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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-02-08 · N° 6. (8.2.1877) · p. Seite 49

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 6. (8.2.1877)
Date
1877-02-08
Page
Seite 49 (sequence 5)
Language
German
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49 Sinne geschrieben hatte, das datirte von den letzten Tagen des Dccember Gleich nachher war in Verlad und überall von den Austreibungen und Mißhandlungen nur allzuviel bekannt. Unser Correspondenl E. T. daselbst bestätigt dies und giebt über den Zusammenhang dieselbe Aufklärung.*) Es ist nun nicht zu verkennen, daß die Rumänen wegen der Berichte über ihre Unlhaten wülhend sind, und daß ihr Haß gegen t ie Juden dadurch noch gesteigert wird. Aengstliche Gemülher mögen daher glauben, es sei besser, wenn kein Lärm gemacht werde; das Geschehene sei dadurch nicht ungeschehen zu machen, und die Juden in Rumänien würden dafür büßen müssen, daß ihre Glaubensgenossen im Auslände an die öffentliche Meinung appelliren und diese gegen Rumänen aufregen. Die gulsiluirte Minorität nnd beionders die )6uu6886 cloräv unter den rumänischen Juden, welche von den Verfolgungen nicht betroffen wird und die Leiden der Armen nicht fühlt, protestirt erst recht gegen allen Einspruch der ausländischen Juden und ist jederzeit bereit, zu bezeugen, daß die edle rumänische Race an der Spitze aller Bildung und Sitte gehe und keinen Juden ungerechter Weise ein Haar krümmen. (Wir bringen davon weiter unten Proben) Wir weisen selbstverständlich diese Speichellecker und armseligen Feiglinge mit Verachtung ab. Den Andern aber, welche Bedenken erheben und Schweigen für rathsamec halten, als Reden und Schreiben, halten wir als geiviß triftiges Argument Folgendes entgegen. Gewiß würde in Deutschland viel weniger Judenhaß von Seiten der Ultramontanen, Feudalen, Agrarier, Spießbürger rc. entfaltet werden, wenn kein Jude als Candidat für ein Parlament auftrelen, keiner irgend eine Rolle im öffentlichen Leben spielen, keiner ein Wort, schriftlich oder mündlich, in allgemeinen Angelegenheiten mitreden wollte, kurz, wcnn wir insgesammt freiwillig und still in die duldende, schweigende Pariastellung zurücktreten wollten, die unsere Väter vor hundert Jahren eingeilommeit haben. Der Jude würbe dann ivieder vor jedem Straßenjungen Mores machen — man könnte nicht mehr über die Macht, den Einfluß, die Herrschaft, die Presse der Juden deklamiren. Wäre der Judenhaß dann getilgt?! Man iiiache tie Anwelldung. So wär's, wenn wir im Auslande stille wären und die rumänischen Barbaren mit unfern Gtaubensbrüdern schallen und walleii ließen. — Und der Erfolg unsrer Appellationen? Geschehenes ist allerdings Nicht ungeschehen zu machen, aber das steht fest uiib wird von Mthreren unserer Correspoiidenten aus Rumänien bestimmt unerkannt, daß die Verfolgungen zum Stillstand gekommen sind, — diesmal und früher — sobald die Presse d^s Auslands ihre Stimme erhob und die rumänischen Barbareien in die Welt hinaus posaunte. Earl Derby hat ganz Recht, ein Appell au die öffentliche Meinung ist besser, als alles Peütiomren bei den Mächten. — Auch Hr. Anlonin Levy, der früher, als er noch in Rumänien war und sich in den Kreisen der Maalhaber und der von ihnen bestrahlten Juden bewegte, immer Schweigen empfohlen und noch auf der Brüsseler Conferenz dafür gesprochen hatte, daß man sich nur auf die Großmuth der hocheblen Und hochcivilisirten Rumänen verlasseil solle, hat jetzt bei der Pariser Conferenz eingestanden, daß er sich in einer Täuschung befundeit habe. Wir stellen nach diesen aügenieiilen Vorbemerkungen die Berichte unsrer Correspondenten und die Auszüge aus verschiedenen Blättern übersichtlich zusammen. Hr. I. F. schreibt uns: Der Präfect Lupascu hat in Wahrheit beinahe alle Juden aus deu Dörfern seines Districtes nicht nur verjagt, sondern auch ihren Wein und Branntwei.i als strafbares Gut confiscirt und verkauft. Die von den Vertriebenen nach Bukarest entsandten Delegirten konnten nichts ausrichten, ein Abgesandter des österr.-ungar. Co!suls? zu Bukarest war in Vaslui und brachte alles zu Protokoll. Der Präfect Lupascu wurde nach Bukarest berufen. Das -) Derselbe schreibt auch: KlllOnpö -ItSDnJn ro'n'Ti mwanjö inan Resultat aber über seine daselbst erhaltenen Instructionen in unbekannt, denn er weilt nach wie vor auf seinem Posten. Am 20. Januar langte in Vas.ui ein Herr Protopescu, Delegirter der rumänischen Regierung an, behufs Constatirung des Sachverhalts. Der österreichische Consul verlangte eine geiilischte Enquete und die sofortige Absetzung des Präfecten, aber vergebens! — Herr Prof Dr. Kristeller aus Berlin hat an die jüdische Gemeinde zu Vaslui behufs Angabe von näheren Details geschrieben, gleichzeitig anfragend, ob nicht materielle Hülse für die Vertriebeilen nölhig märe, die Antwort war, daß die von Haus und Hof Verjagten keine andere Unterstützung verlangen, als eine moralische. — Die rumänischen Journale fahren fort, die Juden zu bedrohen, daß, falls sie nicht öffentlich eine Erklärung abgeben werden, daß in Rumäilien keine Judenverfolgungen existireu, sie das Allerschlimmfte zu gewärtigen haben. So kam es denn am 20. Januar in Jassy zu thätlichen Auftritten zwischen Juden und Behörde-Agenten; Eommisäre und Serjents de ville drangen nämlich in den von vielen Juden bewohnten Schulhof, um diese zum Unterschreiben eines ihnen vorgeleglen Protestes gegen die angeblichen Judenverfolgungen in Rumänien zu zwingen. Die angefallenen Juden ließen sich aber nicht einschüchtern und widersetzken sich aus allen Kräften diesem unheimlichen Ukas, und so kam es zu einem lebhaften Handgemenge und derben Hieben. Ja der ehrenwerthe Hr. Cogolniceanu halte sogar den Muth, von den reichen Juden Jassy's ein Dementi zu verlangen, welches sie ihm aber rundweg abschlugen. Die rumänischen Publizisten in ihrer Verzweiflung über die Rumänien nacherzählten unhumanen Acte gegen die Juden, entblöoen sich nicht, falsche Dementis im Namen der Juden zu veröffentlichen. So veröffentlichte die „Unirea Democratica" eine von 27 fictiven Israeliten Unterzeichnete Erklärung, wonach keinem in Rumänien lebenden Juden (geschweige den tobten! Bacau!!) irgend welches Leid zugefügt wird, und daß all die boshaften übelwollenden Gerüchte und Verleumdungen, die über Rumänien verlauten, nur Lüge und Trug feien. Weder der Ort, wo diese Erklärung aufgestellt worden ist, noch das Datum derselben sind angegeben. „Romanul" brachte ebenfalls eine diesbezügliche Erklärung seitens der in Bukarest bestehenden Gesellschaft „Rumanisarea" (Rumänisirung), welche also lautet: „Ueberzeugl, daß die hier folgenden Zeilen das ausgezeichnete Glück haben werden, Ihre Genehmigung zu erhalten, bitten wir Sie, denselben in den Spalten Ihres geschätzten Blattes Aufnahme zu gewähren. — Die Gesellschaft „Rumanisarea", bestehend aus der rumänischen israelitischen Jugend, deren Tendenzen dahin gehen, die Gefühle für rumänischen Patriotismus, für die rumänische Sprache und für rumänische Sitten (!) zu verbreiten, erklärt, daß sie jede Solidarität mit jenen fremden Journalen entrüstet von sich ablehnt, die Beleidigungen und Jnvectiven über Rumänien verbreitet haben. Die Gesellschaft „Rumanisarea" protestirt energisch gegen jeden Verdacht, einer Complicität wwohl mit den Verfassern, als auch mit den Verbreitern jener Insulten, die Leit Zweck haben, die Würde des rumänischen Staates in deni Momente herabzusetzen, wo, wie es scheint, Ereigniffe von höchster Wichtigkeit demselben die Pflicht auferlegen werden, für seine nationale Existenz zu kämpfen. — Ihrem Namen, ihren Principien, ihren Tendenzen getreu, wird die Gesellschaft „Rumanisarea", wenn das Vaterland es fordern wird, durch Thaten, diejenigen widerlegen, die die patriotischen Gefühle und die patriotische Ergebenheit der rumänischen Juden in Zweifel ziehen". Gezeichnet: die Delegirten der Gesellschaft „Rumanisarea", Josef Stern, I. Margulici, Arminiu Jasbrici. In einem, einige Tage älteren Schreiben bemerkt Herr I. F., daß die in Bukarest in deutscher Sprache erscheinende „Epoche", ein nicht geradezu judenfeindliches Blatt, ebenfalls mehrere Ableugnungen der Vaslniner Vorgänge und unter diesen eine von der Gesellschaft „Rumanisarea" bringe. Dasselbe Blatt mache sich über angebliche Unterschriften von

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