Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 6. (8.2.1877)
- Date
- 1877-02-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5369809-9583384-9583434--3020-9583435- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M 6. 1877. Hsks-^rt^chr 8. Jahrgang Wochenschrift für die religiösen und sorinlm Mereffen des Iudeuthnms Erscheint jeden Dl, nnerstaq ».kostet sammt dem allwöchentlich erscheinenden I „Jüd. Literaturblatt" von Rabd. 0r. M. i Rahmer bei allen Postämtern u. Buchhandlungen vierteljährlich 3 Mark 50 Pf. Mit direkter Zusendung : in Deutschland 12 Mk. (7 fl.): nach dem Auslande: 15 Mk. (18 FrcS.) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" a 25 Pf. des „Literaturblatts" a 15 Pf. Beraiuwonlicher Redakteur und Hcrausgeder Rabbiner Dr. A. Treuenfels in Stettin. -^- Magdeburg, 8. Februar. Inserate für die „W o ch e n f ch r i f t" oder das „Literaturblatt" werden mit 20 P f. für die dreigespaltene Petitzeile, oder deren Raum, berechnet. Bei Wiederholungen Rabatt. Alle Annoncen - Expeditionen besorgen Aufträge. — Die Inserate sind bis Sonntag einzusenden direct an: Die Expedition der „Jsr. Wochenschrift" in Magdeburg. Inhalt: Leitende Artikel: Das jüd.-theologische Seminar zu Breslau. Berichte und Coreespondenze«: Deutschland: Breslau. Magdeburg. Crefeld. Gnesen. Wiesbaden. Rumänien. Vermischte und neueste Nachrichten r Berlin. Berlin. Breslau. Breslau. Hamburg. Aus Württemberg. Aus Ungarn. London, Feuilleton r Der letzte Jude. Inserate. Wochen- Februar 1877. Schewat. | 5637. Kalender. Donnerstag. . 8 25 Freitag .... 9 26 B^EBtyB (Ende: 5 U. 43 M.) Sonnabend . . 10 27 s Schetalim. Neumondsverk. Sonntag . . . 11 Montag.... 12 29 ,v , Dienstag ... vie ,(o Rosch cmxlesch 1 1. Tag. Mittwoch . . . 14 l Adar 1 2. Tag. Das jüd.-theologische Seminar zu Breslau am 28. Januar 1877. Die vom Director des Seminars, Herrn Dr. Lazarus, verfaßte und: „Zur C harakteristik der talmudischen Ethik" betitelte Programmarbeit, die dcm diesjährigen Jahresbericht des jüd.-theologischen Seminars zu Breslau vorangeht, beginnt mit den Worten: „Das theologische Seminar hat seine wissenschaftliche Beziehung nicht nur zur gelehrten Welt, sondern auch zur Gemeinde und zu den Gemeinden Israels." Treu dieser Bestinimung, öffnet sich von Zeit zu Zeit der Lehrsaal des hiesigen Seminars nicht nur für die Jüngerschaar, sondern auch und hauptsächlich zur Belehrung und Anregung in weitern Kreisen des jüdischen Publikums. Demgemäß hatten sich auch, wie in früheren Jahren, nächst den Curatoren und dem Lehrercollegium zahlreiche Freunde der Anstalt, unter denen auch die gebildete Frauenwelt nicht fehlte, zu der Feier des in diesem Jahre auf den 28. Januar fallenden Stiftungsfestes eingefunden. Nach einem einleitenden Chorgesang, dem der Text von Psalm 16 zu Grunde lag, ergriff der Director das Wort zu einer Festrede und wies zuvörderst auf die bleibende Bedeutung einer Feier wie dieser hin, die dem Gedenken des Stifters der Anstalt geweiht sei, indem er hervorhob, daß durch Wiederauffrischung des Bildes edler Wohlthäter, die entschwundenen Geistern angehörten, die höhere Bestimmung des Menschen, die im Gewühle der Welt nur zu oft vergessen werde, in unserm Bewußtsein wieder auflebe. Redner wandte sich sodann zu den in diesem Jahre als Rabbiner zu entlaffenden Hörern des Seminars, und damit war der Mittelpunkt der Feier erreicht. In gedrängter kerniger Ansprache stellte er ihnen vor, wie auch sie berufen seien, Vorbilder der menschlichen Gesellschaft zu werden. Auf das Schwesterverhältniß von Religion, Kunst und Wissenschaft hinweisend, machte er besonders auf die bedeutsame Stellung der ersteren in diesem Schwesterbunde aufmerksam. Die Kunst hat den Beruf, uns den Begriff des Schönen und Erhabenen zu vermitteln, indem sie die Erscheinungsformen der wirklichen Welt, die bei aller Veroollkonlmnung den Charakter der Endlichkeit und Beschränktheit doch nicht verläugne, nach Eingebungen des dichtenden Geistes idealisire. Und ist es Aufgabe der Wissenschaft, die Geheimnisse der Natur zu ergründen, das Bild entschwundener Zeiten vor unserm innern Auge wieder aufzurollen und damit einen stetigen Culturfortschrit herbeizuführen, so sind doch auch beide dem gefährlichsten Mißbrauche ausgesetzt. Die Kunst, ein Verdienst in der Darstellung des Schönen wenn auch Unsittlichen suchend, vermag wohl noch die Sitten der Menschen zu glätten, aber auch ihren Tugendsinn auf schlüpfrige Bahnen zu führen, und leicht wird die Wiffenschaft ein zweischneidiges Schwert, wenn sie in den Dienst niedriger Gesinnung tritt. Erst Religion könne Knnst und Wissenschaft adeln, indem sie es sei, welche die Erzeugniffe der einen und die Ergebnisse der andern zum Besten der Menschheit verwenden lassen. Die Rede auf die zu Entlassenden zurücklenkend, begrüßte der verehrte Redner seine jüngeren Freunde als Verkünder der Religion und Träger der Wiffenschaft. Demgemäß ermahnt er sie, sich von jeder Verketzerung der freien wissenschaftlichen Forschung fern zu halten und treu zu bleiben dem Geiste der Anstalt, die sie genährt, bie fort unb fort auf innige Befreundung zwischenReligion und Wissenschaft dringe. Es folgte hierauf die von ihm wieder eingeführte feierliche Ordination [S’micha]. Sichtlich ergriffen, ertheilte er in einer die Zuhörerschaft gleich ernst ergreifenden Weise den zu Entlastenden unter Ue berreichung des Rabbinatsdiploms den