Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 13.14. (29.3.1877)
- Date
- 1877-03-29
- Page
- Seite 108 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 108 — sein Leben in Gefahr setze, konnte er das in seinem Herzen I wie ein heiliges Feuer lodernde Streben nicht ersticken und ' wie von einer geheimnißvollen Nothwendigkeit getrieben, warf er sich krank und siech immer wieder von Neuem in die Arme der ihm theuren Wissenschaft. Ermattet und erschöpft von den vielen Anstrengungen suchte er endlich vor einigen Monaten seine Zuflucht in dem hiesigen Fraenket'schen Hospital, indem er die letzten Monate, von Gram gebeugt, zubrachle. Mit vieler Treue sorgten seine wackeren Collegen für ihn, der auf dem Kampfplatze der Wiffenschaft eine tödtliche Wunde empfangen hatte. Seine Mutter eilte aus der Ferne zu seinem Krankenlager, um in der Nähe ihres geliebten Sohnes verweilen zu können. Auf die Kunde seines Ablebens eilten seine nächsten Angehörigen hierher, um dem Verklärten die letzte Ehre zu erweisen. An seinem Grabe sprach Herr vr. Bernhard Ziemlich, der ihm oft während der Zeit. seiner Krankheit Trost und Muth zugesprochen hatte. Die Rede desselben, welche in meisterhafter Wetse das Leben und Streben*) des Verklärten beleuchtet, ließ bei einem jeden Zuhörer einen tiefen Eindruck zurück Berlin. Eine sehr reiche Erbschaft ist den jüdischen Wohlthätigkeitsanflalten Berlins dieser Tage zugesallen. Der am 18. d. M. Hierselbst im Alter von 80 I ihren verstorbene Rentier David Herzog hat dieselben in seinem Testament nämlich mit 225,000 Mark bedacht. Im Uebrigen hat der Verstorbene die Herren Stadtrath Magnus. Ko nmerzienrath Herz Wollheim und Julius Meyer zu Curatoren über sein wnstiges, außerordentlich bedeutendes Vermögen in der Weise eingesetzt, taß sie dasselbe nach chcem besten Ermessen ebenfalls zu Wohlthätigkeitszwecken verwenden sollen. Die Armencommission, die Alter-Versorgungs-Anstalt, das Siechenhaus und das Reichenheimsche Gemeinde - Waisenhaus erhalten je 30,000, das Krankeneaus 18,000, cer Lehrer- Pensions-Verein und der Hilfsverein für jüdische Sludirende je 15,000, die Hochschule für die Wiflenschafl des Judenthums 9000, endlich ine Mielhe-Unlel.stützungs-Anstalt und die Holzvertheilungs - Gesellschaft je 6000 Mark. Der Verstorbene war ein Rheinländer von Geburt und halte früher ein sehr rentables Seidengeschäft in Crefeld. Er war langjähriges Mitglied des Vorstandes des hiesigen jüdischen Gemeindekrankenhauses, und hat sich durch sein humanes Wirken in der genannten Anstalt ein bleibendes Andenken gesichert. Berlin, vr. Nascher hat am 18. Februar im hies. Ungar-Vereine eine Gedächtnißrede auf Franz Deak gehalten, die in der „Nordd. Allgem. Zeit." abgedruckl erschien. Die Weber'sche Verlagsbuchhandlung hat auch Separatabzüge davon veranstaltet. Hamburg, 19. März. Der älteste Oberkantor der deutsch-israelittschen Gemeinde, G. L e w a n d o w s k y, beging gestern sein 25jähriges Amtsjubi.äum. Von einem aus Gemeindemitgliedern bestehenden Comits wurde demselben ein Taschenbuch mit einer namhaften Summe in Werthpapieren überreicht. Diese Summe wurde in sinniger Weise, nach einer von Herrn E. A Rüben gehaltenen Ansprache dem Jubilar in einer kostbaren Mappe, worin sämmmtliche Name t der Verehrer verzeichnet waren, dargebracht, welche oben in Goldbuchstaben eine passende hebr. Widmung von Herrn I. S. Wittkower in Altona trug. Der Synagogenverein ehrte den Jubilar durch zwei Portugalöser und verschiedene Gemeindemitglieder durch andere, zum Theilsehr werthvolle Geschenke. Aus der Provinz Posen, 25 März In Friedheim hat ein Pastor in der Predigt zum Geburtslage des Kaisers den Satz aufgestellt: „Diejenigen, die nicht au Christus und die heilige Dreieinigkeit glauben, können keine Liebe zum Könige haben". Mehrere Mitglieder der jüd. Gemeinde zu Fr. beleuchten in einem „Eingesandt" (in der „Ostdeutsch. Zeit.") diese gehässige Beschuldigung in gebührender Weise. *) Seine Wissenschaft!. Arbeiten, die man als gründliche und werth. volle Leistungen anerkennen muß, beziehen sich auf die Peschittho und Bar-Hebräus. Bromberg. 16 März. Jüdische Lehrerin. Vor Kurzem ist, wie die „Altpr. Ztg" meldet, Fräulein Anna Ebers, die erste Jüdin, als wlffenschaftliche Lehrerin an der hiesigen höheren Töchterschule vom Magistrat gewählt und von der königlichen Regierung bestätigt worden. Die Schuldeputation hytte die junge Dame mit allen Stimmen gegen die des Vertreters der evangelischen Kirche, Herrn Consistorialrath T., zur Wahl empfohlen. Fräulein Anna Ebers wird den jüd, Religionsunterricht neben den anderen ihr zuget heilten Stunden in den unteren Klaffen ertheilen. während der Prediger der jüdischen Gemeinde, Hr. vr. Gebhart, Die oberen Klaffen unterrichtet. Beuthen (O.-Schl). Der Hierselbst seit dem Jahre 187.4 bestehende isr. Jungsranen-Verein hat bekanntlich den Zweck, die geistige Fortbildung seiner Mitglieder zu befördern und bülfsbedürftigen israel. Mädchen behufs Begründung einer eigenen Selbstständigkeit die nöthige Unterstützung zu gewähren. Es ist in der That ein erfreuliches Zeichen, daß junge Damen, welche von den Schattenseiten des Lebens noch unberührt sind, sich derartige ernste Aufgaben stellen und in welch reichem Maße sie dieselben zu lösen bemüht sind, davon giebt der Rechenschaftsbericht aus dem verflossenen Jahre wiederum den deutlichsten Beweis; der Verein hat im Jahre 1876 an Unterstützungen für junge Mädchen, welche sich einem selbstständigen Berufe widmen wollen (beispielsweise Ausbildung zum Lehrfache) den ansehnlichen Betrag von 582 Mk. gewähren können und wurden außerdem noch die Localmiethen für öffentliche Vorträge und dergl. aus den Einnahmen des Vereines bestritten. — Hoffen wir, daß der Verein unter der bisherigen bewährten Leitung immer mehr und mehr seine Aufgaben erfüllen möge und die Früchte eines solchen anerkennenswerthen Strebens werden sicher nicht ausbleiben. (Ob. Gr. Z.) Sohrau, 10 März. Allgemeine Sensation erregt folgender, kaum glaublicher Vorfall in unserer sonst so stillen Stadt. Am 8. dss erschienen 4 Personen auf der Polizei mit der Denunciation, im Kaufmann Bergerschen Hause am Ringe werde ein jämmerliches Geschrei vernommen, das unzweifelhaft auf das Abschlachten eines christlichen Kindes behufs Gewinnung von Blut zu den Osterkuchen schließen ließe. So seltsam diese Anzeige auch war, noch unbegreiflicher ist es, daß der Bürgermeister diesem wahnwitzigen Gerüchte durch Vornahme einer Haussuchung Nahrung geben konnte. Man denke nur, daß hier von jeher die Confesnonen in nie getrübter Eintracht mit einander verkehren! Wir können es nur billigen, wenn die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht worden ist. (K. Z.) Lemberg. Verschiedene Wiener n. a. Blätter hatten Nachrichten über eine nahe bevorstehende Auslösung des Vereins „Schomer Israel" gebracht und wieder Berichtigungen, sowie Erklärungen, daß der Verein fortbestehen und fortwirken werde. Es geht aus dem Ganzen hervor, daß von manchen Seiten eine Polonisirung der galizischnr Juden angestrebt und der Verein als Hinderniß derselben betrachtet, daher angefeindet wird. Es ist der schon jahrelanger Streit zwischen den „polnischen Juden" und den „jüdischen Polen". Sicher ist, daß der Verein fortbesteht und seine Tendenz, für Cultnr und Gleichberechtigung der Juden Galiziens zu wirken, aufrecht erhält. Diesem Streben wünschen wir besten Erfolg; über die Frage, ob es gerathener sei, wenn die Juden sich der Polen-Partei und ihren Tendenzen anschließen oder sich an deutsche Cultur anlehnen, wollen wir kein Urtheil abgeben, obgleich wir über ein solches uns wchl in Zweifel sind. I Eine kurze, aber schwerwiegende Traucrkunde kommt aus Paris: Albert Cohn ist am 16. d. Mts. im 63. Lebensjahre gestorben und am 19. zur Erde bestattet worden! — Wir erwarten nähere Nachrichten.