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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-05-03 · N° 18. (3.5.1877) · p. Seite 140

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 18. (3.5.1877)
Date
1877-05-03
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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— 140 — damit die Ausbildung allseitig tüchtiger jüdischer Religionslehrer anzustreben." 2) „Zum Feststellen der Statuten dieses Vereins wird ein Comitö von sieben Mitglieder gewählt (Dr.Dr. Back, Bloch (Posen), Feilchenfeld, Horovitz, Joel, Koref, Lewin), welches aus seiner Mitte drei Mitglieder mit der Ausführung des obigen Beschlustes betraut. DaS Referat über die Stellung der Rabbinen, erstattet von Dr. Lewin, resultirte in den Beschlüssen: 1) Die Conferenz der Rabbiner der Provinz Posen soll eine periodisch wiederkehrende sein. College» aus den Nachbarprovinzen, welche den Wunsch äußern, an den Berathungen Theil zunehm, sollen Einladungen erhalten. 2) Die Versammlung wählt einen ständigen Ausschuß von 5 Mitgliedern (DrDr. Back, Bloch (Posen), Feilchenfeld, Horovitz, Joel. 3) Dieser Ausschuß hat eine Denkschrift, die Stellung der Rabbinen betreffend, auszuarbeiten und sie bei den Mitgliedern der Conferenz circuliren zu laffeu, damit sie sodann an die Gemeinden versendet werde. Das ausführliche Referat über die Frage „Simultan¬ oder confeffionelle -Schule", erstattet von DrDr. Jaffe und Rosenzweig, führte nach längerer Debatte za dem Ersuchen an den Ausschuß, derselbe wollte die Conferenz in einem halben Jahre wieder einberufen und dieser die Schulfrage in erster Linie unterbreiten. Sollte das Schulgesetz schon früher dem Abgeordnelenhause vorgelegt werden, dann ist auch ein früheres Zusammentreten der Conferenz zu veranstalten, damit unsere Desiderien rechtzeitig in einer Gemeindepetition höheren Ortes vorgetragen werden. Das Referat über dir Religionsschule konnte nicht mehr zur Verhandlung kommen. Dasselbe soll jedoch dem Protokolle angefügt und auf die Tagesordnung der nächsten Conferenz (den Ort wählt der Ausschuß) gesetzt werden. Somit ist die Vereinigung der Amtsgenoffen in unserer Provinz ins Leben getreten. Große, reicht leicht zu erreichende Ziele hat sie sich gesteckt. Beharrlichkeit, Ausdauer Mäßigung und vorsichtiges Vorgehen dürfen und werden hoffentlich ihr nie fehlen — und so wird sie zu einem festen Stützpunkte des gesummten jüdischen Lebens in der Provinz erwachsen. Cöln (Or.-Corr.) Als ein erfreuliches Zeichen des Fortschrittes unserer Zeit in der Stellung unserer Glaubensgenossen in der Bürgerschaft theilen wir mit, daß in der am 19. d. Mts. stattgehabten Stadtverordneten - Sitzung Herr Gerichts-Affessor Di-. Rosenthal von hier zum vierten besoldeten Beigeordneten der Stadt Cöln gewählt wurde. Wer die Geschichte der Stadt Cöln mit ihren zahlreichen Judenaustreibungen kennt, wer weiß, daß von hier aus Pfefferkorn seine giftigen Berleumdungspfeile gegen die Gesammtheit des Judenthums abdrückte, wird in Anbetracht obenstehenden Ereignisses mit vollem Rechte den Hüter Israels loben und preisen und ausrufen DWn Pi3tt?ö Herr Dr. Rosenthal ist ein junger Mann, noch nicht 30 Jahre alt, aber wegen seiner tüchtigen juristischen Kenntnisse allgemein gekannt und geachtet. Es hatten sich Viele um die Stelle beworben, und die engere Wahl fand zwischen Dr. R. und dem hiesigen Polizei-Assessor Steller statt. Die „Cöln. Zeit." vom 24. d. Mts. schreibt über diese Wahl wie folgt: „Folgende, die Wahl des vierten Beigeordneten unserer Stadt betreffende Notiz dürfte nicht uninteressant sein. Für die Stelle dieses Verwaltungsbeanuen hatten sich 64 Candidaten schriftlich und nachträglich noch 3 mündlich gemeldet. Aus der Zahl sämmtlicher Candidaten wurden zunächst 12 und von diesen später 4 für die engere Wahl ausgewählt. In einer Vorbesprechung ließ man noch 2 Candidaten fallen und stellte die beiden Herren Gerichts-Assessor Dr. Rosenthal (Israelit) und Polizei-Affeffor Stelter auf, welche sich nicht schriftlich, sondern auf Aufforderung von verschiedenen Seiten mündlich um die Stelle beworben hatten. Das Plenum der Stadtverordneten entschied, wie bereits mitgetheilt, zu Gunsten des erstern. Kassel, 15. April. Gestern fand in der hiesigen Synagoge die diesjährige Constrmation statt. Der Landrabbiner, Herr Dr. Adler, verband mit derselben eine Gedächtnißfeier für den in Paris verstorbenen Herrn Albert Cohn und für den in Leipzig verstorbenen Herrn Moritz Koh ner. Der Redner wies an der Lebensgeschichte dieser beiden Männer nach, welches die wahre Grundlage der elterlichen Verpflichtungen sei, deren eigentlicher Umfang und die Größe ihrer Verantwortlichkeit. Da Albert Cohn der Sohn armer Ellern war, so war die Schilderung seines Lebens ganz besonders geeignet, der Jugend als ein Beispiel vorgeführt zu werden, wie der wahrhaft Gebildete Religionstrene mit gewissenhafter Pflichterfüllung gegen Staat und Vaterland vereinige. Diesem Lebensbilde des jüdischen Gelehrten zur Seite stellte Dr. Adler das Lebensbild des Kaufmanns Moritz Kohner, der, obwohl er von seiner geschäftlichen Thätigkeit sich ernähren mußte, dennoch die Zeit fand, um sich uni das Wohl der Stadt Leipzig als deren Bürger, und um seine Religionsgenossen als Jude sich in einem hohen Grade verdient zu machen. Man braucht nur den Nachruf zu lesen, den ihm der Rath der Stadt Leipzig widmete, die Worte des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Georgi, sowie die verschiedenen Berichte der Leipziger Blätter über seinen Tod und es bedarf keiner weiteren Belege, daß auch er den leider noch immer nicht entbehrlichen Beweis liefere, wie durchaus falsch die Beschuldigung sei, daß der Jade, der für ieine Religion und Religionsgenossen sich eifrig und thätig zeige, nicht auch ein treuer Bürger seines Vaterlandes wäre. Kohner war beides im eminentesten Sinne des Wortes. (Tagebl. u. A. f. H.) Frankfurt a/M. Hier hat sich ein neuer Verein zur Förderung weiblicher Erwerbsfähigkeit gebildet. Wohlhabende Frauen der sehr reichen, ehemals freien Stadt, welche seit langer Zeit durch Wohlthätigkeit aller Art sich rühmlich st auszeichneten, sind zusammengetrelen zu gemeinsamem Wirken unter dem Namen „Mädchenstift". Der Verein will seine Thätigkeit solchen jungen Mädchen zuwenden, die einer zu ihrer Fortbildung geeigneten Häuslichkeit entbehren; oder solchen, die in der Provinz in kleinen Städten und Ortschaften leben und den Wunsch haben, sich eine über die gewöhnliche elementare hinausgehende allgemeine Fachbildung zu erwerben, aber ohne Mittel zu einem längeren Aufenthalte in einer großen Stadt sind. Gänzlich unbemittelte, aber talentirte und fleißige Mädchen sollen auch, so weit die Mittel reichen, vom Vereine ganz unterhalten werden. Eine besonders hochherzige Frau hat zu diesem Zwecke dem jungen Vereine ein Haus mit vollständiger innerer Einrichtung zum unentgeltlichen Gebrauche übergeben und so den Zöglingen eine schöne und freie Heimstätte geschenkt. Dort sollen junge, strebsame Mädchen den Segen eines geordneten Heimwesens genießen und sich, ohne von materiellen Sorgen gedrückt und zurück - gehalten zu sein, ihrem Studium hingeben können. Von Einzelnen ist auch die Ansicht und Hoffnung laut geworden, daß dieser Verein seine Bestrebungen mit dem Verein der Fortbildungsschule, welche von der polytechnischen Gesellschaft gegründet wurde, verbinden werde, da ja beide Vereine gleiche Tendenzen verfolgen. Der Vorstand des Vereins „Mädchenstift" besteht aus den Damen: Dr. Auerbach-Neuburger, Leop. Dann, Dr. Fuld, Dr. Geiger, Henriette Höchberg, Johanna Kohn-Speyer, Dr. Rieß,^Sachs-Kirchheim, Speyer- Gumbert, S p e ye r-Speyer, S p e y e r-Stern, Stern- Ltern, T e b l 4 e - Lehma, m und den Herren Oppenheimer, Stern und Tebl6e. Vereinsbeitrag jährlich 6 Mark. — Frau Wittwe Königswarter hat in dem von ihrem sel. Manne erbauten israelitischen Gemeinde-Hospital fünf

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