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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-02-15 · N° 7. (15.2.1877) · p. Seite 59

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 7. (15.2.1877)
Date
1877-02-15
Page
Seite 59 (sequence 7)
Language
German
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59 genen Erhebungen dargethan haben, daß unser Dementi vollkommen begründet war. Die zwei beschwerdeführenden Juden haben ausdrücklich gestanden, daß sie die Geschichte von den „großen Judenverfolgullgen" selbst in Scene gesetzt haben, um damit die Aufmerksamkeit auf ihre eigene Angelegenheit, in Bezug auf die sie Beschwerde geführt hatten, zu lenken" — erklären wir hiemit entschieden, daß die im Wiener „Fremdenblatt" genlachten Aeußerungen, von welcher Seite immer sie auch herrühren mögen, nichts Anderes als eine Entstellung der Thatsachen und Unwahrheiten sind, die nur zu dem Zwecke erfunden zu sein scheinen, die Glaubwürdigkeit der von hundert Unterschriften bedeckten Petition an das hohe rumänische Ministerium und an das österreichisch'ungarische General-Consulat, deren Ueberreicher wir waren, Lügen zu strafen und das namenlose Elend, in das der nunmehr abgesetzte und, wie verlautet, in gerichtliche Untersuchung gezogene Vasluier Präfect, Herr Neron Lupaschcu, mehr als zweihundert Familien gestürzt, und die unmenschlichen Grausamkeiten, die er an denselben verübt, zu vertuschen. Dieses sind wir und die gesummten Einwohner des Valuier Districtes nicht nur mit unserem Eide zu bekräftigen, sondern auch haarklein nachzuweisen bereit. Bukarest, 1. Februar 1877. (8 8.) Leib Cohen. Zelig Bändel." Vermischte und neueste Nachrichten. Frankfurt a M., 5. Febr (Or.-Corr.) Unsere Gemeinde hal wieder den Tod eines Mannes zu betrauern, der in seinem wohltliärigen Wirken eine nicht auszusullende Lücke zurückläßt. Hr. Jsaac K ö n i g s w a r t e r, der seine beiden Brüder Zacharias und Jonas (letzterer in Wien) überlebte, starb am 30. v. M. im 56. Lebensjahre. Beide Brüder, Jsaac und Zacharias, verloren ihre zwei hoffnungsvollen Söhne im jugendlichen Alter, und auf ihre Namen, Arthur und Emil, gründeten sie eine reich dolirte Slipendienstistung für Juden und Christen Ein zweites Denkmal ihres mildrhätigen Herzens hal sich die Familie Köuigsivarur gesetzt mtt der Erbauung des Hospitals für die hiesige Gemeinde, welches im Jahre 1875 eingeweiht wurde. Zugänglich wie wenige unserer Reichen fanden alle Hilfsbedürftigen bei dem sel. Verstorbenen williges Gehör und eine reichspendcnde Hand. Sein immeuses Vermögen geht nun in die Hände seiner Frau*) und Neffen über, oeiun er es überließ, für die humanitären Austalteil unserer Gemeinde Legale auszuwerfen. An seinem Grabe sprachen Rabb. Dr. Brüll und der Bürgermeister v. Berg, als Präses der Stistungsverwaltung, eine Auszeichnung, die dem sel. Verblichenen zur Ehre gereicht und als Zeugniß der reckgiösen Eintracht und Toleranz in nn'erer Stadt ausgestellt werdeir muß, gegenüber der gehässigen Aufreizung zur Spaltung von — bekannter Seile. H. Eisenach, 5. Februar. (Or.-Corr.) Auch unsere Gemeinde hätte bereits einen Austritt zu registrireu, wenn im Großherzogthuine Weimar einer dahin zielenden Erklärung Gültigkeit iune wohnte. Herr Rechtsanwalt Heß dahier, Sohn des verstorbenen Landrabbi,lers Dr. Heß, hal nämlich vor einigen Wochen beim Vorstände der hiesigen Synagogengerneinde seinen Austritt aus derselbe» augezeigt, wurde aber von demselben beschiedeu, daß diese Erklärung nach hier geltenden Gesetzen wirkungslos sei. Während der rechtsgelehrte Herr die Geltendmachung der neuen preuß. Gesetzgebung so für hier zu anlicipiren sucht, hat seine Frau einen Weg zur Lösung ihres Verhältnisses zu dem Synagogenverbande eingeschlagen, der sich als rechtskräftiger erweisen dürfte. Sie ist nämlich in voriger Woche nebst ihrem Kinde zum Christenthum übergelreten. Diese verschiedenen Heileswege der beiden Ehegatten lassen übrigens ihr eheliches Zusammenleben unbeeinflußt. In der hiesigen Gemeinde erregte dieser auffallende Vorgang begreiflicherweise eine gewiffe Aufregung. *) Der isr. Almosenkasten erhielt von derselben Mk. 4000 für die hiesigen Armen. Die in einer der jüngsten ^Nummern ihres geschätzten Blattes gebrachte Dementirung der Nachricht, daß der Domprediger Veilh in Wien zur Zeit der Damastener Judenverfolgung in der Kirche durch einen feierlichen Eid die Unwahrheit des Blutgebrauches bei den Juden bezeugt habe, dürfte doch auf Jrrthum beruhen. Ich erinnere mich aus jener Zeit noch sehr genau, daß damals die größern Zeitungen Deutschlands den Wortlaut dieses Eides brachten, ohne daß mir je eine Widerrufung dieser Nachricht zu Gesichte gekommen wäre. Richtig dürfte nur sein, daß er über diesen Gegenstand nie gepredigt habe, denn es wurde berichtet, daß es nach der Predigt geschehen sei, aber, meines Wissens, nicht, daß dieser Akt »'ich dem Inhalte der Predigt angeschlossen habe. Altona, 4. Januar. Der israelitische Frauenverein zur Unterstützung weiblicher Kranken hielt vor. Woche seine Jahresversamiillung ab, in welcher zur Ergänzung des Vorstandes, a,i Stelle der aus demselben ausgeschiedenen Frau I. Liepmann, Frau Oberrabbiner Dr. Löb zum Vorstandsmitglieds gewählt wurde. Die Jahresrechnung weist eine Einnahme von M. 805,35 für das verflossene Jahr auf; der Reservefonds beziffert sich auf M. 3100. Wien. Nachdem der hiesige Chef des Rothschild'schen Hauses, Herr Baron Albert v Rothschild von Sr. Majestät dem Kaiser das Commandeurkreuz des Leopoldordens, diese fast höchste österr. Auszeichnung erhalten hat, ist derselbe zur Führung des Grafen titels berechtigt. In Anbetracht der von Herrn Albert v Rothschild der österr. Regierung in den letzten Tagen geleisteten großen Dienste, soll dessen Erhebung in den Grafenstand demnächst bevorstehen. Zürich. Eine Correspondenz der „Arch. Isr." berichtet daß in Zürich im November und December v. I. in der Pelerskirche 6 Vorträge über jüdische Geschichte durch die HH. Pfarrer Furrer und Hagenmacher gehalten worden sind. Sie waren zahlreich besucht uiiD athmeten einen Geist des Wohlwollens, der Anerkennung gegen die Juden und des Mitleids mit ihren zahllosen Verfolgungen. Furrer kennt Palästina aus genauer persönlicher Anschaung und würzte seine geschichtliche Darstellung durch lobenswerthe Schilderung der Oertlichkeit „Ein solches Volk, voll Anhänglichkeit an die Idee des einzigen Gottes, sagte er, ist nicht verloren, nicht im Verfall, es hat Anspruch auf ein ehrenvolles und glückliches Fortbestehen." Hr. Hagenmacher sprach über die jüdischen Seelen, namentlich die Esfäer. Rom. Hr. Samuel Alatri hat am 3. Januar seine goldene Hochzeit gefeiert und dabei, wie nicht anders zu erwarten gewesen, von Seiten der Juden Roms, Italiens und seiner christlichen Freunde zahlreiche Beweise von Liebe und Verehrung erhalten. Belfast. Dr. Chotzner hat kürzlich hier wieder (wie im vor. Winter) einen öffentlichen Vortrag in dem Vorlesungssaale einer Kirche gehalten, und zwar „Skizzen über den Talmud". Der „Northern Whig" bringt einen Bericht, der den Vortrag fast vollständig wiedergiebl. — Dieser Tage wurde hier von der Todtenschau-Jury über den Selbstmord eines getauften Juden verhandelt. ES kam dabei zu Tage, daß der Selbstmörder durch die Bemühungen fronuner Damen und durch das Versprechen, daß man ihm eine Druckerei einrichten wolle, zur Taufe geführt worden war. Er sollte in sein Vaterland Ungarn zurückkehren, um dort eilte hebräische Buchdruckerei (selbstverständlich für Missionstraktate u. drgl.) einzurichten. Nachdem er übergetreten war, scheint man die ihm geschenkte oder verschaffte Preffe reklanurt zu haben. . . . Serbien. Nach Mittheilung der „Köln. Zeit." lautet der dritte Punkt der Friedensforderungen der Pforte an Serbien: Gleichstellung der JsraAiten. „Fenilleton* (Forts. Kap. 8) mußte in dieser Rr. an» Raummangel wegbleiben.

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