Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 9. (1.3.1877)
- Date
- 1877-03-01
- Page
- Seite 73 (sequence 5)
- Language
- German
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Theaterstücke ist die specielle Verfügung getroffen, daß es dein Bürgermeister von Wien mir allen Autorrechten übergeben werde. Sodann folgen Bestimmungen für die Veranstaltung einer GesammtAusgabe seiner Werke. Das Erträgniß aus den Tantiemen und anderen Autorrechte für seine Dramen und Lustspiele hat Mosenthal der Wiener Filiale der Schiller- Stiftung vermacht. DerErtrag desVerlags der gesammeltenWerke ist für das Deutsche Hochstift in Frankfurt bestimmt. Zum Testaments Execulor des höchst umfangreichen Testaments ist der Schwager des Verstorbenen, I)r Heinrich Ritter v. Weil, bestimmt; den literarischen Nachlaß zu ordnen, wurde der Schriftsteller Joseph Ritter v. Weiler berufen. Heber seine Beerdigung hat Mosenthal Folgendes verfügt: Das weiße Allaskjssen und das Sterbekleid meiner thenren Lina soll man nur unter das Haupt in den Sarg legen. Gemalte Wappen verbiete ich mir. Meine Orden, die nicht zurückeistattet werden müssen, soll man in der Synagoge von Kassel neben den Ehrenzeichen der Freiwilligen aufhängen. Ich will in meinem Salon aufgebahrl werden, nicht in der Todtenkammer des Friedhofes. Zelotischer Eifer wird mir Blumen und Musik an meinem Grabe nicht versagen. Ich will an t er Seite meiner geliebten Lina begraben sein, und Mnn die Friedhofsgesetze mir den bereits angekauften Platz nicht gönnen, so soll ihr Staub exhumirt werden und neben dem meinen ruhen, und ein Grabstein gleich dem ihren soll meine Ruhestätte bezeichnen." Die Beerdigung fand Montag Nachmittag auf dem isr. Friedhofe statt. Im Trauergefolge sah man den Ministerpräsidenten Fürst Auersperg, den Reichsfinanzminister Baron v. Hoffmann, die Minister Stremeyer and Unger, den Polizeipräsidenten, den Statthalter, den Landescommandirenden, den Präsidenten des Abgeordnetenhauses; Deputationen der Theater, des Journalisten- und Schriststellervereins und anderer Kunstinstitute, die Beamten des Cultusministeriums, den Vorstand der isr. Cultusgemeinde, einen Vertreter des Erzherzogs Carl Ludwig, des Grafen Audrassy und viele Professoren, Freunde uud Verehrer. Der erste Kranz, welcher tun Sarg schmückte, kam von der Prinzessin Marie zu Hohenlohe. Frau Gabillon sendete einen prachtvollen Lorbeerkranz, dessen lange weiße Atlasschleisen in Goldlettern folgende auf den „Sonnwendhof" anspielende Widmung tragen: „Gehl's noch höher hinauf? Nein — da hörl's auf!" Die erste „Anna" ihrem lieben, lieben Mosenthal. Am 17. Februar 1877." (Wir behalten uns vor, noch auf Einzelrles aus bem Leben des uns persönlich bekannten Dichters der „Deborah" zurückzukommen. Red.) Holland. Amersfoort. (Or.-Corr) Die hiesige Geineinde feierte am Sabb. Jelhro das 150jährige Jubiläum ihrer Synagoge. Wenn man bedenkt, wie jung im Großen und Ganzen die jüdischen Gotteshäuser sind, weil unsere Vorfahren selten für längere Dauer in einem und demselben Lande festen Fuß fassen konnten, so gehört das 150jähr. Bestehen einer Synagoge zu den Seltenheiten. Schon Monate vorher hatte man sich aus diesen Tag vorbereitet, und Jung und Alt nahm daher auch innigst Antheil an der Feier. Ein Mitglied der Gemeinde, Herr Wolff, schenkte auch an diesem Tage der Jubilartn eine neue Thorarolle. Von dem Oberrabbiner des Ressorts, Herrn Berenstein aus dem Haag, wurden besondere, für diesell Tag bestiuinite hebräische Gesänge und Gebete verfaßt, die von eineiu vortreffli a geschulten Chor vorzüglich gesungen und vorgetragen wurden. Außer dem Herrn Berenstein wurde auch der Rabbiner Dr Frank aus Cöln, der im Jahre 1866 zum Rabbiner daselbst gewählt worden war, dorthin berufen, um am Sabbath eine Predigt zu halten. Das Fest verlief in der angenehmsten und crhedensten Weise, begleitet voil der aufrichtigsten Theilnahme auch seitens der Nichtjuden. Die Amersfoorter Gemeillde ist mit eine der ältesten Gemeinden Hollands und datirt seit dem Ende des 17. Jahrhunderts. Hervorzuheben ist, daß an dem Jubiläumstage ein reichgolddurchwirktes altes Paroches vor der Bundeslade hing, welches ein Geschenk des Prinzen Willem V. sein soll, das derselbe im vorigen Jahrhundert der Synagoge geschenkt hat. Die Amersfoorter Gemeinde steht auf streng orthodoxem Standpunkte, geeint und verbunden durch das Band des Friedens, der Brüderlichkeit und Freundschaft. Möge die Gemeinde gedeihen, wachsen und blühen! Frankreich. Paris. Unlängst kam ein Autograph der Rachel, ein Brief an den Redacteur des „Siöc e" zum Verkauf, die Tragödin protestirt in demselben gegen das von dem fraglichen Blatte verbreitete Gerücht, daß sie sich getauft habe. — Einige Rumänen, tbeils Christen und theils in Rumänien geborene Juden, welche in Paris wohnen, haben eine Gesellschaft zur Lösung der Judenfrage gebildet. Es findet sich keine bekannte Persönlichkeit unter den Unterschriebenen. Man wirst auch da den Juden vor, daß sie sich an das A u sland mit ihren Klagen wenden. Aber haben sie nicht alle Mittel im Jnlande, Hülfe za erlangen, erschöpft? Und haben sich nicht die Cbristen im Orient ebenfalls an das Ausland gewendet uud über ihre Regierung Beschwerde geführt? Sie fordern noch dazu bewaffnete Intervention, fordern einen allgemeinen europäischen Krieg heraus, die Inden in Rumänien denken nicht daran, daß zu ihren Gunsten Blut vergossen werden solle. (Arch. Isr.) — Der Grand-Rabbin Lipp m a n in Lille (früher in Metz) ist zum Ritter der Ehrenlegion ernrnnt worden; er zählt 33 Dienstjahre. — Der kürzlich verstorbene Michel Alcan, Mitglied des isr. Central-Consistoriums, Offizier der Ehrenlegion, ein ausgezeichneter Ingenieur, Professor am Nalional-Conservatorium der Künste u. s. w. u. s. w, war ein Mann, der sich durch Arbeit emporgeschwungen halte. Er stammte aus Lothringen von einer religiösen Familie ab und blieb auch seinerseits stets den Ueberlieferungen jüdischer Frömmigkeit getreu. — Bei seinem Begrädniß gab Militär das gesetzmäßig vorgeschriebene Ehrengeleile, kehrte aber unterwegs um. Das Ministerium hat erklärt, daß der Comnlandirende nicht gegen die Vorschriften gehandelt habe, da es seinem Ermeffen anheimgege'oen bleibe, wie weit er seine Truppe führen wolle. — Daß damit jede Absicht, dem Verstorbenen an gebührender Ehre Abbruch zu thun, wegdeinonstrirl sei, scheint man m liberalen und jüdischen Kreisen nicht zu glauben, (Un. Isr) Rumänien. Stettin, 20. Febr. Wir erhalten von einem Correspondenten aus Rumänien folgenden Artikel: In der „Unirea Democratica" haben die Herren Dr. Sigmund Sterner jr., Dr M. Rosenthal, Manrice Hornstein, Bernard Schönfeld, I. Markus, S. Schönield und Dr. Blumenlhal anläßlich der Vasluer Judenverfolgung eine Erklärnug veröffentlicht, welche vom ruiitänischen Patriotismus überfließr, die Nation von der Verbindlichkeit für die Thaten Lupascu's freispricht und insbesondere gegen jede Berufung an das Ausland protestirt. Die Opputunität dieser Kundgebung (allerdings nur der Ausdruck einiger Weniger), gegen das Land mit seinen unhumanen, intoleranten, verderblich wirkenden Institutionen, will und kann uns nimmer einleuchten; die Intelligenz unserer rumänischen Glaubensgenossen sollte vielmehr bei ähnlichen traurigen Anlässen unumwunden und öffentlich die Erklärung abgeben, daß die rumänischen Juden unmöglich von patriotischen Gefühlen gegen das heimathliche Land, welches sie verächtlich von sich stößt, sie zu Parias der Gesellschaft herabwürdigt, beseelt sein können. Wollten sie dennoch als Patrioten gelten, so müßten sie heucheln. Solch ein Patriotismus müßte allen Naturgesetzen zuwiderlaufen. Den Massen kann man vollends unmöglich einen mechanischen Patriolisnrus aufdringen, diese können nur dann patriotisch sein, wenn wohl begründete Ursachen sie dazu bewegen. Ich will den wenigen Israeliten, welche von Patriotismus gegen