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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-02-08 · N° 6. (8.2.1877) · p. Seite 46

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 6. (8.2.1877)
Date
1877-02-08
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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üblichen, so inhaltsreichen Abschiedssegen. Mit gerechtem und edlem Stolz darf das Seminar auch in diesem Jahre auf seine entlassenen Hörer blicken. Fast sümmtlich — es sind die Herren Jac. B a ß f r e a n d aus Breslau, Di-. I. Esche U bacher aus Heinstadt, Dr. D. Kauf m a n n aus Kojetei, Dr. S. Prager aus Lendzin, llr. B Ziemlich ans Ungarisch-Brod — haben sie wiederholentlich wahrend der Festzeit in Gemeinden gesprochen und sich als Kanzelreder im edelsten Sinne des Wortes bewährt, wie sie auch auf literarischem Boden schon manchen Ruhmeskranz davongetragen. An Obiges schloß sich die Mittheilung des Herrn Directors, daß ein Hörer des Seminars, Herr A. Bär w a l d, die zum zweiten Male gestellte Preisaufgabe „Der Historiker Justus von Tiberias und seine Stellung zu Josephus und den Römern" in befriedigender Weise gelöst habe. Es wird ihm die Anerkennung ausgesprochen, daß er Vertrautheit mit den priniären und secundären Quellen seines Gegenstandes, wie kritischen Blick bekundet, und in der Darstellung Klarheit mit Uebersichtlichkeit verbunden habe. Der zweite Theil der Feier brachte die Abschiedsrede, die Dr. David Kaufmann im Namen der mit ihm entlassenen Freunde hielt. Dr K. ist hinlänglich aus diesen Blättern, wie den anderweitig erschienenen größeren wissenschaftlichen Abhandlungen bekannt; man wird darum auch in der Ferne sich lebhaft denken können, wie erwartungsvoll die Augen Hwr Zuhörer auf ihn gerichtet waren. Er hatte sich ein ihm ebenbürtiges Thema: Das Leben und Dichten Juda Ha-Lewi's aus Toledo (1080—1140), zum Gegenstände seines Vortrags gewählt. Fachkundige werden wissen, mit welchen Schwierigkeiten der Darsteller dieses Dichters zu kämpfen hat. Es galt, die Eigenart eines jüdischen Dichters der spanischen Schule mit allen ihren unterscheidenden Merkmalen in klar beleuchtender und fesselnder Rede darzustellen, ein reich entwickeltes Innenleben jener Tage dem Zuhörer anschaulich zu machen, Inneres durch Aeußeres, Aeußeres durch Juneres zu erklären; es galt ferner, dem Denker in Juda Ha-Lewi bis in die Tiefen seines Geistes durch eine gründliche Darlegung seiner religiös-philosophischen Weltanschauung gerecht zu werden, und auch hier durch farbenreiche Darstellung jene Eintönigkeit zu vermeiden, in die so leicht der über rein abstracte Materie Vortragende Redner verfällt. Zum Glück befand sich die Lösung der hier nur angedeuteten Aufgabe in einer sicher trest senden Hand. In fast einstündigem, die Zuhörer unausgesetzt fesselnden! Vortrage entwarf Herr Dr. K. eine quellenmäßige, lebensvolle Beschreibung von dem äußern Leben des Dichters mit theils neuen, theils neu begründeten Daten, gab einen Einblick in den Entwickelungsgang, den das Denken des Dichters genomuun, und eine abgerundete Darstellung seiner ganzen Weltanschauung. Sollen die Grenzen eines Referats nicht überschritten werden, so kann hier nur in den allgemeinsten Umrissen ein Bild von dem gehalt- und schwungvollen Vortrage gegeben werden. Redner stellte seinen Betrachtungen die Bemerkung voran, daß Juda Ha-Lewi durch sein Dichten und Leben den umfassendsten Ausdruck für die Lehre des Judenthums gegeben habe. Er könne darum als Vertreter seines Volkes in dem Sinne gelten, wie man die Deutschen das Volk Lessing's nenne. Er stelle die harmonische Durchdringung von Dichter und Denker dar, seine Weltanschauung sei darum eine volle und wahre, weil sie nicht allein dem Verstände, sondern allen Seelenkräften entsprossen sei. Als Dichter vereinigt Juda Ha-Lewi hellenische Anmuth mit der Gefühlsinnigkeit seines Volkes, Wahrheit der Empfindung mit edlem Maß. Er ist ein Dichter, der allen Gefühlen Ausdruck verleiht, er singt von Wein und Liebe, doch mit dem bemerkenswerthen Unterschiede, daß ihn auch da nicht die Weihe des gottgeldelten Geistes verläßt. Das Allerheiligste seines Wesens erschließt 'ich in seinen religiösen Gesängen, in denen Gläubigkeit, tief empfundene Begeisterung für die jüdische Nationalität und eine fast schwärnierische Sehnsucht nach Zion den Grundzug bilden. Gott ist ihm kein bloßer Gedanke, er besitzt ihn im Gefühle und sein Leben ist der lebendige Ausdruck einer gewissen unmittelbaren Ergriffenheit von Gott. Redner entwickelt nun weiter die Weltanschauung unseres Dichters an der Hand seines philosophischen Hauptwerkes, des tief durchdachten und künstlerisch angelegten Buches „Kusari". Die dialogische Form erinnere lebhaft an Plato, und stelle er auch sonst in mehrfacher Beziehung den „jüdischen Plato" dar. Mit dem gehobenen Danke für das über die Studienzeit weit hinausreichende Wirken der Lehrer, wie für die Anregung und Förderung, die ihm und seine» Freunden den Umgang mit lieben Commilitoneu gebracht, schloß der Redner seinen Vortrag, und mit dem üblichen Gebete für den deutschen Kaiser und sein erlauchtes Haus erreichte die ganze sebr erhebende Feier ihren Abschluß. a. Berichte und Correspondenzeu. Deutschland. Breslau, 1. Februar (Or.-Corr) (Noch einmal das Breslauer Gutachten.) Die Bewegung zu Gunsten des obligatortschen jüdischen Religionsunterrichts in den öffentlichen Lehranstalten Preußens nimmt, wie aus den sich täglich mehreuden Zuschriften ersichtlich, die von uns erwartete Dimension an. Den 25 bisher veröffentlichten Zustimrnungserkläruugen von Gemeinden fügen wir vorläuftg noch folgende hmzu: 26) Gumbinnen, 27) M ari e uw er d e r, 28) Culm, 29) Mühlheim a. d. Ruhr, 30) Beuthen O/Schl, 31) Taruowitz, 32) Schwerseuz, 33) Schippenbeil, 34) Strelno, 35) Neumark i/Westpr., 36) Ostrowo, 37) Jutroschin, 38) Caustadt, 39) Rinteln, 40) Koftrzpn, 41) Löwenberg, 42) Hadamar (Pr. Naffau), 43) Neu markt i/Sch"., 44) Gr o ß - S t r e hlltz, 45) A u to n ie nh üt te, 46) Drosselt, 47)Königs- Hütte, 48) S ch ö n e b e ck, 49) S t e n d a l, 50) Brandenburg, 51) L i s s a, 52) R o s e u b e r g O/Schl, 53) P p r i tz, 54) Sch neide müht, 55) Garz a/Oder. 56) De mm in, 57) Rügenwalde, 58) Wetzlar, 59) Lehe-Geestemüitde, 60) Preuß.-O ld en dor f, 61) Meisenheim, 62) Magdeburg. — Dazu noch 15 in d. Allg. Zeitg d. Jud. veröffentlichte: 77. Eine ganz respectable Zahl in Anbetracht der kurzen, seit der Aufforderung verstrichenen Frist und des Umstandes, daß nicht überall gleich die betreffenden zur Extrahirung eines Beschlusses nöthigeu Organe versanuuelr werden können. Wir sind daher wohl zu der Hoffnung berechtigt, unser Gesuch im Namen einer intposanten Zahl vo n Gemeillden dem Ministerium vorlegeu zu können. Indessen, es ist, wie vieleit der am meisten berechtigten Bestrebungen, auch unsrer Angelegenheit nicht erspart geblieben, theils auf Mißverständnisse, theils auf allzu scrupulöse Bedenken zu stoßen. Die Gelegenheit, diese zu erörtern und ihre Widerlegung zu versuchen, ergreifen wir um so lieber, als wir dadurch der Sache einen ferner» Dienst zu leisten glauben. Da knüpft zuerst der Redacteur des „Israelit" in Nr. 3 seiner Zeitung an den Aufruf die Bemerkung: „daß der

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