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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-06-14 · N° 24. (14.6.1877) · p. Seite 188

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 24. (14.6.1877)
Date
1877-06-14
Page
Seite 188 (sequence 4)
Language
German
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— 188 hinausgehen, vielmehr auf weitere Anspruchsnahmen, welche der nun ausgebrochene Krieg in Rumänien Hervorrufen könnte, vorbereitet sein wollte und sodann auf die Durchführung einer rationellen Hilfeleistung, die das Nebel an der Wurzel beseitigen soll, Bedacht genommen hat. Es werden darüber Verhandlungen gepflogen. Bisher wurden 160 Familien für den Augenblick ausreichend unterstützt, und außerdem ist für 5 Kinder, welche durch die Verfolgungen zu Doppelwaisen geworden sind, in befriedigendem Maße vorgesorgt. Um die Vertheilung an Ort und Stelle hat sich der Verein „Zion" und speciell der Prediger vr. Beck in Bukarest anerkennenswerthe Verdienste erworben. (Schluß folgt.) Aus Ungarn bringt die Beilage der „A. A. Z" Aufsätze über Ungarns Schulwesen, von denen der zweite statistische Angaben über die Frequenz der höheren Schulen, im Allgemeinen und nach Nationalität und Religion gesondert enthält. Daß auch in Ungarn die Zahl der Juden unter den Schülern der Gymnasien u. s. w. sehr groß ist, läßt sich leicht denken, aber es ist interessant, die ziffermäßigen Belege kennen zu lernen, und der Verfasser jener Aufsätze, Prof. Schwicker, zieht jenes Facit selbst, wir geben es daher mit einen eigenen Worten. In Hinsicht auf die Gymnasien heißt es: „Wie obige Zahlen lehren, zeigen alle Confessionen im Jahre 1875 gegen das Jahr 1873 eine zum Theil erhebliche Verminderung ihrer Gymnasialschüler, nur die mosaische Consession bekunoet eine fortwährende Zunahme. Bedenkt man, daß im Jahre 1867 die Zahl der jüdischen Gymnasiasten nur 2945, im Jahre 1475 aber 4006 betrug, so bedeutet dieß eine Vermehrung um 1061 oder 36 Proc. Bei den römischen Katholiken gewahrt man die umgekehrte Erscheinung: im Jahre 1867 waren 15,350 römisch-katholische Gymnasiasten, im Jahre 1875 nur 11,924, also eine Abnahme mit 3426 Schülern oder 22.3 Proc. Seit der gesetzlichen bürgerlichen Gleichstellung der Juden bemerkt man eine wachsende Vorliebe derselben für den Advocaten- und Beamtenftand und für das höhere Lehrfach. Daraus erklärt sich jene rasche Vermehrung der Gymnasiasten jüdischer Confession." Dann über die Realschulen: „Also auch hier offenbart sich dieselbe Erscheinung, daß von allen Confeffionen die jüdische am ununterbrochensten vorwärts schreitet; denn das Wachsthum bei den Lutheranern erreichte im Jahre 1875 noch nicht die Höhe von 1872, wo 815 lutherische Realschüler gezählt wurden. Dagegen waren es im Jahr 1867 nur 569 jüdische, im Jahre 1875 aber 2181, das ist nahezu viermal so viel." Von den beiden ungarischen Universitäten kommt die eine, die Klausenburger mit etwa 350 Studenten, wenig in Betracht, bei der Pester ist wieder die Verhältnißzahl der jüdischen Studenten sehr groß. Hier resumirt ,Prof. Schwicker: „Von den 2566 Hörern des Wintersemesters 1874/75 gehören 2492 der Geburt nach Ungarn-Siebenbürgen und 39 Croatien an; 31 waren in Oesterreich geboren und nur 2 im Ausland. Der Confession nach haben die römischen Katholiken das Uebergewicht; sie zählen im genannten Semester , 1488 Hörer; ihnen folgen der Zahl nach sofort die Hörer ) jüdischer Religion, sie betrugen 515 oder 20 Proc. der akai demischen Bürger. Run machen die Juden im eigentlichen Ungarn aber nur 4,7 Proc. der Gesammlbevölkerung aus. Es bestätigen also auch diese neuesten Daten die Bemerkung in meiner Statistik S. 363: „daß die jüdische Bevölkerung Ungarns vor allen übrigen Confessionen nach wiffenschaftlicher Ausbildung strebt, und zwar nicht nur auf dem Gebiete der Medicin, sondern seit 1867 insbesondere auch auf juristischem Felde." Frankreich. Paris. (Bericht der Alliance Jsr. Univ. für Mai.) Neue Mitglieder: 94. — H. A. Daniels, Präs, des holländischen Bezirks-Comites, berichtet über eine unter seinem und des Ehrenpräsidenten H. Oberrabb. vr. Dünner Vorsitz am 2. Juli 1876 in Rotterdam stattgehabte Generalversammlung der holländischen Mitglieder, bei welcher die Comites von Amsterdam, Amerssoort, Arnhem, Eindhoven, Gouda, Haag, Haarlem, Höcksche Waard, Nordbrabant, Rotterdam, Weghel uno Wesp vertreten waren; das zu Zutphen kurz vorder gebildete Comite halte keinen Deligirten schicken können. Nach Verlesung des Protokolls der vorangegangenen Versammlung hielt H. Vicepräsident I. A. W. Jacobsohn eine mit dem lebhaftesten Beifall aufgenommene Rede über den Spruch Göthe's: „Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß." Schulen. Costantinopel. (Deutsche Schule zu Galata.) — Eine Anzahl junger Leute, unter Anderem H. Lichtenstern, Buchhalter im rumelischen Eisenbahnbureau, und Herr vr. Schwarz, haben vor einiger Zeit eine israelitische Schule in der deutschen Gemeinde von Galata begründet, welche dies bis dahin wegen der heterogenen Elemente, aus denen sie besteht, nicht zu Stande bringen konnte. Diese Anstalt zählt jetzt 58 Zöglinge, von denen 28 monatlich 5 Fr., 12 die Hälfte hiervon und die 18 übrigen gar kein Schulgeld zahlen und hat 2 Hebräisch-, 2 Deutsch-, 1 Hilfslehrer und 1 Bedienten. Die Ausgaben (Miethe 3450 Fr., Personal 6120 Fr) betragen jährlich 9570 Fr. gegen eine Einnahme von nur 5451 Fr. (Vermiethung eines Zimmers 966 Fr.; Beiträge von 100 Israeliten 1104 Fr.; verschiedene Geschenke 400 Fr.; Einkünfte von der Synagoge 690 Fr. und einer Fleischsteuer 572 Fr.; Schulgeld 1080 Fr.); es ist also ein Deficit von 4155 Fr. zu decken. Die HH. Fernandez und Bloch, welche sich neulich von der guten Haltung dieser Schule überzeugt haben, beantragen bei dem C.- Comite zur Erhaltung derselben die Summe von 1200 Fr. p. a. beizutragen, d. h. den Gehalt eines Lehrers, der Deutch und Französisch unterrichten kann, und den man zu engagiren eben im Begriffe stehe. — Das C.- Comite votirt den geforderten Credit von 1200 Fr. Rustschuk. — H. Pariente hat dem neuen Generalgouverneur des Vilayet, Sr. Ex. S a d i k P a s ch a, dem früheren türkischen Gesandten zu Paris einen Besuch abgestattet und bei demselben die freundlichste Aufnahme gefunden. „Bis der Haß zwischen Muselmännern und Christen erlischt, sagte derselbe, sind die israelitischen jungen Männer zu einer wichtigen Rolle in der türkischen Verwaltung berufen, wo sie mit offenen Armen ausgenommen werden, insoweit sie die verlangten Kenntniffe besitzen" Se. Ex. Sadik Pascha hat auch H. Pariente verpflichtet, seine Schüler in der bulgarischen Sprache zu unterrichten. — Spätere Briefe melden, daß das Fortgehen der Familien aus der Stadt die Schließung der Schulen herbeigeführt hat: Frau Jusselin ist nach Varna gereist. H. Pariente hat sich freiwillig entschlossen zu bleiben, um die Schwachen zu stärken und die Armen zu pflegen. Er hat um die Erlaubniß gebeten und sie erhalten, das neue Schulhaus als Hospital zu benutzen. Es bleiben in Rustschuk nicht viel mehr als lauter Arme zurück, und der Mangel an Lebensmitteln macht sich fühlbar. H. Pariente hat von d r Gemeinde Geld erhalten zum Einkauf einiger Sack Mehl, das er unter die Armen vertheilen soll. Samacoff. - Die Schule wurde von dem neuen Generalgouverneur von Aorianopel, Sr. Ex. Sadik Pascha, besucht; vom Käimakam und den Notabilitäten von Samacoff begleitet, blieb derselbe länger als 2 Stunden, examinirte den größten Theil der Schüler in den verschiedenen Unterrichtsgegenständen selbst und zeigte sich über das Resultat dieser Prüfung sehr befriedigt; beim Fortgehen beglückwünschte er den Lehrer, H. Schulmann, und richtete Worte der Ermunterung an die Gemeindevorsteher, die sich anwesend fanden. Smyrna. — H. Cazös empfing den Besuch des H. Menahem Saleh Daniel, israel. Deputirten von Bagdad zum ottomanischen Parlament; es ist dies der fünfte Vertreter, den die Israeliten im Schooße der neuen Versammlung haben. Nachdem derselbe die Zöglinge geprüft hatte, nahm er Einen derselben nach Constantinopel mit, um ihn in einem Staatsamte unterzubringen, und versprach, einstweilen sämmtliche

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