Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 9. (1.3.1877)
- Date
- 1877-03-01
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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schaffung des Inventars verwendet worden ist. Die Gesammt- Einnahmeu im verflossenen Jahre betrugen an Jahres' und einmaligen Beiträgen, Kollekten u. s w. 3469 N. 82 Pf.; die Ausgaben 3001 M 32 Pf. Die Summe der regelmäßigen Jahresbeil rüge ist im Laufe dieses Jahres von 1078 M. auf 1279 M. gestiegen, worin noch die Jahresbeiträge nicht mit eingerechnet sind, welche durch die Dlstrikls-Ehrendamen in Berlin erzielt werden. Bon den 35 ausgenommen Hospitalgästen gehörten 21 der Gemeinde Berlin an, 5 Pommern, 2 Posen, 1 der Mark Brandenburg. — Der Vorstand bitlet dringend uni weitere Spenden, einmalige oder Jahresbeiträge. München. Soeben ist wieder ein Band, der achte* des großen Werkes „Dikduke Sofrim" von N a b b i n o w i c z erschienen. Dieser Band enthält Megillah und Schekalim und danrit ist nun Seder Motzd vollständig gelieserl. Wir haben zirm Ruhme des Werkes, nachdem was früher darüber gesagt worden ist, nichts mehr zu sagen nölhrg, wir wiederholen nur die Mahnung, das große Unternehmen durch Entnahme v0i» Exemplaren zu subvenlioniren. Äußer den Varianten zu den.beiden genannten Abschnitten enthält der Baud Varianten aus einem nachträglich von Hrn. Merz buch er erworbenen Unieum, einem Bande des Talmud von der Ausgabe zu Pesaro; ferner Randbemerkungen des Talmud-Manuscripts zu München und endlich eine höchst interessante Abhairolung über sämmtliche Talmud-Ausgaben von Anfang der Drucklegung an bis heule. Für die neueste Zeit ist das freilich eine Bibliographie; bis in das 18. Jahrhundert hinein ist aber diese Geschichte der Talmud-Druck'egungen, der Verbote, Hemmnisse, Censurirungen u. s. w. ein gutes Stück Geschichte der Juden, die sich in der des Talmud wiederspiegelt. Wir machen darauf aufmerksam, da sie sich historisch, ja feuilletonistlsch, bearbeiten läßt und eine zwar nicht angenehme, weil traurige, aber lehrreiche Lectüre bieten müßte. Das Material ist in denkbar größter Vollständigkeit und überall mit den quellenmäßigen Belegen a. a. O. zusammengestellt. Aus Württemberg. Die „Ulmer Schnellpvst" bringt folgenden Bericht: „Am Sabbath den 10. Februar wurde der für Laupheim-Ulm definitiv eritannle bisherige Rabbinatsverweser Ludwig Kahn in sein Amt eingewiesen Die beiden Gemeinden hatten in einer Petition um Uebertragung des Bezirksrabbinats an Herrn Kahn gebeten und die K. isr. Oberkirchenbehörde hat das Gesuch so kräftig unterstützt, daß das K. Cultministermm derselben stattgegeben hat. Am Sonntag den 11. d. war im Saale zum Kronprinzen ein Festmahl von 110 Gedecken zu Ehren des definitiv ernannten Rabbinen. Reben der israelitischen Gemeinde betheiligten sich auch Angehörige der anderen Confessionen, der Bezirksbeamte, die Bezuksrichter, der Stadtvorstand rc. Eine Delegation des israelitischen Kirchenvorsteheramles Ulm nahm an dem Festmahle Antheil und bekundete die Einmüthigkeil der beiden Schwestergemeinden. Die Stimmung beim Festmahle war eine gehobene, freudige. Die Toaste und Tischreden in gebundener und freier Rede vermehrten den fröhlichen Ausdruck des Festes, und steht zu hoffen, daß dieser Tag eine schöne Erinnerung in den beiden Synagogengemeinden des Bezirksrabbinats Laupheim-Ulm bleiben wird. Im Aufträge des Kirchenoorsteheramtes nahm der Vicevorstand deffelben, Herr Oberlehrer Elsässer, die Vorstellung des neuernannten Rabbinen Ludwig Kahn in der Synagoge vor. Nachdem er auf die Verdienste des verstorbenen Rabbinen Abraham Wälder in warmer Ansprache aufmerksam gemacht hatte, sprach er den Dank der K. israelitischen Oberkirchenbehörde aus, die in den» Nachfolger des Verstorbenen den beiden Gemeinden Laupheim-Ulm wieder einen würdigen Seelen- Hirten bestellt hat. Es sei derselbe der erste Würtlemberger, der im Seminare zu Breslau seine theologische Bildung sich erworben habe; in einer Hochschule, „die ob des Forfchens den Glauben nicht hinlansetze und ob der Glaubenstrene das Wiffen nicht vernachlässige". Er apostrophirte noch den Rabbinen mit den Psalmworten 45, 5 und Maleachi 2, 7; mit Hindeutung auf deffen Namen: D1H Haiti1 'fiatS? 'S Darauf folgte die Antrittspredigt über Zacharia 3, 7; dieselbe wird wahrscheinlich durch den Druck veröffentlicht werden. Oesterreich. Wien. Ueber die letzten Lebenslage Mosenthal's sind wir in der Lage Folgendes zu berichten: Am Donnerstag ivohnle der Verblichene einer Sitzung der Gesellschaft der Muiikfreunde bei. Als er eben im Begriffe war, das Kunst- Institut zu verlassen, wurde er auf der Stiege von einem Herzkrampfe befallen, weßhalb er mittelst Wagens in seine Wohnung gebracht werden mußte. Die herbeigerufenen Aerzte ordneten das Rothwendige an, und nach wenigen Stunden hatte sich M. anscheinend erholt. Im Lause der Nacht trat jedoch das Leiden mit Heftigkeit noch zweimal auf. Der langjährige treue Diener des Dichters reichte dem Kranken lindernde Medicinen „Ich hoffe," sagte Moseuthal bald darauf zu seinem Diener, „daß dies der letzte Anfall war, einen neuerlichen dürfte ich kauin anshalten können." Freitag Nachmittags, nachden» er neuerdings heftige Schmerzen verspürte, äußerte er sich zu einigen seiner Freunde, die eben bei ihm zu Besuche waren: „Meine Villa ist wohl vollendet, aber ich ahne, daß ich in derselben keinen einzigen Sommer zubringen werde." Diese düsteren Gedanken quälten den Kranken seither unaufhörlich, und weder die Trostesworte der Freunde, noch die Aufmunterung der Aerzte vermochten dieselben zu verscheuchen. Freitag, drei Stunden nach Mitternacht, stellte sich ein neuer Herzkrampf ein, der bis nach 1j27 Uhr Früh anhielt und mit dem Ableben des Dichters, das wenige Minuten später erfolgte, endete. Dem jüdischen Ritus gemäß wurde die Leiche des Dahingeschiedenen hierauf den ganzen Tag hindurch — als am Sabbath — im Sterbebette belassen. Mit dem Eintritte der Nacht fanden sich im Trauerhause zwei Mitglieder der Brüderschaft „Chewra Kadischa" ein. welche die Leiche im Salon auf ein ausgebreite'es Strohbündel auf den Fußboden legten und mit weißen Tüchern verdeckten, zu Häupten der Leiche, die mit den Füßen der Thür zugewendet liegt; wurde sodann ein Oel -Lämpchen, das sogenannte „Seelenlicht," angezündet. Mosenthal's Testament. Dasselbe ist vom 5. Octob. r 1876 datirt und von dem Verstorbenen eigenhändig geschrieben. Im Eingang desselben gedenkt Mosenthal seiner verstorbenen Gattin: „Fast 15 Jahre sind verflossen," heißt es in dem Testamente, „seit mit dem Tode meiner geliebten Gattin utein Glück zu Grabe ging. Ich stehe einsam und allein wie eine Schildwache, die pflichtgetreu und ein Lieo pfeifend warten muß, bis sie abgelöst wird; ich bin ein Gast im Äirths- Haus der Welt, der nichts begehren darf, als daß man ihn anständig behandle, so lange er seine Zeche zahlt. Ich bin nicht undankbar gegen meine Angehörigen und Freunde gewesen. Meine Geschwister, vor Allen meine geliebte Schwester Helene, mein Schwager Heinrich Weil und dessen treffliche Frau haben mir stets ihre Theilnchme bewahrt." Es folgt-dann ein Dank für alle Freunde, sowie zahlreiche Bekannte. Dann heißt es weiter: „Ich verzeihe Allen, die mich absichtlich oder Ullabsichtlich gekränkt haben Ihre Nan en habe ich längst vergessen. Ich habe absichtlich Niemandem Böses zugefügt und gern für jede Freundschaft zurückgezahlt. Meine künstlerische Aufgabe habe ich ernst und redlich zu erfüllen gesucht, und wenn ich der Eitelkeit und Selbstüberhebung geziehen wurde, so weiß es Gott, daß ich in meinem Herzen alle Erfolge als Geschenke seiner Huld erkannt habe und die Fehler rneiner Arbeiten besser, als meine höhnischen Kritiker eingesehen habe." Hierauf folgt das eigentliche Testament. Dasselbe enthält Bestimmungen über die Beerdigung, über das Vermögen, über die literarischen Arbeiten und über Legate an Freunde und Bekannte. Ein Betrag von 500 fl wird für das Taubstumnieu-Jnstitut, 500 fl. für eine Lina-Mosenthal-Stiftung für arme Wöchnerinnen und 200 fl. für den Veteranen-Verein bestimmt. Ueber eines der in den Beilagen verzeichneten