Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-04-26 · N° 17. (26.4.1877) · p. Seite 131

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 17. (26.4.1877)
Date
1877-04-26
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/5369809-9583384-9583510--3098-9583513
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

131 of Deputies tritt ab, seine Wahlperiode ist beendet, Reibungen mit der Anglo Jewish-Affociation haben seit Monaten unangenehmes Anfsehen in England erregt — ein Urtheil darüber können wir nicht abgeben — auf jeden Fall stehen wir vor einer Wendung. Herr Hirsch aber schreibt an Herrn Montagu; „Ich Haber dieser Tage den Rabb. Schreiber in Krakau und Jsaac Ettinger in Lemberg gesprochen; selbst diese Herren, welche über große Mittel für Palästina gebieten, und Würzburg und Amsterdam sind nicht mehr gerade gegen uns, ich hoffe sogar, sie auf unsere Seite zu bringen." Es steht demnach wohl zu hoffen, daß endlich und in nicht allzulanger Frist zunächst eine Verständigung ü b e r g e - meinsame Maßregeln erzielt werde. Wir hoffen, es werde auf Grund des Hirsch'schen Programms geschehen, an dem wir, unserseits wenigstens, kaum ein Wort zu ändern oder zu beffern wüßten. Mittheilnng über die Einzelheiten mag jedoch Vorbehalten bleiben, bis wir authentisch über die Zustimmung Vieler zu dem Programm berichten können. N. Schr. So eben erhalten wir Nr. 16 des „Israel.," enthaltend ein Schreiben des deutschen Consuls Frhr. von Münchhausen in Jerusalem, welches entschieden auf die Förderung des Unterrichts dringt und gegen „Verpolung und slavischen Schmutz warnt. — Derselbe Herr hatte in ähnlicher Weise bereits vor Monaten an Berliner Israeliten geschrieben, und darauf hin hatte Rabb. Dr. Lipschütz daselbst in einem offenen Briefe den Rabbiner zu Jerusalem gebeten, etwas für Bildung zu thun. Die Orthodoxie dieses Herrn ist bekanntlich sehr hochgradig, aber er athmet in norddeutscher Athmosphäre — wie wir im vor. Artikel angedeutet haben. Da das Lipschütz'sche Sendschreiben, als solches, nur Papier bleiben konnte, haben wir auch davon nichts erwähnt. Magdeburg, den 19. April. Was seit Jahren von uns angestrebt worden, ist endlich durch die eifrigen Bemühungen des zeitigen Vorstandes und des Rabbiner unserer Gemeinde, nun doch erreicht worden: die Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichtes an den beiden höheren städtischen Lehranstalten, den zwei Realschulen erster und zweiter Ordnung. Je mühevoller die Erreichung dieses Zieles gewesen, desto größer ist nun die Freude darüber. — Das Peffachfest brachte uns folgende Verfügung des Provinzial-Schulcollegiums: „Magdeburg, den 29. März 1877. Dem Vorstande der Synagogen-Gemeinde erwidern wir auf die Vorstellung vom 1. v. Mts. nach Anhörung der Dirigenten der hiesigen beiden Realschulen (resp. 1. und 3. Ordnung), daß der Aufnahme des jüdischen Religionsunterrichts in denLectionsplan der beiden Anstalten prinzipiell nichts entgegensteht. Dagegen stellen sich unüberwindliche Schwierigkeiten und Unzugänglichkeiten 1) der Vereinigung der jüdischen Schüler beider Anstalten zu gemeinsamen Religionsklaffen, wie nicht minder 2) der gleichzeitigen Abhaltung der jüdischen Religionsstunden mit dem christlichen Religionsunterrichte entgegen, zumal die jüd. Religionsklaffen aus verschiedenen Schulklaffen und Klaffen-Abtheilungen, die nicht alle gleichzeitig mit Religwnslectionen beschäftigt werden können, zu bilden sein werden. Es bleibt daher nichts übrig, als für jede Anstalt gesonderten jüdischen Religionsunterricht anzuordnen dieser Beziehung Unrecht, die „Jsr. Woch." mit einem anderen Blatte zusammenzustellen, mit dem ste in rel. Beziehung nichts gemein hat. Der betreffende Satz ist, wie wir hören, ganz wider seine Absicht abgedruckt. Da es aber doch einmal geschehen ist, so kön»en auch wir nrcht umhin, dagegen Verwahrung einzulrgen. und diesen in solche Extra-Stunden zu verlegen, wo die jüd. Schüler aller jeweilig in Betracht kommenden Klaffen bezw. Klaffen-Abtheilungen disponibel sind. Eine Vereinbarung darüber läßt sich nur durch mündliches Benehnren mit den Herren Direktoren erzielen, und stellen wir daher ergebenst anheim, den Herrn Rabbiner Dr. Rahmer hiermit betrauen zu wollen. Was die Forderung betreffs Zuziehung der jüd. Religionslehrer zur Feststellung der Censuren ihrer Schüler anbelangt, so steht auch diesem ein Hinderniß nicht entgegen; jedoch müffen wir es ablehnen, daß die Censuren der jüd. Schüler von ihrem Religionslehrer mitunterzeichnet werden, indem die Censuren hier überhaupt nur vom jedesmaligen Ordinarius in dem Dirigenten vollzogen werden, und kein Grund vorhanden ist, hierin eine Abänderung in Bevorzugung des jüdischen Religionlehrers vor allen übrigen Fachlehrern resp. Religionslehrern eintreten zu lassen. Königliches Provinzial-Schul-Collegium. v. P a t o w." I» der gleich nach dem Feste anberaumten Vorstandssitzung wurde der Rabbiner mit der Führung der mündlichen Verhandlungen mit den Schuldirectoren betraut. Nach 3—4 abgehaltenen Conferenzen war die wichtige Angelegenheit so weit gediehen, daß bereits heute mit dem Unterricht in den Realschulen begonnen werden konnte. Beide Realschulen werden z. Z. von 61 jüd. Schülern besucht, die je in 2 Abtheilungen vom Rabbiner in den Stunden von 11—12 Uhr in Religion und jüd. Geschichte unt errichtet werden. Später soll der seminaristisch geprüfte Lehrer der Gemeinde, Hr. Meyer, den Unterricht in den unteren Klaffen übernehmen. Wegen der zu leistenden Remuneration sind die Verhandlungen mit dem Magistrat noch nicht abgeschloffen. Berlin. Der Hilfsverein für jüdische Studirende hielt am jüngsten Sonnabend unter dem Vorsitz des Profeffor Dr. Lazarus seine General-Versammlung ab, au welche sich, wie alljährlich, ein Festessen anschloß. Der erstattete Berwaltungsbericht gewährte ein glänzendes Bild der wahrhaft großartigen Wirksamkeit dieses dem Dienste der Humanität geweihten Vereins. Nahezu 18,000 Mark hat derselbe im vorigen Jahre an Unterstützungen verausgabt, während die Summe der im Jahre 1875 bewilligten Unterstützungen sich auf ca. 14,500 Mark belief. Im Ganzen hat der 1841 gegründete Verein seit seinem Bestehen bis jetz über 200,000 Mark an hilfsbedürftige Studirende gezahlt. Als Ergebniß der Bewerbung um den Preis für die alljährlich ausgeschriebenen wissenschaftlichen Arbeiten wurde die Auszeichnung der beiden Arbeiten über die Staatszwecke und ihre Begrenzung verkündet. Profeffor Dr. Gneist, einer der Preisrichter, begründete das Urtheil derselben in einem längeren mit lebhaftem Beifalle aufgenommenen Vortrage, welcher reich war an geistvollen Bemerkungen über die Wechselwirkung der jeweiligen politischen und wirthschaftlichen Meinungen und der Ansichten über Ausdehnung und Beschränkung der Zwecke des Staates. Nachdem die Versammlung ferner das Andenken Traube's durch Erheben von den Sitzen geehrt und die ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes wiedergewählt hatte, brachte Berthold Auer ba ch den Antrag ein, die jährliche Generalversammlung an einem bestimmten Tage, und zwar am Geburtslage Leffings abzuhalten, ein Vorschlag, der allgemeine Zustimmung fand. War schon durch die schwungvollen dichterischen Worte Auerbachs die Versammlung in eine gehobene Stimmung versetzt, so erquickten die während des Festessens gehaltenen Reden durch die ideale Gesinnung und die wahre Nächstenliebe, welche sich in ihnen kund that. Es toasteten Profeffor Dr. Lazarus auf den Kaiser, Justizrath Mako wer auf den Verein, Bert hold Auerbach auf den verdienstvollen Vorstand, Profeffor Lazarus mit einem Danke hierfür auf die Gäste, Reichstags-Abgeordneter Kapp auf die Jugend, Profeffor

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.