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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-02-08 · N° 6. (8.2.1877) · p. Seite 48

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 6. (8.2.1877)
Date
1877-02-08
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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48 Magdeburg. Bezüglich der in vor. Nr. unter Halberftabt gebrachten Notiz, betreffend die Petition wegen des Arbeitsdispenses jüd. Sträflinge, und der öffentlichen Knndgebung des Rabb. Dr. Krüger, veröffentlicht nunmehr Herr Rabbiner Dr Anerbach in Halberstadt eine Erklärung, der wir folgenden den Sachverhalt klarlegenden Paffns entnehmen: „Der Gegenstand der betreffenden Petition ist das Verlangen, daß die jüdischen Sträflinge, ebenso wie an den Sabbathen und den übrigen hohen Festtagen, auch an dein siebenten Tag des Paffab- und dem achten des Laubhütteafestes von der Arbeitspflicht befreit werden. Durch die „Allgem. Verfügung vonr 19. Februar 1876" und noch deutlicher durch einen aus wiederholtes Gesuch erfolgten Bescheid Seitens des M. d. I. sind nämlich die erwähnten Festtage aus der Reihe der für jüdische Sträflinge arbeitsfreien Tage gestrichen worden, trotzdem sie als hohe Festtage in einem Erlaffe vom 6 October 1869 anerkannt und demgemäß seither in allen preußischen Strasaustalten behandelt worden waren. Welcher andere Weg, als derjeiiige der Petition an bas Abgeordnetenhaus blieb übrig, uin die Abänderung dieser Ministerial Verfügung herbeizuführen, nachdem — wohlgemerkt! —der Minister j io eimal erklärt hatte, die erwähnten zwei Festtage könnten als arbeitsfreie nicht betrachtet werden? Herr Dr. Krüger giebt au, daß es ihnt gelungen sei, durch feilt Wort an maßgebender Stelle den Arbeitsdispens an diesen Tagen, trotz Verfügung und wiederholten Bescheides, zu erwirken; aber er wird mir wohl zn zweifeln gestatten, ob seinen „wenigen Worten" jeder Zeit eine solche „maßgebende Stelle" Gehör schenkt, oder, wenn dieser Zweifel an dem Einflüsse des Herrn Dr. Kr. zu unhöflich, ob allen übrigen jüdischen Seelsorgern au den preußischen Strafanstalten solcher Erfolg immer gesichert sei. Die Petition ist von 33 College« unterzeichnet, unter welchen sich Rabbiner der größten jüdischen Gemelnden Preußens und fünf jüd. Seelsorger an k. Strafanstalten befinden." Creseld. Es ist bereits erwähnt worden, daß der „Israelit" einen Feldzug gegen den Rabbiner Dr. Horowitz eröffnet und eine klerne Mine gelegt hatte, um auch hier eine „Sprengung" zu versuchen, und daß die Sache verunglückt ist. Der Correspondent des genannten Blattes rechtfertigt nun daselbst seine früheren Hetzartikel,uitd eben diese Rechtfertigung ist zu charakteristisch für die Kampfesweise und die Veroächtigungskuust der Couleur, als daß es nicht mit einigen Worten erwähnt werben sollte. Eine neuerdings in Creseld erlassene Syuagogeu-Ordnung enthält die Bestimmung: „Das Rauchen im Synagogenhof ist selbstredend untersagt." Wenn der Leser in diesen Worten nichts Verfängliches zu entdecken vermag, so ist er eben nicht bei gewissen Leuten in die Schule gegangen. Der Mann vom Rhein versteht's besser. Er sagt: jener Paragraph m e i n l, es s o l l e dadurch verboten werden, am Sabbath mit brennenden Cigarren auf den Synagogenhof zu konlmen oder sie nach beendetem Gottesdienste daselbst anzuzünden. Wo das aber verboten werden müsse, da komme es auch vor, (meint der Mann vom Rhein) und wo das vorkomme-.Der 2efet meint, da können Vorstand und Rabbiner doch nichts thuu als es verbieten, oder solle er etwa die Leute „steinigen" lassen?! Und insbesondere kann man den Rabbiner Dr. Horowitz dafür verantwortlich machen?! Nicht also, meint der Minirer des „Israelit", wo das Vorkommen kann, da muß eine— Separatgemeinde gebildet werden. Versteht der Leser diese Interpretation nicht, bewundert er nicht die Kunst! Wir können ihm dann leider nicht beistehen, auch unser armer Geist reicht dazu nicht aus. Gnesen. Aus einer triftigen „Entgegnung", welche unser Rabbiner im hiesigen Lokalblalte gegen einen darin abge - druckten Leitartlkel: „Die Iudenhetze in Rumänien", jüngst veröffentlichte, dürften die Schlußsätze, ihres allgemeinen Wer- Ihes wegen, in Ihrem Blatte Raum ftuden: „Verstimmen niuß es jeden Menschenfreitnd, in Volksblüttern einer Behauptung zu begegnen, welcher unser Leitartckel, wenn auch nur nebenbei und etwas verhüllt, zum Ausdrucke verbilft, daß man nämlich in den Juden nicht die Religion zurücksetzt, sondern — die Juden. Dieser Gedanke tauchte augenscheinlich zuerst in solchen Kreisen auf, die aller Religion fern stehen und darum für den Judenhaß eine neue Grundlage schaffen wollten. — J'l unserer Stadt r,at der gesunde Bürgersiun^jder Unduldsamkeit alter und neuer Art, Gott sei Dank, allen Boden entzogen; wenn ich dennoch diese Zeilen an Sie zu richten mir erlaube, so geschieht es nur, weil ich eine hohe Meinung von den Aufgaben und dem volkserziehlichem Berufe grade eines Lokalblattes habe und Ihrer Zeitschrift Gelegenheit geben möchte, zu bekunden, daß sie diesen schönen Berus in seiner ganzen ernsten Bedeutung erfaßt, die darin besteht, wahre Volksaufklärnng und edle Gesinnung in den Kreisen ihrer Leser zu fördern und inmitten religiöser, nationaler und politischer Verschiedenheit eine Grundlage gemeinsamen Strebens zu schaffen auf deal großen und weiten Felde reinen Menschenthums, reiner Menschenliebe." Aus Wiesbaden wird (wie aus Graudenz siehe vor. Nr.) eirt unangenehmer Conflikt in Betreff des j d. Friedhofs gemeldet. Der Gerneindevorstand hat zwei aus der Gemeinde Ausgetretenen verboten, das Grab ihres Vaters zu besuchen, als dort der Grabstein gesetzt wurde. Daß solche widerwärtige Dinge, die den Juden und dein Judenthiiin bisher ganz fremd gewesen sind, in Folge von Separationen vorkonimen würden, das haben wir vor Jahr und Tag vorausgesagt und beklagt. Aber nun rede man nicht von Intoleranz! Der Vorstand nimmt das Interesse seiner Gemeinde wahr, das ist seine Pflicht, mit Toleranz hat die Sache gar nichts zu schaffen! Es sagt niemaitd, die Leute sollen den Friedhof nicht betreten, weil sie or t h od ox sind, sondern weil sie nicht zu den Genieindelasten beitragen wollen, obgleich sie nicht unbemittelt sind. Da könnte man es auch intolerant nennen, wenn ein Vorstand einem vermögenden jüd. Ortseinwohner nicht ohne Bezahlung von „Standgeld" einen Synagogenplatz einnehiuen lassen will. Ja, da wäre am Ende auch der Inhaber eines großen Kleidermaaazins intolerant, wenn er von seinen vielen Röcken einem zahlungsfähigen nicht einen einzigen unentgeltlich überlassen will. Die Repressalie ist traurig, aber es handelt sich um Geld, o h u e welches eine jüdische Gemeinde, die auf die Beiträge ihrer Mitglieder pure angewiesen ist, einmal nicht bestehen kann. Gemüthlichkeit und Toleranz sind sehr löbliche Dinge, aber sie hören, wie allbekannt, in gewiffen Dingen auf. Das ist mitunter zu beklagen, aber nicht zu ändern; Sätze wie np"I2Cn u. d. M. galten auch im alten Judenthum. Rumänien. Wir müssen wieder einmal einen großen Theil des heutigen Blattes mit Nachrichten aus Rumäitien füllen. Wir haben Gottlob nichts über neue Gräuelthaten und Verfolgungen zu berichten, aber es ist nöthig, früher Gemeldetes zu ergänzen und zu bestätigen. Wir selbst haben in Nr. 3 die Bemerkung vorangeschickt, daß bei den ersten Berichten einige Uebertreibung untergelaufen sein möge. Das ist denn auch wohl der Fall gewesen, es ist natürlich, ja es ist ganz unvermeidlich; wer darob den Juden in Rumänien oder den Berichterstattern auswärtiger Blätter einen Vorwurf machen möchte, der frage sich doch, ob er es nicht in seinem eigenen Wohnorte rmmer so erlebt habe, daß bei einem Unglücksfalle oder irgend einem sensationellen Ereigniß die ersten ihm zu Ohren gekommenen Berichte nach der einen oder der anderen Richtung hin übertrieben gewesen sind. — Wir haben in Nr. 3 eine Notiz von einem unsrer Corr'espondenten gebracht, nach der in Verlad von massenhaften Judenausweisungen aus Vaslui nichts bekannt gewesen sei. Unser Herr Corresp. hat dies seither als einen Jrrthum berichtigt; er befand nch z. Z. nicht in Rumänien, und was ihm sein rumänischer Gewährsmanil in angegebenem

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