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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-02-01 · N° 5. (1.2.1877) · p. Seite 41

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 5. (1.2.1877)
Date
1877-02-01
Page
Seite 41 (sequence 5)
Language
German
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41 Rohmann in Cassel, dessen Amtssubstitut er vier Jahre lang gewesen war. Darauf kehrte er nach der Nachbargemeinde seines Geburtsorts, nach Altona zurück, und gründete daselbst unter den Auspicien des Oberrabbiners I Ettlinger eine jüd. höhere Bürgerschule, die er mit sehr günstigem Erfolge bis zum Jahre 1858 leitete, in welchem er zum Provinzialrabbiner nach Fulda berufen wurde. Neben der Lehrtätigkeit an der Schule in Altona hielt er auch in Hamburg allsabbathlich homiletische Vorträge, die sich alsbald eines großen Zuhörerkreises zu erfreuen hatten. Er gab das erste jüdische Wochenblatt, den „Zions wach ter", heraus und unterstützte den Oberradbiner Ettlinger in der Redaktion des hebräischen, halachisch literarische: Blattes |T'2C"- Seine volle Wirksamkeit entfaltete er erst mit dem Antritte des Provinzialrabbinats in Fulda 1855. Er genoß daselbst die ungetheilteste Hochachtung nicht nur der seiner geistlichen Obhut anvertrauten Gemeinden, sondern aller Derer, die mit ihm bekannt zu werden Gelegenheit hatten. Der „hessische Beobachter" sagt am Schlüsse eines längeren, sehr warmen Nachrufs: „Er huldigte der orthodoxen Richtung, ohne jedoch Zelot gegen Andersdenkende zu sein, wie er sich denn überhaupt durch seine Herzensgüte auszeichnete." Oesterreich. Wien. (In m e m o r i a m des DoniPredigers Veirh.) Als vor einiger Zeit der Canonicus und ehemalige Domprediger zu St. Stefan, Veith, starb, wurde ihm zum Verdienste hervorc^hoben, daß er zur Zeit, als in Dainaskus ein katholischer Geistlicher ermordet wurde, und das alte Märchen, die Juden brauchen zur Osterzeit Christenblut, wieder auflauchte, in einer Predigt in der genannten Kirche, dieses Märchen als solches bezeichnet und die Gemüther seiner Zuhörer beruhigt. Nach dem bekannten Ausspruche, man soll den Todleu nur Wahres nachsagen, halte ich mich verpflichtet, diese Mittheilnug als eine irrige zu bezeichnen. Wie mir nämlich der Prälat, Herr Sebastian Brunner, der seit Jahren ein intimer Freund Veiths mar, mittheilte, habe rhm Veith selber gesagt, daß er in dieser Angelegenheit in einer Predigt nie gesprochen habe. Dichten wir ihm daher kein Verdienst an, das er nicht hatte. Wie ich übrigens in meineul „Ferdinand II. und die Juden" berichtete, haben die Juden, gegen welche man damals wie auch später jenen Vorwurf erhob, darauf hiugewiestn, mau möge getaufte Juden fragen, die sich gewöhnlich feindselig gegen ihre ehemaligen Glaubensgenossen benehmen, diese würden bestätigen, daß derartige Beschuldigungen grundlos seien. Was Veith als Verdienst angerechnet werden kann, ist, daß er sich nach der Taufe nicht von seinen ehemaligen Glaubensgenossen abwendete, sondern bestrebt war, den Verkehr zwischerl ihnen und seinen neuen Glaubensgenossen zu vermitteln. > In meiner „Geschichte der Juden in Wien" citirle ich einen Bericht der Wiener Polizei vom 15. Juni 1852 (p. 129), in welchem es heißt: „Denn Veith selbst, ohnehin ein getaufter Jude, sucht unter seinen Ordensbrüdern Einverstäudniß und Duldung immer mehr zu befestigen." Er war es auch, der die jungen Cleriker aufmerksam machte, die Predigten des sel. Mannheimer anzuhören. Thalsächlich konnte man oft an Sabbalhen, wenn Mannheimer predigte, zahlreiche junge Geistliche im Tempel sehen, welchen in der Regel die erste Reihe im „Schiffe" angewiesen wurde. Der Bruder des genannten Domherrn, Josef Veith, war Secretair der Juden in Wien. Er veröffentlichte in den hier erschienenen Bickure haittim mehrere Artikel zur Geschichte der hiesigen Juden. Schließlich sei mir noch gestaltet zu bemerken. Der obengenannte Herr Sebastian Brunner ist der ehemalige Redocteur der „Wiener Kirchenzeitung". Wir lebten zu jener Zeit, obschon wir uns persönlich kannten, oft in arger Fehde. Nachdem meine „Studien zur Jubelfeier der Wiener Universität" erschienen waren, in welchen ich den katholischen Charakter der Wiener Universität bestritt, wurde ich in der Kirchenzeitung in effigie gehenkt. Seitdem er die Redaction des genannten Journales niedergelegt, — dasselbe ist auch bald hernach entschlafen, — hat sich der Verkehr zwischen uns freundlicher gestaltet und waren wir gegenseitig in der Lage, uns Gefälligkeiten zu erweisen. Es ändern sich eben die Zeiten und die Menschen. Wien, 19. Januar 1877. G. Wolf. Lemberg, Januar. Gestatten Sie mir zur Ergänzung Ihrer Notiz über die Ovationen, welche Hru. Prof. Grätz bei seiner Anwesenheit hier dargebracht wurden, noch hinzuzufügen, daß nicht blos die deutsche Gemeinde in Lemberg, sondern auch mehrere bedeutende Gemeinden Galiziens dein Historiker durch Begrüßungstelegramme, Adressen und Deputationen ihre Sympathien kundgegeben haben So hat Hr. Oberrabbiner Dr. Igel und der Vorstand der Gemeinde Czernowitz folgendes Telegramm an Rabbiner Löwen stein gerichtet: „Verhindert, eine Begrüßungsdeputation zu entsenden, ersuchen wir Euer Ehrwürden bei Herrn Professor Dr. Grätz, dem hochgefeierten Gaste Lembergs, der Dolmetsch der Gefühle der Hochachtung und Verehrung für denselben der hiesigen israelitischeu Cultusgemeindevertretung zu sein." Ein ähnliches Begrüßungstelegramm ging von der durch Perls und Krochmal's Thätigkeit hochgebildeten und aus der Höhe der Zeit stehenden Gemeinde Tarnopo l eiu. Adreffen richteten an Professor Graetz der Vorstand der Gemeinden Drohobycz, Przemysl,Rczeszow und Stanislaus. Die Gemeinde Brody sandte eigens eine Deputation an Professor Graetz, ihn zu bitten, auch in ihrer Gemeinde einen Vortrag zu halten. Er lehnte indessen die Einladung ab, weil nach Ablauf der Ferienzeit seine Berufsgeschäfte ihn nach Hause riefen. Auch sonst sind ihm, wie selten einem Schriftsteller. Huldigungen entgegengebracht worden. Bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Bankett hat der in weiten Kreisen bekannte Dichter Dr. Moritz Rappoport einen höchst schmeichelhaften Toast auf ihn ausgebracht, von dem ein Auszug im „Lemberger Israelit" veröffentlicht ist. Auch andere angesehene Männer, Advokaten, Äerzle, Rabbiner Löwenstein, haben in ernsten und scherzhaften Toasten seine Verdienste um die jüdische Geschichte gefeiert. Zwei ausgezeichnete hebräische Dichter, Herr Jacob Sperling und Nota Sa m ue l i haben uöchst gelungene Verse in hebräischer Sprache ihm zu Ehren gedichtet. Ein reizendes tief angelegtes Gedicht hat ein junges Mädchen auf ihn verfaßt, das, wenn die Dame es gestatten sollte, ich Ihnen zuienden werde. Hamburg will, wie wir hören, unserem Beispiele folgen und den Geschichtsforscher des jüd. Stamms ebenfalls zu sich eiuladen Am Ende lernt man noch in Deutschland von uns polnischen Juden, wie man Männer unserer Wissenschaft ehren soll. Bisher haben wir Juden unsere Talente nur atheuiensisch behandelt. Aus Böhmen im Januar. (Or.-Corr.) Die Frage, betreffend die Subventionirung der Rabbiner Böhmens von Seiten des Staates ist ihrer Lösung um einen Schritt näher gerückt. Es ist zwar ausgefallen, daß in das Budget von 1877 keine Staatssubvention für die Rabbiner eingestellt mar, nichts desto weniger hat es den Anschein, als ob die Regieruug die bekannte Petition zu berücksichtigen den Willen hätte und sich zu diesem Behufe mit der Lösung einiger Vorfragen beschäftigte. Vor Allem muß sich die Regierung fragen, wer von den Rabbinen Anspruch auf Staatssubvention erheben darf. Wollte sie nämlich einen jeden subventioniun, der sich hier zu Lande den Titel eines^ Rabbiners anmaßt oder von seiner Duodezgemeiude beilegen'läßt, so müßte sie neben den wirklichen Rabbinen und ehreuwerthen Religionsweisern, die im Studium des Talmud ergraut sind, auch eine Legion von Schächtern rc. mit einer Subvention bedenken und etwas tief in den Staatssäckel greifen. Diesen Zweifel, wer Rabbiner ist, wer nicht, muß deshalb die Regierung zunächst beseitigen. Und dieses wird in nächster Zeit geschehen. Nach einem Erlasse neuesten Datums, werden nur diejenigen Rabbinen

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