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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-02-22 · N° 8. (22.2.1877) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 8. (22.2.1877)
Date
1877-02-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M. 8. 1877. 8. JKbrga>lq Wochenschrift für die religiösen und Malm Interessen des Audeuthums. Erscheint seden Dc, nnerstaq «.kostet sammt dem allwöchentlich erscheinenden „Jüd. Literaturblatt" vo» Rubi,. vr. M. Rah me r bei allen Postämtern u. Buchbandlungen vierteljährlich S Mark SO Pf. Mit direkter Zusendung: in Deutschland 12 Mt. <7 ff.); nach dem AuSlande: IS Mk. (18 FrcS.) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" a 45 Ps. *» i i>i Ni üieranrwocilicher Redakteur und Herausgeder Rabbiner I)r. I. Treuenfets in Stettin. -—- - — Vtaqdeburg, 22. Februar. Inserate für die „Wo chenschrift" oder das „Literaturblatt" werden mit 2 0 Pf. für die dreigespaltenc Petitzeile, oder deren Raum, berechnet. Bei Wiederholungen Rabatt. Alle Annoncen - Expeditionen besorgen Aufträge. — Die Inserate sind bis Sonntag einzusenden direct an: Die Expedition der „Jsr. Wochenschrift" in Magdeburg. Inhalt: Leitende Artikel Eine Reminiscenz. Berichte und Eorrespondenzen: Deutschland: Cöln. Hannover. Crefeld Hamburg. Hamburg. München. Oe st erreich: Wien. Prag. Rakos-Palota. Rumänien: Wien. Vermischte und neueste Vach richten r Berlin. Magdeburg. Erfurt. Hamburg. Minden. Wien. Jerusalem. Serbien. Feuilleton r Der letzte Jude. Inserate. Wachen- Februar Adar. Kalender. 1877. 5637. I Donnerstag. . 22 9! Freitag .... 23 10 i 1 nacifj (Ende: 6 u. 8 M.! P. Schaur. Sonnabend . . 24 11 Sonntag . . . 25 12 i Montag.... 26 13 1 Ta’nis Esther. Dienstag . . . 27 14 | Purim. Mittwoch . . . 28 15 | Schusehan Purim. Eine Reminiscenz. Es geschieht durchaus nicht zu dem Zwecke, um nutzlose Rekriminativnen zu erheben, wenn wir heute, wo die Agitation für Einführung des jüdischen Religions-Unterrichts an den höheren Lehranstalten von den Vertretern der verschiedenen religiösen Richtungen gemeinsam vertreten wird, an einen Vorgang erinnern, der allerdings nur wenige Jahre hinter uns liegt, in unserer raschlebigen Zeit jedoch, wie es scheint, bereits der Vergessenheit anheimgefallen ist. Wir thälen vielleicht besser daran, wenn wir, um Manchem der Betheiligten ein beschämendes Eingeständniß zu ersparen, die Erinnerung daran nicht weckten, allein der Fall ist doch zu lehrreich, als daß wir nicht mit einem Worte aus ihn zurückkommen sollten. Im Jahre 1869 hatte der jüdisch-theologische Verein zu Breslau den Beschluß gefaßt, beim preußischen Cultusministeriunl wegen Einführung des jüdischen Religionsunterrichts an den höheren Lehranstalten der Monarchie vorstellig zu werden. Schon daß ein solcher Beschluß von einer zum größten Theil aus praktischen Theologen bestehenden Versammlung gefaßt wordeil war, durfte als eine Thatsche von nicht zu unterschätzender Bedeutung angesehen werden. Es war baniit die Richtung angegeben, in welcher eine Theologenversammlung sich zu bewegen hat, wenn sie sich nicht daniit begnügen will, ein bloßes Redeturnier zu sein, sondern ihre Aufgabe darin erblickt, einen wirksanleu Einfluß auf das religiöse Leben der Gegenwart auszuüben. Was doch in wenigen Jahren für ein Umschwung in den Anschauungen der Menschen eintreten kann! Wir sind fest überzeugt, gar manche eifrige Theilnehmer früherer Rabbiner-Versammlungen oder Synoden haben inzwischen den Glauben an die Fruchtbarkeit dieser Vereinigungen verloren. Wie konnten auch Männer mit reicher Erfahrung im Amte, die doch alle auch ein Herz für das Fuoenthum hatten, immer wieder zusammenkommen, ohne irgend einen anderen Gegenstand als Gebelreform, Reform von Ehegesetzen u. dergl. zum Thema ihrer Besprechung zu machen. Kein Wort über den Verfall des religiösen Lebens in unseren Gemeinden, über die Abnahme der religiösen Gesinnung, der Moralität in unserer jüngeren Generation, kein Wort über die unheilbaren Schäden, welche der Mangel an jedem Religionsunterricht in einem großen Theil unserer Jugend zur unausbleichlichen Folge haben muß. Um über solche Abgründe hinweg in Gebetreformen das Heil des Judenthums zu erblicken, dazu gehört doch eine Vertrauenslosigkeit — die heute aus dem Kreise aller Theologen so ziemlich geschwunden ist Der jüdisch-theologische Verein hatte die eine Frage— den jüdis l en Religionsunterricht — ins Auge gefaßt und durch den Antrag, denselben als obligatorischen Lehrgegenstand in die höheren Schulen einzuführen, zugleich das praktische Mittel ergriffen, um wenigstens dem schlimmsten Nothstande abzuhelsen. Was mar die Folge dieses Beschlusses? Ein Schrei der Entrüstung über das Pfaffenthum der „Breslauer Schule" ging durch die deutschen Blätter, die Berliner „Volkszeitung" brachte gleich eine Serie von Leitartikeln, in welchen mit gewohntem Spürsinn die eigentliche Tendenz dieser Petition nachgewiesen wurde, die nichts Geringeres als die Erhebung des jüdisch-theologischen Seminars zum „Staatsjudenthum" beabsichtigte. Die jüdische Gemeinde zu Berlin erhob feierlich Protest gegen die Forderungen der Petition, und eine Anzahl von Gemeinden schloß sich nicht nünder feierlich diesem Proteste an. Weil damals zufällig Herr v. Mühler am Ruder war, so war man glücklich darüber — daß wir Juden die Freiheit haben, un-

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