Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-03-29 · N° 13.14. (29.3.1877) · p. Seite 103

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 13.14. (29.3.1877)
Date
1877-03-29
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/5369809-9583384-9583488--3076-9583491
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

— 103 Doch sie huschen rasch vorüber; Die Gespenster scheuen furchtsam Der Lebend'gen plumpen Zuspruch — Aber ihn Hab' ich erkannt — Ich erkannt' ihn an der bleichen Uno gedankenstolzen Stirne, An den Augen süßer Starrheit — Sah'n mich an so schmerzlich forschend — (Es folgte hier die Fortsetzung dieses Gedichts aus dem „Romanzero," sowie die andere Stelle, in der Heine über die Unbekanntschaft der jüdischen Damen mit den Dichterheroen ihres Bolkes zürnt:) Fragt man sie nach großen Namen Aus dem großen Goldzeitalter Der arabisch-althispanisch Jüdischen Poetenschule, Fragt man nach dein Dreigestirn, Nach Jehuda ben Halevy, Nach dem Salomon Gabirol Und dem Moses Iben Esra — Fragt man nach dergleichen Namen, Dann mit großen Augen schau'n Uns die Kleinen an — alsdann Steh'n am Berge die. Rathen möcht' ich dir, Geliebte, Nachzuholen das Versäumte Und hebräisch zu erlernen — Laß Theater und Concerte, Widme ein'ge Jahre solchem Studium, du kannst alsdann Im Originale lesen Iben Esra und Gabirol Und, versteht sich, den Halevy, Das Triumvirat der Dichtkunst, Das dem Saitenspiel Davidis Einst entlockt die schönsten Laute. Alcharisi — der, ich wette, Dir nicht ininder unbekannt ist, Ob er gleich, französischer Witzbold, Den Hariri überwitzelt Im Gebiete der Makame, Und ein Voltairianer war Schon sechshundert Jahr' vor Voltair' — Jener Alcharisi sagte: Durch Gedanken glänzt Gabirol Und gefällt zumeist dem Denker, Iben Esra glänzt durch Kunst Und behagt weit mehr dem Künstler — Aber Beider Eigenschaften Hat Jehuda ben Halevy, Und er ist ein großer Dichter Und ein Liebling aller Menschen. Heine's Vorwurf gegen seine Frau und die Frauen ist nicht ernst gemeint. Aber auch den Männern kann man ihn heutzutage nicht mit Recht machen. Denn unsre Religionsfchuten und unsre Predigten bieten uns wohl viel von den alten biblischen Geschichten, aber von den uns weit näher liegenden uns nicht blos der Zeit, sondern auch dem Jdeengange nach geistesverwandteren Schriftschätzen unserer Vorfahren, vor Allem der genialen spanischen Schule, blutwenig.*) Religionsphilosophen wie Maimonides — von dem die schönen Glaubensartikel in unserem Gebetbuche, Jigdal **) herrühren, — verdienen eine ganz andere Beachtung als ihnen bis jetzt nur in dem kleinen Kreise jüdischer Gotlesgelehrter zu theil ward. (Schluß folgt.) ) Hrer ist aber übersehen, daß ohne genaueste Bekanntschaft mit der Heil. Schr im Original auch nicht eine Zeile von jenen Dichtungen u. s. w. zu verstehen wäre. (Red.) **) Dieses Gedicht selbst ist nicht von Maimonides. (Red.) Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Stettin. (L i l e r a r i s ch e r Schwindel oder s e l b st geprellt?) Die „Jüd. Presse" hatte seit mehr als Monatsfrist an ker Sp.tze jedes Blattes mit großeil Lettern die Ankündigung gebracht, daß sie demnächst eine großartige Novelle von dem berühmten Rabbinowich, ans dem Russischen übersetzt, veröffentlichen werde. — Abonnements-Reclame auf diesem Wege ist nicht inehr ungewöhiltich Set's drum; die europäische Judenheit, wenigstens die deutschlesende, mochte mit verhaltenem Athem dem Quartalwechsel entgegenharren. Nun ist's da, das große Wunder. In den neuesten Nummern der „Jüd. Presse" erscheinen Bilder ans der Vergangenheit. I. Der Gestrafte, von I. Rabbinowich. Aus dem Russischen für die „Jüd. Presse" übersetzt von F. Remy" — und siehe, ein alter Bekannter! Es ist die Novelle: „Der S trafnoi", die im Jahrbuche des Instituts für jüd. Liter. Nr. I anno 1860 erschienen ist. Der Uebersetzer ist kein Geringerer als der selige Jost, der in einem Vorwort sehr interessante Mittheilungen hinzufügte. Das russische Original war in einer russischen Zeitschrift zu Moskau 1859 erschienen. Einen buchstäblichen Ab- und Nachdruck bringt freilich die „Jüd. Presse" nicht. Der Anfang der Geichlchte z. B. lautet bei Jost: „Aus dem Nebel der Vergangenheit steigen vor mir .... Schatten auf, u. s. w. In der „Jüd. Presse" heißt es: „Aus dem Duster der Vergangenheit erhoben sich vor mir Schatten rc. Der Ausdruck „Strafnoi" ist von Jost beibehalten und sehr verständlich erklärt; daraus ersieht auch der nicht russisch Verstehende, daß die Uebersetzung „der Gestrafte" weder richtig, noch in der Anmerkung verständlich erläutert ist. — Ob nun die Redaction der „Jüd. Presse" mit dieser Arbeit selber geprellt ist, oder ob sie wissentlich dem Publikum, welches doch natürlich Neues erwartete, Sand in die Augen zu streuen gedacht hatte, lassen wir unentschieden. Breslau. Zustimmungen zu der Petition wegen des obligatorischen Religionsunterrichts sind (seit dem in Nr. 10 d. Bl. veröffentlichten Namensveczeichniß von 115 Gemeinden) noch von folgenden Gemeinden eingegangen: 116) Unruh st ad t, 117) Linz a/Rh, 118) Herford, 119) Rhaden, 120) Minden, 131) Einbeck, 122) Kreuznach, 123) Castrop, 124) Trachenberg, 125) Fraustadt, 126) Kurnik, 127) Wreschen, 128) Bielefeld, 129) Cz arnikau, 130) Hildesheim, 131) Schweidnik, 132) Bereut (Westpreußen), 133 Stargardt (Pommern). Leipzig, den 22. März. (Or.Corr.) Ich habe Ihnen die schmerzliche Mittheilung zu machen, daß gestern 4 Uhr Nachmittag Hr. Stadtrath MoritzKohner, Vorsteher der hies. Gemeinde und Präsident des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, nach langen Leiden verschieden ist. Der Verstorbene, dessen große Verdienste um die hiesige Gemeinde sowohl, wie um das deutsche Judenthnm überhaupt bekannt sein dürften, war zu Neumark in Mähren geboren und hätte im nächsten Monat das 59. Lebensjahr zurückgelegt. Ausführliches werde ich Ihnen demnächst mittheilen. — In der gestrigen Nachmittagssitzung der hies. Stadtverordneten zeigte Oberbürgermeister vr. Georgi der Versammlung den Tod K.'s mit folgenden Worten an: „Eine Trauerbotschaft habe ich heute leider zu verkünden, ein hochverdienter Bürger, Stadtrath Kohner, ist heute nach längerem Lebenskämpfe aus einem arbeits- und segensreichen Leben geschieden. Der Verlust dieses gediegenen Mannes ist se hr sch merzlich f ür d ie Stadt." AuchStadtoerordneten-Vorsteher Herr G o e tz feierte das Andenken des Dahingeschiedenen, „der sich aus engen Verhältnissen zu einer bedeutendenStellung in unserer Stadt a u f g e s ch w u n g e n." Zum Zeichen des Dankes und der Verehrung erhebt sich das Collegium.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.