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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-05-24 · N° 21. (24.5.1877) · p. Seite 165

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 21. (24.5.1877)
Date
1877-05-24
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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165 — rede, während welcher kein Auge thränenleer blieb. In der Wohnung sprachen dann die Rabbiner aus Wieruszow und Boleslawic (Polen), und Herr Rabb.-Ass. Bergel aus Rawicz, ein Schwager des Verblichenen. Möge das Andenken an Rabbi Simcha Rehfisch sich recht lange erhalten! p'S^ p,^ rr.T üb)V R- Cassel, 10 Mai. (Or.-Corr.) Vor acht Jahren feierte der hiesige Krankenpflege-Verein den huildertsten Geburtstag seines vamaligen ersten Vorstehers; gestern beging er die Feier des siebzigsten Geburtstages seines gegenwärtigen Vorstehers, des Kausmann's A. Hon net. Derselbe ist seit 45 Jahren sehr thätiges Mitglied dieses Vereins und gehört seit mehr als drei Decennien sowohl dem Vorstand desselben, als auch denl Vorstand der hier bestehenden, der Unterstützung von Schülern, Studirenden, Handwerkern sich widmenden „Humanitätsgesellschaft" an und bekleidete von 1848—1861 das Amt eines Gemeinde-Aeltesten (so ist im ehemaligen Kurhessen die amtliche Bezeichnung für „Gemeinde-Vorsteher.) Der Erfüllung aller mit diesen Stellen verbundenen Pflichten gab resp. giebt er sich stets mit größtem Eifer und selbstlosester Liebe hin, und erwarb sich um die Gemeinde und die in derselben bestehenden wohlthätigen Vereine mannigfache Verdienste, die denn auch an seinem Ehrentage vollste Würdigung fanden. Neben zahlreichen Einzel-Gratulationen seitens seiner Freunde und Verehrer beglückwünschten ihn offiziell der Land- Rabbiner, die Gemeinde-Aeltesten und die Vereinsvorstände. Letztere überreichten eine kalligraphisch ausgestattete Adresse, die von einem Gemeindemitgliede, Herrn A. Rosenzweig, in gelungenster Weise ausgeführt war. Die Mitglieder des Krankenpflege-Vereins widmeten dem Jubilar einen prachtvoll gearbeiteteten Pocal und versammelten sich Abends zu einem, ihm zu Ehren gegebenen Festmahl, bei dem es an würdigen, sinnreichen, aber auch heitern Toasten nicht fehlte. Möge dem Jubilar noch ein langer und froher Lebensabend vergönnt sein. —r. Oesterreich-Ungarn. Von der Donau, 15. Mai. (Or.-Corr.) Wenn alle Anzeichen nicht trügen, so dürfte demnächst eine Angelegenheit ihre endgiltige. Erledigung finden, welche die ungarische Judenheit schon seit Jahrzehnten lebhaft beschäftigt, ja, wie Eingeweihte behaupten, wenn auch nicht die alleinige, so doch die Hauptursache ist, daß Ortyodoxie und Fortschritt, hier zu Lande Schomre-ha-dath- und Kongreß-Partei, sich so schroff gegenüberstehen. Ich meine die Angelegenheit der zu errichtenden ungarischen Land es-Rabbinerschule, welche des Schiboleth der Parteien geworden ist und nicht nur in der hiesigen jüdischen und politischen Presse, sondern auch im Landtage schon so viel Staub aufgewirbelt hat. Seitdem im ungarischen Landtage, gelegentlich der Behandlung einer Muffenpetition der Schomre-ha-dath, die Errichtung der Landesrabbinerschule zwar nicht gut geheißen, aber auch kein einziger von den diesbezüglich eingebrachten Anträgen angenommen wurde, und der Präsident aus der Sackgasse, in welche die verschiedenen resultatlosen Abstimmungen geführt hatten, nicht anders herauszukommen wußte, als indem er enunziirte: das Ministerium, das jetzt die Ansichten des Landttages in der Seminar-Angelegenheit kennt, wird aufgefordert, sich bei seinem weiteren Vorgehen nach denselben zu richten — seitdem ist in dieser hochwichtigen Angelegenheit öffentlich Nichts verhandelt worden. Sei es nun, daß die Regierung aus dieser letzten, resultatlos gebliebenen Debatte die Ueberzeugung geschöpft hat, daß im Landtage, roeim er sich auch bezüglich der Art und Weise der Errichtung der Rabbinerschule nicht einigen konnte, sich nur eine verschwindend kleine Minorität unter allen Umständen gegen dieselbe ausgesprochen habe; oder daß das Ministerium sich entschlossen hat, einfach ^in 86N8u fundatoris“ vorzugehen, nachdem die königliche Schenkungsurkunde, welcher der ungarisch-jüdische Landesschulfond seine Entstehung verdankt, ausdrücklich bestimmt, daß dieser Fond in erster Linie zur Errichtung und Erhaltung einer Landes-Rabbinerschule zu dienen habe; genug, das Ministerium hat seitdem die nöthigen Schritte zur Errichtung dieser Anstalt mit anerkennenswerther Energie gethan und die factifche Eröffnung derselben scheint poat tot discrimina rerum endlich vor der Thüre zu stehen Die Regierung hat, im Einvernehmen mit der Seminar-Commission, in Budapest einen Baugrund angekaust, der vor einem öffentlichen Platze gelegen, in zwei Gassen Front machend und dem geräuschvollen Treiben der Großstadt entrückt, sich für das Seminar besonders eignet. Dem Ankäufe des Baugrundes folgte rasch die Errichtung des Seminar-Gebäudes, welches seit dem Herbste des vor. I. im Rohbau, gegenwärtig auch seiner innern Einrichtung nach vollendet, zu den schönsten öffentlichen Gebäuden der Hauptstadt zählt. Der monumentale, zwei Stockwerke hohe Bau, enthält neben zahlreichen hellen und luftigen Lehrsälen, geräumige Bibliotheks- und Lesezimmer und eine geschmackvoll eingerichtete Synagoge. Als Grundstock für die Bibliothek ist, wie ich höre, die von Lelio della Tor re hinterlassene Bibliothek angekauft; zur Ergänzung derselben ist eine namhafte Summe bestimmt. Das Lehrercollegium, mit welchem die Anstalt eröffnet werden soll, ist von der Seminar- Commission bereits gewählt; so viel ist gewiß: doch dürfen die Namen, welche diesbezüglich bereits genannt werden, kaum die richtigen sein. Gewißheit wird in dieser Beziehung erst die offizielle Erne nung der betreffenden Professoren bringen, welche von Seiten der Regierung, über Vorschlag der Seminar-Commission, demnächst erfolgen soll. (s. Pest.) Mittlerweile haben die Schomre-ha-dath ihren letzten, und wie sie zu meinen scheinen, gewaltigen Trumps ausgespielt. 205 ungarische Rabbiner, darunter freilich viele Rabbinatsassessoren und Privatgelehrte, haben die Anstalt im vorhinein „geaffert" und Alles, was drum und dran hängt, in optima forma in „Cherem" gelegt: Schüler und Profefforen, ja sogar die Gemeinden, die es sich beikommen laßen werden, einen der Seminar-Zöglinge als Rabbiner anzustellen. In den Reihen der frommen Bannstrahl-Schleuderer vermißt man mit einiger Verwunderung die anerkanntesten Vertreter der ungarischen Orthodoxie und talmudischen Gelehrsamkeit —ich hebe als solche die Rabbiner von Gr. Karo ly, Gr. Ward ein und Paksch hervor, die, weil sie den Cherem nicht unterschreiben mochten, einem on-dit zufolge, selber mit Bann belegt worden sein sollen; anderseits aber ist der Bann auch von solchen Herren unterschrieben worden, deren Orthodoxie für nichts weniger als dreizehnlöthig gilt, die sich durch ihre Unterschrift in den schreiendsten Gegensatz zu ihren Gemeinden gesetzt haben. Ob der „Cherem" den Erfolg Hallen wird, den die Herren, die ihn inscenirten, sich versprochen haben mögen, bleibt abzuwarten. Pest. Der „Ung. Jsr." erfährt verläßlich die Namen der designirten Lehrer. Es sind folgende: der Rabbinalsprüses Brill in Pest, ein Mann, dessen Ruf als gründlich ge'ehrter Talmudist, ‘’pni Fp“irr, längst festbegründet ist; Rabb. Bloch aus Leipnik, für dessen Bedeutung der Umstand spricht, daß von seiner Berufung nach Prag an Stelle Rappoports ganz ernstlich die Rede gewesen ist, der außerdem aus einer berühmten Rabbinerfamilie stammt und ein Neffe (und Schüler?) des „Schaare Torah" ist. Diese beiden sind also für die eigentlich rabbinischen Fächer bestimmt. Dann der Direktor der Landes-Präparandie Heinr. Deutsch und die DDr. D. Kaufm ann und W. Bacher. Außerdem sollen noch Professoren der Universität verschiedene Fächer dociren. Kaum ist aber ein vorbereitender weiterer Schritt in der Seminar-Angelegenheit geschehen, so erheben schon die Schomre hadath ihre Stimme und haben einen „Jssur", wie man das aus guten Gründen euphemistisch nennt, d. h. einen Bann und Fluch in optima forma gegen das Seminar und Alle, die sich irgendwie an demselben betheiligen, ausgesprochen und publicirt. „Seht doch, heißt es da, wer diese Neuerer sind,

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