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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-05-03 · N° 18. (3.5.1877) · p. Seite 141

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 18. (3.5.1877)
Date
1877-05-03
Page
Seite 141 (sequence 5)
Language
German
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141 — Freibetien gestiftet und dem Vorstande 25,000 Gulden übergeben lasten. Oesterreich-Ungarn. Budapest, 12. April. (Or.-Corr.) Anläßlich der letzten Winter von Dr. Kayserling meisterhaft gehaltenen historischen Vorträge regte Herr D. H. Spitzer die Idee an, daß die sich mehrseitig äußernde Anerkennung auch eine greifbare Form annebme. Diese Idee kam rasch glänzend zur Ausführung. Am 2 April a. c., Vormitlags 10 Uhr, begab sich unter Führung des Dr. Schoenberg eine Deputation von nahezu 25 Herren in die Wohnung des Dr. Kayserling jund überreichten demselben das Ehrengeschenk und eine Adreste. Obmann des hiezu entsendeten Comitee's, Herr Dr Schoenberg, pries m gelungener Rede die Verdienste des verehrten Mannes, dem die F"ier des Tages galt, und erntete ob seiner ausgezeichneten Ansprache großen Beifall. Dr. Kayserling sprach sehr gerührt seinen Dank für die „unverdiente" Auszeichnung aus, er betrachtete dieselbe nicht als seinem Wirken, sondern seinem Streben dargebracht und schloß feine tief empfundene Rede damit, daß er den Wunsch aussprach, sein nnnmel riges Vaterland, das geliebte Ungarn, möge zur höchsten ölüthe gelangen. Wiederholt begeisternde Eljens waren bas Echo dieser in der Thal von patriotischem Geiste durchwehten Ansprache Das Ehrengeschenk bilden 2 silberne fünfarmige Girandole, in griechischem Stiele gehalten und künstlerisch ausgeführt. Die Adreste hat einen Prachlband, das Tabernakel des Tempels darstellend, und enthält in geschmackvoller, kalligraphischer Ausstattung das Verzeichniß von 218 der klangvollsten Namen hiesiger Bürger jüdischer Confestion Der Kalligraph Herr Ignatz Blau lieferte in derselben ein kleines Meisterstück; wie überhaupt die ganze Ovation will big des Mannes war, für den ire bestimmt, aber auch eben so ehrend für Alle, die sich daran beteiligten. Prag, 16. April. Mit Bezug auf die Correspondenz aus Wien in Nr. 16 der;„Wochenschrift" in Betreff der Judenpalenle für Böhmen ooiil Jahre 1797, erlaube ich mir Ihnen mitzutheilen, daß der „N freien Presse" schon vor mehreren Wochen von hier aus, wie ich glaube von gut unterrichteter Seite gemeldet wurde, es sei die Angelegenheit, bei welcher das Volu:n des Profestor Dr. G. Wolf in Wien eingeholt wurde, zum Abschlnste gekomiilen. Die bisherigen jü bischen Vereinigungen bilden von nun an Cultusverelue oder Geiireinoen, oder auch selbstständige Gemeinden, wie dies in Mähren der Fall ist Fremde Israeliten, die sich dauernd in einem Orte aushall"n, wo eine jüdische Gemeinde oder Verein besteht, sind verpflichtet, Beiträge zu den Cullussteuern zu leisten. Als Kriterium, wer Jude ist, gilt nur das Bekennlniß. Schweden. Stockholm, den 16. April. (Or.-Corr.) Die letzte Nr. 0 5) Ihres geschätzten Blattes bringt unter der Rubrik „Schweden" einen Bericht über das 25jährige Dienstjubiläum zweier Beamten (deren Einer meine Wenigkeit) der hiesigen isr. Gemeinde. — In jenem Bericht ftnde ich zu meiner nicht geringen Überraschung einige AelHerungeu, welche, allerdings die mir gegenüber wohlwollenden, freundlichen Gesinnungen des Corresponden'.en G. bekundend, jedoch im berechtigten Interesse der Wahrheit einer gar namhaften Ermäßigung bedürfen. — Was die erwähnte Pflichtreue betrifft, so will ich, wenn dies unbedingt geschehen muß, gerne zugeben, daß ich während meiner 25jährigen Amtszeit bemüht war, meinen Platz nach Kräften auszusüllen. Mit diesem Urtheil scheint jedoch der Correspondent sich nicht zu begnügen, sondern fügt noch hinzu, daß beide Jubilare durch ihr „friedfertiges" Wirken „nr i t Recht allgemeine Symp^athien sich e r w o r b e n", nichts mehr, nichts weniger. Wenn ich überhaupt bei vorkommenden Fällen (die schon dagewesen) tadelnde Aeußerungen, schroffe Bemerkungen, strenge Vorwürfe u. dgl. mit ungestörtem Gleichmut hinnehnie, selbst wenn solche auch der geringsten Begründung entbehren, so ist es mir hingegen nicht möglich, mit derselben Bescheidenheit unberechtigte, übertriebene Lobreden stillschweigend zu acceptiren. Obgleich von Natur friedfertig, bin ich doch keinesfalls 21^2? rpn ä tout prix. Ein jüdischer Gemeindebeamter, besten Stellung eine gar sehr einfache und anspruchslose ist, welcher aber trotzdem vorkommendenfalls seine Meinung ohne Scheu ausspricht, gleichviel ob dieselbe im Einklang oder Widerspruch mit der Ansicht der p. t. tongebenden Spitzen stehen mag, der dürfte wohl schwerlich auf allgemeine Sympathien gar rechnen, am allerwenigsten aber solche „mit Recht erwerben" können. Daß besagte, nicht existirende Sympathien, wie der Bericht schließlich meldet, „in mannigfachen Betheiligungen ihren Ausdruck gefunden haben sollen", ist, insofern diese Worte irgend eine Demonstration von Seiten der Gemeinde bedeuten sollen, mir wenigstens bis Dato ganz fremd. Und hiemit hoffe ich der Wahrheit den ihr gebührenden Tribut gezollt zu haben.* *) PH. Philipson, 2. Cantor der isr. Gemeinde zu Stockholm. Palästina. Das in voriger Nr. von uns erwähnte Schreiben des Coilsulats des deutschen Reichs für Palästina an den Redacteur des „Israelit" lautet unter Hinweglastung der brieflichen Formalitäten wie folgt: Jerusalem, den 14. März 1877. In Nr. 7 des „Israelit" vom 14. v M., lese ich unter der Rubrik „Mainz" von einem Berichte über die hiesigen Talmud-Thora-Schulen, in welchem schließlich zum Besten dieser Anstalten an den Wohlthätigkeitssiun der deutschen Glaubensgenossen appellirt wird. Ich kann das in diesem Berichte Gesagte nur bestätigen und muß die daran geknüpfte Bitte befürworten. Ich habe selbst die Talmud-Thora-Schule der Aschkenasim-Peruschim wiederholt besucht und mich davon überzeugt, daß die erwähnten Lehrfächer vorgetragen werden. Weshalb aber diese Anstalt der deutschen Wohlthätigkeit besonders zu empfehlen ist, dafür gestatte ich mir zwei Gründe anzuführen. Einmal besitzt die hiesige Israel. Gemeinde trotz ihrer beträchtlichen Größe uno ihrer allgemeinen Ärmuth, leider noch immer kein Waisenhaus und nur eine Armenschule mit sehr geringen Mitteln; zweitens ist die Talmud-Thora-Schule nicht allem sehr verbesserungsfähig, sondern auch bedürftig. Denn weun, wie oben erwähnt, auch in den genannten Lehrfächern wirklich unterrichtet wird, so ist dies noch nicht genug, und die Schule leistet, wahrscheinlich aus Mangel an Mitteln, nicht soviel als die Hauptschule einer so großen und intelligenten Bevölkerung leisten müßte. Bei den Lehrern und Leitern der Schule scheint der Grundsatz maßgebend zu sein, den auf S. 148 derselben Nr. des „Israelit", der Rabbi Hillel predigte**). Ich glaube nun aber nicht, daß es den Intentionen der Israeliten in Deuichland entspricht, wenn die Kinder ihrer Glaubensgenosten in Palästina für das von ihnen gespendete Geld in diesem Geiste unterrichtet werden. Ferner bin ich durch meine Stellung darauf hingewiesen, das Verlernen der deutschen Sprache bei meinen Schutzgenosten nicht zu gestalten. Meine Instructionen sind in dieser Beziehung ganz gemesten, und machen die Forlbeiviüignng des deutschen Schutzes ausdrücklich von der Erhaltung der deutschen Sprache abhängig. Ich habe diesen meinen Standpunkt den Mitgliedern **) Reklamationen gegen tadelnde oder kritisirende Artikel gehen bei jeder Redaktion oft genug ein; Protest gegen lodende Bemerkungen wird sehr selten erhove.n Hier sind wahrscheinlich 2^2^- Wenn wir sie auch nicht kennen, so glaubten wir der Bitte um Ausnahme der Corresp. doch entsprechen zu müssen. (Red.) * *) Anm. der Red. des „Israelit" : Es ist dort von Rabbi Hillel Wetsch. gegenwärtig Rabbiner in Kolomea in Galizien, die Rede, und der von diesem gepredigte Grundsatz lautet: „Jüdisch-Deutsch ist die allein heilige Sprache, jede andere ist gottlos".

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