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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-05-24 · N° 21. (24.5.1877) · p. Seite 166

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 21. (24.5.1877)
Date
1877-05-24
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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die sich Rabbinen nennen! Der Eine spricht in landesüblicher Sprache, der Andere vergeudet seine Zeit mit Arithmetik und Geometrie, die nur als Nebendinge behandelt werden dürfen u. s. w. Aber längst haben unsere Weisen verboten, in profanen und Irrlehren enthaltenden Büchern zu lesen". Das sind die wesentlichen Gründe für den Jfsur. Sie sind auf dem Standpunkte der Männer, die ihn ausgesprochen haben, begründet und triftig, das ist nicht zu bestreiten. Was sagen aber unsere „Orthodoxen" dazu? Da hat Rabb. Hirsch gegen den Rabbiner Bamberger gestichelt, daß dieser dem Grundsatz px pn DI? min, der Verbindung von Torah und profanem Wissen nicht hold sei — Rabbiner Bamberger weist diesen Vorwurf von sich ab in der That lesen, schreiben und sprechen beide eine landesübliche Sprache, nehmen auch wohl ein profanes Buch zur Hand, und da soll es nicht zehnerlei Orthodoxie geben, und jeder von den bei uns wirkenden läßt sich durch seine zählten Anhänger als den Alleinbesitzer des wahren Judenthums proclamiren! Schweben. Stockholm, den 6. Mai. Ich habe das Vergnügen, Ihnen heute zwei Nachrichten mitzutheilen, welche Betreffs unserer Glaubensgenossen in Schweden von Jntereffe sein dürften. Die Zeitungen berichten: Der Cand. jur. E. W o l f, Sohn des Rabbiners in Gothenburg, ist von dem Göthehofgericht als Vorsitzender des Tings im Kreise Norrvidinge im Bezirke Kronsberg während der Sommersaison verordnet worden. Die Blätter fügen hinzu: Der Herr Candidat ist sowohl wegen seines Characters als auch wegen seiner Kenntniffe hierzu berechtigt und dürfte der erste mosaische Glaubensbekenner sein, der in Schweder zu einem solchen richterlichen Amte berufen wurde. — Die andere Nachricht dürfte ein bezeichnendes Schlaglicht auf diejenigen werfen, welche die Militairfähigkeit der Juden bezweifeln oder gar verneinen. Der einzige jüdische Militair in der schwedischen Armee, Unteroffizier im 2. Leibgrenadierregiment, I. Valentin, ist freiwillig in die Russische Armee eingetreten, um den gegenwärtigen Krieg gegen die Türken mitzumachen. Er ist bis jetzt der erste Schwede, der diesen Schritt that. — Leider habe ich Ihnen auch eine schmerzliche Mittheilung zu machen. In hiesiger Gemeinde kam es schon seit sehr langer Zeit nicht vor, daß gleichzeitig drei jüdische Todesfälle eintrafen. In voriger Woche starben hier ein Mann und zwei Frauen. Die Leiche des Mannes wurde auf Wunsch der Verwandten in Hamburg dorthin gesandt. Eine der Frauen war die achtungswerthe Gattin des Vorstehers der Chebra Kadischa Hrn. I. Marcus. Es verdient erwähnt zu werden, daß diese Dame allsabbathlich ihre noch jungen Kinder um ihren Tisch versammelte, sie das Sabbathgebet verrichten ließ, alsdann einen Vers aus der (von Frau v. Rothschild herausgegebenen) Sammlung der Bibelverse vorlas und ihn den Kindern erklärte. Herr Dr. Lewysohn, hob dieses in der Leichenrede hervor. Die Rede ist im Druck erschienen. — Als Curiosum möchten wir anführen, daß der berühmte Virtuos Ole Bul Wagner's Leistungen, in einer amerikanischen Zeitung auf's Heftigste angegriffen, der letztere aber in einer hiesigen Zeitung — Dagens Nyhetes — von einem hiesigen Sängerbund Schauspieler Arnoldson auf das Wärmste vertheidigt wird. Hr. A. ist Sohn einer Jüdin. Ole Bul wirft Wagner Undankbarkeit gegen Juden vor und ... ein Abkömmling von Juden nimmt ihn in Schutz, man möchte da an Spr. Sal. 25, 21—22 denken. — Der in Cöln erscheinende „Israelitische Bote" giebt (ohne Angabe der Quelle) meinen Bericht in der „Wochenschrift" Nr. 15 wieder, vergaß auch das Datum der Correspondenz zu notiren und da soll der Leser wiffen, wann „der gestrige Tag" war! Den Inhalt meines früher» Berichtes selbst anlangend, füge ich hinzu, daß die hiesige Gemeinde in ihrer jüngsten Generalversammlung den Gehalt des Herrn Leipziger mit 800 Kronen jährlich erhöht. Für Herrn Philipson wird privatim eine Sammlung veranstaltet, und sollen bereits 2000 Kr. gesammelt sein. — Zum Commissionär bei der bevorstehenden Ausstellung in Paris ist der Großhändler Abrahamson in Gothenburg von Seiten Schwedens designirt worden, der einzige Jude in der aus 3 Mitgliedern bestehenden Commission. G. Vermischte und neueste Nachrichten. Breslau. Zustimmungen zu der Gemeinden-Petition wegen des obligatorischen Religionsunterrichts sind noch eingegangen von den Gemeinden: Neisse, Altona, St. Wendel und F r i e d h e i m. Es sind sonach jetzt 15 1 Gemeinden, die sich der Petition angeschloffen haben; mögen noch viele ihren Anschluß baldigst zu erkennen geben. Berlin. In seiner vorletzten Sitzung wählte der Magistrat die Lehrer für den jüdischen Religionsunterricht an sechs städtischen Gymnasien und Realschulen. — Die „Jüd. Pr." berichtigt eine in unsrer Correspondenz New- 3)ork in Nr. 17 (N. Schr.) enthaltene Bemerkung dahin, daß die Berliner „Hochschule" allerdings aus der dortigen jüd. Gemeindekaffe eine nicht unbedeutende Subvention erhalte. München, 12. Mai. Der hiesige Magistrat hat in seiner heutigen Sitzung mit Einstimmigkeit beschlossen, für die städtischen Schulanstalten einen protestantischen und israelitischen Religionslehrer mit eiinem Anfangsgehalt von je 1800 Mark anzustellen. Lemberg. Rabbiner vr. Löwenstein wurde von Sr. Majestät dem Kaiser von Oesterreich durch das goldene Verdienstkreuz mit der Krone ausgezeichnet. (Ung. Jsr.) Linz-Urfahr. Am 10. Mai ist die neue Synagoge eingeweiht worden. Wir werden über die Feier, welche, wie der Gemeinde-Vorstand bemerkt, eine nicht nur für den engen Kreis bedeutungsvolle, sondern auch der Beachtung der außerhalb Oesterreichs lebenden Glaubensgenossen würdig, weil in dem ganzen österreichischen Alpengebiet noch kein jüd. Gotteshaus besteht, — in der nächsten Nr. Ausführlicheres bringen. (Für die Einladung, mit der der Vorstand uns beehrt hat, ergebenst dankend, bedauern wir sehr, daß durch Zufall diese Notiz verspätet erscheint. Red.) Genf. Rabbiner Wertheimer Hierselbst hat vom Marschall Mac Mahon den Ehrenlegions-Orden erhalten. — In Lausanne ist unlängst eine neue Synagoge erbaut worden, die Einweihung vollzog der obengenannte Rabb. Wertheimer. London. Herr Joseph Kohn Zedek ist mit Genehmigung des Oberrabbiners, Herrn Dr. Adler, als Prediger (Maggid) für die polnisch jüdischen Synagogen Londons erwählt worden. Es ist nur zu wünschen, daß die englischen Juden ihren Glaubensgenossen beistehen, damit der neue Prediger auskömmlich salarirt werden könne. Tunis. Der Premier-Minister hat aus Anlaß seiner Genesung von schwerer Krankheit erhebliche Summen an die Armen vertheilt. Auch für die jüdischen Armen sendete er 3000 Piaster. Das will für einen muhammedanischen Minister etwas sagen. Auch in Tunis giebt es einen Fortschritt. _ (I- Chron.) Jerusalem. „Die Wiederbevölkerung Palästina's. Ein Zeichen der Zeit. Von Rev. James Neil, früher Geistlicher bei der Christ Church zu Jerusalem" — so lautet der Titel eines soeben in London erschienenen Büchleins. — Nach manchem, was in diesen Blätt. wiederholt über die Wünsche und Bestrebungen englischer Christen in Betreff der Wiederherstellung Israels und Palästinas ge-

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