Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 10. (8.3.1877)
- Date
- 1877-03-08
- Page
- Seite 82 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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82 — und kamen den Polen zu Hülfe. In aller Stille wurden einige geplünderte Juden aus der städtischen Caffe entschädigt, damit wurde es still, und die jüdischen Polen erklärten, daß die Berichte über die Judenhetzen in Tarnow übertrieben seien. — Ganz wie jetzt die jung rumänischen Israeliten. — [aber zu einer heimlichen Abfindung haben sich die Rumänen nicht Herbeigelasien!] — Cur iosu m. In den Annoncen des genannten Blattes vom 23. Febr. steht zu lesen (in hebr. Lettern) „Homon Klöpperl mit ausgezeichneter Stimme (!!) pr. Dutzend 30 Kr. pr. Gros 3 fl." Also wird doch noch geklopft in Wien! Und gleich Grosweise! Für den Export kam ja die Annonce am 23. etwas zu spät. Da ist also der Mainzer „Israelit" übertrumpft und über tönt. Galgocz, Ungarn, 13. Febr. Ein hiesiger Nichljude, Namens I. Schuschik, mit seiner Frau schenkten der hiesigen Synagoge ein silbernes ^2" im Gewichte von 113 Loth. — Dieser munifizente Akt eines katholischen Ehepaares verdient gewiß lobende Anerkennung und ward ihm dieselbe auch seitens unseres Rabbiners am vergangenen „Sabbalh Schekalim" in wohlverdientem Maße zu Theil. London. (Uebertritt zum Judenthum.) Wie das „Jewish Chronicle" erfährt, haben die englischen Kirchenbehörden die Bestimmungen modificirt, die bisher betreffs des Uebertritts zum Judenthum in Kraft standen. Künftighin wird es nicht nothwendig sein, daß der Novize nach dem Festlande geht, um dort formell in die Brüderschaft Israels aufgeuommen zu werden. Es wird kein Einwand dagegen erhoben werden, daß die Ceremonie in England vollzogen wird. Jede Sorge wird getragen werden, um die Aufrichtigkeit des Proselyteu zu prüfen. Die Erlaubniß zum Uebertritt wird von den Kirchenbehörden erst nach einer stricken Untersuchung, nicht allein betreffs der Reinheit des Motivs, das den Candidaten beseelt, sondern auch bezüglich des Umfangs der Kenntnisse, die er von den Doctrinen des Judenthums besitzt, mio des festen Willens zur Beobachtung der Vorschriften des mosaischen Codex ertheilt werden. Ans Serbien. Das Friedensprotokoll wird diese Woche unterzeichnet. Die Pforte hat an den vier ausgestellten Forderungen, worunter „die Gleichstellung der Juden mit den Angehörigen der anderen Confessionen" festgehalten und Serbien hat sie acceptirten m ü s s e n. Der „kranke türkische Mann" erwies sich also stärler, als mancher „gesunde" ch r i st l i ch e Staat. Bukarest, 24. Februar. In der gestrigen Senatssitzung ist eine Petition der aus dem Vasluier District vertriebenen Juden zur Vorlesung gekommen, worin diese feierlich stattgehabten Verfolgungen constatiren und um Maßregeln zum Schutze ihres Eigenthums und Lebens für die Zukunft und Wiedererstattung der gehabten Schäden bitten. Einige Redner beantragten die Ernennung einer parlamentarischen Enquete. Die Petition ist schließlich der betreffenden Section zur dringlichen Erledigung übergeben worben. Es wäre zu wünschen, daß die Majorität des Senats diese Frage nicht allein als Angriffsmottv auf die Regierung benützte, sondern die Gelegenheit wahrnähme, wirkliche Abhilfe zu schaffen. Wenn die Nachricht, daß in Belgrad ein Jude zum Deputirten gewählt worden sei, sich bestätigt, so dt eiben wir Rumänen die einzige constitutionelle Nation, bei der die Ausübung der Rechte noch von der Coufesston abhängt. Bukarest. Wie dem „Pest. Lloyd" geschrieben wird, war hier ein A>lgriff auf die Synagoge geplant; doch war die Tendenz eine politische. Der Straßenkrawall sollte das Ministerium stürzen. Polizei und Gendsdarmerie vereitelten jedoch den Putsch. — — Um ein ächter Haman zu sein, muß man „10,000 Kikar Silber" bereit haben; diese fehlen aber dem rumän. Ministerium. Man erzählt sogar, daß der Finanzminister sich in der Geldnoth an einen jüd. Bankier gewandt habe, der aber rundweg erklärt haben soll: „Ich habe kein Geld für eine Regierung, die meine Glaubensgenossen als Sclaven behandelt!" Belfast. Der Rabbiner der hies. Gemeinde, Herr Dr. I. Chotzner, ist jüngst am hiesigen „Irish Church College“ als Professor der hebr. Sprache angestellt worden. Jerusalem. Das Pester „Pol. Vbl" berichtet: (Ein Rabbi als Tagelöhner.) Vor einigen Wochen starb zu Jerusalem Rabbi Moses Baumgarten aus Kremsier (Mähren) in einem Alter oon 64 Jahren. Derselbe war schon in seinein einundzwanzigsten Lebensjahre nach dem heiligen Lande ausgewandert, um ausschließlich dem Thora-Studium und anderen frommen Uebungen zu leben. Anfangs wohnte er in Zefat, bald aber überfiedelte er nach Jerusalem, wo er sich auch verheirathete. Jede Nacht verbrachte er bis zur zwölften Stunde im Gebete, und trotzdem eilte er schon früh Morgens selbst bei schlechtestem Wetter, zu den Wohnungen seiner Glaubensgenosien, um sie zum Besuche des Gottesdienstes aufzufordern. Obwohl er sehr arm war, nahm er dennoch keine Unterstützung an und zog es vor, sich sein Brod als Tagelöhner zu verdienen. Dabei war er Vorsteher der jüdisch-ungarischen Gemeinde in Palästina Feuilleton. Der letzte Jude. Viertes Kapitel. Im Gasthause „zum Adler" ging es heute sehr lebendig her. Die Tische waren voll besetzt und überall hörte man laut sprechen, streiten und disputiren. Am lautesten geschah dies wohl an dem Stammtische, wo Pickmus, der Chirurg, eine hohe starke Gestalt von fünfzig und einigen Jahren, mit mehreren der angesehensten Bürger Platz genommen hatte. Dem Stammtische gegenüber saß einsam in die Ecke gelehnt der vormalige Amtsschreiber Jäckel. Er schien keinen Antheil an den eif-rigen Gesprächen zu nehmen. Nur hin und wieder schien es, als sei die Teilnahmslosigkeit des Gesichts nur die Maske, um ohne Aufsehen jedes Wort aufzufangen und zu bewahren. „Ein Hoch unserer Gemeindevertretung!" schlug Pickmus drüben vor, begeistert das Haupt hebend, daß die nicht eben neumodische Perrücke einen gewaltigen Ruck empfing, ohne indeß deni Kopfe ihres Herrn untreu zu werden. „Unsere Gemeindevertretung", fuhr er fort, „hat heule einen Beschluß von weittragendster Bedeutung gefaßt; die Jesuiten bekommen kein Grundstück im Orte, unv das, Freunde, war ein braver Beschluß. Bringen wir unserer Gemeindevertretung dafür ein donnerndes Hoch aus!" Er hatte sich erhoben; alle Anwesenden, mit Ausnahme Jäckels, thaten ein Gleiches, und unter einein dreimaligen Hoch wurden die Gläser geleert. „Das war einmal ein Hoch, wie ich es gern höre!" sagte Pickmus, „uitd sicher ein gutes Zeichen für unfern Ort." „Grund haben wir sicher genug dazu," meinte der Referendar Köning, eine lange, hagere Gestalt mit breiter Stirn und tiefliegenden Augen, „denir wenn die Jesuiten in den Ort gekommen wären, so hätten sie ihre Jnquisitionstalente gewiß zuerst an Euch probeweise zur Anwendung gebracht!" „Es ist erstaunlich," sagte Jäckel finster, seinen Stuhl herüberziehenv, „daß Ihr aller Ecken und Enden nur die Jesuiten seht. Wenn ein Maulwurf über die Wiese läuft, so macht Pickmus flugs einen Jesuiten daraus; ein Zeichen, daß er sich über diese selbst noch gar nicht klar ist." „Ich will Euch eine Definition des Wortes geben," lachte Pickmus, — ohne sich durch den Zuruf Jäckels aus seiner gemüthlichen Ruhe bringen -zu lassen, — nicht um Jäckels Willen, denn das weiß ich, daß es vergebens wäre. Ich unj