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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-05-10 · N° 19. (10.5.1877) · p. Seite 149

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 19. (10.5.1877)
Date
1877-05-10
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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— 149 sin Leiba und desien Frau Nacha gemißhandelt hatte, zu richten und verurtheilte ihn zu 5 Fr. Strafe an den Fiscus. Aus den Schulberichten sind folgende Notizen bemerkenswerth. Bagdad. Se Ex. Hussein Fevzi Muschir Pascha, der neulich die Schule besucht hat, bezeugte dem Local-Comit4 und Herrn Garat den guten Eindruck, den diese Jnspection auf ihn gemacht hat, und richtete an die Schüler eine kurze ermuthigende Ansprache. Zwei Tage später sandte er an H. Garat folgendes Schreiben in türkischer Sprache: An die Lehrer der Alliance Israeli te. Seit den drittehalb Jahren, die ich in Bagdad bin, habe ich, so oft ich den Prüfungen der Alliance-Schule beigewohnt, den Eifer und die Fortschritte der Schüler in der Aneignung von Bildung und Kenntnissen constatirt, Fortschritte, die von Jahr zu Jahr immer sichtbarer werden. Es ist für mich klar, daß die Schüler diesen rapiden Fortschritt nicht bloß ihrem natürlichen Fleiß, sondern auch der Energie und beharrlichen Thätigkeil ihrer Lehrer verdanken. Um so mehr darf ich Ihnen sagen, daß inan in dieser, Welt in der man Ansehen zu gewinnen und zu den höchsten Stufen zu gelangen sucht, vor Allem ein ansehnliches Capital von Wissen und Weisheit sammeln und durch Studium den natürlichen Feind des Menschen, die Unwissenheit, besiegen muß. Und ihre intelligenten Schüler, beseelt von dem guten Willen, der auf ihrer Stirn leuchtet, dürfen nicht die Nächte von den Tagen unterscheiden, noch diese Jahre der Jugend, die nicht wiederkehren, verlieren. Ich darf also hoffen, daß dieselbeil ihr Möglichstes thun werden, um an Intelligenz zuzunehmen, und daß die Aufnlerksamkeit und Wachsamkeit ihrer Lehrer ihnen bei dieser Bemühung beistehen werde. Bagdad, den 11. Januar 1877. Hussein Fevzi. Bor 4 Monaten halte H. Garat ein Verzeichniß türkischer Bücher, welche die Schule braucht, Sr. Ex. dem Vali überreicht, der dasselbe dem Unterrichtsminister in Constantinopel zugeschickt hatte; demselben wurden hierauf in den ersten Tagen des Januar c. 3 Packele mit türkischen Schulbüchern, im Ganzen 90 Bände, vom Fali zugestellt. Canea. Das Local-Comit6 meldet, daß es soeben die beiden ersten monatlichen Quoten der aus kaiserlichen Befehl den israelitischen Schulen daselbst bewilligten Subvention von 500 Piaster (104 Fr 50 Ent.) pro Monat erhalten und sofort für 450 Fr. p a. ein angemessenes Haus zur Unterbringung der Klaffen gemiethet hat. Ebenso hat daffelbe von H. Baron Arthur v. Rothschild eine Summe von 100 Fr. erhalten, die gleichfalls für die Schule verwendet werden soll. Bolo. Der Bischof von Volo hat neulich die Schule besucht, die Kinder selbst examinirt und mit Genugthuung ihre Fortschritte constatirt. Der Griechisch-Lehrer, H. Constantin Asteriades, richtet an ihn eine kleine Ansprache, in welcher er die Freude schilderte, die der Besuch deffelben der Geineinde mache, und den Wunsch ausdrückte, daß das vom Bischof gegebene Beispiel von Toleranz die Borurtheile und den Haß zwischen ben verschiedenen religiösen Gemeinden verschwinden mache. Marokko. Mogador. Der „Globe" vom 6. April brachte einen Bericht über Exceffe. welche von Juden in Mogador gegen einen englischen Geistlichen begangen sein sollten; er gab dem Artikel die sensationelle Ueberschrift: „ChristenVerfolgung in Marokko", und so ist er durch viele Blätter gegangen. Er erzählt etwa Folgendes: „Der englische Geistliche I GinSburg, früher in Algier, lebt seit zwei Jahren in Mogador und leitet dort eine Kirche, Schulen und eine Apotheke, hat auch in gleicher Weile Christen, Juden und Mahommedanern in Krankheitsfällen Hülfe angedeihen laffen. Da nun kürzlich eine englisch jüdische Wittwe marokkanischen Ursprungs, die im Begriffe stand, sich mit einem Glaubensgei nofsen zu vermählen, mit ihrem Gatten zum Chrii'tenthum übertrat, so entstand ein Aufruhr, der Christen und Mabom- >nedaner in gleicher Weise in Verwunderung setzte. Während die britischen Unterthanen an einem Sonntag Morgen Andacht hielten, drang ein Theil der jüdischen Bevölkerung in das durch Flaggen bezeichnete europäische Viertel und beging in Worten und Thaten großen Unfug. Steine wurden gegen Ginsburg's Wohnung geschleudert und aufreizende Reden gehalten. Ferner berichtet der Correspondent. daß in einer an den Sultan von Marokko gerichteten Bittschrift die Ausweisung des protestantischen Geistlichen verlangt werde. Die Bittschrift, zu lang, als daß wir sie hier mittheilen könnten, enthält die wunderlichsten Gründe des Gesuches um Ausweisung und schließt mit den Worten: „Jene Secte ist aus Algerien und Spanien ausgetrieben worden, weil sie durch falsche Mittel die Religion zu verderben sucht, und wir wenden uns an Ew. Majestät und an Allah, der Gewalt über uns hat." Unterzeichnet ist das Schriftstück: Le Chevalier Josef de A. Elmaleh, österreichischer Consularagent; Corkos, amerikanischer Consularagent, und verschiedene Laien und Rabbiner." Dem großbrittanischen Consul in Mogador, Mr. Robert Drummond H a y, ist darauf am 16. Januar ein Brief übersandt worden, unterzeichnet vom dänischen Viceconsul (Coleman), vom deutschen (Theod. Brauer), vom englischen und belgischen desgleichen und um entsprechende Maßregeln gebeten. Die Eingabe klagt darüber, daß Mr. Ginsburg mit seiner Familie in die bedenklichste Lage gerathe, da die Bevölkerung ihm nichts mehr verkaufen wolle, und jeder, der die Häuser der sogenannten „Picoros" betrete, aus der jüdischen Genossenschaft ausgestoßen werde. Die Dienstboten hätten den Geistlichen daher schon vertassen. Der Lärm am Sonntag sei im Angesicht fast aller Consularstaggen geschehen, ausgenommen der Oesterreichs und der Union. Folgendes ist der Schluß dieses Schreibens: „Die Juden dieses Landes sollten die letzten sein, Christen irgend einer Station oder Consession Verachtung angedeihen zu laffen, da sie in Folge der Gegenwart der Letzteren nicht mehr von den Mauren mißhandelt werden." Am 23. Januar hat dann der Consul Drummond Hay, der einige Tage verreist gewesen war, geantwortet, sich den Einsendern nicht in jeder Beziehung angeschloffen, jedoch strenge Untersuchung und Beschützung zugesagt." So weit der Bericht des „Globe". Es kann -uns nicht in den Sinn kommen, Exceffe in Schutz nehmen oder Glaubensfanatismus vertheidigen zu wollen, aber die Exceffe sind selbst nach dieser Dastellung nicht sehr gefährlicher Art gewesen, und. was den Fanatismus betrifft, so fragt sich doch, durch wen und in welcher Weise er gereizt worden ist. Der Name Ginsburg läßt nun auch von vornherein errathen, mit welcher Sorte englischer „Geistlicher" wir es hier zu thun haben, und weiter vorliegende Berichte überheben uns des Errathens. Ginsburg ist ein getaufter Jude, wahrscheinlich ein „Pollak", der erst seine werthe Persoll und (wenn man so sagen darf) seine Religion, dann seine Dieilste der Judenbekehrungsgesellschaft verschachert hat, und nun auf verschiedenen Stationen das Schachergeschäft fortsetzl, indem er Judenseelen zu kaufen sucht. Dieses Gesichter ist von allenl m Menschengestalt einherwandelnden Gewürm das widerwärtigste, wird von allen redlich und vernünftig denkenden Christen wie Juden verachtet, nur in England, Amerika und sonst noch hier und da^finden sich Narren, die sich von den Seelenfängern große Summen abschwindeln laffen, und Bornirte, die gegen ihr gemeines und oft gefährliches Treiben blind sind. Die Missionäre haben ja schon oft durch ihre Zudringlichkeit, Tücke und Gewissenlosigkeit bedeilkliche Verwickelungen herbeigeführt, indem sie, einmal energisch oder gar handgreiflich zurückgewiesen, sich unter den Schutz der europäischen Consularbehörden flüchteten und sich als Märtyrer, verfolgte Christen und leidende Boten der Civilisation hinstellten. Alle Welt weiß, wie der abeffynische Krieg durch einen frechen Missionär (Stern, auch einen von oben bezeichneler Sorte) angezettelt worden ist, zehn Tausende mußten ihr Leben hingeben, weil jener sich 11 ch >ie V

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