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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-03-01 · N° 9. (1.3.1877) · p. Seite 71

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 9. (1.3.1877)
Date
1877-03-01
Page
Seite 71 (sequence 3)
Language
German
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„Ich verweise einfach auf diese Erörterung, weil mir unsere Zeit zu kostbar iit, um 100 mal Gesagtes für die Herren vom Centrum zu wiederholen." Beispiele, ans dem Leben gegriffen, sollen am besten beweisen. Und in der Thal baden sie viel Bestechendes, wenn man vergessen will, daß die gerügten Uebelstünde meist nicht in dem, was der Lehrer lehrt, bestehen, sondern in der Unfähigkeit des Lehrers. Und ist die „Glaubenstreue" vor Bornirtheit sicher? Breslau. Es haben ferner ihre Zustimmung zu der Breslauer Petition gegeben: die Gemeinden Breslau, Gnesen, Freienwalde, Tremessen, Crone a/Br., Filehne, Tuchel, Stolp, Anclam, Hameln, Colberg, Thorn, Neuenkirchen (N.-B. Minden), Horstman, Tholey, Hofgeismar, Preuß. Stargard, Bonn, Neheim, Hüsten, Marstein. — Die verehrten Gemeinden werden um Beschleunigung der Einsendung ihrer Zustimmungen ersucht, da wir demnächst ein alphabetisches Register der zustimmenden Gemeinden (bis jetzt 110) zu bringen beabsichtigen. Hamburg. Ueber den verstorbenen Hartwig Samson Hertz (s. vor. Nr.) bringen wir nach Hamburger Blättern folgende nekrologische Notizen. Hertz, geboren 1809, war der Sohn armer Eltern, er besuchte während der Jahre 1816 bis 1822 die Talmud-Thoraschule und schon als Schüler war er bestrebt, durch kleine Verdienste, die er sich mit schriftlichen Arbeiten erwarb, die Noth der Seinigen zu lindern, während er seine Mußestunden zu seiner weiteren Ausbildung benutzte. So lange seine Eltern lebten, blieb er in ihrem Hause, stets als lieber, aufopfernder Sohn sich zeigend. Durch eigene Kraft mittelst unermüdlichen Fleißes, sowie Sparsamkeit und strenger Redlichkeit hat er sich vom kleinen Anfänge zu angesehener Stellung emporgeschwungen. Als Kürschner und Pelzhändler begann seine Carriere; später ward er Geldwechsler, Lotterie Collecleur und Bankier. Er zog sich schon vor einer Reihe von Jahren ins Privatleben zurück, blieb aber auch als Privatier nicht unthälig. Einen großen Theil seiner Zeit nahm das öffentliche Leben in Anspruch, da Hertz Mitglied der Bürgerschaft, des Bürger-Ausschusses, des Vorstandes vieler gemeinnütziger Stiftungen und Vereine rc. war. Als vor etwa zwei Jahrzehnten der Begründer und Eigenthümer der „Reform," in einem Preßprozeß zu längerer Gefängnißstrafe verurtheilt wurde, übernahm H. S. Hertz provisorisch die Leitung des genannten Blattes. Dies Provisorium zog sich lange hin. Hertz blieb Chef Redacleur des Blattes (wenn auch nicht dem Namen nach, so doch thatsächlich) bis Ende 1870. Nicht nur war er mit der eigentlichen Leitung des Blattes betraut, er schrieb auch selbst Vieles, namentlich über Statistik und Volkswirthschaft, in welchen beiden Fächern er gediegene Kenntnisse besaß, ferner über hamburgische Verfassungsfragen und vaterstädtisches Finanzwesen, welches letztere er so gründlich kannte, wie kaum ein anderer seiner Mitbürger. Ein ganz erstaunlich entwickeltes Zahlengedächtniß kam ihm hierbei zu Statten In der Constituante sowohl wie in der Bürgerschaft zählte H. S. Hertz zu den Vorkämpfern der liberalen Partei, übrigens gehörte er dem „Club Fortschritt" nicht an, sondern bildete, wie er manchmal scherzend zu sagen pflegte, „eine Fraction für sich." Als Volkswirthfchaftler bekannte er sich zum Prinzip der Manchestermänner: „laissez faire, laisser aller“, er war auch der Lehrer Schulze-Delitzsch's; auf handelspolitischem Gebiete verfocht er selbstverständlich mit glühendem Eifer die Sache des Freihandels. Hertz's politischer Standpunkt war der des Kosmopolitikers; er schwärmte für gemeinsames Wirken aller Nationen für Fortschritt, Bildung, Freiheit und verabscheute den Krieg. Daher erklärt er auch 1870 offen, er passe nicht mehr in diese Zeit, in der man den Franzosen als „Erbfeind" ansehe, Gambetta, Favre und andere brave Männer schmähe rc. und wollte sich vom öffenlichen Leben zurückziehen. Bis dahin rüstig und kräftig, wird Hertz nunmehr schnell altersschwach und nur selten noch ergriff er in der Bürgerschaft das Wort, wo früher seine glänzenden oratorischen Leistungen oft die größte Wirkung erzielt hatten. H. war verheirathet, die Ehe blieb kinderlos. Boil seinem selbsterworbenen beträchtlichen Vermög.ii ivandte er schon bei Lebzeiten einen namhaften Theil mi.de l Stiftungen zu. Neben seinem redactionellen Wirken war er noch anderweitig als Schriftsteller thätig, indem er Brochüren über statistische und national-ökonomische Zeitfragen herausgab. Ueber die Stellung, die er sich in der öffentlichen Meinung errungen hatte, drückt sich ein Hamb. Blatt folgendermaßen aus: „H. genoß bei allen seinen Mitbürgern in Folge seines braven Wirkens, seiner aufopfernden Thätigkeit für das Wohl seiner Vaterstadt, seines eminenten Wissens auf dem Gebiete der Volkswirthschaftslehre, seines allgemein anerkannten Talentes im Finanz- und Rechnungswesen, seines oft überraschenden Freimuthes, seiner nie sich verläugnenden Humanität und seiner stets sich gleich bleibenden Liebenswürdigkeit und Anspruchslosigkeit eine Hochachtung, wie solcher wenige Bürger sich rühmen können." — In der am seinem Beerdigungstage (7. Febr.) stattgehabten Sitzung der Bürgerschaft widmete der Präsident Dr. Baumeister dem Entschlafenen einen ehrenden Nachruf, in dem er u. a. sagt: „Er dürfe hier nicht darauf eingehen, wie er mit vielen Mitgliedern und noch mehr Leuten außerhalb der Bürgerschaft dem Verstorbenen in hohem Grade durch Hochachtung verbunden gewesen sei, und diese Hochachtung galt nicht nur feiner Intelligenz, sondern ebenso seinem hochachtbaren Charakter. Sein reiches und gründliches Wissen, das derselbe größtentheils durch eigenen Fleiß und Studium erworben, hätten ihn nie zu der Anmaßung verleitet, fernerer Belehrung durch eignes Studium und Unterhaltung mit Anderen unzugänglich zu sein. Die Festigkeit seines Charakters und seiner Ueberzeugungen sei vereint gewesen mit Milde und hoher Billigkeit in Beurtheilung Anderer. In weiten Kreisen habe er hohes Zutrauen verdient und erworben; er war vielen Bekannten und Familien ein treuer und ebenso zuverlässiger wie uneigennütziger Beralher. Redner könne bezeugen, wie er noch im Vorjahre für eine großartige Schenkung zur Förderung der Geistesbildung die gerichtliche Form nachgesucht habe, um noch vor seinem schon damals erwarteten Tode wegen derselben beruhigt sein zu können." Colberg, im Febr Ueber das hiesige jüdische Kurhospital ist der dritteJahresbericht (1876) ausgegeben worden. Die Anstalt wurde am 14. Juni statutenmäßig eröffnet, am 13. September geschlossen und hat an 1033 Verpflegungstagen 35 unbemittelten Patienten (14 Männern, 21 Franen) Obdach und Verpflegung, ärztliche Behandlung und freie S o o l - und Seebäder gewährt. Mit freudiger Genugthuung können wir hinzufügen, daß 13 von ihnen als „geheilt", 21 als „gebeffert" entlassen wurden, während nur bei einer Person die Kur ohne Erfolg war. So wurde einer ansehnlichen Anzahl von armen Familien der Ernährer, unmündigen Kindern die. Mutter, Eltern die Hoffnung ihres Alters zurückgegeben, und die Anstalt har segensreich gewirkt, indem sie einem zwiefachen Elend steuerte: jenem Elend, das sich nicht blos in das sorgen- und kummervolle Gewand der Armuth hüllen, sondern noch dazu hilf- und trostlos, siech und krank, in unsäglichem Schmerze auf dem Leidenslager winden muß. Unsere Anstalt verdient daher von allen Seilen die lebhafteste und wärmste Unterstützung. Leider müssen wir bekennen, daß diese Unterstützungen unserer Anstalt nicht reichlich genug zufließen. Wir sind in unserer Thätigkeit oft gehemmt, und müssen zu unserem tiefsten Bedauern Viele abweisen, welche an unserem Gestade und an den hiesigen Soolquellen Genesung oder wenigstens Linderung ihrer Leiden suchen, während die Räume unserer Anstalt uns gestatten würden, die Zahl der Aufzunehmenden mindestens zu verdoppeln. Unser Grundvermögen ist klein; es beträgt 30182 M. und trägt keine Zinsen, weil es zum Grundstück und zur An-

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