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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-02-22 · N° 8. (22.2.1877) · p. Seite 62

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 8. (22.2.1877)
Date
1877-02-22
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
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«Mumm’ — 62 — fere Kinder ohne jeden Religionsunterricht aufwachsen zu lassen, man erklärte es für Verrath, ein so kostbares Gut preisgeben zu wollen. Das Gutachten des Breslauer Vorstandes hat mit Recht wegen der trefflichen Darlegung aller einschlagenden Momente allseitig die ungetheilteste Anerkennung gefunden — damals freilich war die Sache anders. Wer weiß, ob Minister Falk nicht die Erklärungen aus jener Zeit bewogen haben, dem jüdischen Religionsunterricht seine Aschenbrödelstellung zu geben, man durfte doch den Gemeinden nicht alle ihre besonderen Freiheiten nehmen. Die verhüngnißvolle Macht — der Phrase, das ist die Moral, die wir aus dieser Geschichte lernen sollten. Vielleicht übt der Ernst der Zeit die Wirkung, daß diese Erkenntniß auch nach mancher anderen Richtung hin durchdringt und zu gemeinsamen Handeln führt in Fragen, die zu wichtig sind, um nach Parteirücksichten beurtheilt zu werden- Hat doch diese vom theologischen Verein übernommene Frage theilweise schon die Wirkung gehabt, daß dadurch ein Boden für gemeinsames Vorgehen von Seiten der den verschiedenen religiösen Richtungen angehörenden Männer gegeben wurde. An Fragen fehlt es nicht — wer nur so schnell die Antwort wüßte! Warum sollten wir's nicht einmal auch so versuchen können? H .. - _ —n- Berichte und Correspondenzeu. Deutschland. Cöln. (Or.-Corr.) Sonntag, 28. Januar, fand im hiesigen Asyl für Kranke und Altersschwache eine Gedächtnißfeier zu Ehren der verstorbenen Wohlthäter und Gönner der Anstalt statt. An diesem Tage waren 10 Jahre seit der Gründung der Anstalt verflossen und zugleich der Jahrestag der Mutter der Gründer des Asyls, der Herren Gebrüder Eltzbacher. Um 10 Uhr versammelte sich das Curatorium, ein distinguirles Publikum beiderlei Geschlechts und andere Theilnehmer in der Anstalt, um der Feier beizuwohnen. Eingeleitet durch Cho.calgesang und Recitativ von auf die Bedeutung der Feier bezugnehmenden Psalmen, hielt Herr Rabbiner Dr. Frank die Festrede, in w.lcher er sich über das Nutzbringende und Segenverbreitende der Anstalt verbreitete und besonders der Heimgegangenen Gründer, der Herren Louis und Jacob Eltzbacher lobend erwähnte. Darauf wurden die Namen der verstorbenen Wohlthäter ohne Unterschied der Confession (denn auch Christen schenken dieser Anstalt ihr Wohlwollen) erwähnt, für ihr Seelenheil gebetet und das Kadischgebet gesprochen. Die Feier ließ den besten Eindruck auf die Theilnehmer zurück, und wird nicht verfehlen, der Anstalt noch manchen Gönner zuzuführen. In letzter Zeit erhielt das Asyl wiederum ein Legat aus dem Nachlaß des verstorbenen Königl. Commissionsrathes Herrn Samuel Bennedik, im Betrage von 3000 Mark. Hannover, im Januar. Das Statut der Unterstützungskafse für jüdische Lehrer, deren Willwen und Waisen in der Provinz Hannover hat einige Abänderungen erfahren, von denen eilte, den jetzigen Verhältnissen entsprechend, besonders hervorzuheben ist. §. 24 enthält nämlich folgenden Zusatz: „Mitglieder der Kasse, welche derselben mindestens 10 Jahre lang angehört habeit, sollen, wenn sie außerhalb der Provinz Hannover, jedoch im deutschen Reiche eine ähnliche Stelle in einer allerkannten Synagogengemeinde annehmen, so lange sie ihren bisherigen Beitrag regelmäßig zahlen, ihre Mitgliedschaft behalten; jedoch können sie nicht Mitglieder des Ausschusses bleiben oder werden." Das Circular, mit dem diese Anordnungen bekannt gemacht werden, sagt: „Nachdem nunmehr durch den Zusatz zu § 24 ein wesentliches Bedenken aus dem Wege geschafft ist, welches viele Lehrer vom Beitritte zurückgehalien hat, dürfen wir hoffen, daß alle Beitrittsberechtigten sich der Kaffe anschließen werden. Wir machen noch besonders darauf aufmerksam, daß bis zum I.Juli 1877 die über 50 Jahre alten Beitritlsberechtiglen noch unter den srühern Bedingungen beitreteu können, während sie später nur ansnahlilsweise, unter den erschwerenden Bedingungeil des §. 3 des Statuts, aufgelloinmen werden können. Am 1 Juli 1876, dem Schluffe der fünfjährigen Saiilmelperiode, hat übrigens das unangreifbare Vermögen des Vereins 31,300 Mark betragen, wodurch eine sichere Grundlage für Erfüllung der Verpflichtungen der Kasse gegeben ist, wie denn schon jetzt mit Zahlung von Pensionen begonnen wird. Nicht dringend genug können wir daher unsere srühern Aufforderungen an die Geineinden wiederholen, einerseits ihre Beamten zum Beitritte zu veranlaffen, andererseits durch regelmäßige Beiträge und Schenkungen uns die Mittel zu segensreicher Wirksamkeit zu gewähren." Creseld. (Or.-Corr ) Sie haben bereits in Ihrem geschätzten Blatte kurz über einen erfolglosen, die hiesige Genieinde betreffenden, Schmähartikel im „Israelit" berichtet. Gestalten Sie mir, über den Hergang dieser Angelegenheit näher zu referiren, es wird dadurch noch in eclatanlerem Maaße als bei der Affaire zu Cassel die bekannte Kampfes - weise des „Israelit" und seine geradezu leichtfertige Art in der Aufnahme seiner Correspondenzen gek^nntzeichnel werden. Anfangs September ist für die hiesige Gemeinte durch unseren Herrn Oberrabbiner im Vereine mit Vorstand und Repräsentanten eine Synagogenordnung beschloffen und eingesührt worden, die den Gottesdienst in würdigster Weise gestaltet, ohne Abschaffung oder Kürzung auch nur eines Gebetes. Denn man darf es der hiesigen Gemeinde znm Lobe nachsagen, daß sie, obgleich in bedeutender Majorität religiös freisinnig, sich doch von einem Geiste der Mäßigung und Rücksichtsnahme auf die conservativen Elemente leiten läßt, der sicherlich hoch anznerkennell ist. Selbst die theoretisch radicalsten Mitglieder haben sich von der Billigkeit und Zweckmäßigkett einer Rücksichtnahme überzeugen lassen So wird denn auch jetzt die Synagogenordnung ui schönster Weise gehandhabt. Nur etwa acht bis zehn Mitglieder von craffester Unwlffenhett waren oder sind mit der eingeführten Ordnung nicht zufrieden, ohne jedoch aus der Synagoge zu bleiben, so daß es sich gar nicht verlohnt, von diesem, an Zahl und jetzt Gott sei Dank von Einfluß bedeutungslosen Protestlern Notiz zu nehmen, obgleich sie, wie das ja zuzugehen pflegt, unter der Führung eines fanatischen Ignoranten eine Art Wühlerei in's Werk setzten. Aber hier bot sich kein Boden für sie dar. Da erschien im „Israelit" jener Artikel, der von Entstellungen und Unwahrheit wimmelte, von gehässigen Aeußerungen gegen den Vorstand und den Rabbiner nicht frei und namentlich auf Täuschung und Aufwiegelung des Sprengels berechnet war. Als derselbe bekannt wurde, — der „Israelit" ist hier etwa in 3 Exemplaren vertreten — da verbreitete sich durch die Gemeinde eine sittliche Entrüstung, die nur durch die Verehrung eingegeben war, die der Herr Oberrabbiner selbst bei den orthodoxesten Mitgliedern genießt. Denn sogar unter den Protestlern äußerte sich die Mißbilligung über eitle derartige grobe Entstellung der Wahrheit, und es war interessant, zu sehen, wie sich jeder derselben beeilte, die Urheberschaft dieses Machwerks von sich zu weisen. Und in der Thal kann der erwähnte Artikel wenigstens der Form nach, wie hier jedem kund ist, nur von einem einzigen Gemeindemitgliede ausgegangen sein, dem religiöse Scrupeln durchaus fremd sind, und das nur zu denen gehört, die gern im Trüben fischen nnd an Scandal ihre besondere Lust haben. Erwiederungen über Erwiedernngen mit Nachweisen über die offenbare Entstellung der Wahrheit wurden aus der Mitte der Gemeinde an den „Israelit" gesandt. Als er zuerst durch verschiedene Ausflüchte sich der Aufnahme derselben widersetzte.

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