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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-04-19 · N° 16. (19.4.1877) · p. Seite 126

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 16. (19.4.1877)
Date
1877-04-19
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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— 126 — Israeliten im g. L. auf Bildung, Erziehung, Arbeit, Selbst« hülfe. Auf die Einzelheiten näher einzugehen ist heute nicht nöthig. Schon vor 12 Jahren (als die Cholera die Hülfsleistung für Palästina neu anregte) haben wir privatim einflnßreiche Männer darauf aufmerksam gemacht, daß eine Verbesserung des, längst als nachtheilig erkannten, Unterstützungswesens nur dann erzielt werden könne, wenn Personen von hervorragender Stellung und zwar solche an denen unantastbare Orthodoxie den Zelotismus sich nicht heranwagen könne, den Muth faßten, in den Riß zu treten, und ihre Meinung offen auszusprechen. . Seitdem ist es nicht besser geworden. Eine Menge von Projecten hat, einander durchkreuzend, die Mittel und Kräfte zersplittert und zunächst die Maffe der Einwanderer, welche sich in Pal. ernähren lassen wollon, gesteigert; eine gewiffe Partei hat, um ihre Gegner zu ärgern, und die Ihrigen anzutreiben, das Sammeln, Projectiren, Spenden und Zersplittern immer mehr gefördert —. Wir versprechen uns von dem ehrlichen und ehrenhaften Auftreten des Hrn. Hirsch Gutes und werden dem zu erhoffenden Fortgange seiner Anregung aufmerksam und freudig folgen. Berlin. Die Alter-Versorgungsanstalt der hiesigen Gemeinde hat wie bisher auch in dem letzten Jahre segensreich gewirkt. Die Durchschnittszahl der in der Anstalt befindlichen Hospitaliten war im Jahre 1875: 68 im Jahre 1876: 73, das Jahr begann mit 73 und schloß mit 77 Hospitaliten. Vier derselben sind im hohen Aller gestorben. Die Stiftungen sind um die von Amalie Liepmann-Stiflung in Höhe von 9000 Mk. vermehrt und gingen außerdem an größeren Schenkungen 4300 Mk. ein, während 844 Mk. kleinere Geschenke eingingen. Im Jahre 1878 begeht die Anstalt das 50jährige Bestehen, und wäre es wünschenswerth, daß zu diesem freudigen Ereigniß alle die 60 würdigen Personen Aufnahme finden, die sich dazu gemeldet haben. Um dies Ziel erreichen zu können, bedarf die Anstalt aber noch kräftigere Unterstützungen durch Geldgeschenke, regelmäßige Beiträge, Stiftungen u. s. w. Alle Vorstandsmitglieder sind bereit, diese entgegenzunehmen. Der Vorstand besieht aus den Herren I. I. Meyer, Victoriastraße 33, D. Hirschfeld. Schöneberger Ufer 39, I. Landsberg, Karlstr. 28, S. Aron, Friedrichstr. 133a, L. Aron, Alexandrinenstr. 82, M. Goldstein, Rosenthalerstr. 44, I. Gumpertz, Wilhelmstraße. 43, I. A. Jacoby, Wilhelmstr. 25, W. Weißstein, Kochstr. 53. Posen, 11. April. Der Präsident der hiesigen Handelskammer, Herr Bernhard Iaff 6, ist zum Geheimen Commerzienrath ernannt worden. Der also Ausgezeichnete hat sich bekanntlich nicht nur um unsere städtische Verwaltung, sondern auch um die Hebung des Handels und Verkehrs, sowie des Eisenbahnwesens unserer Provinz hervorragende Verdienste erworben. Uebrigens erfreut sich jetzt Posen dreier Commerzienräthe, die den Namen Jaffs (Samuel und Louis) tragen; durch den „Geh." ist es uns Posenern freundlicherweise wenigstens leicht gemacht, sofort den Haudelskammerpräsidenten heraus zu erkennen. Kempen (Posen). Montag, den 9. d. Mts., ist Rabb. Simcha Reh fisch, sicherlich der größte Talmudist Deutschlands, gestorben und am 10. beerdigt worden. Nekrolog folgt demnächst, 'n'a'xyn Paris. Wir haben die traurige Pflicht nachträglich noch über das Leichenbegängniß Albert Cohn's zu berichten. Dasselbe fand Sonntag den 18. März statt. Die Betheiligung war eine überaus große, seltene. Die vorschriftsmäßige Truppenabtheilung war unter Führung eines Offiziers erschienen, den Zug eröffneten die Söhne des Verstorbenen, von denen der eine Sekretair des Ministerpräsidenten Jul. Simon ist, und die Schwiegersöhne, unter denen Ernst Hendls Präfekt des Saone et Loire Departements. Im Zuge befanden sich der Ministerpräsident, dessen Söhne, viele Beamte des Ministeriums, Senatoren, Deputirte und die pariser Juden, ihre Spitzen wie ihre Armen. An dem neuen Tempel der Rue de la Victoire machte der Zug Halt, die Pforten öffneten sich, man sah das Innere des prächtigen Gebäudes, erleuchet, aber leer, in der Vorhalle stimmten der Cantor mit dem Chor, begleitet von den Tönen der Orgel, geeignete Gesänge an, während die Bahre vor der Pforte hielt. Auf dem Montmartre fand die Beisetzung statt, wobei die Rabbiner von Paris, Bedarrides im Namen des Cosistoriums, Baron Gustav Rothschild im Namen der Gemeinde-Anstalten, Rabb. Trenel im Namen des Seminars und dann nach noch einigen Herren der Grandrabb. Isidor Reden hielten. Die Seele des Edlen ruhe im Schatten des Höchsten! Basel. Ein hiesiger unlängst verstorbener Protestant, Herr Bachofen-Merian, hat dem israelitischen Asyl zu Hegerheim 2000 Frcs. vermacht. Constantinopel. Der Sultan hat nachträglich einen seiner Leibärzte, de Castro, zum Senatoren ernannt und zwar ohne ihn vorher um seine Einwilligung zu fragen. Dr. de Castro, der zu der Gemeinde der spanischen Juden gehört, versuchte es, den Posten unter Hinweis auf sein hohes Altes und seine zunehmende Leibesfülle abzulehnen, aber Abdul Hamid hatte sich aus unbekannten Gründen auf seine Wahl gesteift und so blieb ihm nichts übrig, als anzunehmen. — An den beiden ersten und letzten Peßachtagen fand aus Rücksicht gegen die jüd. Abgeordnete keine Sitzungen statt. Feuilleton. Der letzte Jude. (Fortsetzung.) Draußen am Eingänge des Hauses aber standen die Liebenden, in deren Verhältniß heute eine unberufene Hand freventlich einzugreifen gewagt, noch Arm in Arm, wie sie von dem Spaziergange nach dem Eingangs erwähnten Buchenwäldchen, zurückgekommen und schienen noch gar nicht an Trennung zu denken. „Laß mich, Rosa, warum verschieben, was nun einmal geschehen muß!" sagte Alfred. „Aber der Vater!" wandte Rosa ein, „der Vater ist heute bei so übler Laune, daß ich durchaus kein günstiges Resultat zu hoffen wage." „Was hätte er an mir auszusetzen, Rosa? Sag', ahnst Du irgend welche Gründe, welche er gegen unsere Verbindung geltend machen möchte?" „Nein. Mein Vater ist freisinnig und liebt mich über Alles; wenn wir ihn vereint bitten, wird er uns gewiß kein starres „Nein" entgegensetzen. Aber sieh, Alfred, warum gerade einen so stürmischen Tag, wie den heutigen, wählen. Muß man denn während eines Gewitters hinauseilen in das Feld, um einen Strauß zu pflücken?" „Es ist kein Strauß, Rosa, hier gilt es, eine starkbewehrte Burg zu erobern und sieh, da wählt man ja gerade Gewitternächte, um die Besatzung zu überraschen und um so sicherer niederzuwerfen." „Mein Vater ist nicht die schlafende Besatzung Deiner Burg; er wacht nur zu gewiß und eine Ueberrumpelung ist hier unmöglich!" sagte Rosa lächelnd. „Nun dann, so laß uns offen vor ihn treten; wo Du neben mir stehst, da kenne ich keine Furcht und nie wird mein Muth wanken, Rosa, Du mein Lieb, mein Alles." — Rosa schmiegte sich fest an ihn bei diesen seinen zärtlichen Worten. „Ich sage Euch, Ihr seid ein Hitzkopf!" ließ sich jetzt die Stimme des alten Willner im Hausflur vernehmen. „Ihr ward und bleibt ein Hitzkopf!" „Ah, was," hörte man die Entgegnung des Hausherrn, „bester ein Hitzkopf, als ein Querkops!" „Der Vater," flüsterte Rosa, „im Zank mit Herrn Willner!"

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