Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 23. (7.6.1877)
- Date
- 1877-06-07
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/5369809-9583384-9583564--3154-9583569- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
/ steher und den Prediger Güdemann mit den Worten sich wandte" rc. rc. — „Eine Lüge mit einem Wahrzeichen versehen", so pflegt ein ehrliches jüdisches Sprichwort Derartiges zu bezeichnen. Herr Di-. Güdemann war einfach an dem Tage gar nicht im Gotteshause in der inneren Stadt, das die Herren v. Rothschild besucht hatten, sondern in dem der Leopoldstadt; in jenem aber zeigte Baron Alphons eine wahrhaft wohlthuende Andacht während des ganzen Gottesdienstes, und am Schluffe desselben verließen beide Herren, ohne mit einem Vorstandsmitgliede oder einem Prediger ein Wort gewechselt zu haben, — wozu auch weder Veranlassung noch Gelegenheit da war — den Tempel und fuhren — zum Schmerze des Sch. A. sei das erwähnt — in ihrem Wagen nach Hause. Also Lüge Nr. 2. Da der Correspondent außer diesen „Thatsachen" und ihrer novellistischen Ausschmückung nichts weiteres nnttheilt, so erweist sich die ganze Erzählung des „Sch. A." als eine freche Lüge, uud die Schlußfolgerung, die er daran knüpft, als eine böswillige Verleumdung. Seine frommen Patrone werden ihm dafür ohne Zweifel die Absolution ertheilen; wir anderen Menschenkinder, für die auch das Wort der Bibel religionsgesetzliche Bedeutung hat, bekennen uns zu einer Frömmigkeit, deren Parole lautet: rtsni , *0*7 TSIT1 (Da unsere Leser, deren größtem Theile weder der „Israelit" noch gar „Schew. Achim" zu Gesicht kommt, aus vorstehendem Berichte wohl nicht recht entnehmen können, um was es sich eigentlich handelt, so wollen wir erläuternd hinzufügen, daß der wesentliche Theil der Erzählung, d. h. der plumpen Erfindung, des „Sch. Ach." darin besteht, daß der Pariser Rothschild die Prediger und Vorsteher des Wiener Tempels hart angelassen habe, weil sie diese und jene Cultusform eingeführt hätten. Er würde nie mehr einen solchen Gottesdienst besuchen u. s. w. — Sei es um das Organ der Schomre hadath, welches seinen Lesern zutrauen kann, daß sie solche Mährchen glauben und mit großem Vergnügen lesen; der Redacteur des „Jsr." aber hätte den Bericht, dessen Lügenhaftigkeit für ihn auf der Hand liegen mußte, nicht wiedergeben sollen! Dr. Lehmann weiß, daß Dr. Güdemann nicht am Tempel der innern Stadt, den Rothschild besuchte, sungirt, am wenigsten gleichzeitig mit Dr. Jellinek an einem Feiertage dort anwesend ist; er weiß, daß der Gottesdienst in dem neuen Pariser Tempel, den Rothschild besucht, auch nichts weniger als unreformirt ist; daß nur ein verschrobenster Kopf in Ungarn glauben kann, es sei den Wiener Rabbinern rc. schon etwas Neues, Auffallendes, „Ueberraschendes" geworden, daß man bei einer religiösen Mahlzeit die Hände wäscht, das Tischgebet spricht u. drgl. Er weiß, daß ein Rothschild aus Paris, selbst wenn er noch so orthodox wäre, als Mann von Welt sich nicht herausnehmen würde, die Vorsteher der Wiener Gemeinde, Männer also, die ihm, wenn auch nicht an Reichthuni, doch sozial gleich stehen, wie Schulbuben oder Bediente herunterzumachen und noch mehreres Derartige. Genügt es denn, daß ein Redacteur den Correspondenten eines fremden Blattes „die Verantwortlichkeit überläßt", um darauf hin Lügen in die Welt zu schicken, die er als solche erkennen muß? Red.) Schweden. R. Stockholm, 7. Mai. (Or.-Corr.) Bei der vor Kurzem im königl. Schlosse mit dem Kronprinzen abgehaltenen Abiturientenprüfung erntete Herr Rector Valentin (Israelit) ehrenvolle Anerkennung seiner Lehrthätigkeit. Er wurde zur Hoftafel geladen, der König unterhielt sich sehr leutselig mit ihni, ging Arm im Arm mit ihm durch den Saal und trank dann auf sein Wohl mit den Worten: „Ich danke Dir herzlich für Deine Bemühungen um Gustav und hoffe einen gleichen glücklichen Erfolg bei meinen andern Söhnen." — Gestatten Sie mir bei dieser Gelegenheit die in Nr. 18 angeführten Erklärungen des Herrn Canlor Philipson auf ihr rechtes Maaß zurückzuführen. In einem officiellen Schriftstücke des Vorstandes, das derselbe bei der Jubiläumsfrage der Gemeinde vorlegte, sprachen es die „tonangebenden Spitzen" selbst aus, daß Herr Ph. in untadelhafter Weise seinen Platz während eines Vierteljahrhunderts ausgefüllt habe, und innerhalb unserer Gemeinde ist sicherlich nur eine Stimme darüber vorherrschend, daß derselbe mit seltener Pflichttreue seinen Obliegenheiten nachgekommen ist. Bei Wind und Wetter, in Schneegestöber und Regenguß — und wir leben im hohen Norden — stets war er, wenn nicht grade durch Krankheit verhindert, beim Morgengottesdienste auf seinem Platze, stets war er bereit, sich nach Kräften nützlich zu machen. Neben diesen Eigenschaften besitzt Herr Ph. einen regen Geist und alle nöthigen Kenntnisse und Fähigkeiten zu seinem Berufe. Jndeß „allgemeine" Sympathien sich zu erringen, ist für einen Mann in öffentlicher Stellung, wenn nicht ganz unmöglich, so doch ungemein schwer, wer könnte es auch Allen recht machen, doch ist das Verhalten der hies. Gemeinde sowohl wie des Vorstandes zu den Beamten gewiß ein sehr liberales. „Tadelnde Aeußerungen rc." kann sich Herr Ph. nur zugezogen haben durch die Hartnäckigkeit, mit der er eine einmal gefaßte Meinung — wie sie auch sei — verficht. Verschiedener Umstände halber ist es leider versäumt worden, sein Jubiläum rechtzeitig auch durch eine Anerkennung „seitens der Gemeinde" auszuzeichnen, doch geschieht das noch xost festum, wir werden seiner Zeit darüber berichten. Rumänien. Bukarest. (Aus dem „Jahresbericht über die Thätigkeit des Bundes „Zion" für das Jahr 1876, vorgelegt in der General-Versammlung 6., 10, 18., 22. Jan. 1877 von dem General-Secretär Dr. Adolf Stern.) Der Bund Zion ist, wie früher berichtet, zum Zwecke der Förderung von Schulen, Bildung und Wohlthätigkeit unter den rumänischen Israeliten gegründet und nach dem Muster des amerikanischen Bnai - Berith-Bundes mit freimaurerischen Institutionen und Formen versehen. Die Logen heißen „Schulen". — Aus dem in der General-Versammlung verlesenen Bericht heben wir vorab hervor, daß Peixotto, der damals bekanntlich Rumänien längst verlaffen hatte, noch als Ehrenpräsident des Bundes aufgeführt und ausdrücklich als derjenige bezeichnet wird, der den festen Grund zu demselben gelegt hat. — Inzwischen hat man den im Jan. verstorbenen Cohn Bukurestiano als Begründer des Vereins bezeichnet, (vgl. Wochenschr. Nr 11 unter Bukarest.) Obgleich dieser Mann zur Zeit der Generalversammlung noch lebte, so märe es doch schwer begreiflich, daß sein Name nirgends auch nur erwähnt wäre, wenn er die hervorragenden Verdienste um den Verein hätte. — Wir erwähnen dies nicht, weil wir zu Gunsten Peixotto's diese Frage schlichten wollen, noch weniger möchten wir jenem Verstorbenen einen Anspruch auf Ehre entziehen, aber wir wollen Peixotto in Schutz nehnien gegen einen jüngst in einem französischen Blatte erhobenen, schier fanatischen und ganz unbegreiflichen Tadel und Zornesausbruch. Zu dem Berichte übergehend, bemerken wir, daß die Einleitung einen Blick auf die frühere Geschichte der Juden in Rumänien wirft, eine interessante Skizze, auf die wir wohl zurückkommen werden. Sodann geben wir Notizen über die vom Vereine gestifteten, erhaltenen oder unterstützten Unterrichtsanstalten. In Bukarest war im vorigen Jahre die Schule geschlossen; durch die Herbeischaffung von Mitteln ist sie durch den Verein am 11. April wieder eröffnet worden (mit 350 Schülern), und eine Mädchenschule soll folgen. In Fokschani wurde der Friede in der Gemeinde hergestestellt und die Schule mit 200 Schülern erhalten. In Crajova wurden beide Schulen geschloffen. In Plojesti, wo ein Luca Moses 23,000 Francs zum Bau eines neuen Schulhauses hinterlaffen und der Verein 27,000 Francs zur Vollendung desselben beschafft hat, die Schule mit 200 Schülern in Gang gebracht. In Verlad ist die Schule eingegangen; in Bakau hatte der Verein I »r 11