Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-04-19 · N° 16. (19.4.1877) · p. Seite 123

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 16. (19.4.1877)
Date
1877-04-19
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/5369809-9583384-9583501--3089-9583504
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

— 12 Breslau, 11. April. (Or.-Corr.) Die Religions-Petition circulirt bereits unter den Comitemitgliedern zum Zweck der Vollziehung ihrer Unterschriften, und wird voraussichtlich Ende kommender Woche in den Händen des Ministeriums sein, so daß wohl schon in der folgenden Nummer d. Bl. ihr Wortlaut veröffentlicht werden kann. Bekanntlich geschah dies bisher nicht, weil wir es nicht für schicklich hielten, daß sie dem Publikum früher als dem eigentlichen Adressaten bekannt würde. Vor Thorschluß sind noch die Meldungen von Hirsch berg i. Schl., Diez und Usch t eingelaufen, so daß das Comite jetzt im Namen von 145 Gemeinden vorstellig wird. (In die bisherige Nummerirung, wie sie unser Blatt gebracht hat, hatte ein Jrrthum sich eingeschlichen, denn nach dieser wären es nur 143). Beitrittserklärungen werden auch ferner willkommen gedeihen werden. Denn wir wollen, falls wir in dieser Instanz abgewiesen werden, in noch imposanterer Zahl vor dem Abgeoronetenhause erscheinen. Hoffentlich werden nach Veröffentlich des Wortlautes der Petition die allzu ängstlichen Elemente conservativeren Schlages beruhigt ihr beitreten, denn sie werden sich überzeugen, daß uns nichts ferner liegt, als eine Vergewaltigung der Gewis« sen. Ich hätte übrigens beim Beginn unserer Campagne kaum geglaubt, daß wir auf Widerstand von dieser Seite stoßen würden, und von ganz anderer Seite vermuthete ich die Verschanzung hinter den üblichen halboerstandenen Schlagwörtern. Wer es gut mit dem Judenthum meint, wer eine möglich st allgemein verbreitete Kenn tniß seiner Lehren bei seinen Bekennern aller Stände wünscht, wer dem gerade bei unsereren „Gebildeten" immer weiter um sich greifenden Jndifferentismus mit Erfolg einen Damm entgegensetzen will: der schließe sich unserer Petition an und lasse den Kampf gegen dieselbe nur zwei Gegnern, den Judenfeinden und den Religiosfeinden. Breslau, 12. April. (Or.-Corr.) Folgende Anekdote, eine wahre Begebenheit, wie sie geschickter kaum hätte erdichtet werden können, ist ein schöner Beitrag zur Beleuchtung des Verhältnisses zwischen den einzelnen Confessionen der sonst als liberal bekannten Stadt Breslau, in der aber trotzdem gewissermaßen als Reliquie aus der alten, guten Zeit die Reffourcengesellschaft zum Zwinger mit allen ihren gegen Juden streng exclusiven Statuten conservirt wird. Vor Kurzem starb hier der Geheim-Commercienrath K., ein reicher kinderloser Alter, mit sonst nicht illiberalen Neigungen, ohne aber je eine sonderliche Vorliebe für die Semiten an den Tag gelegt zu haben. Eingeweihte wollen eher das Gegentheil davon an ihm bemerkt haben. Unter den zahlreichen Legaten in seinem Testament befindet sich auch eine nicht unerhebliche Summe — man spricht von 1000 Thalern — für das Breslauer Handlungsdiener-Jnstitut. Nun giebt es aber hier zwei derartige Institute mit ähnlichen Namen; das „Breslauer Handlungsdiener-Jnstitut", von Juden begründet und zwar nicht gerade principiell, aber doch äs facto fpecifisch jüdisch, und das „Institut für hilfsbedürftige Handlungsdiener," christlichen Characters, wie man mir sagt, von der oben genannten Zwingergesellschaft hauptsächlich gegründet und subventionirt. — Der Verstorbene kann nur, so meint sein Freund und Testamentsvollstrecker, Commercienrath L., das letztere Institut gemeint haben, macht dem Vorstand desselben von dieser Zuwendung Mittheilung und hat — wie Einige behaupten — die vermeintlich diesem Institut bestimmte Summe bereits ausgezahlt. Da erscheint vor ihm der Vorsteher des „Breslauer Handlungsdiener-Jnstituts" (des vorwiegend jüdischen) mit einer ihm vom Gericht zugegangenen Vollmacht, nach welcher er für sein Institut die eben dem andern ausgezahlten Legat von dem Testamentsvollstrecker einzuziehen habe. Große Ueberraschung! Aber da half weder Protestiren, noch Argumentiren; nach dem Wortlaut des Testaments war das jüdische, und nicht das christliche Institut bedacht. — Schließlich einigte man sich außergerichtlich dahin, daß sich Beide in dies Legat theillen. Elbing, 2. April. Wenn ich auch die Correspondenz „Aus Westpreußen" durchs Gericht beantworten lasse (?!), so halte ich es doch nicht für überflüssig, Folgendes zu erklären: 1) Es ist unwahr, daß die belobenden Urtheile in der Presse über mein „Israelitisches Gemeindeblatt" inserirt worden sind, die Besprechungen erfolgten vielmehr auf die Einsendungen der Probenummern. 2) Es ist unwahr, daß ich während meiner schriftstellerischen Thätigkeit wissentlich einen oder den andern Satz aus anderen Werken entlehnt habe, obwohl selbst dies nicht schlimm wäre. 3) Die Correspondenz „Marburg" rührt nicht von mir her. 4) Habe ich schon vor anderthalb Jahren, — so lange bin ich hier — was ich zeugeneidlich erhärten kann, Stettinern, die hier waren, gesagt, daß ich in Stettin war. Di*. Emanuel Schreiber. Anm. der Red. Wir hatten erklärt, daß mir^tuf etwa weiter erfolgende Polemik mit Herrn Dr. 6dfr. nicht eingehen würden. Wirschließen damit jedoch nur persönliche Polemik aus, einer Aufnahme faktischer Berichtigung entziehen wir uns nicht. Wir hatten aber auch gesagt: eine faktische Berichtigung des Nr. 13/14 über Herrn Dr. Schr. Gesagten werde nicht möglich sein. Der Leser urtheile, ob wir Recht gehabt. Punkt 1 ist an sich sehr irrelevant. Es erscheinen täglich Reklamen über neue Werke längst-berühmter Schriftsteller. Jeder weiß, daß der Buchhändler solche besorgt und inseriren läßt, ob und wie dafür bezahlt wird, interessirt das Publikum nicht. Daß aber etwa die Red. der „Neuen Fr. Pr." ganz aus eigenem Betriebe ein in Elbing auftauchendes „Jüd. Gemeindeblatt" anpreisen und empfehlen werde, das glaubt Niemand weder vor noch nach der obenstehenden Versicherung. Punkt 2 erinnert an die Bouillon-Geschichte. Hätte Dr. Schr. doch einfach zu ge standen, daß er ein paar Sätze aus Joel abgeschrieben habe, und daß das nicht so schlimm sei! Aber er läugnet! Wer glaubt denn, daß Jemand aus einer vor zehn Jahren erschienenen Predigt Sätze wörtlich citire, und daß das nicht wissentlich geschehe?! Punkt 3. Ein Red., der besser unterrichtet ist, kann solche Schnitzer nicht uncorrigirt drucken lassen; es bleibt also gleich, wer's geschrieben hat. Punkt 4. Wieder der Versuch einer häßlichen Finte. Der Herr hat einmal einem Stettiner gesagt, daß er in Stettin gewesen sei. Aber einem anderen gegenüber, den er wohl kennt und kennen mußte, hat er ins Gesicht abgeläugnet, daß er ihn kenne, und daß er in Stettin gewesen sei. Das hatten wir behauptet, und dabei bleibts. — Von allem Uebrigen, was in Nr. 13/14 gesagt ist, bat Herr Dr. Schr. etwas zu berichtigen nicht einmal versucht. Aus gutem Grunde; und doch sind das die wesentlichsten Punkte. (Ueber die Person unsres Corresp. befindet sich Herr Dr. Schr. im Jrrthum.) Oldenburg, im März. (Or.-Corr.) Dem aus Anlaß seiner hier, bei Enthüllung des Herbart-Denkmals, am 4. Mai v. I. gehaltenen Rebe, in gutem Andenken stehenden Professor Lazarus, ist unlängst von unserem Großherzoge das Ehren- Ritlerkreuz erster Klasse verliehen worden. Welchen tiefen Eindruck seine vor dem ganzen Hofe und der Elite des Landes gehaltene Rede hervorgebracht, beweist unter Anderem der Umstand, daß der hiesige Realschulbirector die Worte, die Redner der Jugend Oldenburgs zurief: „Dem Vaterlande ergeben, uns selber treu, dem Heiligen gehorsam", als Thema für die bei der Feier des letzten 2. September in der Aula der Realschule gehaltenen Rede verwendete, und als Aufschrift, auf der an diesem Tage feierlich enthüllten Standarte der Realschule anbringen ließ. Ueberhaupt zeigt sich in unserem Lande, bei fast allgemein herrschendem politischen Liberalismus und völliger Gleichberechtigung der Confession vor dem Ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.