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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-05-10 · N° 19. (10.5.1877) · p. Seite 148

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 19. (10.5.1877)
Date
1877-05-10
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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— 148 — den jüd. Cultus in Haus und Synagoge viel mehr Dinge umfaßt, als die Vorbereitung für die Kirche. Auch sonst enthält das Schriftchen viel des Anregenden, Beherzigenswerthen, auf das näher einzugehen der für solche Besprechungen bemessene Raum zu knapp ist. (Ohne auf Vorstehendes hier näher eingehen zu können, möchten wir doch noch zwei Bemerkungen hinzufügen. Der Hr. Correfp. geht zu weit, wenn er behauptet, auch dem Orthodoxesten müsse Religions-Unterricht eines sogenannten Freisinnigen lieber sein, als gar keiner. — Dagegen vergißt Herr Mayer, was er kürzlich selbst zugestanden hat, daß die Gegensätze nur an sehr wenigen Orten sich so zugespitzt haben, wie etwa in Berlin. Zu einem Längner der Thorah umizwah kann ein wahrer Jude sein Kind nicht in Religions-Unterricht schicken; aber wie viel jüd. Religions-Lehrer gehören denn in jene Kategorie, und wo sind die Gemeinden, die solche Leute als Religions-Lehrer anstellen?! Wozu um kitse? kP streiten?! Red.) Dresden, 1. Mai. (Or.-Corr.) Zufällig kam mir dieser Tage Nr. 16 des „Jsr. Gemeindebl." von vr. Schreiber in die Hand, und ich fand zu meinem Erstaunen, daß dieses Blatt, welches doch im reformistischen Sinne tonangebend sein will, eine schreckliche Unwissenheit zur Schau trägt, die sich mit solcher Prätension gar nicht verträgt. Haben Sie nun auch erklärt, sich nicht mit der Person des Hrn. vr. Schreiber beschäftigen zu wollen, so dürfte es doch nicht überflüssig sein, dem größeren Publikum, das sich so leicht von Phrasen und scheinbar gelehrtem Flitter blenden läßt, über den Werth eines Blattes die Augen zu öffnen, das bei solcher Unwissenheit sich zu seinem Führer auf wir ft. Um kleinere, verzeihliche Jrrchümer zu übergehen, erwähne ich nur drei Stellen in dieser Nummer. In einer Abhandlung nnter der Aufschrift: Principien des Judenthums. Zur Abwehr. Eap. VII. Die Ethik des Judenthums u. s. w. wird aus Talmud Sabbath f. 32 citirt: „Wenn Jemand krank wird .O^fTJl pa^p-iß V' DK wenn er große Paläste hat, wird er gerettet, sonst nicht." „Was versteht man unter großen Palästen des Menschen? Buße und gute Werke" , wird fortgefahren. Weiß der Mann nicht, daß „Fürsprecher" heißt!!*) Weiter wird aus Tract. Berachoth f. 34 citirt: „Die Propheten haben nur geweissagt für die Rückkehrenden und Bußfertigen; denn fehl erlöse Fromme hatkein Auge noch gesehen." So übersetzt er nämlich das: 1)1 nn*n »b py B^löJ D'p^sc. Muß doch jeder Anfänger schon aus dem Zusammenhänge, in welchem das Citat vielfach angewendet wird, sehen, daß der rechte Sinn ist: Den Lohn der vollkommen Frommen hat noch kein Auge außer Gott geschaut, d. h. kann kein Sterblicher sich vorstellen. Wie will der gute Mann denn nach seiner Übersetzung etwa den Satz: kS V’J? I22£y n"n ^28 nn*n verstehen? Soll das auch etwa heißen: Gelehrte hat kein Auge noch gesehen? Er scheint an Kohel 7 20 gedacht zu haben; aber wie erklärte er sich dann das *]rnl?? Ueber Alles aber geht der Unsinn S. 122, wo aus Tract. Joma 86 b citirt wird: „Groß ist die Buße, sie löst biblische Verbote auf." miri2*»y nwn *6 nnrny N21W r6i '*7) Wer soll das begreifen? — Allerdings heißt es dort, um die große Barmherzigkeit Gottes ins Licht zu setzen, mit Hinweis auf Jerem. 3 und 5. B. Mos. 24, daß, obgleich nach 5. B. Mos. 24 eine Ehebrecherin oder überhaupt eine Geschiedene, die eines andern Mannes geworden, nach der Trennung von diesem nicht wieder zu ihrem frühern Gatten zurückgehen dürfe; so ruft dennoch Gott Israel, trotz seines Abfalles zum Baal, der als Ehebruch zu bezeichnen, selbst zur Rückkehr zu ihm auf. Das ist nun homiletisch mit den Worten ausgedrückt n“b nnH '21tyn: Gott handle gelinder gegen das ehebrecherische (von ihm abtrünnige) Israel, als sein Gesetz *) Aus den Pirke Aboth muß das Wort selbst einem gut unterrichteten Knaben bekannt sein. (Red.) gegen die Ehebrecherin vorschreibt. Wer aber die angeführten Worte im „Gemeindeblatt" liest, sollte meinen: Die Umkehr Israels (zu Schreiber?) „löst die biblischen Verbote auf." vr. W. L. -prr : w-h irmn-i a^iion ^N)i pTüD bv ()nmr -pr: pip* ^rri nnnrn runas 2'Ji2'n m bv A nm. d. Red. Der hochgeehrte Hr. Corresp. hat sich fast zu viel Mühe gegeben, um die grobe Unwissenheit des vr. Schreiber zu beweisen und die Sinnlosigkeit der von ihm gegebenen Uebersetzungen darzulegen. Er hat uns jedoch damit der Mühe überhoben, auf ein inzwischen erhaltenes Schreiben des Genannten uns selbst einzulassen. In dem Schreiben wird wiederholt, 1) daß die Wiener „N. Fr. Pr." das Gemeindeblatt aus eigenem Antriebe besprochen habe, 2) daß die beregten Stellen aus Joel aus dem G edächtniß niedergeschrieben seien. Beide Punkte sind sehr unwichtig. Wichtiger wäre die Frage, warum vr. Schr. den Hrw L. von hier nicht wieder erkannte, wenn er „in der Thal ein so selten gutes Gedächtniß zu besitzen das Glück hat". — Weiter aber protestirt der Herr sehr energisch dagegen, daß wir bei seiner Unterschrift den Titel Rabbiner weggelassen haben. Er habe lange und viel auf 7l12'ty gelernt, „besitze fünf fiimin nnnn**) von alten, würdigen, sowohl ihrer ächten Frömmigkeit wie ihrer großen Gelehrsamkeit wegen als Autoritäten bekannten Rabbinen" rc., und habe daher volles Recht, den Rabbinertitel zu führen. Nachdem Hr. vr. L. aus einer Nummer des Gemeindebl. drei solche Proben von den rabbinischen Kenntnissen des vr. Schr. ausgelesen hat, ist es für jeden Urtheilsiähigen gewiß höchst überflüssig, über den Rabbinertitel und die Horaah-Befähigung des Mannes noch eine Silbe zu verlieren. Frankreich. Paris. (Monatsbericht der Alliance Jsr. Univ. für März.) Nene Mitglieder 198. Aus dem Propagandabericht ist zu bemerken, daß sich (endlich) auch in Brestau durch die eifrigen Bemühungen des Herrn I. Z. Hamburger ein Comits der Alliance gebildet hat, welchem die HH. Pros. vr. Grätz als Vorsitzender, I. Korn als Vicepräs., I. Z. Hamburger als Schatzmstr. und Rbb. vr. Jo6l, Landesrbb. Tiktin, Geheimrath vr. Graetzer und Sanilätsrath vr. Wollner als Mitglieder angehören. Die Nachrichten über Rumänien und Serbien sind bereits bekannt, doch mögen zwei richterliche Erkenntnisie mitgetheilt werden, welche eine Idee von der Lage der Israeliten in Rumänien geben können: Am 27. Januar c. erschienen 6 Israeliten: Baruch sin***) Strul, Schneider, David Mendel, Aepfelhändler, Joine Meidain, Klempner, Meier Ghelber und Peisisch sin Avram, Bäcker, vor dem Gericht von Roman, unter der Anklage, einen gewiffen Gheorghie Jancu thätlich angegriffen zu haben; zwei andere Israeliten, Jtrul Benglas und Peisisch sin Avram, waren einer bei diesem Anlaffe gegen die Polizei geübten Widersetzlichkeit beschuldigt. Das Gericht verurtheilte nach kurzer Berathung die sechs Erstgenannten jeden zu 6 Monaten, Benglas zu 14 Monaten und Avram zu 2 Jahren Gefängniß und außerdem alle zusammen zu 500 Fr. Entschädigung an Jancu für die ihm ertheilten Schläge. An demselben Tage, dem 27. Januar c., hatte dasselbe Gericht einen H. Gheorghie Pastravanu, der den Israeliten Dude *) ist hier mascul. gebraucht wie Spr. 4, 25. **) Auch sehr charakteristisch! Gerade, wie wenn jemand den Plural von Vaterland „Vaterländer" bilden würde. Man ist also nicht einmal der hebräischen Elementargrammatik entwachsen. ***) Das soll ohne Zweifel Sohn bedeuten. Das Zerrbild menschlicher Sprache, dessen sich jene Leute bedienen, und welches in diesen Namen sich abspiegelt, erklärt leider manches! Reb Hillel und die andern Heiligen erklären dann dieses Idiom für ein heiliges, das Erlernen jedes anderen für Verbrechen.

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