Corr.) Gegenüber der fortgesetzten Zurücksetzung und Jgnorirung der jüdischen Interessen in Beziehung auf das Schulwesen in Preußen, ist die baierische Verordnung vom 29. v M., die Umbildung der Gewerbeschulen in Realschulen betreffend, sehr bemerkenswerlh. In diesem neuen Organisationsgesetze ist nicht nur kein Wort der Bevorzugung einer Religion vor der anderen enthalten, sondern Z 19 bestimmt über die Äbsolutorialprüfung folgendes: „Die schriftliche Prüfung beginnt am 15. Juli, oder wenn auf diesen Tag ein Samstag oder Sonntag fällt, am 17. oder 16. Juli" rc. rc. E. Bon der Elbe, 3. Juni. (Or.-Corr.) Daß die Juden direkt oder indirekt an allem Bösen Schuld sind, daß namentlich das deutsche Reich ganz und gar von ihnen regiert und ruinirt wird, und daß Kaiser und Kanzler, Militär und Civil, Richter und Beamte demnächst sich offen als Juden und Judengenoffen entpuppen werden, das alles steht bekanntlich bei den Ultramontanen nachgerade fest und wartet nur der Verkündigung von unfehlbahrer Seite, um als Dogma anerkannt zu werden. Einstweilen begnügt man sich daselbst mit der Bezeichnung „Attila" — Eine der neuesten Entdeckungen oder Enthüllungen auf diesem Gebiete hat das Luzerner „Vaterland" gemacht. (Bekanntlich nehmen die Blätter dieses Schlages überall mit Vorliebe patriotische Titel an: Germania, Reichszeitung, Vaterland — in verschiedenem Costüm —_ France u. s. w.) Die deutsche Reichspost ist jüdisch. Es ist nämlich neuerdings angeordnet worden, daß am Sonntag zweimal Geld und Werthsendungen ausgetragen werden sollen. Nun argumentirt das genannte „Vaterland" so: Bekanntlich schreibt der Jude am Sabbath nicht, (was leider „bekanntlich" nicht so ganz wahr ist,) um ihm die Sabbathfeiec nicht zu stören, hat Stephan befohlen, daß die Briefträger den Sonntag entweihen und zweimal herumlaufen sollen. — Die allzeit schlagfertige und alles beachtende General- Postdirektion hat sich wirklich veranlaßt gesehen, zu berichtigen. daß die Anordnung lediglich im Interesse der Geldbriefträger selbst erfolgt sei, weil diese sonst die angehäuften Gegenstände am Montag nicht bewältigen könnten. Dies ist uns Nebensache; kostbar bleibt der Scharfsinn des „Vaterland!" Rybnik, 3. Juni. Um einem Mißverständniß vorzubeugen, sehe ich mich — schon mit Rücksicht auf die Schlußbemerkung in der Correspondenz: F. „aus Oberschlesien" der vorigen Nummer — zu der nothgedrungenen Erklärung bemüßigt, daß jenes Referat nicht von mir herrührt, wofür ich die Bestätigung der geehrten Reoaction mir erbitte. Diese Legalisation erscheint um so dringlicher, da mir die Abfassung direkt imputirt wird. Mein Verhältniß zu Herrn vr. Hirschfeld zu Gleiwitz ist im Gegentheil ein durchaus freundschaftliches und collegialisches, und habe ich keinen Mo- ' (J

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