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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-06-14 · N° 24. (14.6.1877) · p. Seite 186

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 24. (14.6.1877)
Date
1877-06-14
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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— 186 — sind, mit deren Religionsunterricht die Eltern im Allgemeinen zufrieden sein können. Daß dies aber hier in Berlin, nicht der Fall ist, das hat sich alsbald in der ersten Ne' ligionsstnnde gezeigt, welche der an einer städtischen höheren Schule neu angestellte israelitische Religionslehrer, Prediger Dr. R. gegeben hat. Derselbe trat sein neues Amt nach den Pfingstferien an und gab die erste Religionsstunde am vorigen Sonnabend. Das Erste, was nun geschah, war, daß der jüdische Herr Religionslehrer sein Taschenbuch hervorholte und die Namen u. s. w. der versammelten Schüler notirte. Als er dann auch den Knaben seinerseits Notizen diktirte, weigerten sich einige von diesen und bemerkten, daß ne am Sabbath nicht schreiben. Kann man nun verlangen, daß jüd. Eltern ihre Kinder in einen solchen Religionsunterricht schicken, wenn es ihnen nicht etwa darum zu thun ist, das Judenthum aus dem Leben der Schüler hinwegdociren zu lassen? (Der vorliegende Fall, wie charakteristisch er auch für die Person des Betreffenden ist, beweist dennoch im Allgemeinen nichts Denn Ausnahmen b e st ä t i g e n die Regel. Eine Ausnahme aber liegt da vor. Wie viele von etwa 500 jüdischen Religionslehrern, Gemeinde-Cultusbeamten, in ihren vier Wänden am Sabbath schreiben mögen, das weiß nur Gott, daß aber mehr als je einer von ihnen so öffentlich, officiell und demonstrativ es thun würde, daß ist gewiß nicht der Fall. Red.) Hannover, 29. Mai. (Or.-Corr.) — (Schluß.) Lehrer Stern aus Hildesheim reserirt darauf über die Frage: „Sind Simultan- oder Confessionsschulen zu empfehlen?'^ und kommt nach Beleuchtung aller Gesichtspunkte zu dem Resultate, daß Simultanschulen im Allgemeinen den Vorzug verdienen. Landrabbiner vr. Guttmann ist anderer Ansicht und empfiehlt sie besonders nicht für die jüdischen Gemeinden der Provinz Hannover, die größentheils nur klein, nicht die ihnen gebührende Berücksichtigung finden würden. — Da wegen der vorgerückten Zeit der Gegenstand verlassen werden mußte, trotzdem noch mancher Stellung in dieser Frage nehmen wollte, so wurde für dasmal von einer Resolution Abstand genommen. Denn es lag noch die wichtige Frage vor: „Welche Schritte sind zu thun, daß die jüdischen Volks- und auch Religionsschulen in dem bei dem Landtage zur Vorlage kommenden Unterrichtsgesetze, die ihnen gebührende Berücksichtigung finden"? und wurde eine Commission gewählt, um Material zu beschaffen für die in diesem Herbste stattftndende, asußerordentliche Versammlung, die berufen werden soll, sobald bis dahin entschieden ist, daß das Unterrichtsgesetz schon in der nächsten Session zur Vorlage kommt. Nachdem nun noch für die nächstjährige Versammlung Referate übernommen werden, wird die Versammlung geschlossen. Wenn in Bezug auf die früheren Versammlungen der jüd. Lehrer Hannovers die Klage berechtigt war, daß sie wenig praktischen Nutzen im Gefolge hatten, so machte doch die diesjährige eine rühmliche Ausnahme. Mit mehr Befriedigung als sonst reisten die Lehrer ab; nur beklagend, daß nach Schluß der Sitzung noch immer kein gemüthliches, eollegialisches Beisammensein — bei einem gemeinschaftlichen Mahle, oder abendlicher Zusammenkunft — die Lehrer einander näher führt und innigere Bekanntschaft vermittelt, wie dies bei den rheinisch-westphälischen Lehrerversammlungen nach ihren Conferenzen immer der Fall ist. Wir möchten noch den Wunsch äußern, daß in ihrem eigensten Interesse viele Lehrer, die — aus Jndifferentismus oder aus sonst einem Grunde — den Versammlungen consequent ferngeblieben, sich fortan betheiligen; es gereicht den jüdischen Schulen und somit dem Judenthum zum Vortheil. L. H. S o m m e r, Seminarlehrer. A. Aus der Provinz Posen, 8. Juni. (Or.-Corr.) Am 30. und 31. Mai constiluirten sich in Posen der ständige Ausschuß der Rabbinerconferenz unserer Provinz und das Comit6 für den Verein zur Heranbildung jüd. Religionslehrer. Der Ausschuß stellte den Grundsatz fest, daß immer der Rabbiner des für das nächste Jahr gewählten Vorortes Vorsitzender des Ausschuffes sei und wählte als Vorort für 1877/78 Kro toschin, event. Lissa. Vorsitzender ist somit vr Josl, Stellvertreter Or. Baeck. Die nächste Rabbinerconferenz — deren Tagesordnung: 1) Religionsschule, 2) das Unterrichtsgesetz — soll, wenn nicht die Umstände es früher erheischen, wieder bald nach Peßach tagen. Das umfangreiche Protokoll — von dessen Drucklegung der Kosten wegen Abstand genommen wird — soll durch Circuliren den Theilnehmern der Versammlung bekannt gegeben werden. Das Comil6 berieth auf Grund zweier, sehr sorgfältig und eingehend ausgearbeiteter Entwürfe (von vvr. Feilch e n f e l d und K o r e f) die Statuten des Vereines, und betraute mit der Drucklegung und der Propaganda die vvr. Bloch (Posen), Horovitz (Gncsen), Lew in (Koschmin).— Der Cursus für die Praeparanden soll zunächst in Lissa unter Leitung von vr. Baeck, der für die Seminaristen in Rawitsch unter vr. Koref in's Leben gerufen werden. Hoffentlich wird eine reiche Mitgliederzahl den baldigen Beginn der Vereinsthätigkeit ermöglichen. V Frankfurt a/M., 1. Juni. Den zahlreichen Stiftungen und Wohlthätigkeitsanstalten unserer Stabt, und insbesondere unserer Gemeinde, hat sich in der letzten Zeit eine Anstalt angereiht, von der wir die zuversichtliche Hoffnung hegen dürfen., daß sie ihren Schöpfern zur Ehre, der Gemeinde zur Zierde, einem Theile der Menschheit zum Segen gereichen werde. Es ist dies das von einer Anzahl hiesiger israelitischer Frauen und Männer gegründete „Mädchen st ist", eine Anstalt, die einem in der That längst gefühlten Bedürfniß Genüge zu leisten sucht. Dieselbe bezweckt, „herangewachsenen und einer geeigneten Häuslichkeit entbehrenden israelitischen Mädchen, die sich einem mehr als Elementarbildung erfordernden Berufe widmen, den Schutz eines geordneten Hauswesens zu gewähren, sowie auch — insofern die Mittel dazu ausreichen — die Gelegenheit zur Fortbildung zu verschaffen." — Zu diesem Zwecke ist von einer durch ihre Wohlthätigkeit bekannten Dame des Vorstandes ein geräumiges, vortheilhaft gelegenes Haus käuflich erworben und nebst der vollständigen inneren Ausstattung, die auch nicht das Mindeste miffen läßt, dem Verein zur freien und unentgeltlichen Benutzung überwiesen worden. Zur Begründung eines Kapitalstocks hat dieselbe edelsinnige Frau eine Summe von dreißigtausend Mark der Vereinskasse zugesichert, welche demnach bereits in Folge anderweitiger Zuwendung über ein Kapital von etwa zweiunddreißigtausend Mark verfügt. Dem Vereine sind auf Grund eines von dem Vorstande erlaffenen Aufrufs schon 554 Mitglieder beigetreten mit einem Jahresbeiträge von mindestens je 6 Mark. Am 6. Mai d. I. wurde die Anstalt mit der Aufnahme von sieben Pfleglingen eröffnet, die sich theils dem Lehrerinnenberufe widmen, theils in kaufmännischen Geschäften thätig sind. Einer auf dem Gebiete der Erziehung erfahrenen Frau ist die Leitung des Hauswesens und die Handhabung und Ueberwachung der Hausordnung übertragen. Damit aber die Anstalt nicht den Character eines Armen-Jnstituts erhalte, wird von jedem Pflegling ein sogen. Pensionspreis von dreißig Mark monatlich erhoben, was indessen die Befugniß des Vorstandes, Töchter unbemittelter Eltern oder arme Waisen unentgeltlich aufzunehmen, keineswegs ausschließt. Die Pfleglinge erhalten außer einer behaglichen gesunden Wohnung und nahrhaften Kost (bestehend in Frühstück, Mittagsessen, Vesperbrod und Abendessen) noch freie Wäsche und im Falle einer Erkrankung unentgeltliche ärztliche Behandlung. Den Vorstand bilden zwölf Frauen nebst drei Herren; lebenslängliche Ehrenpräsidentin ist Frau Charlotte Speyer, welche ebenso wie der Schriftführer des Vereins, Herr Adolf Teblse, jederzeit zur Ertheilung von Auskunft bei Anfragen und Aufnahmsgesuchen bereit sein wird. München. Der hier erscheinende „Deutsche Merkur, Organ für die katholische Reformbewegung", bringt folgenden

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