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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-03-08 · N° 10. (8.3.1877) · p. Seite 81

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 10. (8.3.1877)
Date
1877-03-08
Page
Seite 81 (sequence 5)
Language
German
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— 81 zu unterzeichnen, daß keine Verfolgungen stattgehabt hätten. Alle haben ihn abgewiesen, nur ein bekannten _*13W Hirsch Goldiner und noch Einer mit ihm haben dem Ansinnen Kogolnitscheano's entsprochen. — Nach unsäglich langen Verhandlungen hat der Cassationshof entschieden, daß die eingeborenen Inden das Recht haben, Immobilien zu erwerben. Der Rechtsanwalt des betreffenden Appellanten war M ajorescu, der im Ministerium Catargiu Cnltus- und Unterrichtsminister gewesen ist. Früher hatte der Cassalionshos mehrfach entsä,jeden, daß der Häusererwerb ein Bürgerrecht sei und den Inden nicht zustehe, es ist also schon gut, daß nun eine gegenteilige Entscheidung erfolgt ist. Trotz de ni ist keine Aussicht vorhanden, daß im Lande geborene Juden wirklich werden Häuser kaufen können. Viele Tribunalpräsidenten werden sich weigern, die Ankäufe zu bestätigen, dann muß man an die Appellationsinstanz und dann an die Cassation gehen — wer wird da wohl so thöricht sein, ein Haus ztl kaufen ilnd dann Jahr und Tag von einem Gericht zum andern zu laufen! Der obengenannte Majorescu war, so lange er kein Regierungsamt bekleidete, den Juden gewogen;*) er war, gegen gute Bezahlung der Anwalt unsrer Rechte. Als er dann Cultus-Minister wurde, bestürmten wir ihn mit Bitten, daß er wenigstens dafür Sorge tragen möge, das jüdische Gemeindewesen zu ordnen; auch der mit ihm befreundete Peixollo verwendete sich dafür bei ihm; man übergab ihm jüdische Gemeindestatuten aus Wien und anderen Orten; aber Majorescu speiste die Petenten mit Zusagen ab, bis er aus deni Ministerium ausschied. „Sie zeigen sich uns so lange freundlich, als es ihnen Nutzen bringt" — heißt es in den Sprüchen der Väter. Dabei hat dieser Mann von Jugend auf seine Studien in Berlin gemacht, ist ganz germanisirt, und doch konnten wir von ihm nicht das Geringste zu unsern Gunsten erlangen. — Die Freimaurerlogen in Bukarest haben ein Manifest verfaßt, worin sie die Judenverfolgungen für unwahr erklären. Unser Glaubensgenosse Jos. Brotziner aus Galatz begab sich hierauf nach Bukarest und sprach in Gegenwiirt des von der Regierung nach Vaslni gesendeten Protopescu, welcher berichtet hatte, „daß den Juden nichts Böses geschehen sei" — und vor der versammelten Loge kräftig und überzeugungstreu. Er wies nach, daß in Vaslni genug Böses geschehen sei, daß es nutzlos und unwürdig sei, offenkundige Thatsachen abzuleugnen und fordert die Loge auf, sich für Gleichberechtigung der Juden zu verwenden. Die Herren mußten sich der Wahrheit beugen und das Manifest ist nicht abgesendet worden. Es ist durch dieses ehrenhafte Auftreten des Herrn Brotziner offenbar großes Unheil abgewendet worden. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Mit einer Frechheit sonder Gleichen druckt die „Deborah", deutsches Beiblatt, zu dem in Cincinnati erscheinenden „American Jsraelite" die unter den Schriften des isr. Literaturvereins Jhrg. II. erschienene, mit großem Beifall aufgenommenen Erzählung „Berel Grenadier, ein Lebensbild aus dem siebenjährigen Kriege von vr. Honigmann", seit Wochen wörtlich ab, ohne Erlaubniß des Autors oder Verlegers, und ohne auch nur in einer Anmerkung zu sagen, daß diese Erzählung eine Publikation des isr. Litera - turvereins sei. Nun muß man wissen, daß der Herausgeber der „Deborah" ein jüdischer Prediger ist, Hr. Dr. Sonnenschein, (früher frömmelnder Rabbiner in Prag), der jdie großen Spalten seines Blattes mit Plagiaten füllt; er plün- *) Wir erinnern bei dieser Gelegenheit daran, daß er im Sommer 1872 bei einer Durchreise durch Magdeburg daselbst den Rabb.'vr. R a h in e r besuchte und sich eingehend über die zur Verbesserung der Stellung der rum. Juden einzuschlagenden Wege unterhielt Gr ließ sich zu diesem Zwecke auch mehrere Nummern der „Wochenschrift" nachsenden. dert in gleicher Weise „Wochenschrift" und „Literaturblatt", ohne Quellenangabe. Im vor. Jahre hat er die Herzberg'sche Novelle: „Der freie Wille" ebenfalls sun8 psirg.86 abgedruckt. Wir sind doch neugierig, wie der Prediger seiner Gemeinde am Schabnotfeste das Verbot: „Du sollst nicht stehlen!" auslegt, ob er da hinzufügt, „mit Ausnahme des literarischen Eigenthums", oder ob er dabei die reservatio mentalis hat, „Du sollst nicht stehlen," aber ich, der Prediger, darf stehlen, ich bin ja auch sonst erhaben über die mos. Gesetze. Auch im „Jewish Messenger" finden wir Abhandlungen aus dem „Jüd. Literaturbl" ins Englische übertragen, so die Artikel „über die Entwickelung der jüd. Philosophie" von Landrabb. Dr. Gultmann. Wir sind weit entfernt, solchem Abdruck in anderer Sprache wehren zu wollen, er ist im Interesse der Verbreitung jüd. Wissenschaft uns sogar sehr lieb, aber die Quelle sollte im Interesse der Wahrheit nicht verschwiegen werden. Berlin, 3. Febr. Der Director des königl. statistischen Bureau's, vr. Engel, hat den Standesämtern eine Zusammenstellung über das Gesammlresultat der Aufzeichnungen der Eheschließungen, Geburten u. s. w. im preußischen Staate während des Jahres 1875 zugehen lasien, der wir Folgendes entnehmen: Eheschließungen erfolgten im Ganzen 230,841, darunter evangel. Männer mit evangel. Frauen 145,247; mit kathol. Frauen 7009; mit jüd. 111; kathol. Männer mit evangel. Frauen 8682; mit kathol 66,436; mit jüd. 38; jüd. Männer mit evangel. Frauen 103; mit kathol. 16; mit jüd. Frauen 26 7 5. Leipzig (Or.-Corr.) Der nicht nur um unsere Gemeinde, sondern auch um den deutsch-israelitischen Gemeindebund sehr wohlverdiente, leider noch immer von Krankheit heimgesuchte Hr. Stadtrath Kohner ist Anfangs Januar zum Ehrenmitglieds der Gemeinde erwählt, und dies ihm durch Ueberreichung eines künstlerisch ausgeführten Diploms mitgetheilt. Hr. Kohner ist der Dritte, dem die Gemeinde diese Ehre erweist, vor ihm waren nur noch Hr. Prof. vr. Jul. Fürst und Hr. Prediger vr. Jellinek dieser Ehre theilhaftig. Leipzig. Nach dem staltstischen Bericht über die Thätigkeit der Fremden Abtheilung des Leipziger Israelitischen Unterstützungsvereins im Jahre 1876 erhielten Unterstützungen: aus Deutschland 2 4 5, aus Rußland 2 3 4, aus Oesterreich 2 5 3, aus verschiedenen anderen Ländern 2 1, zusammen 7 5 3, in Summa Mk. 2 6 5 8,80 Pf.?er Eisenbahn wurden unter Assistenz des Vereinsdieuers befördert: nach Ber.in 9 0, nach Dresden 1 3 3, nach Halle 4 2, nach Magdeburg 2 6. nach Erfurt 2 5, nach verschiedenen anderen Städten 11. Die Wanderbettelei hat hier durch die eingeführte Controle bereits bedeutend abgenommen. Wien. Der „Wien Isr." bringt folgende zur Illustration bekanter Vorgänge in Rumänien in der Thal ganz treffliche Reminiscenz: Als am 15 August (bekannter kathol. Feiertag) 1870 in der Stadt Tarnow in Galizien die frommen Polen, aus der Kirche kommend, eine Judenhetze veranstalteten, und die jüdischen Läden plünderten, da haben sich einige angesehene Israeliten zum Kreishauptmann begeben und ihn um Schutz gebeten. Der edle Beschützerder Stadt erwiderte: „man hat noch keinen Juden todtgeschlagen", und rührte sich richtig eher nicht, bis ein Jude öffentlich am Ringplatze ermodert wurde Später ist Militär eingeschritten, aber der Jude war schon todt und die Kauslente waren bereits ihrer Habseligkeiten beraubt worden. Hierauf sagten die polnischen Zeitungen, es sei gar nichts geschehen, die ganze geraubte Maare habe vielleicht einen Gulden Werth betragen und der Jude sei einem Schlaganfalle erlegen. Wer sollte dann die Gegenbeweise liefern? Die polnischen Beamten?! Als die beraubten Israeliten dann eine Bitte an das Ministerium richten wollten, da waren einige jüdische Polen bei der Hand 'S m

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