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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-02-08 · N° 6. (8.2.1877) · p. Seite 50

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 6. (8.2.1877)
Date
1877-02-08
Page
Seite 50 (sequence 6)
Language
German
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28 Juden lustig und citire wieder haarsträubende Drohungen rumänischer Blätter gegen die Juden, weil diese die Lügen in die Welt sendeten. Dem gegenüber kann es einige Befriedigung gewähren, wenn die Presse der gebildeten Welt, m England wie in Deutschland, und zumeist in dem dein Schauplatze am nächsteil liegenden Oesterreich-Ungarn sehr energisch gegen die Barbarei auf tritt. Besonders that dies der „Pest. Lloyd" und die Wikiler „N. F. Pr." Wir würden aus diesen und verschiedenen anderen Zeitungen noch eine große Dornenlese von Berichten über emzelite Scenen der Barbarei und des Elends hinzufügen können. Es ist für heute genug. Nur von Bestätigungen der Wahrheit der Schilderungen mögen noch einige Proben folgen. Der „ Monde Illustr6“ und die Wiener „Neue Jtlustr. Zeit." hatten bildliche Darstellungen von Judenverfolgungs-Scenen gebracht. Der Maler, Johann Schönberg, veröffentlicht im „Constitutionell" eine Erllärnng, daß er nichts erfunden, sondern Wirkliches und Gesehenes im Bilde dargestellt und in Begleitschreiben geschildert habe. Die eiilfachste Bestätigung der Äustreibung der Juden liegt aber in dem schon in unsrer Nr. 3 (Beilage) wörtlich abgedrucklen Dekrete des Präfekten Lupascu. Kerner checkt der Correspondent des „Pest. Ll.," um den Vorwurf der Unwahrheit zurückzuweisen, folgenden Erlaß des Ministers an den Präfekten mit: „Die Juden S. Bändel und L. Kohen im Namen zahlreicher Israeliten Ihres Districtes geben rn ihrer an das Ministerium gerichteten Eingabe an, daß sie von Seiten ihrer Localbehörde von ihren Wohnstätten vertrieben wurden und daß man ihre Habe plündert. Indem ich Ihnen Vorstehendes nüttheile, fordere ich Sie, Herr Präfekt, auf. einerseits mir die Verfügung nanrhafc zu machen, auf Grub welcher solche Maßnahmen angeordnet wurden und andererseits die etwa in dieser Hinsicht getroffenen Maßnah inen bis auf eine zweite Ordre zu sistiren. (Gez.) Vernescu, Minister des Innern." Hat nun (setzt der erwähnte Correspondent hinzu) auch der Minister das Ganze „aus der Luft gegriffen?" — Neben allem Anfang, Tragischen, macht es einen possierlichen Eiitdruck, wenn (wie Hr. T. uns berichtet) am 17. Jail. in der rumän. Kammer über Aufhebung des Chausseegeldes (oder einer ähnlichen Abgabe) verhandelt wurde und auch da die Debatte sich darum gedreht hat, wie man distinguiren müffe, damit die Karren derBauern freibleiben, die der Juden aber bezahlen müßten. Da wurde über „einfache," über „Ochsen-Karren" u. s. w. debattirt. Schließlich scheint der „Ochs" als das untrüglichste Merkmal des rumänischen Bauern betrachtet worden zu sein. — Mag fein; aber der Ochs ist doch in der Regel ein harmloses Geschöpf! — Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. In den neuen Reichstag sind, soweit bis jetzt bekannt, folgende 5 Abgeordnete gewählt: Bamberg er, Frankenburger, Hirsch, Lasker, Wolfs oh n. Berlin. Unter der classischen Firma: Deutsche Reform-Partei saßen am 22. d. die Blüthen der Berliner Reactionspartei über den Liberalismus und die Juden zu Gericht. Ein Herr Dr. Hübner hielt zuerst einen ebenso langen wie langweiligen Vortrag über die Wucherfreiheit und deren Folgen. Der Vortragende sowohl als alle Redner ergingen sich bei dieser Gelegenheit in ungefähr folgenden Expectorationen. Die traurigen wirthschaftlichen Verhältnisse haben lediglich die Juden und der Liberalismus verschuldet. Der LiberaUsmus, der die freie, unverschämte Ausbeutung der redlichen Arbeit durch das müßige Capital auf seine Fahne geschrieben, sei im vollsten Sinne des Wortes ein semitisches Product. Alle Religionen verbieten den Wucher; selbst die jüdische Religion. Schon seit 40 Jahren genießen die Juden alle bürgerlichen Freiheiten (Ruse: Schlimm genug!), ja selbst Beamte können sie werden (Rufe: Leider!) und trotzdem thnn sie nichts weiter, als wuchern, handeln und die Christen betrügen. Ein anderer Herr seeundirte: Der Krebsschaden sind „die Juden". (Rufe: Sehr wahr! sehr richtig!) Wenn die Zustände besser werden sollen, dann müsse man zunächst erwägen. wie man die semitische Race von der germanischen überhaupt entfernen könne. (Lebhafter Beifall. Ruf: „Das Beste ist, die Kerle alle verbrennen.") Herr M. Aut. Niendorf bemerkte jedoch diesem letzten Redner, daß die gänzliche Austreibung der Juden schwer ausführbar sei." Das nennt sich deutsche Neformparlei!" Spanische Jnquisitionspartei — wäre viel richtiger. Breslau. Das jüd.-theol. Seminar zählt (außer einigen Hospitanten) gegenwärtig 34 ordemliche Hörer Acht von ihnen haben im Lause des letzten Jahres Anstellungen als Rabbiner, Prediger, Religionslehrer in verschiedenen Gemeinden Deutschlands und Ungarns erhalten. Von Verehrern und Gönnern des Seminars sind auch wieder mehrere neue Stipendien gestiftet worden. Breslau, im Januar. Der hiesige zur Unterstützung der jüd. Talniudgelehrten in Palästina gegründete Verein „Ahabath Jerusalem" veröffentlichte seinen elften Jahresbericht; derselbe schließt in Einnahmen mit Mk. 1810,23, in Ausgaben mit 1198,90 ab, hat somit einen Baarbestand von 611 Mk. 33 Pf. Besonders verdienstlich um den Verein erweist sich Herr Freibusch Ehrmann, der zur Aufnahme neuer Mitglieder wie zur Annahme von Geschenken für den Verein jederzeit bereit ist. Hamburg, Sonnabend, den 27. Januar. T e st a IN e n t s- Pub likat ionen. Unter den jüngst veröffentlichten Testamenten befinden sich mehrere von allgemeineren! Interesse. Eine Frau Veilchen Sophie Bauer, geb. Levy, vermachte 4000 Ri Bco. dem Paulinenstift; ferner den lebenslänglichen Zinsgenuß von 8000 M. Bco. für ihre Gesellschafterin. Nach dem Tode derselben sollen von der angegebenen Summe noch 6000 M Bco. an das Paulinenstift fallen. Weiterhin vermachte sie den Zinsgenuß von 3000 M. Bco. für die beiden Testamentsvollstrecker. Stirbt der Eine dieser, so soll der ihn begleichende Theil zwei hiesigen hülfsbedürfligen Familien mosaischer Confession zu Gute kommen, und nach dem Tode beider Erben das ganze Kapital dem Frauenverein zur Unterstützung israelitischer Wittwen überwiesen werden. — Ein anderer Testator, Louis Samuel Levy, vermachte 1500 Mk. der israelitischen Vorschußanstalt. Das Testament des verstorbenen Samson Heymann Levy enthält folgende Legate für Wohlthätigkeits-Anstalten: M. 2400 erhält das israelitische WaisenJnstitut für Knaben, M. 1200 die Talmud-Thora-Schule, M. 900 das Paulinenstift, Dl. 600 die Mädchenschule von 1798, M. 600 der Miethe-Verein von 1828, M. 600 der Bekleidungs-Verein der Talmud Thora- Schute, Dt. 750 die städtische Armen-Anstalt, Dt 750 die! israelitische Armen-Anstalt zur Vertheilung an verschämte is- '] raelttische Arme, in Portionen, nicht unter M. 30, M. 600 der Feuerungs-Verein von 1855, Dt. 600 der Verein zur Unterstützung armer israelitischer Greise und M. 600 der Frauen-Verein von 1849. Außerdeal verfügt der Erblasser, daß die Zinsen von einem zu belegenen Kapital von Mark 6000 alljährlich unter arme Bräute vertheilt werden sollen. Diese Stiftung soll nllch dem Namen seiner Frau „Amalia Levy-Stiftung" genannt werden. Eine ähnliche Stiftung auf seinen Namen lautend, hat der Verstorbene bereits vor Jahren errichtet. Aus Württemberg. Das Bezirksrabbinat L a u p h e i m ist dem bisherigen Verweser dieser Stelle, Herrn Rabbiner Ludwig Kahn, übertragen worden. Aus Ungarn. (Or.-Corr.) Es verdient im Gegensatz zu den judengehässigen Vorgängen in der preußischen Hauptstadt

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