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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-06-07 · N° 23. (7.6.1877) · p. Seite 182

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 23. (7.6.1877)
Date
1877-06-07
Page
Seite 182 (sequence 6)
Language
German
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H- — 182 — einen großen Kampf zu bestehen, um die Schule zu erhalten. In Roman gelang es nicht, eine Schule zu gründen; dagegen blüht sie in Braila mit 115 Schülern. Sehr erfreulich ist der Fortgang der Schule in Galatz, welche 360 Schüler mit 8 Lehrern bat. Man denkt an die Errichtung einer Realschule. In Jassy, dieser von Juden so zahlreich bewohnten Stadt, ist die einzige bis dahin bestandene Schule eingegangen. Das größte Lob verdient aber dauernd die Schule in Botuschan unter der Leitung des Directors Hillel Kahane. Sie besteht seit 1866 und hat bereits 972 Kinder ausgebildet, von denen 489 Handwerker, 392 Kaufleute und 45 Gymnasiasten geworden; sie ist jetzt von 429 Schülern mit 14 Lehrern besucht. In Buzeu ist die Schule mühsam erhalten worden. In Vaslui besteht die Schule mit 52 Schülern, ebenso in Pitest Knaben- und Mädchenschule. So bestehen jetzt 10 Schulen und 4 stehen in Aussicht. Wir übergehen hier, was der Verein auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit gethan, es ist jedoch recht bedeutend. Die General-Versammlung sollte nach Beschluß der vorigen in Galatz gehalten werden, wurde jedoch aus Gründen nach Bukarest einberufen. Die Verhandlungen derselben sind nur in einem Punkte bemerkenswerth. Es wurde nämlich beschlossen, eine rumänische Uebersetzung des Pentateuchs binnen 5 Jahren zu veröffentlichen. Man beliebte hierzu den Weg des Concurses und der Preiskrönung einzuschlagen. Jedes Mitglied soll jährlich 4 Frcs. entrichten, wofür jedem Mitglieds ein Exemplar geliefert wird. Mindestens 3000 Exemplare sollen gedruckt werden, und die von diesen nach der Vertheilung übrig bleibenden unentgeltlich an die jüdischen Schulen verabreicht werden. Ueberhaupt strebt der Verein darnach, in den Schulen das Rumänische zur Unterrichtssprache zu machen, wenn auch nicht das Deutsche ganz zu beseitigen. Vermischte und neueste Nachrichten. *** Frankfurt a/M., 31. Mai. Heute Morgen wurde die Leiche des leider allzufrühe, im rüstigsten Mannesalter, im kaum vollendeten 37. Jahre seines von Wohlthun reich erfüllten Erdenwallens uns entriffenen Herrn Julius Philipp Bonn zur letzten Ruhestätte geleitet. Der unabsehbare Zug der leidtragenden Freunde und Bekannten des Entschlafenen gab ein beredtes Zeugniß von der Liebe und Achtung, deren er sich im Leben zu erfreuen hatte. In tiefempfundener Rede entwarfen am Grabe die Herren Dr. Leopold Stein und Direktor vr. Baerwald ein Bild unseres, durch hervorragende Tugenden und Vorzüge reichgeschmückten, Heimgegangenen Freundes, worauf Herr Adolf Tebl6e im Namen der „Achawa", deren mehrjähriger Schriftführer der Verstorbene gewesen, in wenigen herzlichen Worten die vielen Verdienste desselben um das Emporblühen jenes Vereines schilderte und als Zeichen liebevoller Erinnerung und dankbarer, ehrender Anerkennung mit einem Kranze den Sarg schmückte. Am 21. v. Mts. tagte in Kastrop (Westphalen) der Verein israelitischer Lehrer Westphalens und Rheinlanves. Herr Mandel aus Lippstadt hielt einen Vortrag über „die Simultanschule vom Standpunkte des Judenthums". In der darauf folgenden Debatte bezeugten zwei Lehrer, die früher in Naffau gewirkt hatten, daß die paritätische Schule wesentlich zur Förderung des confessionellen Friedens und zur Minderung der confessionellen Vorurtheile beitrage. Der Verein erklärte, „daß das Judenthum der Einrichtung von Simultanschulen nicht entgegenstehe", (o. h. nur solcher, in denen auch die jüd. Schüler paritätisch behandelt werden.) Bern. Rabbiner Dr. Goldstein ist zum außerordentlichen Professor an der hiesigen Universität ernannt worden und hat am 5. Mai seine Antrittsvorlesung über den geschichtlichen Ursprung des Talmud gehalten. (Jsr.) —n. Prag, 13. Mai. (Or.-Corr.) Dieser Tage wurde der Jahresbericht des hiesigen Frauenvereins zur Erziehung isralelitischer Waisenmädchen für das Verwaltungsjahr 1876 ausgegeben. Aus diesem Jahresberichte entnehmen wir, daß im Jahre 1876 in dem vom Vereine erhaltenen Mädchen- Waisenhause 14 Waisenmädchen sich befanden, welche sämmtlich die öffentlichen Schulen besuchten, und außerdem noch in der Anstalt Unterricht von der daselbst angestellten Erzieherin erhielten. Die Ausgaben im Jahre 1876 erreichten die Höhe von 5328 fl., das Vereinsvermögen weist die respectable Summe von 53,181 fl. 36 Kr. aus, und zwar 28,331 fl. 36 Kr. in Baarem und 24,850 fl. in Werthpapieren. Das Mädchenwaisenhaus wurde am 24. December 1855 eröffnet, und konnte seither mit jedem Jahre seine segensreiche Thätigkeit erweitern. Auch der hier bestehende Unterstützungsverein für mittellose israelitische Universttätshörer veröffentlichte den Jahresbericht für 1876, nach welchem die Jahreseinnahmen 1213 fl. 71 Kr. betrugen, und die Fonds 7392 fl. Carlstadt (Croatien). Anläßlich der bekannten Rundreise des Feldmarschalls Erzh. Albrecht erschien bei demselben eine Deputation der hiesigen Israeliten. Der Rabbiner hielt eine Ansprache, auf welche der Erzherzog folgendermaßen antwortete: „Ich danke Ihnen und Ihrer Gemeinde für die freundlichen Worte, die Sie an mich gerichtet haben. Es freut mich, eine solche patriotische Kundgebung von ihren Glaubensgenoffen zu vernehmen. Se. Majestät kennt die Treue Seiner Israeliten, und Ihre Ergebenheit für Seinen Thron. Der Kaiser hofft, daß sie auch künftighin unter allen Söhnen des Vaterlandes sich auszeichnen werden. Ich werde den Ausdruck Ihrer Loyalität Sr. Majestät mittheilen." Amsterdam. (Or.-Corr.) Am 1. Tag Schabuoth starb hier der gelehrte Hebräicus Abraham Daniel Delaville. Der Verstorbene war ein ausgezeichneter Kenner der hebr. Sprache, und in seinem u. q'-hd ->LO, hat er die Meisterschaft in der hebr. Dichtkunst bewiesen. Recensenten behaupteten damals, sein Hebräisch erinnere an das Klassische eines David und Jesaias. Delaville erreichte das hohe Alter von 70 Jahren. Kaum 20 Jahre alt, wurde er zum Docent an das Seminarium zu Amsterdam berufen. Fünfzig Jahre wirkte er an dieser Anstalt und hat einer großen Anzahl von jüd. Lehrern als Muster und Vorbild für den hebr. Styl gedient. Aber neben gründlicher Kenntniß im Talmud und Midraschim verstand er auch Latein, Französisch, Mathematik und Arabisch. Delaville war ein sehr populärer Mann, frei von jenem stolzen Eigendünkel, von jener Wichtigthuerei, die die Weisheit allein zu besitzen glaubt, war er gegen Jeden freundlich, wohlwollend, entgegenkommend. Von seiner Beliebtheit gab die große Theilnahme Zeugniß, welche seine Beerdigung in der Bevölkerung A's gefunden. Am Grabe wurden dem Heimgegangenen von Seiten des Seminars, des portug. Beth Hamidrasch „Ez-Chajim" und seines Schwagers Worte der Anerkennung und des Dankes in die Ewigkeit nachgesendet. — S. M. der König, der jedes Jahr einige begabte Jünglinge und Mädchen für die Kunst und Wiffenschaft auf seine Kosten ausbilden läßt, hat dieses Jahr wiederum einen jüd. Jüngling und ein jüd. Mädchen (letzteres unter 17 Mitbewerberinnen) durch ein Stipendium ausgezeichnet. In Leiden hat Herr Prof. Gousdmit im Vereine mit 4 anderen Herren eine Versammlung einberufen, in welcher der Wunsch ausgesprochen wurde, daß an den Gymnasien und höheren Schulen den jüd. Schülern wöchentlich wenigstens eine Stunde Religionsunterricht ertheilt würde. Ein diesbezüglicher Beschluß wurde dem Leidener Gemeinderath eingereicht. Besoul. (Or.-Corr.) Hier fanden neulich mehrere Ausstellungen statt; eine Gewerbe- und Kunstausstellung, wie auch eine Schularbeitenausstellung (Lxpcwition seoluire). Unter den Ausstellenden befanden sich mehrere israelitische Fabrikanten, die gekrönt worden sind. Auch unter den Schul-

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