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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-05-24 · N° 21. (24.5.1877) · p. Seite 167

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 21. (24.5.1877)
Date
1877-05-24
Page
Seite 167 (sequence 7)
Language
German
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— 167 — sagt worden ist, wird man sich leicht den Inhalt dieser Schrift denken können. „Jew. World" sagt über dieselbe: „Eins können wir unfern Lesern sagen: Das Buch ist von einem warmen und edlen Herzen eingegeben. Wenn wir auch in Betreff der Auslegung und Anwendung gewisser Bibelstellen anderer Ansicht sind, als der Vers., so können wir doch den Enthusiasmus, der sich auf jeder Seite kund thut, nur bewundern." — Ja, wenn Juden von den Aussprüchen ihrer Propheten nichts mehr hören und ihrer nimmer achten wollen, so werden Andere hören und aufmerken, vielleicht auch thun. Man sagt, es seien Träume — lassen wir die Zeit walten, es wird sich zeigen, was sich als Träumerei erweisen wird. Jesaias hat gesagt: nsmi Dm DDnnDtTD „wir werden eure Freude sehen und s i e werden beschämt werden" — es ist streitig unter den Auslegern, auf wen diese Fürwörter: wir, eure und sie, sich beziehen. Auch das wird die Zukunst lehren. N2NDN ’HttfK. Feuilleton. Der letzte Jude. (Fortsetzung.) „Du frägst nach Rosa? O, das ist eine lange traurige Geschichte", erwiderte Esther. „Konim, der Vater ist nicht zu Hause, setze dich her, ich will sie dir kurz erzählen." „Bevor Du anfängst, Esther, sag' mir, wie denkt der Vater über mich, hat er eingesehen, daß er mir Unrecht gethan, daß ich schuldlos war?" „Er spricht nicht darüber, es ist als ob ein stiller Gram an ihm nagte, oen Du, wenn Du erst das Leid, das Rosa ihm verursacht, erfahren haben wirst, verstehen wirst." Und sie erzählte ihm von dem Liebesverhältniß, welches Rosa mit dem jungen (wie sie Anfangs gemeint) Ingenieur, (wie sich aber später herausstellte) . .. Grafen von Rolandsau. Daß dieser allerdings vor dem Vater die Erklärung abgegeben, er wolle Rosa — sei's auch ohne Zustimmung seiner gräflichen Mutter — als rechtmäßige Gattin heimführen; allein über das unübersteigliche Hinderniß des religiösen Bekenntnisses sah er mit solcher Gleichgültigkeit hinweg, als ob es sich von selbst verstände, daß Rosa für die Ehre, seine Gattin zu sein, ihre Religion mit Freuden hingeben werde. „Und Rosa? Wie dachte sie hierüber?" unterbrach Moritz mit Heftigkeit die Erzählerin. „Der Vater hatte mit ihr eine ernste Unterredung unter vier Augen, die damit endigte, daß der heftig erregte Vater die in Thränen aufgelöste Rosa des Hauses verwies. Sie hatte, wie ich später erfuhr, von den Liebesphrasen des jungen feuerigen Grafen bethört, rundweg erklärt, daß sie nur der Stimme ihres Herzens folgen werde, die Liebe sei ihre Religion. Ja, das kommt von dem vielen Bücherlesen — ich hab's immer gesagt . . ." „Und wo ist Rosa hin?" fragte Moritz. „Ich habe sie seit jenem unseligen Tage nicht wiedergesehen. Sie soll sich auf den gräflichen Gütern befunden haben, bei einem der Verwalter, ob sie noch Jüdin, ob sie die Gattin des jungen Grafen geworden, ob dieser ihr das Wort gehalten, oder ob sie verlaffen oder gar in Schmach ... ach ich vermag's nicht auszudenken, geschweige denn gar auszusprechen... ich weiß es nicht. Ich habe nur Thränen für sie." Sie konnte vor Schluchzen und Weinen nicht weiterreden. - Moritz war schon vorher vom Stuhle aufgestanden. Sinnend stand er am Fenster. Es fing schrecklich an in ihm zu tagen. Eine hervorquillende Thräne drängte er zurück. Er war ein Mann geworden, hatte durch eigene Kraft nicht nur ein bedeutendes Vermögen, sondern was noch mehr, er hatte im freien Amerika Selbstbewußtsein und Manneswürde erworben, er hatte gesehen und gelernt, daß auch der Jude nicht durch Dulden, Kriechen und Sichducken, sondern nur durch selbstbewußtes Handeln und mannhaftes Eintreten für sein gutes Recht sich Achtung und Gleichstellung erringen könne und müffe, wenn er unter den Andern nicht blos als ein geduldeter, sondern als gleichberechtigter Bürger dastehen wolle. Sein Entschluß war gefaßt, er wollte nämlich handeln. „Bei dem Andenken an meine unvergeßliche Mutter, schwöre ich Dir," sagte er, nachdem Esther geendet, „daß ich nicht ruhen und rasten werde, bis der Flecken von dem Namen dieses Hauses getilgt und der Friede zurückgekehrt ist! Esther, für heute leb' wohl, aber ich hoffe, der Tag ist nicht fern, wo der Sohn gerechtfertigt den Augen seines Vaters gegenübersteht und dieser ihm mit der alten Liebe die Arme öffnet. Bis dahin die Hand auf den Mund. Es darf Niemand, selbst der Vater, nichts davon wissen, daß ich zurückgekehrt bin." Mit diesen Worten verließ er raschen Schrittes das Haus. Zweites Kapitel. Im Hause der Gräfin von Nolandsau fand ein glänzendes Fest statt. In den prachtvoll decorirten Sälen gingen verschwenderische Pracht und der feinste Geschmack Hand in Hand mit einander. Die seltensten Blumen und werthvollsten Kunstschätze fesselten bei jedem Schritte das Auge das Beobachters. Wohin das Auge blickt, Glanz und Pracht. In den Sälen herrschte trotz des Glanzes eine gewiffe Steifheit und Kälte, es wurde getanzt, gelacht, aber versteht sich, nur so viel, als die Etiquette erlaubte, desto mehr aber wurde geflüstert, mit den Augen gezwinkert, das Rüschen gerümpft und über Manches vornehm mit den Achseln gezuckt. „Wirklich sehr originell", bemerkte hier eine Baronin, „im einfachen Mouffelinkleid einen Ball zu besuchen — nichts in den Haaren, keine Spitzen — keine Juwelen — ist es möglich?" „So machte man es nicht zu meiner Zeit," sagte eine alte Gräfin, die vor Jahren Oberhofmeisterin war. „Niemand hätte es damals gewagt, sich eine solche Freiheit herauszunehmen, wie diese Wellheim, eine Person ohne Stand und Rang, welche hierher kam — man weiß nicht wie." „Tante", unterbrach sie die kleine Stephanie, „haben Sie das Bouquet gesehen, das diese Wellheim in der Hand hat? ein großes Bouquet prächtiger Veilchen?" „Was sagst Du da kleine Närrin," erwiderte die Gräfin. „Veilchen, in diesem Monat? bist Du bei Verstand? Veilchen findet man jetzt nicht einmal so viel in den königlichen Treibhäusern." „Stephanie hat doch Recht," fiel die Baronin ein, „auch ich sah das Bouquet der Wellheim, und ich möchte wohl wissen, von wem sie es hat?" „Von wem denn sonst als vom Grafen von Nolandsau? der ja dieser Tage von seinen Reisen zurückgekehrt sein soll", sagte die Frau Oberhofmeisterin mit einer ungeduldigen Geberde. „So scheint es, Tante," sagte die Baronin, „allein diese Wellheim mag nur Acht geben, daß ihr den jungen Grafen nicht eine Andere raubt. Man spricht viel von einer Verbindung des Grafen mit Comteffe Hohenwart." „Wie, mit Clotilde von Hohenwart?" rief Stephanie so laut, daß sie sich einen Verweis der gräflichen Tante zuzog. „Ei freilich — und den Kindern der Gräfin Hohenwart zu Ehren findet ja heute dieses Fest statt, eigentlich nur um den Grafen Alfred Ciotilden näher zu bringen." „Wenn Alfred diese Wellheim liebt, wovon ich noch nicht überzeugt bin, fuhr die Frau Baronin fort, „so dürfte wohl noch manches Hinderniß zu überwinden sein, ehe die Mutter die Einwilligung giebt. Uebrigens bewirbt sich ja der junge Freiherr v. F. um Clotilden's Hand, und er hat ihre Gunst." Neue Gäste traten hinzu und das Gespräch verließ diesen Gegenstand. (Forts, folgt.) er

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