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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-03-22 · N° 12. (22.3.1877) · p. Seite 97

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 12. (22.3.1877)
Date
1877-03-22
Page
Seite 97 (sequence 5)
Language
German
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/ '' — 97 — ertheilt, daß der Generalbevollmächtigte des Sohnes der Gräfin wegen dieser Angelegenheit mit dem Distriktskommiss ir in Verbindung treten w'rd. — Hoffentlich wird diese geheimnißvolle Geschichte durch Einschreiten der Behörde bald aufgeklärt melden. Prag, Oesterreich. 9. Marz. (Or. Corr) Der verflossene Monat brachte so manche für die hiesigen Israeliten bedeutsamen Vorgänge, d-nen Registrirung der Zweck meiner heutigen Zeilen ist. Vor Allein 'ei das 25jährige Jubiläum erwähnt, welches Herr David Kuh als Redacteur des großen politischen Tageblattes, „der Tagesbote ans Böhmen" am 2. Febr. d. I feierte. Bei dieier Gelegenheit erhielt der Jubilar von den höchsten Corporationen des Reiches und Landes Beweise der größien Hochschützung und Theilnahme. Sämmtliche Mitglied der der Linken des Reichsrathes, den Reichsr ilhsprästdeuteu Nechbauer an der Spitze, der qesammt.'böhm. Lindesausschuß beehrten Hrn. Kuh mit Adressen und Glückwünschen. Die isr. Cnltusgemeinde richtete an Hrn. Kuh, (deffen i Familie viele um jüdisches Wissen hochverdiente Mitglieder aufweist und dessen erst in diesem Winter in hohem Alter verstorbener Barer zn den ersten Autoritäten dieses Faches in Prag zählte), eine in schwungvollem Tone gehaltene Adresse, in welcher dem Gefeierten besonders für das warme Interesse, das er in jeder Weise für die Sache seiner Glaubensgenossen bethätigte, vollste Anerkennuugdargebracht wurde. Auch in deutschen Studenten-, Künstler- und Schriftstellerkleisen war die Theilnahme an diesem Feste eine äußerst rege und der Schrislsüllervereiu „Concordia,, veranstaltete zu Ehren des Jubilars ein glänzendes Banket, an welchem es an geistvollen Toasten nicht fehlte. Die Ferer Halle auch insofern eine allgemeine Bedeutung, als sich ein Jude auch irr jenen exclusiven Kreisen der hiesigen höheren Bürgerschaft, durch feinen Gradsinn, seine Offenheit, Unerschrockenheit, wie durch seinen ehrlicherr Freiheitsiiirn die ausrichligsteu Sympathien errungen hat. Mehrere namhafte Gelehrte wurden jersucht. zum-Besten des Schulpfennigvereins Verträge zu halten. Unter deirselben befand sich arrch Hr vr. A. Stein, Prediger der Meiselsynagoge. Hr. vr. Sle'n sprach vor einem zahlreichen distingnirten Publicum über „Herodes den Großen, König der Juden" und wußte se nem Thema das größre Jnrereffe abzugewinnen In den lebhaftesten Farben malte der gelehrte Alterthumsforscher die damaligen allgemeinen Zustände in citU tureller und socialer Beziehung, characterisirte seinen Helden als einen ebenso thalkräftigen schlauen Regenten, dessen römische Bilduitg einen hohen Grad erreichte und der als Kunstfreund wie als König gefeiert wurde, dessen rücksichtsloser Egoisnius jrdoch keine Grenzen kannte und selbst Weib und seine Kinder nicht schonte. In lange anhaldendem lebhaften Beifall äußerte, das bis zum Schluffe andächtig lauschende Publicunr nach Schluß des Vortrags seinen Dank für den ebenso spannenden als belehrenden Vortrag. Die hiesigen literarischen Kreise begrüßten das eben erschienene, von Prof. 1)r. Kämpf verfaßte Werk über das „hohe Lied," auf das Wärmste. Der berühmte Gelehrte hat die zuerst von dem Kircheilvater Origines ausgesprochene Ansicht, daß die Dichtungsform des hohen Liedes die dramatische sei, in überraschender Weise durchgeführt. Das sehr elegant ausgestaltete Werk besteht aus einer äußerst interessanten Eiitleitung, aus einer Uebersetzung des Urtextes, Einführung oer handelnden Personen: König Salomo, Sulamith, ein Hirte, die Palastdamen — und endlich aus einem trefflichen Commentar mit den Text erläuternden Citaten in fast sämmtlichen Sprachen des Alterthums. Der gefeierte Verfasser hat es verstanden, die Früchte feiner ernsten Studien in der anmuthigsten Form zn präsentiren uud wußte sowohl dem strengen Gelehrten als auch dem gebildeten Laien mit seinem Buche einen ungetrübten Genuß zu bereiten. (Wir kommen auf dasselbe noch zurück. R.) Serbien. Die Nachricht von dem Abschlüsse des Friedens zwischen der Türkei und Serbien und von der auf Anstehen der Pforte darin aufgenommenen Clauiel wegen Gleichstellung oer Juden hat sich, wie jetzt bekannt, vollkommen bestätigt. Man kann nicht umhin, die Parallele zu ziehen, ^aß die Größmachl Oesterreich beim Abschluß eines Traktats nur dem armseligen Hatbstaat Rumänien es nicht für nöthig gehalten hat, den Juden, ihren Unlerthanen, irgend eia Recht zu sichern. Auch dte anderen Mächte, welche bisher Handelsverträge mit Rumänien geschlossen haben, gaben die Rechte der Juden um etwas mehr oder weniger Phrase preis dte Türkei besteht auf Gleichstellung der Juden und setzt sie durch. Wie nichtig sind tausend Bücher und hunderttausend Zeitungsartikel, die uns die Herrlichkeit christlicher Civilisarion, Humanität, Liebe uud Gerechtigkeit preisen und von türkischer Barbarei, Fanatismus rc. rc. reden, gegenüber dieser einen nackten Thalsache! Der Friedeilsvertrag ist a>u Purim zu Stande gekommen, die jüdische Geschichte ha: auch diesen Purimsieg zu manchen aiidereu zu verzeichiien. Und zwar auch dann, wenn das faktische uitd praktische Resultat der traktatmäßig festgestellten Gleichstellung der Juden rech: geringfügig sein sollte. Wir sind nicht so lhöricht, die Papier Gleichstellung schon für eine wirkliche und den Friedensiraktat für eine vollgültige Garantie anzusehen. Aber das Factum bleibt doch bestehen, und wir Jiideu haben auch in audereii Ländern, hochgebildeten christlichen Rechtsstaaten gelernt, baß eme Emauzrpallon in Gesetzesparagrapheu noch keine wirkliche ist. — Wir theilen auch die von „Jew. Ehron." ausgesprochene Befürchtung, daß die Wahl eines Juden in die Skuptfchina ein schlauer Streich der Selben fein möge, man wolle damit vielleicht der Pforte und Europa Sand in die Augen streuen und mit dem Hinweis auf diese Thatsache die Gleichstellung der Juden als erfüllt angesehen wissen. Wir wissen auch von einem uns nahe genug liegenden cioilisirten Staate, ln dem man Jahrzehnte lang einen „Musterjuden" halle, der Major war. . . . Wir Juden haben schon viele Erfahrungen geiammelt . . . Darum bleibt jede an sich erfreuliche Thatsache doch etwas Gutes, dankbar Hinzunehmendes. Der „Wien. Isr." will aus verläßlicher Quelle wissen, daß ein österreichischer Jude, Namens Deutsch, der in oer Türkei den Rang ernes Pascha bekleide, die Pforte bewogen habe, bei Abschluß des Friedens mit Serbien auf Gleichstellung der Juden zu dringen. Äermischtc uud neueste Nachrichten. Stettin, 15. März. In vor. Nr. ist ein Artikel „Vom Mittelrhern" abgedruckt, der sich mit der Petition, betreffend den obligatorischen israel. Religionsunterricht uud deren Gegnerschaft in der „Jüd. Presse" und dem „Israelit" beschäftigt. Der Artikel war schon vor einigen Wochen geschrieben und aus Raummangel verspätet. Wir haben nun nachzutragen, daß die Redaktion der „Jüd. Presse" inzwischen ihre eigene Stellung zur fraglichen Petition tit Anmerkungen zu einer weiteren Auslassung eines Gegners derselben kurz aber genügend bezeichnet hat. Wir köniten uns mit diesen Aeußerungen ganz einverstanden erklären. Wir heben hervor, daß die Redakliort erklärt, sie sei mit dem staatlichen Religionsunterricht einverstanden, es handle sich dabei weniger um die Eltern als uin die Kinder, und man dürfe bei Beurtheilung der Frage nicht von beu schroffen Parteiverhältnissen, wie sie sich shier und da) in großen Städten herausgebildet haben, ausgeheu. Möchte doch ein jeder, der über die Sache urlheilen will, dies bedenken. Es fällt wahrlich keinem ein, einen jüdischen Vater mit Gewalt anhalten zu wollen, seinen Kindern Religionsunterricht ertheilen zu laffen, aber wo in JM

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