Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 13.14. (29.3.1877)
- Date
- 1877-03-29
- Page
- Seite 107 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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/ — 107 — Ganzen aber auf Thatsachen beruhen. Nach den Erhebungen des f. k. General - Coninlates in Bukarest stellie sich die Sache wie folgt heraus: In den Landgemeinden des Bezirkes Vaslm wie anderwärts hatte sich die Uebnng herausgebildet, daß dort ansässige Israeliten, insofern sie in Folge gewisser gesttzlicben Beschränkungen nicht iu der -Lage waren, die Befugniß zum Betriebe des Schankgewerbes im eigenen Namen zu erwerben, die Licenzen aus den Namen Dritter stellen ließen und den Betrieb selbst führten. Im Gegensätze zur srühern Praxis erklärte der neue Präsect alle diese auf den 'Namen dritter Personen ausgestellien Licenzen für null und nichtig und ging soweit, die unnichsichtliche Ausweisung sämnulicher im Beiriebe des Schankgewerbes auf Grund solcher Lic.nzen befindlichen Israeliten zu verfügen. Tieie Verfügung führte in der Änssührnng durch die untergeordneten Organe in einzelnen Fällen zu einer durchaus unmo.ivirlen Härle, ja sogar zur Arrwendnng von Gewaltmaßregeln. In Folge Einschreitens des k. und k. Bertrelers in Bukarest, wurde diesen bedanernswerthen Vorgängen durch einen directen Befehl der fürstlrch rumänischen Regierung Einhalt gelhun. Dieselbe ließ sich zugleich dazu bestimmen, den Präsecleu in die Hauptstadt zn berufen und eine Enqeie, anzuordtleil. Nachdeut diese letztere nur ein n mangelt) ifteil Erfolg hatte, ging ans Anbringeil des k. und k. Vertreters, welcher auch se.nerseils einen Deligirten an Ort und Stelle entsendet halle, um den Sachverhalt in zuverlässiger Weise zu constalileit, die fürstlich rumüimche Negierung bereitwillig darauf ein, eine neue umfassende Enqete zu veranlasseit, welch letztere noch im Zuge ist. Uebrigens sind sowohl der Präfecl, w.lchec cs geralhen fand, freiwilli, zu demissioniren als felue Unlirbeamten, welche sich Ueberschreilungen zu Schulden kommen ließe», inzwischeit bereits durch andere Beaiute ersetzt worden. Unter den von den erwähnten Answeisungsmaßregelii Betroffenen befinden sich allerdings aiich einige österreichifch-ungarische Familien, deren Zahl bisher iivch Nicht end giltig connatlrt Nt, ivas in Folge der bezüglichen Erhebungen geschehen wird, welche das k und k. Ministerim des Aeußern sofort eingeleilet hat, nachdem Reclamationen mit den erforderlich.n Ausweisen über die von denselben erlittenen Schäden dem k. uiid k. Ministerium des Äußern noch nicht zugekommeii sind. Das k. lind k. Ministerium ins Aeußern wird sicherlich nicht unterlassen, die berechtigten Ansprüche der österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen gebührend zu vertreteii und unsere Vertragsrechte für sitzt und für die Folge wie bisher mrt aller Entschiedenheit zu wahren. Das Haus geht zur Tagesordnung über. Brünn. Der Rechnungsabschluß des „mährisch-jüdischen Landes-Massasonds" pro 1876 weist die vorhaiidenen (weseiillich gleichbleibeuden) Eapualien lind Zinsen und Dem gegenüber die Ausgaben nach. Letztere betragen*): Geineinde-Schulsubventionen ... fl. 12540 GemeindeUnterstützungen .... 9000 Pasonal-Unlerstützungen .... — 10705 Stipendien. 600 Landesrubbinat. 420 Bildungs u. Humaiiitätsanstallen . — 2123 Steuern.— 1374 Gehaoe.2J56 Remuneralionen.400 außerdem Unkosten, Reservefonds n. s. w. Total 46623 fl. Die Personal-Unterstützungen wurden gegeben an 25 Rabbiner, 41 Lehrer, 32 Eantoren und 159 sonstige Gemeinde- Funktionäre und Reticlen 0011 solchen. Äkumanren. T. Berlad, 1. März, (Or. Corr.*) In diesen Tagen ist an die Alliance Jsr. Uiiiv. in Paris wieder eine große An- *) Das Zeichen —|— soll bedeuten, daß der Posten größer, — daß et kleiner ist, als ini Vorjahre; die übrigen Posten stehen gleich. *) Dem tzrn. Corresp.: Rumänisch verstehe ich nicht rann auch hier keine Uebersetzung bekommen. (Red) zahl von Protokollen mit den Anssagen vertriebener Juden aus verschiedenen Gegenden, bei Tekutsch, Rimak, Sarat rc, abgeiandt worden. (Es ist ein neues Heft darüber in Paris erschienen, enthaltend, mit den früher veröffentlichten: 163 Protokolle und eine Liste von 167 vertriebenen Familien mit 817 Personen. Red.) Es ist darunter eins, ans dem sich ergibt, daß bei den betreffenden Juden nur drei Liter Branntwein vorgefunden wurden; nichts destoweniger behauptete der Primär, der Mann treibe Brauntweinhaudel ohne Licenz, und der Minister stimmt dieser Ansicht bei, und es wurde eine Strafe von 12l/2 Napoleons festgesetzt. Sind die Verfolgungen unn zu Ende? Keineswegs! der Subpräfekt Toderesco im Kreise Tekutsch treibt's fast ebenso wie bisher Lupasco in Vaslui. In der Senatssitzung am 24 Februar fragte der Senator Apostolianu an, warum die Negierung mit Frankreich, England, und Italien provisorische Handelsverträge abgeschlossen habe, ohne dabei, wie an dem Tractate mit Oesterreich Ausnahmsbestiiumnngen wegen den Inden vorgesehen zu haben. Der Minister Jonesco antwortete: „Wenn Sie m. H. die ganze hierüber gepflogene Correspondenz vor Augen hätten, so weiden Sie sehen, daß cs nicht möglich gewesen ist, über die Inden irgend etwas Besonderes zu bedingen. Es würden dann die Inden jene Negierungen mit Petitionen bestürmt und wir würden gar keinen Vertrag erlangt haben." Die Dauer des fraglichen Vertrags erstreckt sich nur bis zum Mai (Sie ist auf weitere 9 Monate prolongirt. Reo.) Die Rumänen werden neue Versuche machen, die Juden zu bcnachtheiligen, wir hoffen, daß sie bei den erwähnten Regierungen nichts erzielen werden. Serbien. Die „Köln. Zeit." veröffentlicht die auf den türkisch-serbischen Frieden bezüglichen Aktenstücke. Wir theilen aus denselben den die Gleichstellung der Juden betreffenden Passus der Erklärung der serbischen Bevollmächtigten mir: „Die Hohe Pforte wünscht, daß, „unabhängig von der religiösen Freiheit, die gregorianischen und katholischen Armenier und die Israeliten in Serbien die gleichen Rechte und gleichen Privilegien wie die anderen Einwohner genießen sollen. Auf den von der Hohen Pforte so hochsinnig kundgegebenen Wunsch religiöser Duldung haben die Unterzeichneten erwidert, daß die inn.'re Gesetzgebung keine Ausnahmen kennt, die auf Grund des Religions-Bekenntnisses gemacht würden; daß es in Serbien niemals gregorianische oder katholische Armenier gegeben har, daß alle serbischen Staatsbürger dieselben bürgerlichen und politischen Rechte genießen, daß die i s r a e l. Unterlhanen in Serbien, mit Ausnahme einer einzigen Einschränkung, welche ihre Niederlassung im Innern des Landes betrifft, nicht ausgeschlossen sein würden, ens es in Zukunft diejenigen serbischen Bürger sein werden, die einem anderen christlichen Ritus angehören, als dem orthodoxen. Die Unterzeichneten schätzen sich glücklich, somit zeigen zu können, daß das große Princip der Religionsfreiheit, welches der inneren Negierung des Fürstenthums innewohnt, zu jeder Zeit allen serbischen Staatsbürgern ohne Unterschied des Cultus zu Gute gekommen ist." Vermischte und neueste Nachrichten. O. W. Breslau. (Or.-Corr. — Verspätet.) Das hiesige jüdisch-theologische Seminar hat durch den Tod des vr. Jmanuel Fuchs aus Cojetein, eines seiner strebsamsten und fleißigsten Hörer, einen herben Verlust erlitten. Viel Leiden und wenig Freuden waren diesem edlen und würdigen Jünger der Wissenschaft während der kurzen Zeit seines Lebens beschieden. Ja, er bewährte sich als wahrer Priester der Wissenschaft und dieser hat er sein Leben als Ganzopfer dargebracht. Trotz der eindringlichsten Warnungen der bewährtesten Aerzte, daß er bei fortgesetzter geistiger Anstrengung 'V * e *